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WohnzimmerNacht

Schwer atmend kauere ich in dem Haus, in das ich mich geschlichen habe. Mein Blut rauscht mir in den Ohren. Lausche auf jedes Geräusch. Schemenhaft zeichnen sich Umrisse vor der Schwärze ab. In einigen meine ich Skulpturen erkennen zu können. Einen Kamin. Große Ohrensessel. Anscheinend sind die Bewohner ziemlich wohlhabend. Draußen bleibt alles ruhig. Sie scheinen meine Spur verloren zu haben.

Sinke mit zitternden Beinen gegen die Wand. Diese Hetzjagd war anstrengender, als ich mir zugestehen möchte. Schließe die Augen. Gestatte mir einen winzigen Augenblick Ruhe. Dann zwinge ich meine Gedanken zur Konzentration. Die unmittelbare Umgebung rückt wieder in den Vordergrund meines Bewusstseins. Stocke. “Es ist unhöflich, unangemeldet in jemandes Heim einzudringen.” Meine Nackenhaare stellen sich auf. Eiskalte Schauer jagen mir über den Rücken. Mein sich eben noch beruhigender Puls hämmert durch meine Adern. Fahre herum. “Scheiße!” Der Ausdruck kommt mir über die Lippen, bevor ich es verhindern kann. Licht flammt auf. “So könnte man es ausdrücken.”

Geblendet kneife ich die Augen zusammen. Er steht im Türrahmen. Die Hände in den Hosentaschen. Ein riesiger Kloß versperrt meine Kehle. Adrenalin flutet mein Gehirn. Wie erstarrt stehe ich da. Versuche einen klaren Gedanken zu fassen. “D-Das ist...ihr…?” Meine Stimme bricht. Er neigt leicht den Kopf. “Wusstest du das nicht, als du eingebrochen bist?” Mein Mund klappt auf und zu, ohne einen Ton von sich zu geben. Weiche langsam in die Mitte des Raumes zurück. Er folgt mir. Seine Bewegungen erinnern mich an eine Raubkatze. Meine Kehle ist staubtrocken. Mein Magen ein einziger harter Knoten. Kalter Schweiß bedeckt meinen Körper. Seine Nasenflügel beben. Man sagt, er könne Angst riechen. Ich habe immer versucht, es als Schauergeschichte abzutun. Offenbar lag ich falsch.

Krampfhaft versuche ich zu schlucken. Verfluche mich selbst für meine Unachtsamkeit. Vom Regen in die Traufe ist noch untertrieben. Lieber würde ich mich allen Halsabschneidern da draußen stellen als weiter hier zu sein. Mit ihm. Mein Blick schnellt zu dem Fenster, durch das ich hereingekommen bin. Vielleicht. Er schnalzt tadelnd mit der Zunge. Als hätte er ein Kind auf dem Weg zur Keksdose erwischt. Er genießt das hier viel zu sehr. Zu meiner Angst mischt sich Wut. Überheblicher Mistkerl. Wobei er jeden Grund dazu hat. Es gibt niemanden in der Stadt, der so gefürchtet ist. Er könnte auf offener Straße jemanden umbringen, und niemand würde ihn aufhalten. Geschweige denn anklagen. Und ich stehe gerade mitten in seinem Wohnzimmer.

Ein paar Schritte vor mir bleibt er stehen. Fixiert mich mit seinen smaragdgrünen Augen. Ich fühle mich wie ein Reh im Scheinwerferlicht. Unwillkürlich beginne ich zu frösteln. Er hebt eine Hand. Verzieht die Lippen zu einem spöttischen Lächeln, als ich zusammenzucke. Mit einem Ruck nimmt er mir die Maske ab, die die untere Hälfte meines Gesichtes bedeckt. “Welcher Dieb bricht in ein Haus, ein ohne zu wissen, wem es gehört?” Ein Geräusch von draußen erspart mir die Antwort.

“Scheiße! Cattle bringt uns um!” Mein Atem stockt. Er geht zum Fenster und späht hinaus. “Der Mistkerl versteckt sich irgendwo. Da! Das Fenster ist offen!” Verdammt. “Bist du verrückt? Weißt du nicht, wessen Haus das ist? Niemand ist so dämlich.” Anscheinend doch. Heiße Tränen verschleiern meinen Blick. Die Erschöpfung macht es immer schwerer, meine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Ich will hier raus. Sie gehen weiter. Verschwinden in den Gassen. Lassen mich allein.

Er dreht sich zu mir um. In seinem Blick liegt etwas, das mir mehr Angst macht als der Spott von vorhin. Neugier. Wie bei einer Katze, die entdeckt, dass die Maus, mit der sie spielt, noch viel interessanter ist als das Spiel an sich. Mit geschmeidigen Bewegungen kommt er auf mich zu. “Talentierte kleine Diebin.” Schlucke. “Was hast du Cattleby gestohlen?” Er steht dicht vor mir. Warm streicht sein Atem über mein Gesicht. Mein ganzer Körper schreit nach Flucht. Bewege mich keinen Millimeter. “Muss ich selbst danach suchen?” Ich fange an zu zittern. Der Gedanke, seine Hände auf mir zu spüren, dreht mir den Magen um.

Atme tief ein. Mit zitternden Fingern hole ich die Papiere aus der Geheimtasche an meinem Bauch. Bevor er die anderen findet. Während er liest, ist die Stille fast greifbar. Sein Gesicht zeigt keinerlei Regung. Beobachte jede seiner Bewegungen. Hunderte Fluchtmöglichkeiten schießen durch meinen Kopf. Eine aussichtsloser als die andere. Bleibe reglos stehen. Er geht langsam durch den Raum. Dreht mir den Rücken zu. Jetzt oder nie. Spanne die Muskeln an. Nehme meine letzten Reserven zusammen. Blitzschnell hechte ich zum Fenster. Springe. Draußen lande ich unsanft auf dem Pflaster. So schnell ich kann, rapple ich mich auf und renne.


Renne immer weiter, ohne einmal zurückzublicken. Klettere in einer fließenden Bewegung eine Wand hinauf. Bewege mich über die Dächer. Ignoriere die brennende Lunge. Die krampfenden Muskeln. Schlage Haken. Mache einen Umweg über die halbe Stadt. Erst, als ich mir vollkommen sicher bin, allein zu sein, mache ich mich auf den Weg zu meinem Unterschlupf. Vollkommen erschöpft sinke ich auf mein Lager. Spüre mein Herz in meiner Brust hämmern. Mit tauben Fingern ziehe ich die Seite aus meinem Stiefel. Streiche sie glatt. Sehe sie einfach nur an. Mein Hirn ist komplett leer. Meine Lider schwer wie Blei. Schon halb schlafend verstecke ich die Seite wieder. Endlich gebe ich mich der Erschöpfung hin. Lasse mich in die wohlige Schwärze sinken.

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by RookieNightmare

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