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Michelle fühlte sich schon seit einiger Zeit beobachtet.

Es ist ein seltsames Gefühl, sie hatte es vorher noch nie verspürt, es war vollkommen neu für sie. Sie hat es ganz plötzlich bemerkt, dieses Gefühl, einen Blick auf sich zu haben. Sie bemerkte es, als sie sich im Spiegel angeschaut hatte. Sie fand es überaus seltsam; sie fühlte sich von ihrer eigenen Reflexion beobachtet.

Michelle wusste nicht, wie lange genau sie beobachtet wurde, da sie das Gefühl, beobachtet zu werden, vorher nicht kannte. Aber sie wusste, dass, seit sie es bemerkt hat, schon mehrere Tage vergangen waren.

Sie begann ihre Reflexion zu fürchten, hielt sich von Spiegeln fern und versuchte vor allem zu flüchten, in dem sie sich spiegeln könnte. Doch auf Dauer ging es natürlich nicht, man wird immer irgendwo reflektiert.

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Michelle schloss sich in ihrem Zimmer ein, sie verhängte das Fenster und bedeckte alles, was Glas hatte, in welchem sie sich widerspiegeln könnte. Sie verließ ihr Zimmer nicht mehr und hatte sich von ihrer besten Freundin alles spiegelnde in ihrem Badezimmer abhängen lassen.

Ihre Familie begann sich Sorgen zu machen und auch ihre Freunde, vor allem ihre beste Freundin Maria. Oft versuchten sie ihr einzureden, das sie aus ihrem Zimmer mal raus muss, die Sonne in ihr Zimmer lassen muss. Doch Michelle hörte nicht und versteckte sich in ihrem Bett. Dort war der einzige Ort, an dem sie sich halbwegs sicher und unbeobachtet fühlt.

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Mehrere Wochen ging das so, Michelle allein in ihrem Raum, die meiste Zeit unter ihrer Bettdecke.

Sie wusste nicht, welcher Tag es war, wie spät es war, wie lang sie in ihrem Zimmer gewesen ist und wie lang es gedauert hatte, aber Maria hatte es geschafft, Michelle aus ihrem Zimmer zu zerren und sperrte sie in ein Badezimmer, samt frischen Klamotten.

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Michelle presste sich an die Tür, sie wollte nicht hier sein, sie wollte weg von dem Spiegel, der dort an der Wand hing, über dem Waschbecken.

„Mach schon!“, ertönte Marias Stimme, sie hämmerte etwas gegen die Tür.

Michelle schluckte schwer und atmete zittrig aus. Sie löste sich von der Tür und ging mit langsamen und vorsichtigen Schritten zum Waschbecken hinüber, zum Spiegel.

Sie stellte sich davor, mit fest zusammengekniffenen Augen. Nachdem sie ein paar Momente ruhig dastand und sich unverändert fühlte, nicht beobachtet, öffnete sie die Augen und schaute in den Spiegel.

Ihre Augen weiteten sich vor Schock. In dem Spiegel sah sie sich selbst, erhängt mit dem Duschvorhang.

Nur zu gern hätte sie geschrien, doch eine Hand wurde ihr auf den Mund gelegt. Michelle versuchte über ihre Schulter zu sehen, doch die Person verhinderte es und hielt sie so, dass sie in den Spiegel schauen musste.

Dort war nun die richtige Reflexion von Michelle und der Person. Sie konnte nun erkennen, wer es war und sie war sofort erleichtert. Es war Maria, ihre beste Freundin.

Michelle nahm die Hand von ihren Mund, welches sie nun auch einfach schaffte und ohne Probleme.

„Du hast mich ganz schön erschreckt, Maria“, sagte Michelle, man hörte richtig, wie erleichtert sie war. Sie wollte sich umdrehen, doch Maria hielt sie an den Schultern fest, sodass Michelle weiterhin in den Spiegel schauen musste.

„Du bist wunderschön“, komplementierte Maria ihre Freundin, mit einem kleinen Lächeln.

Etwas kam Michelle komisch an ihrer Freundin vor und sie versuchte es herauszufinden. Sie scannte die Reflexion von Maria und fand den Fehler. Ihre Augen hatten nicht ihr übliches helles Grün, sondern waren hellgrau, so hell, es schien so als wären sie silbern, fast weiß.

Michelles Augen weiteten sich erneut vor Angst, diese Person war nicht ihre beste Freundin!

„W-wer bist du?“, brachte Michelle stotternd heraus.

Die falsche Maria kicherte und hatte ein amüsiertes Grinsen im Gesicht. „Na, deine beste Freundin“, antwortete sie.

Michelle schüttelte den Kopf „Nein!“, widersprach sie. Das war nicht ihre beste Freundin Maria, sie war sich hundertprozentig sicher.

„Dann werd ich mich wohl ändern müssen...“, murmelte die falsche Maria in Michelles Ohr und hielt ihr dann mit beiden Händen die Augen zu.

„Ich wollte schon immer so schön sein wie du...“.

~

~

Am 16. März wurde der Leichnam von Michelle Spranger gefunden, erhängt mit ihrem Duschvorhang in ihrem privaten Badezimmer.

Es wurde festgestellt, das sie schon seit mehreren Wochen tot war und dort unbemerkt hing, doch ihre Eltern berichteten, noch am Tag vor dem Fund mit ihr gesprochen zu haben.

Den angeblichen Doppelgänger hat man seit dem Abend vor dem Fund nicht mehr gesehen und man ist nun auf der Suche nach ihm.

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