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Hast du dir jemals etwas wirklich gewünscht, es jedoch nie bekommen? Möglicherweise etwas, was vielleicht außerhalb deiner finanziellen Möglichkeiten lag. Möglicherweise etwas, was schlicht mit den natürlichen Gegebenheiten unserer Welt nicht vereinbar ist? Oder.. möglicherweise etwas, wonach du dich nie zu fragen getraut hast? Ich möchte dir von einer Möglichkeit berichten, dieses spezielle Etwas, was auch immer es sein mag, zu bekommen… diesen speziellen Wunsch… Realität werden zu lassen. Tatsächlich ist es eigentlich simpel, jedoch nicht einfach. Wenn du glaubst nicht stark genug dafür zu sein, dann lasse es einfach. Zumindest wenn dich der Gedanke dir deinen sehnlichsten Wunsch zu erfüllen, je wieder Ruhe lässt.

Du bist also bereit dafür ja? Im Grunde spricht auch nichts dagegen, sich zunächst einmal zu informieren, bevor man eine Entscheidung dieser Tragweite trifft, also lese ruhig weiter. Gut, es handelt sich hierbei wie wohl mittlerweile klar sein sollte um ein Ritual, wenn auch kein ganz Gewöhnliches. Auf Räucherstäbchen, Salz, komplizierte lateinische Beschwörungsformeln oder sonstige Materialien kannst du hier verzichten, lediglich warme Kleidung und ein Messer wären hilfreich.

Eine weitere gute Nachricht ist, es kommt dabei kein obskures magisches Wesen in dein Haus. Die schlechte Nachricht: du musst zu dem komischen obskuren Wesen kommen. Aber keine Sorge, dass ist eigentlich gar nicht einmal so schwer. Du musst zunächst in ein Moor, je nach deiner geographischen Lage könnte das etwas schwerer werden, aber zumindest im Norden Deutschlands, sowie nahe der Alpen gibt es hier einige geeignete Kandidaten.    

Wenn du dort bist, musst du eigentlich nur etwas umher wandern und an deinen sehnlichsten Wunsch denken. Bleibe dabei auf jeden Fall auf den öffentlichen Wegen, du möchtest schließlich nicht als Anschaungsobjekt irgendeines zukünftigen Museums enden. Wenn deine Sehnsucht stark genug ist, so wirst du irgendwann einen Pfad erblicken.    

Es wird kein sonderlich großer oder auffälliger Pfad sein, aber du wirst instinktiv wissen, dass es der Richtige ist. Es sei hierbei eine Sache angemerkt; der Pfad ist keine Einbahnstraße, du kannst potentiell jederzeit zurück. Allerdings wirst du damit dir für immer die Chance verbauen, dieses Ritual noch einmal durchzuführen.  Der Pfad wird dir nie wieder erscheinen, denn der Herr dieses Ortes verachtet Schwächlinge.

Solltest du dem Pfad eine Weile folgen, wirst du merken ob es der ist denn du suchst. Die Umgebung wird sich verändern, nicht sonderlich stark, aber doch merklich. Die Pflanzen die hier wachsen ähneln zwar gewöhnlichen Sumpfpflanzen, du wirst sie jedoch an keinem anderen Ort der Erde finden. Das Wasser wird pechschwarz sein und je näher du deinem Ziel kommst, desto mehr wird es eine leichte Duftnote von Blut annehmen. Möglicherweise wirst du in der Ferne fremdartige Tiere hören, sie werden dem Weg jedoch fernbleiben. Da es keine Berichte von Personen gibt, welche die Gegend außerhalb des Weges erkundet haben und zurückkehrten, ist davon auszugehen das dies wohl auch im Sinne deiner Gesundheit ist.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dass du hier einem anderen Menschen begegnen wirst, wenn doch, so ist er wohl aus dem gleichen Grund wie du hier. Wie du mit solchen eventuellen Bekanntschaften umgehst, ist allein deine Sache. Bedenke jedoch, dass du nie sicher wissen wirst, was sich der Andere wünschen wird und was für Folgen dies für dich haben könnte.

Nach einer Weile, im Schnitt etwa zwei Stunden, wirst du deinem Ziel näher kommen. Es ist hierbei ausgesprochen wichtig, dass du deine Umgebung im Auge behältst. Wenn dir der Geruch von verbranntem Holz in der Nase steigt, wenn die Geräusche des fremdartigen Sumpfes plötzlich verstummen, dann weißt du, dass du den nächsten Abschnitt des Weges erreicht hast.

Dieser Pfad hat jedoch einen Wächter, daher solltest du von diesem Punkt an sehr vorsichtig sein. Bewege dich langsam. Bleibe am Rande des Weges. Verursache keine Geräusche. Du wirst vermutlich bald an den Überresten jener vorbeikommen, die kein Glück bei diesem Abschnitt hatten. Beachte sie am besten gar nicht weiter.

Was der Wächter für ein Wesen ist, wurde leider bisher nicht überliefert. Die Spuren die er hinterlässt legen lediglich nahe, dass er mit extremer Aggressivität gegen alles Lebende vorgeht, welches in sein Revier eindringt. Er hält sich jedoch scheinbar nicht immer in der Nähe des Weges auf, daher ist deine Chance glücklicherweise durchaus passabel ihm gar nicht erst zu begegnen.

Sollte er jedoch in deiner Nähe auftauchen, so verstecke dich. Notfalls auch außerhalb des Weges. Gebe keinen Laut von dir. Versuche nicht einen Blick auf ihn zu erhaschen. Und dann bete, an wen oder was auch immer du glaubst, dass dich der Wächter nicht findet. Wenn du ihm nicht begegnest, oder entkommst, so folge dem Weg weiter.

Wenn der Boden anstatt von Wasser mit Blut überschwemmt ist, wenn die Luftfeuchtigkeit derart ansteigt, dass du das Gefühl hast an ihr zu ertrinken, wenn der Geruch nach totem Fleisch deine Sinne benebelt, dann bist du endlich an dem Ort angekommen, den du gesucht hast.

Inmitten des dichten fremdartigen Sumpfes wird sich eine Lichtung auftun, dort wird der Weg enden. In der Mitte der Lichtung steht ein Baum, dessen Größe alles andere in der Region bei Weitem überragen wird. Du wirst weder je einen Baum wie diesen gesehen haben, noch wirst du je wieder einen solchen sehen.

Seine Rinde ist schwarz wie Kohle, aber hart wie Stahl. Aus seinem Stamm entspringen dicke kräftige Wurzeln welche teilweise an der Erdoberfläche liegen. Seine Blätter sind von roter Farbe und dünn, ihre Ränder jedoch messerscharf, versuche also lieber nicht sie zu berühren. Er ist übersät von knorrigen rundlichen Auswüchsen und Höhlen, du wirst bald erfahren warum.

Dieser Baum ist der Grund warum du hier bist. Ich weiß nicht woher er kommt, oder was er genau ist und ich kenne auch niemanden, der dies wissen könnte. Berichte über ihnen tauchen immer wieder in verschiedensten Zeitaltern auf, vielleicht ist er älter als die Menschheit selbst, für dieses Ritual ist das irrelevant.        

Wenn du bereit bist und dir wirklich ganz sicher bist das es die Sache wert ist, wecke dem Baum, indem du einige Tropfen deines Blutes auf seine Rinde verstreichst. Dann, sofern dir deine körperliche Unversehrtheit am Herzen liegt, trittst du lieber schnell einige Schritte zurück. 

Die knorrigen Auswüchse werden sich öffnen und du wirst erkennen, dass es sich hierbei um tausende milchige Augen handelt, welche nervös zuckend ihre Umgebung gierig betrachten. Seine Wurzeln werden nach Fleisch geifernd aus dem Boden brechen und wie Tentakel wild durch die Luft wirbeln um sich noch mehr deines Lebenssaftes zu bemächtigen, ein großzügiger Sicherheitsabstand sollte dich jedoch vor diesem Schicksal bewahren. 

Die Höhlen des Baumes werden sich zu grausigen Schlünden auftun und mit kehliger Stimme Lieder in einer gottlosen Sprache ertönen lassen, welche einen schwachen Verstand zu zerschmettern vermögen. Es bleibt zu hoffen, dass dein Geist stark genug ist diesem Horror zu widerstehen, doch wenn du dem Schrecken trotz wird es sich lohnen.

Du musst nun an deinen Wunsch denken, halte ihn dir so bildlich vor Augen wie irgend möglich. Die Augen des Baumes werden sich auf dich richten. Du wirst das Gefühl haben von seinem Blick durchbohrt zu werden. Deine Muskeln werden schwach werden, aber du darfst nicht wanken, ansonsten wird er dich bei lebendigem Leib mit seinen Wurzeln zerreißen.

Er wird letztlich einen Ton von sich geben, dessen Beschreibung die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. Ob dies ein Lied, eine Warnung oder ein Hilfeschrei ist, vermag  wohl kein Sterblicher zu sagen. Seine Wurzeln werden erschlaffen, seine Gesänge verstummen und seine Augen werden sich schließen. Er wird wieder in den Totenschlaf verfallen, in dem du ihn vorgefunden hast und ein blutroter dichter Nebel wird sich über die Umgebung legen.

Verlasse diesen Ort nun auf dem Weg auf dem du gekommen bist. Wenn du ihn beschreitest, wird der Nebel schnell dünner werden und du wirst nach nur einigen Dutzend Schritten wieder an der Stelle stehen, an der du denn Pfad zum Baum angetreten hast. Der Weg hinter dir wird verschwunden sein und nie zurückkehren, vielleicht wirst du dich danach fragen ob dies alles nur Einbildung war, eine Art Anfall von Wahnsinn.

Du kannst dies gerne glauben, wenn es deinen Verstand beruhigt. Aber eins wirst du feststellen, egal wie unwahrscheinlich es sein sollte, dein Wunsch wird in kurzer Zeit in Erfüllung gehen.

Hierbei noch eine Warnung: Der Baum erfüllt immer nur deinen stärksten Wunsch, an den du zum Zeitpunkt eures Treffens gedacht hast. Unterschätzte dabei nicht die Macht deines Unterbewusstseins. Viele Menschen haben in ihrem tiefsten Inneren Wünsche, derer sie sich vielleicht gar nicht bewusst sind und welche bei ihrer Erfüllung möglicherweise fatale Folgen haben können.

Nun als Letztes, wirst du vermutlich noch eine Sache wissen wollen, nämlich ob es noch einen Preis gibt, außerhalb einer kleinen Menge Blut, welche du an den rätselhaften Baum mit eintausend Augen leisten musst. Ja den gibt es, aber er ist ausgesprochen simpler Natur. Deine Pflicht besteht einfach nur darin, zu deinen Lebzeiten, einer weiteren Person von diesem Ritual zu berichten.  

Siehe meine Pflicht hiermit als erfüllt an. Was du mit diesem Wissen tust, ist nun ganz deine Sache.