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Meine Turnschuhe quietschten auf dem splitternden Holzboden, die Hände in den Hosentaschen vergraben, sah ich mich in dem geräumigen, leeren Raum um und schürzte die Lippen. Das Haus war neu. Meine Eltern hatten zu viel Geld. Ich atmete tief ein, und schob einige Finger unter das Band meiner Armbanduhr, sie saß zu fest und schnitt mir unangenehm in die Handgelenke. Ich zog sie nicht aus. Ich wollte nicht, das, wenn ich in wenigen Minuten doch zur Schule musste, ich den Schutz vergas und meine Mitschüler direkt die kleinen Narben an meinen Handgelenken erkannten. Diejenigen, für die ich sie mir zugefügt habe, haben sie nie bemerkt. Denn sie bemerken nie etwas. Ihre Tochter, ist unsichtbar. Weiß. Unbeschrieben. Das einzige was mir in diesem Zimmer nicht gefiel, waren die Gardinen.

Im Sommer ist das Einschlafen eine besondere Herausforderung, und der Schlaf, den man sich nach unendlichem Kampf mit seinem eigenen Schweiß errungen hat, wenig erholsam. In wenigen Tagen würde ich eine Klimalüftung erhalten, aber jetzt musste ich ohne auskommen und das war mir fast unmöglich. Trotzdem; ich schlief ein und fiel in einen Schlaf, der mich marterte, wie die Schwüle, die in meinem Zimmer schwebte.

Als ich die Augen aufschlug, sah ich zuallererst die Gardinen, die sanft im Wind wehten, denn das Fenster hatte ich offen gelassen. Ich runzelte die Stirn, auf der mehrere Schweißperlen glitzerten und stolperte aus dem Bett. Die Gardinen hatte ich gleich nach der abgesessen Schulzeit abnehmen lassen, wer hatte sie denn wieder hier her gebracht? Ich hatte es niemandem erlaubt. Ich ging wutentbrannt zu dem wehenden, entsetzlich kitschigen Stoff und ergriff ihn mit beiden Händen. Doch er entwischte mir. Ja, er bewegte sich in die Zimmermitte und blieb dort schweben. Es knarzte unter den Brettern und dann spürte ich von hinten, eine ganz leise, ganz stumme Berührung. Alles in mir wehrte sich. Und schrie. Doch mein Inneres zerfetzte und von außen blieb ich stumm. Drehte mich um. Und sah mein Spiegelbild in der beschlagenen Fensterscheibe. Denn auf einmal war es kalt. So kalt, dass knisterndes Eis an mir empor kroch und meine Füße fixierte. Das Eis kletterte weiter, es fraß sich durch meine Knochen und von innen her, gefror es mein Fleisch. Es schmerzte, als würde ich brennen, und der Frost hielt meine Schreie in mir fest, so dass ich machtlos für alles war.

Ich wandte mich um. Und blickte in eine starre, makellose Maske.

Die Augen waren weiß und ihr Mund, öffnete sich in einen gierigen, weißen Rachen, der meine Gedanken und meinen Verstand aufzusaugen schien. In meinem Kopf tobte es. Und ich glaubte, er müsse platzen. Du musst dich wehren. Du musst dich wehren, bevor du es nicht mehr kannst! Damals habe ich geglaubt, ich stünde dem Teufel gegenüber. Heute weiß ich, es war ein Engel. Mein verzerrtes Spiegelbild. Mein ganz persönlicher Lampengeist, der kam und mich befreite. Aus der Hülle, die mich band und hier festhielt. Nun bin ich frei. Ich bin eine ihrer Gefolgen. Das knisternde Eis. Spürst du schon die Kälte? Denn irgendwann kommen wir auch zu dir und holen und deine psychische Existenz. Rauben sie. So wie meine Eltern mir die Aufmerksamkeit raubten. So bin ich zu ihr gegangen. Und manchmal spricht sie zu mir.

"Ich bin der Satan. Ich bin der Engel. Ich bin das Feuer, gefangen wie geschaffen und das nur aus Eis. Ich bin und bleibe das Mädchen in Weiß."

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