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Weißt du, was ein Deprivationstank ist? Es ist ein Behälter, in dessen Inneren du von allen Sinneseindrücken völlig abgeschnitten bist. Du schwebst in körperwarmen Salzwasser. Nicht der geringste Laut dringt an deine Ohren. Kein Licht trifft auf deine Augen, ganz gleich ob sie nun gerade geöffnet oder geschlossen sind. Es gibt auch keine Gerüche oder Geschmacksempfindungen. Und nicht einmal der Tastsinn deiner Haut kann dir irgendwelche Eindrücke von der Außenwelt vermitteln. Für manche mag das nach Entspannung klingen. Nach Meditation. Und hierfür wird diese Vorrichtung tatsächlich auch eingesetzt. Allerdings bergen diese Tanks auch den Schlüssel zu einem dunkleren Geheimnis.

Denn so angenehm es sein kann für einige Zeit von unserer lauten und hektischen Außenwelt abgeschnitten zu werden und einfach nur zu sein – irgendwann mutiert der Segen zur Folter. Denn die Kehrseite der Ruhe ist die Isolation. Straftäter in Einzelhaft können dir ein trauriges Lied davon singen. Und so wird eine ähnliche Methode auch gerne benutzt um Geständnisse und Informationen zu bekommen. Denn der totale Ausfall der Sinne verändert Menschen. Frage dich einmal selbst: Wer bist du noch, wenn du nichts mehr siehst, nichts mehr hörst, nichts mehr riechst, schmeckst oder fühlst? Was ist dann überhaupt noch Realität?

Alles was dir dann noch bleibt ist dein Denken. So scheint es jedenfalls. Doch Opfer dieser Foltermethode, der sich auch einige mutige Freiwillige im Dienste der Wissenschaft ausgeliefert haben, berichten davon, dass sie nach einiger Zeit auch ihr Denken im Stich lässt. Ihre Konzentration lässt nach. Sie können keinen komplexen Gedankengängen mehr nachgehen. Ihr Geist trübt zunehmend ein und nicht einmal mehr ihre Gedanken können ihnen ein Trost in der Volkommenen Stille und Dunkelheit sein.

Denn um zu funktionieren, braucht unser Verstand Reize. Er braucht etwas, mit dem er sich auseinandersetzen kann. Wenn ihm diese Reize fehlen, hört unser Gerhin irgendwann damit auf, vernünftig zu arbeiten. Doch damit es gar nicht erst so weit kommt und wir als sabbernde und stumpfsinnige Amöben enden, gibt es eine Art Notfall-Routine. Denn bald schon beginnt der Verstand der isolierten Personen damit, sich selbst eine neue Wirklichkeit zu schaffen. Farben und Formen erscheinen aus dem Nichts. Menschen, Tiere, Pflanzen, Straßen, Plätze, Häuser, oder auch Fantasiegestallten. Ihre Gehirne füllen die unerträgliche Leere ihrer äußeren Realität mit einer gnädigen Flut von Bildern, die für sie irgendwann zur eigentlichen Wirklichkeit wird. Das wirft die Frage auf, ob diese Illusion, diese Matrix wirklch so schlimm ist, wenn man die Alternative bedenkt.

Und es wirft außerdem die Frage auf, ob sich dieses Spiel vielleicht nicht nur bei den bedauernswerten Teilnehmern solcher Experimente ereignet, sondern sich vielleicht schon bei jedem Einzelnen von uns abgespielt hat. Wer sagt dir eigentlich, dass das, was du um dich herum siehst, nicht allein in deinem Kopf stattfindest? Du erfährst deine Wirklichkeit über deine Sinne und alles was dabei entsteht, sind Signale in deinem Gehirn, die ganz offensichtlich auch aus anderen Quellen kommen können. Zum Beispiel von Innen.

Mit anderen Worten: Alles was deinen Alltag ausmacht, könnte genauso gut nichts weiter als ein Theater sein, dass sich dein verängstigtes Gehirn vorspielt um nicht endgültig den Verstand zu verlieren. Und nur mal angenommen, ich hätte recht: Wie sieht dann deine eigentliche Wirklichkeit aus? Ist es die ewige Leere des Alls? Ist es ein dunkler einsamer Tank in dem du schon viele Jahre liegst, mit irgendeiner Nährlösung, die in deinen Magen gepumpt wird, oder ist es etwas noch viel bedrohlicheres, bizarreres und schrecklicheres?

Eine Wirklichkeit, die so grausam und abstoßend ist, dass dein Geist kaum anders kann als sich eine schönere herbeizufantasieren? Vielleicht ruht dein zerbrechlicher Körper in diesem Moment in den Armen grauenhafter Ungeheuer. Vielleicht kriechen dir in dieser Sekunde unzählige insektenartiger Geschöpfe über deine Haut, in deine Ohren, deine Nase und in deinen Mund hinein. Vielleicht verrottest du in einer dunklen Zelle mit hunderten von Leichen und dein Geist hat den Fluchtweg genommen, den dein Körper nie beschreiten konnte, weil es ihn schlicht nicht gibt.

Du kannst jetzt natürlich sagen, dass dich die Antwort auf diese Frage nicht interessiert und einfach dein Leben weiterleben. Mit all seinen Freuden und Annehmlichkeiten. Und ja, du kannst natürlich einfach unbekümmert weiter lachen, lieben und lügen. Das Problem dabei ist nur: Nach deinem Tod wirst du die Wahrheit erfahren. Ob du es nun willst oder nicht.

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