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„Julien, mein Schatz. Du weißt ja, dass wir nach Peru fliegen und ich möchte, dass du währenddessen auf deinen Bruder aufpasst. Wir sind nur drei Tage weg und du bist 16 und solltest das schon schaffen.“

„Ja“, antwortete er seiner Mutter.

Jetzt waren seine Eltern weg und er musste alleine auf seinen behinderten Bruder Moritz acht geben. Julien liebte ihn sehr. Er war für ihn die wichtigste Person auf der Welt. Keiner durfte je Witze über ihn machen, das endete für den Witzbold dann meist mit einem Schlag in die Magengrube.

Bis zur letzten Nacht war alles gut. Er brachte Moritz ins Bett und legte sich dann auch nieder. Als Julien am Nachmittag aufwachte (er hatte verschlafen), lag sein Bruder nicht in seinem Bett. In der Küche, im Wohnzimmer, im Badezimmer, im Garten war er auch nicht.

Die eiskalte Hand der Panik ergriff Julien und er stürmte aus dem Haus. Die Straßen waren leer, auch hier war er nicht zu finden. „Moritz..... Moritz, wo bist du ?“ Wie zu erwarten kam keine Antwort und so rannte er mit Tränen in den Augen durch die Stadt, während er permanent den Namen seines Bruders rief. Aber er fand ihn nicht. Überall wo er hinging, sahen die Leute nur einen großen Jungen, der schreiend durch die Straßen lief (sie dachten mit Sicherheit, er sei verrückt).

Was würden seine Eltern sagen? „Was hast du getan? Wir haben dir nur diese eine Aufgabe gegeben, nur diese eine und nicht einmal das schaffst du! Oder war es Nicolas? Julien! War es Nicolas?“, würden seine Eltern kreischen, während sie sich die Tränen aus den Augen rieben. Doch er würde die Antwort nicht wissen.

An die Möglichkeit einer Vermisstenanzeige dachte Julien gar nicht.

Sein Freund Michael kam ihm in den Sinn. Moritz wurde dort schon öfter von Michaels Schwester betreut, wenn er und seine Eltern bei einer Familiensitzung von Dr. Zwiemann waren. Vielleicht ist Moritz ja dort hingelaufen.

Also begab er sich dort hin. Hektisch klingelte er an der Tür und Sekunden später öffnete sein Freund.

„Ist Moritz bei dir, Michael?!“

„Wie bitte?“

Er schrie jetzt.

„Ist Moritz bei dir?!“

„Hä, nein. Natürlich nicht, wie … “

Julien drehte sich um und rannte weg. Nach Hause, denn er wusste nicht, was er machen sollte. Vielleicht hatte er ihn ja auch einfach nicht gesehen und er saß im Garten hinter einem Baum oder so. Aber als er dort nachschaute, war dort nur Erde und Unkraut. Verzweifelt stürmte Julien ins Haus. Er setzte sich auf sein Bett und dachte nach.

Wo könnte er sein? Entführt wurde er bestimmt nicht. Dafür hatten sie zu wenig Geld und die Kidnapper wären dumm, wären sie in dieses Haus eingebrochen, ist doch 500 Meter weiter das Viertel der Wohlhabenden. Oder etwa doch.....

vielleicht....waren es Michael und seine Schwester. Sie mochten Moritz sehr und freuten sich immer, wenn er kam. Bestimmt wollen sie ihn für immer bei sich haben und haben ihn deswegen einfach mitgenommen, damit sie ihn jeden Tag sehen können und für immer glücklich sind. Ja, sie haben ihn gestohlen ohne Juliens Familie auch nur zu fragen. Diese egoistischen Monster.

Er erinnerte sich an die Waffe seines Vaters, die im Wandschrank versteckt war. Mit Leichtigkeit brach Julien das Schloss auf und nahm die Pistole in seine Hand. Das kalte Metall fühlte sich gut an, als er es umschloss.

Mit der Waffe in der Hand begab er sich zurück zu Michaels Haus. Langsam lief er auf die Haustür zu. Es sieht immer gefährlicher aus, wenn man langsam geht , dachte er sich. Er klingelte. Michael öffnete die Tür und Julien hielt ihm die Waffe an den Kopf und drängte ihn ins Wohnzimmer, wo seine Schwester grade fern sah.

„Legt euch hin und nehmt die Hände auf den Rücken!!“

„Julien, hör auf damit!“, schrie Michael.

„Ich sagte, auf den Boden und die Hände auf den Rücken!!“

Sie taten es und Julien verschnürte ihre Hände mit einem Band.

„Wo ist mein Bruder?“

„Woher sollen wir das wissen?“

„Ihr wollt ihn für euch haben und habt ihn deshalb gestohlen!“

„Natürlich haben wir das nicht, du Irrer!“

Julien richtete die Waffe auf die Schwester und drückte ab. Sie war sofort tot.

Michael schrie. Sein Gesicht lief rot an und seine Augen tränten.

„Ich mag es nicht, wenn man mich anlügt, weißt du?“

Michael begann zu hyperventilieren.

Auch ihn erschoss Julien. Er verließ den Tatort und begab sich auf die Suche nach Moritz. Sie wollten ihn bestimmt die ersten Tage irgendwo verstecken und dieses Versteck suchte er jetzt. Als er ihm in der Stadt die Möglichkeiten ausgingen, begab er sich in den Wald. Lange lief er und suchte und wurde fündig.

Moritz Leiche lag mit dem Gesicht nach unten zwischen zwei Bäumen. Geschockt bewegte er sich darauf zu. Er kniete sich hin und drehte die Leiche um. Ein Loch war in dem Kopf, an dem getrocknetes Blut klebte.

Julien legte Moritz Kopf auf seinen Schoß.

Er betrachtete seine Waffe, löste das Magazin kurz daraus und schob es kurz darauf wieder in den Griff.

„Oh, Nicolas“, sagte er.

Dann begann er zu lachen und schoss sich in den Kopf.

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