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Entnazifizierungsprozess 1945, Verhör eines ehemaligen KZ-Aufsehers

Nun, dann werde ich mal beginnen, doch vorab müssen Sie wissen, dass Sie garnicht erst versuchen müssen, mir irgendwelche Vorwürfe zu machen, wir hatten unsere Befehle, das waren keine Menschenleben die wir ausgelöscht haben, es war Arbeit, die es zu verrichten galt. Außerdem, ist es besser in der Heimat zu töten, als an der Front getötet zu werden, finden Sie nicht?

Wie dem auch sei, es gibt eine Geschichte aus meiner Zeit im Dienst, die ich für erzählenswert halte und ob Sie sie nun glauben oder nicht, bitte unterbrechen Sie mich nicht.

Also, ich und höchsten 100 bis 200 andere Männer unter meinem Kommando beaufsichtigten 1941 ein Lager, fernab der Blicke des Volkes, wo Juden, Volksverhetzer und andere Parasiten, die dem Aufstieg des Deutschen Reiches den Weg blockierten, Zwangsarbeit verrichteten, einerseits, um die Fundamente für einige Bauprojekte zu schaffen, größenwahnsinnige Projekte, völlig realitätsfern, in Auftrag gegeben durch Heinrich Himmler, das wussten selbst wir, aber wie gesagt, wir hatten unsere Befehle. Der andere Zweck der Zwangsarbeit war natürlich, dass die Arbeiter umkommen sollten, möglichst ohne uns eine nennenswerte Menge an Blei, oder Gas zu kosten.

Der sechste September besagten Jahres war ein besonderer Tag für mich, heute war es enedlich an der Zeit, mich dieser hinterhältigen Ratte Köhler zu entledigen. Köhler war ein Priester, den man deportiert hatte, weil das öffentliche Interesse an ihm in seiner Gemeinde zu groß geworden war. Neben einem Führer gibt es nunmal keinen Platz für Gott, verstehen Sie, was ich meine?

Seit seiner Ankunft im Lager hetze Köhler die anderen Insassen durch sein Gerede über den Herrn auf und versuchte oft, uns zu trotzen. Keine noch so heftige Drohung, oder Misshandlung konnte ihn einschüchtern und ihn einfach zu erschießen, hätte eine Massenrevolte ausgelöst. Doch heute war der Tag gekommen, da entweder die Erschöpfung beim Schaufeln Köhler und die anderen aus seiner Barracke umbringen würde, oder meine Leute den Ablauf der vorschriftsmäßigen Frist nutzen könnten, um mit Schüssen nachzuhelfen.

Eine ganze Weile lang beobachtete ich sie bei der Arbeit und konnte ein Staunen nicht unterdrücken. Die meisten Insassen in derartigen Niederlassungen verloren bereits nach wenigen Wochen jegliches Streben und alle Hoffnung. Gebrochene Menschen mit gebrochenem Willen, die mit leeren Augen dem sicheren Tod entgegen schritten. Doch nicht Köhler und seine Kameraden, ihre Blicke glühten und sie brachten die Kraft für die zehrende Arbeit scheinbar fast schon mühelos auf und das trotz des fehlenden Schlafes und der absoluten Mangelernährung. Mir reichte es. Ich gab meinen Männern das Zeichen.

Eine Minute lang war nichts anderes zu hören, als das Rattern der Gewehre und vereinzelte Todesschreie. Dann war der Boden blutgetränkt, tote Körper lagen da wie nasse Säcke, doch ich traute meinen Augen nicht. Köhler stand aufrecht da, trotz unzähliger blutender Einschüsse in seinen Rumpf! Einen Moment lang schaute er mich nur an, mit seinen ruhigen, klugen Augen schaute er mich an. Dann schließlich jagte er mir einen eiskalten Schauer über den Rücken, als er mit einer merkwürdig tiefen und grollenden Stimme zu sprechen begann:

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"Du und Deinesgleichen, ihr könnt morden und morden wie ihr wollt, ihr könnt die Zeugen eurer Grausamkeit nacheinander auslöschen, doch wird es euch nicht helfen. Der HERR sieht die Sündhaftigkeit eines jeden Menschen und das reuelose Töten wird niemals ungestraft bleiben. Eine Seele ist unsterblich, doch sie kann brennen."

Mit diesen Worten sackte Köhler letztendlich doch tot zusammen, doch im Moment seines Aufschlages verschwand die Welt um mich herum, ich vernahm Schreie, entsetzliche Schreie, von Männern, Frauen, Kindern. Und ich sah Feuer, spürte Feuer und die Höllenqualen hätten mich in den Wahnsinn getrieben, doch da war es schon vorbei.

Ich blickte mich um, meine Männer wirkten benommen, ihnen schien das gleiche passiert zu sein, wie mir. Zwei von ihnen erschossen sich selbst, gleich am nächsten Morgen. Sieben weitere begaben sich einen Monat später freiwillig an die Front.

Also, jetzt wissen Sie, wie mich mein Dienst für die NSDAP geprägt hat. Stellen Sie nun meinetwegen mit mir an, was Sie wollen. Sperren Sie mich für den Rest meines Lebens ein, verfrachten Sie mich in ein russisches Gefangenenlager, oder übergeben Sie mich dem Volk, mir ist es gleich, ich weiß schon, wo für mich alles enden wird.

Therdrer 17:23, 7. Aug. 2015 (UTC)

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