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Zwei Monde Bearbeiten

Knautschen. Knarren. Ein Ächzen und die Plastiktüte landete erstaunlich leise in der Ecke des Raums.

Flaches Atmen. Leises Reiben der Augen. Irgendwo in der Nähe bellte ein Hund.

Der Sommer hatte dieses Jahr später angefangen als üblich. Aber jetzt waren die Tage länger und er musste so viel länger ausharren. Schon vor langer Zeit hatte er aufgehört, darüber nachzudenken, aber hier war es genau so am besten.

Die Augen mussten nicht arbeiten, die Jalousien waren geschlossen... Seine Zunge musste nicht schmecken, er trank nur noch Wasser... Seine Nase musste nicht riechen, denn er hatte diese seit langem unbrauchbar gemacht...

Das einzige Problem waren die Geräusche... andauernd diese Geräusche.

Vor ungefähr zehn Jahren wäre das seine persönliche Hölle gewesen. Laute Maschinen... Menschen, die sich Befehle zuschreien.. Heute war das Gelände nur trocken, durchzogen von tiefen Rissen und getränkt in eine undurchdringbare Melancholie..

In letzter Zeit häuften sich seine Angstzustände. Er wusste nicht ob es Erinnerungen, Albträume oder tatsächlich Geister waren die ihn heimsuchten. Dann zuckten Blitze, Gesichter und Sinne durch ihn, als wären es harte Schläge. Und alle trafen ihn.

Es tat so weh.. Es tat ihm so leid.. Keine Strafen mehr.. Bitte, der Asphalt war so hart gewesen.. Und der Schuppen war so rostig..

Von irgendwoher klopfte es.

Er wollte nicht atmen, denn es hätte nur noch mehr geschmerzt, aber in dem stillen Zucken rollten ihm heiße Tränen über die Wangen..

Ein metallisches Pochen.

Er beschloss zu laufen. Manchmal empfand er es als notwendig, seine Zeit auszufüllen, auch wenn er sonst solches Verhalten nicht nachvollziehen konnte. Er hatte sie alle noch nie verstanden.

Um nicht fühlen zu müssen, tat er das übliche, denn die Nadeln waren nur für den kurzen Stich so kalt.. Dann zog er Handschuhe an und verschloss seine Ohren mit dem Stoff aus der Schublade.. die Luft zog er nur durch die mittlerweile so bedauernswerte Maske..

Langsam glitt er mit der Hand entlang der Wände und der Putz schwebte in kleinen Fetzen in Richtung Boden.

Er hielt es nicht aus. Dieses Klopfen hallte verzerrt in seinem Schädel. Es hatte eine rote Farbe und verlief in kleinen Kreisen, die verschwammen. Er hatte es nicht gewollt. Nein. Die Farbe des Geräuschs.. weckte den Geschmack von Rost.

Alles war so seltsam verwoben in ihm, in seinen Gedanken.

Und manchmal.. Ja, manchmal konnte er sich verlieren und dann... dann wurde er selbst laut. Ungehobelt. Kraftvoll.

Er stand vor der Tür. Er entriegelte sie.

"Warum hasst du mich so Mutter?", weinte er. "Warum kannst du mich nicht einfach schlafen lassen?"

Und in einem Anflug von Übelkeit und Schwäche erbrach er sich über den längst gestorbenen Körper unter sich.

Der Hund lief hinaus.

Er blieb wach.

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