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Es fing so harmlos an… Wie lange saß ich hier schon? Ich lachte. „Mal schauen, was die so treiben.“ Die riesige Projektion vor meinen Füßen veränderte sich, als hätte man einen Fernseher umgeschaltet.

„Das ist doch verrückt.“ Ich fuhr mir durch meine Haare.

„Verrückt…“ Mich langweilte das derzeitige Schauspiel. Vielleicht schau ich den Menschen in Russland beim Tanzen zu, erkunde den Weltraum oder besuche mal visuell meine alte Einrichtung, mal sehen.

„Lass das, du machst den Fußboden dreckig.“ Alex versuchte sich zum gefühlten tausensten Mal, die Kehle mit ihrem Taschenmesser durchzuschneiden. Das Messer glitt durch ihre Haut. Nachdem sie es herauszog, schlossen sich ihre Wunden jedoch. „Raffst du es nicht wir sind-"

„Unsterblich, ich weiß. Ich will aber nicht mehr. Ich will hier weg. Ich kann das nicht!“ Sie stach sich in die Brust und ein paar weitere Tropfen Blut vergrößerten die Blutlache in der sie saß. Das ist zu abgedreht, einfach krank... ich... Am besten ich beginne von vorne. Ich habe alles in einem Tagebuch niedergeschrieben und euch die jeweiligen Ausschnitte zur Schau gestellt. Lest selbst.

30.11.2014: Heute ist etwas Merkwürdiges passiert. Wir bekamen einen Adventskalender in den Gruppenraum gestellt. „Für die Teenies und jungen Erwachsenen dieser Einrichtung“, stand auf einem Zettel. Herr Parens stellte das Ding auf dem Fußboden ab.

„So ich weiß nicht wer es war, aber hier habt ihr ihn und nun ab auf eure Zimmer.“ Ich hasste ihn, ich und der andere. Sie sagten ich sei schizophren, aber was ist, wenn es tatsächlich zwei Seelen sind, die in meinen Körper leben? Ich bin nicht verrückt. Aber ich schweife ab. Neugierig ging ich zu dem Kalender. Ich drehte den Zettel um, vielleicht stand eine Antwort darauf.


Spielregeln:

1. Jeder muss mindestens einmal ein Türchen öffnen, oder es wird euch schreckliches wiederfahren

2. Der Wunsch, auf dem Zettel muss verschenkt werden, oder es wird euch schreckliches wiederfahren

3. Viel Spaß!“ Klingt echt creepy, oder? Da wollte sich bestimmt ein Spacko nen Spaß erlauben.


1.12. 2014: Marie protestierte, öffnete dann aber das Türchen. Wir hatten ausgelost wer dran war und sie hatte es getroffen: Freude. Marie drückte das Ding Luzie in die Hand, mit den Worten, dass sie es gebrauchen könne. Luzie ist chronisch depressiv. Sie lachte und meinte, das sei der größte Scheiß in ihrem Leben. Den ganzen restlichen Tag schüttelte sie den Kopf und murmelte grinsend vor sich hin. Irgendwie hatte der Zettel funktioniert :D

2.12.2014 „Wer will Glü-hück ?“ trällerte Tobi und ich riss ihm den Fetzen aus der Hand. „Ich könnte das Glück echt gebrauchen. Hab heute Freigang und will kann nur hoffen, dass das neue WOW noch da ist“ Ich vermutete, dass Spiel war schon längst ausverkauft. Dem war zum Glück nicht zu. Wie durch ein Wunder, erwischte ich die Bahn, ohne warten zu müssen. Jemand hatte ein anderes Spiel vor mein heiß geliebtes WOW gestellt, es war das letzte. Oh man mystischer Zettel daaanke.

3.12. 2014 Man könnte fast denken die Zettel wären echt. Irgendwie. Heute war ich dran. Ich gab meinen Zettel weiter an Tobi. „Lieeebe.“ Er stöhnte. Jetzt knutscht er mit Laura, dem neuen Zugang, rum.

4.12.2014 Hoffnung: Maria bekam den Zettel, wahrscheinlich wird sie morgen entlassen.

5.12.2014 Lukas und Tom alberten herum. Ich mag die beiden nicht sonderlich. In ihrer Assisprache beschimpften sie sich, nur zum Spaß und Tom gab Lukas seinen Zettel-Pech: nun sitzt er mit einem gebrochenen Nasenbein im Krankenflügel, da er unglücklicherweise die Tür ins Gesicht bekommen hatte. Er würde sich ärgern. Heute gab es sein Lieblingsessen, Nudelauflauf und er konnte nicht mitessen.

6.12. 2014 Luzie schaute nicht auf ihren Zettel und überreichte hin wortlos Tom, der gerade ihren Weg kreuzte. Ich hörte ihn sagen, dass er Kohle bitter nötig hätte. Keine fünf Minuten Sper kam ein Anruf für ihn rein. Einer seiner Verwandten war tot. Er erbte 600.000 Euro. Voll gruselig oder? Fuck, der Schnipsel hatte wieder Recht. Tom hatte ihn mir gezeigt. Tatsächlich stand „Reichtum“ darauf.

7. 12. 2014 Den Zettel des Leidens bekam ich von Lukas. Verdammt, schreibe morgen weiter, hab die schlimmste Grippe aller Zeiten.


8.12.2014 Sam machte sich schlimme Vorwürfe. Bei einem Brand kam seine komplette Familie um, also gab Laura ihren Zettel an ihn weiter, den Seelenfrieden und er wirkt heute wirklich…irgendwie gelassen.

9.12. 2014 Sam war der vorletzte, der ein Türchen öffnete. Seine „Freundschaft“ gab er an Emilie weiter und plötzlich verstand sie sich blendend mit Laura. Sonst streiten die beiden sich bei jedem Kleinscheiß. Vermutlich hat sie der Zettel in ihrem Unterbewusstsein beeinflusst, trotzdem irgendwie komisch.

10 .12.2014 Emilie gab mir den Zettel der Zufriedenheit. Nett ist sie ja.

11.12.2014 Schläfrig: Das war echt creepy! Herr Parens schlief sofort ein, beim Kaffeetrinken, nachdem er den Zettel erhalten hatte.

12.12.2014 Gott! Was haben wir gefeiert, als Laura den Erotikzettel gezogen hatte. „Viel Spaß mit Tobi“, scherzte ich. Sie verleierte die Augen. „Sehr witzig.“ Gerade wollte ich Tobi in seinem Zimmer besuchen, um mir eines seiner Games auszuleihen. Sie lutschte gerade an….Kopfkino, Kopfkino! Ich darf gar nicht daran denken.

13.12.2014 Laura schenkte ihren Zettel Tom, damit er endlich die Fresse hielt, wie sie es ausdrückte. Es war der Zettel der Ruhe. Langsam wird es echt immer merkwürdiger. Er sagte kein einziges Wort, an diesem Tag.

14 .12.2014 Sam gab Laura den Gelassenheitszettel, seitdem regt sie sich nicht mehr so oft auf. Langsam wird mir die ganze Sache unangenehm.

15.12. 2014 Diesmal zog ich den Zettel des Streites. Oh man hätte ich das Scheißteil bloß nicht an Tom gegeben. Wegen einer angeblich geklauten Baseballkappe haben sie sich geprügelt. Ich weiß es klingt verrückt, aber ich glaube, die Zettel sind kein Scherz gewesen.

16. 12. 2014 Tobi gab mir die Weisheit und nun bin ich mir im Klaren, dass wir vorsichtiger sein müssen. Wer weiß was noch kommt.

17. 12. 2014 Tom gab seinen Zettel Emilie, um sie aufzuziehen. Emilie ist nicht gerade die Schlankste, darum war sie etwas verärgert. Ihre Laune besserte sich während des wöchentlichen Volleyballspieles. Sie schlug uns alle beim Chinesischen Volleyball, mit Hilfe des Zettels der Sportlichkeit. Mittlerweile bin ich fest davon überzeugt, dass die Teile real sind, so bescheuert das auch klingen mag.

18.12.2014 Natürlich schenkte Laura ihren Spaßzettel Tom. Wobei dieser Spaß hatte, wollte ich lieber nicht wissen.

19.12. 2014 Sie glauben mir nicht. Es ist zum Verzweifeln! Sam warf mir den Zettel zu. Ich sagte, dass dies kein Spiel mehr sei, aber niemand versteht mich. Scheiße, was soll ich tun? Ich muss mich zusammenreißen, um die anderen auf meine Seite zu ziehen. Das ist nur der Zettel der Traurigkeit, der mich so fertig macht.

20.12.2014 Heute kam ein neues Mädchen rein. Ihr Name ist Alexandra. Wir nennen sie aber alle nur Alex. Sie durfte ein Türchen öffnen. „Schönheit“, las sie laut vor und starrte fragend in die Runde. „Ich!“ Sofort schnappte Emilie sich den Zettel und man konnte förmlich zusehen, wie ihre Pickel auf der Stirn verschwanden und sie schlanker wurden. Jetzt waren auch die anderen überzeugt.

21.12. 2014 Dies war der ultimative Test. Wir versammelten uns alle in einem Kreis. Ich weiß nicht, wer von uns heute das Türchen geöffnet hatte, aber das ist ja auch egal. Wir steckten die Köpfe zusammen. Auf dem Zettel stand „Klarheit“. Wenn wir es schaffen würden in die Geschlossene zu kommen, ohne entdeckt zu werden, hätten wir die die Möglichkeit die Zettel an pathopsychischen Schwerstkranken auszutesten. Also simulierten Tom und Laura einen Streit. Lukas brüllte aus voller Kehle. Emilie hämmerte gegen ihre Türen. Unsere Betreuer waren ratlos, brüllten irgendetwas, doch ich hatte keine Zeit für sie. Alex schnappte sich den Schlüssel und wir verschwanden unauffällig. Jetzt hieß es Nerven bewahren. „Entschuldigen Sie, ich hab mich ein wenig verlaufen. Wo ist die Geriatrie? Meine Oma…“ Ich weiß nicht mehr, was genau ich schwafelte, aber Alex schlich sich unbemerkt in das Schwesternzimmer, der geschlossenen Anstalt und steckte schnappte sich den zweiten Schlüssel, den sich in die Hosentasche steckte. Wir nickten uns zu. „Stehenbleiben!“ Nun hatte auch die Schwester an der Rezeption bemerkt, dass irgendetwas faul sein musste. Wir rannten zum Zimmer, des ersten Patienten. Alex schloss die Tür auf. Wir betraten das Zimmer und sie verschloss die stählerne Pforte wieder. Der Junge war ungefähr so alt wie ich, vielleicht etwas jünger. Er wiegte sich hin und her. Seine Arme waren zerschlitz und er trug diese komischen Handschuhe, damit er sich nicht verletzen konnte. Er faselte irgendetwas von bunten Schlangen und Engeln oder so. Kurz gesagt-ein Totalschaden, genau das, nachdem wir gesucht hatten. Wir gaben ihm den Zettel der Klarheit und sobald er ihn mit seinem verbundenen Händen berührte, schien hörte er auf wirr zu reden und schaute uns mit erstaunlich klaren Blick an. „Wer seid ihr?“ In diesem Moment kamen zwei Wachleute mit Herr Parens im Schlepptau. Mist! Jetzt hab ich drei Wochen Ausgangsverbot.

22.12.2014 Ich kann es immer noch nicht glauben. Es ist so schrecklich. Alex ist Tod! Als Emilie heute ein Türchen öffnete wurde sie ganz blass. Sie schrie und fing an zu weinen. Immer wieder wiederholte sie das Wort „Nein“ Alex versuchte sie zu beruhigen. Es könne doch nicht so schlimm sein. Sie gab keine Ruhe. Alex schüttelte sie und Emilie schlug um sich. „Sag mal hackt´s?“ Blut rann Alex das Kinn herunter. Emilie hatte ihr echt eine verpasst. „Nimm du ihn doch!“ Emilie warf den Zettel zu Alex. Er berührte sie sie nicht einmal, aber geschenkt ist geschenkt. „Das muss ich mir nicht bieten lassen!“ Mit einer schwungvollen Bewegung, drehte sie sich um, als plötzlich ein Knacken ertönte. Alex knickte um, fiel in einem rasanten Tempo zur Seite. Es war schrecklich. Der Tisch.…als sie aufschlug. Überall war Blut. Ihre Augen waren geöffnet, blickten mich an, aber ihr Körper zeigte exakt in die entgegengesetzte Richtung. Sie war tot. Ich musste den Zettel nicht ansehen, um zu wissen welches Wort darauf stand. Trotzdem lief es mir eiskalt den Rücken hinunter als ich es las „Tod“.

23 Was für eine Ironie. Sam zog heute den Zettel der Lebenskraft. Er verkündete, dass er ihn, der toten Alex widmete. Dann wurde es schräg. Der Tag war nicht besonders aufregend. Alle waren etwas betrübt. Alex´s Tod hatte sie ganz schön mitgenommen. Am Abend öffnete sich die Tür und Alex kam herein, als wäre nichts gewesen. Einfach so! Sie sagte, dass den Medizinern wohl ein Fehler unterlaufen wäre und dass sie mehrfach durchgescheckt wurden ist, jedoch konnten keine Verletzungen festgestellt werden. Sie war in einem Kühlfach, in der Pathologie aufgewacht. Aber ich habe es doch gesehen! Wir alle hatten es gesehen. Ihr Hals…er war gebrochen. Sie war TOT!!!!!

Heute ist Heiligabend, der 24.12.2014. Ich werde den letzten Zettel nehmen. Mein Herz klopfte unruhig, als ich das Türchen öffnete. „Treffen“ Was hatte das zu bedeuten? Wen sollte ich treffen? „Zeig mal.“ Alex nahm mir den Zettel ab. In diesem Moment fielen wir. Alles war schwarz und ich lag auf dem Boden? Seltsam. Ich hatte den Aufprall gar nicht bemerkt. „Alex?“ „Verfickte Scheiße wo sind wir hier?“ Ich zuckte mit den Schultern und deutete auf die einzige Tür im unendlichen Schwarz. „Lass uns-“ Alex zögerte nicht und riss die Tür auf. Der Raum war muffig und wurde durch eine Art Fernseher spärlich erhellt. Die Projektion unseres Gruppenraumes nahm fast die ganze Wand ein. Ich hatte nie Kameras dort erblickt. Was also, hatte das Ganze zu bedeuten? Der Raum war muffig und wirkte grau. Das schlimmste allerdings waren die zwei Gestalten vor dem „Fernseher“ „Wir haben euch schon erwartet.“ Ein leises Knacken ertönte und Spinnenweben zerrissen, als die weibliche Gestalt sich uns zuwandt. Sie war voller Staub. Ihre Augen weiteten sich und ich erkannte einen Rand aus weiß und blau. Selbst auf ihren Augen lag eine dicke Staubschicht. Nun begann auch die andere Gestalt, ein Mann, sich zu erheben. Die beiden kamen auf uns zu. Staub rieselte aus ihren Haaren und ich sah deutlich die Kanten ihrer langen, ehemals weißen Kleidung, als sie sich erhoben. Ihre Schritte hinterließen schwarze Spuren. Der Fußboden war ebenfalls grau vor Staub. „Wer seit ihr?“ Perplex starrte ich die beiden an. Die Frau kicherte, „Wir sind die Halter der Ewigkeit.“ „Wir waren die Halter der Ewigkeit.“ Korrigierte sie ihr Freund. „Mit der Zeit wird das ewige Leben langweilig. Wir haben alles gesehen, alles gehört. Es ist genug. Unser Geschenk an euch, war sehr amüsant anzusehen,“, Sie deutete auf den „Fernseher“ „aber jetzt ist es Zeit zu gehen.“ „Zu gehen? Wohin und was wird aus uns?“ Alex war außer sich, vor Wut. „Ins Nichts, viel Spaß.“ Ein Sog zog uns in den Raum und wir fielen zu Boden. Die Tür knallte. Jetzt waren wir allein. „Was passiert hier für ein kranker Scheiß?“ Alex hämmerte gegen die Tür. Wie naiv sie doch war. „Verstehst du es nicht?“ Sie hörte auf zu Klopfen „Was?“ „Setzt dich und benimm dich wie eine Halterin der Ewigkeit. Wir haben noch viele gemeinsame Stunden zu tätigen.“

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