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Vor wenigen Monaten sah ich es zum ersten Mal. Dieses schreckliche, ekelerregende Gesicht. Mit dieser abnormalen Gestalt: Ein riesiger Kopf steht im krassen Gegensatz zu dem kahlen, gedrungenen Körper, künstlich erscheinende, grellblaue Augen blicken aus dunklen Höhlen heraus.

Es hält sich immer nur in diesem einen Zimmer auf, verharrt dort die ganze Zeit; ich habe es nie irgendwo anders gesehen und könnte mir auch einbilden, es wäre nicht da, wenn es nicht genau das Zimmer neben meinem gewesen wäre, wenn es nicht direkt davor läge.

Jeden Tag nach der Schule muss ich daran vorbei gehen, öfters sogar und es starrt mich geradezu aus der immerzu geöffneten Tür heraus an, folgt mir mit seinem Blick fast ohne zu blinzeln. Er durchdringt mich, dieser emotionslose Blick; diese unnormal glänzenden Augen in diesem fürchterlichen Gesicht, die mich förmlich verschlingen.

Doch schlimmer wird es, wenn meine Eltern ausgehen und ich alleine mit ihm bin. Ich verkrieche mich dann unter meiner Decke, kralle die Hände verzweifelt um meine Ohren und wünsche mir, taub zu sein. Doch ich kann sie trotzdem hören, diese grausamen, gurgelnden Geräusche, diese fürchterlichen Schreie. Es ruft nach mir, will mich zu sich ziehen, zerren....umbringen?

Aber ich bleibe stark. Ich weiß nicht, wieso es nicht aus diesem Zimmer herauskommt, doch ich bin dennoch unglaublich froh, dass es so ist: Wer weiß, was passieren würde, könnte es mich erreichen?

Diese schrecklichen Schreie fordern mir aber das Äußerste meiner Ausdauer und Geduld ab und ich bin gezwungen, verzweifelt in der ewigen Angst, dass es es doch zu mir schafft, und wache mit so weit aufgerissenen Augen auf, dass es schmerzt, um dann auf meinem Bett liegen zu bleiben bis meine Eltern wiederkommen. Erst dann ist es ruhig.

Ich habe auch meine Mutter gefragt, ob sie nicht etwas gegen dieses Monster in unserem Haus tun kann, ob sie es nicht töten kann. Sie hat mich geschlagen. Stellt euch das vor! Meine eigene Mutter! Sie glaubt mir einfach nicht, genau wie mein Vater. Wieso nur?

Heute ist es mal wieder so weit, meine Eltern sind bei einem Brunch und ich beginne wieder, die Geräusche zu hören, die drängenden, fast flehenden, schrecklichen Rufe. Ich kann nicht mehr! Verzweifelt wälze ich mich im Bett, als mir endlich klar wird, was ich tun muss. Das ich es selbst in die Hand nehmen muss.

Alle Panik fällt von mir ab, als ich mich langsam wie in Zeitlupe oder Trance erhebe und zu unserer Küche gehe. Meine noch schweißnasse Hand krampft sich um den Griff unseres schärfsten Messers. Die Klinge schimmert im Mondlicht, als ich mich zu dem Zimmer aufmache.

Ich drücke mich gegen die Wand neben dem Türrahmen, bevor ich einmal tief durchatme, immer mit dem fürchterlichen Schreien im Ohr, und in den Raum stürze. Hör endlich auf!

Blut spritzt auf; es hat keine Zeit zu reagieren, so schnell bin ich. Ich schlage auf das Monster ein bis es sich nicht mehr rührt und kaum noch unter den ganzen Schnitten zu erkennen ist.

Ein seliges Lächeln legt sich auf meine Lippen, als eine herrliche, so lang herbeigesehnte, friedliche Stille einkehrt.

In diesem Moment kommen meine Eltern wieder; ich höre den Schlüssel in der Tür klackern und dann die Stimme meiner Mutter. „Schau mal, wie ruhig es ist. Ich glaube fast, Leon hat sich endlich mit seinem kleinen Bruder vertragen.“

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