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Autor: JTR2000

Bevor ich das jemanden teilen möchte, wollte ich nur diejenigen, die das hier gerade lesen, davon wissen lassen, dass ich meine Frau liebe. Ich liebe sie so sehr.

Es wurde bald Zeit, mein Job war nicht mehr so hart wie früher gewesen, wir hatten ein neues Stadthaus gekauft und ich hatte viel mehr mit ihr unternehmen können. Urlaube, Trips, Partys, Familienbesuche, das Ganze erlebte ich so gut wie gar heute nicht mehr.

Es kam der Moment, als sie mich an einen sonnigen Mai-Tag fragte, ob ich nun bereit war.

Ich wusste worauf es hinausführte, schließlich war es der Tag, den wir uns sehr ins Gedächtnis geprägt hatten. Ein stilles "Ja" rutschte aus meinen Mund heraus. Und sofort nahm sie mich an den Händen und führte mich ins Hotelzimmer, nachdem wir beim Tresen bezahlt hatten.

Wir gingen, nein, wir glitten ins Zimmerbett, während wir uns fasernackt ausgezogen hatten und in die Träume blickten.

Doch beim Höhepunkt zog ich dieses Mal nicht raus. Dafür war es nun Zeit gewesen.

Und während wir uns ausgeruht hatten, zog eine dichte Warmfront heran.

Ich kreuzte am Kalender den heutigen Tag an: Donnerstag. Und als ob es nicht tatsächlich an diesem Tag gedonnert hatte. Trotzdem war es beeindruckend. Meine Frau stand vor dem Terassenfenster und blickte zum dunklem Tageshimmel.

Blitz!

Sie zuckte. Ich ging zu ihr und umarmte sie. Dabei bewegte sich meine rechte Hand zu ihrem Bauch. Zu ihren etwas aufgeblähten Bauch und sie lächelte. Es waren seitdem zwei Monate vergangen.

"Du weißt morgen, dass wir zum Frauenarzt müssen, oder?" fragte sie.

"Ja, klar. Wir sollten unbedingt sichergehen, dass das Kind okay ist." antwortete ich.

Das Kind schien zumindest okay zu sein.

Es begann um drei Uhr morgens. Ich merkte einen zuckenden Tritt auf meinen Oberschenkel. Meine Frau stöhnte und ich sah auf ihren Gesichtsausdruck, dass sie Schmerzen hatte. Periodeähnliche Schmerzen. Ich sprang aus dem Bett und holte ihr eine Wärmflasche und Magnesiumtabletten, um ihre Schmerzen zu stillen. Sie bedankte sich keuchend bei mir und legte ihren Kopf auf meine Brust.

Am Mittag nächsten Tages fuhren wir zum Frauenarzt und berichteten von dem unberuhigten Ereignis. Die Worte des Frauenarztes brachten mir noch mehr Unsicherheiten, scheinbar auch meine Frau. Er überreichte mir noch weitere Tabletten, - im Falle einer starken Regelblutung - und den nächsten Termin.

So ging es jedenfalls dutzende Tage, an denen ich nicht mehr wirklich ausschlafen konnte. Selbst bei der Arbeit musste ich in die ganze Mittagspause pauken. Jede Nacht vor dem Schlafen eine Wärmflasche und Tabletten. Nur zum Wohl unseres Kindes und der Familie.

Langsam, aber sicher, wurde ich immer unsicherer. Mich plagten immer wieder böse Vorstellungen, dass dem Kind etwas zustoßen würde.

Mit meinen Dokumenten stand ich vor dem Drucker und wartete darauf, dass das Protokoll gedruckt wurde. Plötzlich bekam ich einen ungewöhnlichen Anruf an einem gewöhnlichen Tag. Der unbekannte Anrufer stellte sich als der Frauenarzt heraus, der mir... etwas mitteilte:

"Ich und ihre Frau waren einverstanden, ihnen dass zu sagen, drum bitte ich sie dennoch ruhig zu bleiben.

Ihr zukünftiges Kind... unterlag... einer Fehlgeburt... es tut mir aufrichtig leid.", dahinter ein lautes Schluchzen von meiner Frau. Und ich stand mit offenen Mund vor dem Drucker. Was hatte er gerade gesagt?

Das Kind schien doch okay zu sein.

Ich wollte schreien, stattdessen rannte ich zu einem See, in der Nähe der Stadt, und kriegte mich dort nach einer halben Stunde wieder ein.

Jedoch vergaß ich den Drucker abzuschalten.

Feierabend. Ich parkte mein Auto vor unser Haus und saß gebrochen auf dem Sitz. Eine Träne floss auf meine Wange, die ich sofort wegwischte. Ich ging zur Haustür und öffnete sie zögernd. Auf dem Liegestuhl saß meine Frau, zur Terasse blickend. Ich bewegte mich zu ihr. Sie schien noch nicht zu wissen, dass ich neben ihr stand. Und als sie das merkte, packte und umschloss sie mich.

"Warum?", fragte ich sie.

"Ich weiß es nicht." antwortete sie.

Es dauerte lange, bis ich etwas gesagt hatte. Uns traf die Trauer so hart.

"Hey, ich denke trotzdem, dass alles wieder gut wird. Es hindert mich nämlich nicht und ich glaube auch nicht, dich. Schließlich passiert so etwas einmal und wir haben noch genügend Zeit dafür. Wenn es wieder sobald ist, dann sind wir vorsichtiger, klar?"

"Es hindert dich nicht, dass gerade unser Kind gestorben ist? Das nicht mal auf die Welt gekommen war? Und von wegen 'so etwas passiert einmal'. Wie kannst du nur so herzlos sein?"

"Ich bin nicht herzlos, mich hat es genauso hart getroffen. Es könnten unendlich viele Ursachen gewesen sein, weshalb es heute passiert ist."

"Du hast Recht. Die Ursache war ich. Ich war nicht aufmerksam genug, ich hatte es nicht ernst genommen. Wahrscheinlich habe ich zu wenig Tabletten zu mir genommen..."

"Falsch. Das warst nicht du. Wie konntest du denn wissen, wann es gefährlich. Bitte schiebe nicht die Schuld auf dich, du hast alles richtig gemacht, wie der Arzt es verordnet hatte."

"Wusstest du es?"

"Nein, man kann es nämlich nicht wissen. Hör' mal wir können nicht mehr darüber diskutieren, ansonsten enden wir im Nichts. Wir sollten besser das Wochenende genießen und uns ausruhen. ich liebe dich."

"Ich dich auch. Ich bräuchte auch eine Auszeit."

Die Hoffnung stirbt zuletzt, hieß es doch einmal.

Und dieses Sprichwort begleitete mich noch weiter in die Zeit. Wir probierten es weiterhin. Wir hatten uns jede Chance gegriffen. Und für das eine Kind gekämpft, sogar schränkte ich dafür die Arbeit ein. Leider auch meine Familie und Freunde, von denen ich es mittlerweile schon erzählt hatte. Als es zum 10. Mal nicht klappte, verließ mich die Hoffnung und deprimierte mich mit der Tatsache,

kein Kind trotz Adoption zu haben.

Meine Frau litt noch mehr an dieser Kindersache. Doch ich schwor sie an jeglichen Selbstmordversuch zu hindern, koste es, was es wolle. Ich schenkte ihr sogar ein Kunststudio, wo sie ihre Gedanken ausmalen konnte. Ihre Idee war es auch mit dem Verkaufen der Bilder, die uns zum Glück aus der Schuldenlinie rauswarfen. Es schien wie in den alten Zeiten, wo wir wieder abenteuerlustig wurden.

Am Kalender war ein Termin beim Neurologen eingetragen, denn sie hatte fiese Ohrenschmerzen bekommen, die man nicht bändigen konnte. Ich gab ihr eine dicken Kuss und gute Besserung. Zuletzt hatte sie noch sehr großen Wert darauf gelegt, mich an diesem Abend zu überraschen. Und zwar im Kunststudio.

Es war nämlich im Kunststudio.

Und so ging sie davon und nahm den Bus. In diesen vier Stunden wusste ich nicht, womit ich mich vergnügen konnte. Ich probierte fernzusehen, doch es lief nur Schrott aus Doku-Soaps. Ich versuchte einen Erdbeersmoothie zu machen, doch ich hatte keine Erdbeeren. Stattdessen machte ich mir einen Bananensmoothie, der nicht schön schmeckte. Danach gingen mir die Ideen aus.

Noch eine Stunde, dann würde sie wiederkommen. Ich saß zusammengesackt auf dem Sessel und grübelte. Über die letzten schweren Jahren.

Plötzlich bekam ich ein komisches Gefühl. Ich wollte ins Kunststudio, ich wusste aber nicht warum, doch es zog mich, wie gesagt, dorthin. Und es konnte nicht nur an der Überraschung liegen. Ich war dort schon ein paar Male da unten im Kunststudio. Es sah wirklich modern und einfach aus. Die Bilder hingen mit verschiedenen Größen an der breiten Pinnwand. Einmal war es eine wunderschöne Berglandschaft, dann wieder ein Weltuntergangsszenario und ein Piktogramm von mir und meiner Frau.

Dort angekommen, suchte ich nach der Überraschung. In den Malkästen, in den Schränken und an allen Ecken, aber nichts. Selbst bei den großen Stapel an noch nicht gefertigten Bildern.

Zuletzt hing ich jedes Bild von der Pinnwand ab und schaute nach einem Tresor, wie in den Action-Filmen. Ja, ich war ein sehr neugieriger Mensch und verhielt mich auch wie ein kindischer Abenteurer. Wie erwartet, aber dennoch ungewöhnlicherweise, fand ich es hinter dem größten Gemälde. Und die Größe hatte einen guten Grund. Es war ein relativ holziger Tresor, obwohl ich während des Baus des Kunststudios, keinen zuvor gesehen habe. Er sah allerdings auch neu aus.

Da befand sich auch ein Schloss, wo ich keinen Schlüssel brauchte, sondern Zahlen. Und ich, als überaus neugieriger Mensch, fand es heraus. Es war ihr Geburtstag.

Als ich die Tresorentür langsam öffnete, hatte ich die Überraschung erwartet. Doch etwas anderes Interessantes. Es waren noch weitere Bilder, nein, Ölgemälde drinnen, die wirklich so groß, wie mein halber Körper waren. Ich nahm mir eins und betrachtete es...

Gott, ich liebe meine Frau, aber dieses Gemälde... es war... gruselig. Das war das einzige Wort, was man beschreiben konnte.

Auf dem Gemälde war eine Familie zu sehen. Einen Vater, eine Mutter und... das Baby. Dann realisierte ich, dass es uns darstellen sollte, zusammengerückt, lächelnd den Blick auf den Betrachter gerichtet. Doch die Ähnlichkeit war nicht das, was es gruselig machte, sondern das Baby selbst. Es war dunkelrot und aggressiv hinter der ruhigen Familie gemalt. Sehr bemerkenswert für ein winziges Baby, so winzig. Als hätte sie ihre ganze Wut auf das gelassen.

Ich holte die anderen Gemälde heraus. Alle hatten auch eine Ähnlichkeit mit uns, aber das Baby... gleich.

Mit der Farbe stimmte auch etwas nicht, die Farbe des Babys schien immer noch feucht zu sein.

Ich wurde sehr unruhig. Da das Ölgemälde waren, rannte ich nochmal zum Schrank mit der Bezeichnung "Ölgemalde Sachen", wo die ganzen Pinseln und Farben gelagert waren. Als ich sie öffnete und die Kiste mit Utensilien herausnahm, befand sich geschlossene Kartonkiste.

Die legte ich auf dem Schreibtisch.

Und was ich sah,

konnte ich sehr schwer nachvollziehen,

wahrscheinlich werde ich das nie wieder.

Und ich wusste nicht, was ich tuen sollte,

ich fühlte mich, als ob ich meine Frau nicht wieder erkennen würde.

Ich fühle mich, als hätte ich einen Fremden geheiratet.

Und ich habe Angst. Ich bin verdammt nochmal in Panik verfallen.

Mann,... ich liebe meine Frau dennoch, aber diese kleinen Körperchen.

Diese zerquetschten Föten,...

geschmiert mit diesem purperfarbenen Blut, benutzt wie ein...

wie ein verfluchtes Werkzeug!

Da waren so viele Babys...

Alle verotten in diesem Schrank.

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