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Abgezogenehaut

Die Hinterlassenschaften

Ich kam gerade von einem Treffen mit meiner besten Freundin Amy nach Hause. Es war bereits stockduster, und meine Eltern und mein kleiner Bruder schliefen schon. Vorsichtig steckte ich den leicht abgenutzten Schlüssel in unsere große graue hölzerne Haustür. Als ich ihn drehte, war ein lautes Klacken des Riegels im Inneren der Tür zu hören. Bedächtig starrte ich hoch zum Schlafzimmerfenster meiner Eltern, welches sich direkt über der Haustür befand und weit offen stand. Nichts. Also weiter. Langsam drückte ich die Tür auf. Ich wusste das wenn ich den 45° Winkel auch nur um ein kleines bisschen überschreiten würde, die Tür ein lautes Quietschen von sich geben würde, welches oben sicherlich jemanden aufwecken würde. 

Besonders meine Mutter hätte das mitbekommen. Sie ist äußert schreckhaft und hat dauernd Angst, dass ein Einbrecher in unser Haus einbrechen könnte. So. Geschafft. Und das ohne einen Laut! Stolz grinste ich über meinen Erfolg, unentdeckt das Haus zu betreten zu haben. Mucksmäuschenstill zog ich meine Schuhe aus und schlich auf Zehenspitzen die Treppen hinauf. Schließlich kam ich an meinem Zimmer an. Dort begrüßte mich auch schon mein Radiowecker, der das einzige Licht spendete. In hellen weißen Lettern verkündete er mir mahnend die viel zu späte Uhrzeit. 03:39 Uhr. Mein Vater würde mich umbringen wenn er wüsste, dass ich mit Amy so lange alleine weg war. Hastig zog ich mein T-Shirt und meine Hose aus, um mich anschließend in Boxershorts ins Bett fallen zu lassen. Müde schloss ich die Augen. 

Als ich gerade fast eingeschlafen war, hörte ich ein lautes Rumpeln. Sofort saß ich kerzengerade im Bett. „Was zur Hölle…“, murmelte ich leise und sah mich mit halb offenen Augen um. Da sah ich ihn, einen Schatten in der Tür. Blitzschnell griff meine Hand unters Bett und zog meinen Baseballschläger hervor, den meine Mutter dort in ihrem paranoiden Wahn dort deponiert hat um für 'Notfälle' wenigstens irgendetwas zu haben. „Chris, bist du das?“, fragte ich, und war überrascht wie hoch meine Stimme klang. Erst jetzt bemerkte ich die großen weißen Augen, die mich anstarrten. „Nein“, antwortete eine verzerrt klingende Stimme. „Ich, bin das, das dich jede Nacht beim Schlafen beobachtet, ich bin derjenige der immer weiß wo du bist, ich bin das Wesen, das dich und deine kleine Freundin Amy bei allem gesehen hat, was ihr schon getan habt.“ Ich umgriff den Baseballschläger fester und antwortete mit halbfester Stimme: „Ich bin bewaffnet! Keinen Schritt näher!“ Das Wesen kicherte. „Ich mag den Ehrgeiz von euch Menschen, ihr fühlt euch sicher, bloß weil ihr einen Stock in der Hand habt oder eine Alarmanlage installiert. Ihr denkt, dass euch nichts etwas antun könnte weil ihr den schwarzen Gürtel in irgendeiner Kampfsportart habt. Oder fühlt euch stark weil ihr anderen Menschen schon Leid angetan habt. Mir ist das alles egal, für mich seid ihr alle… bloß… Menschen.“


Panik machte sich in mir breit. Ich hatte Angst vor dem Wesen. Mein Puls wurde schneller, und ich spürte wie Adrenalin mein Handeln anfing zu bestimmen. „Ich werde dir nichts tun“, sagte das Wesen mit seiner furchtbaren Stimme. „Ich dir aber!“, antwortete ich in meinem Adrenalinwahn. Ich stürzte mich auf die Kreatur und schlug mit meinem Baseballschläger wild auf sie ein. Ich spürte nach dem dritten oder vierten Schlag wie die Schädeldecke zersprang und widerliche Flüssigkeiten überall im Hausgang und meinem Zimmer verteilten.

„Warum müsst ihr denn immer gleich angreifen…“, hörte ich wieder die Stimme der Kreatur. Blitzschnell schaute ich nach rechts. Dort war die Kreatur, die die ich eigentlich gerade getötet hatte, und starrte mich mit ihren großen weißen Augen an. „Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich nicht töten werde“, sagte die Kreatur und versuchte dabei beschwichtigend zu wirken. „Dich…“, wiederholte sie, und glitt langsam in Richtung Schlafzimmer meiner Eltern. „Nein, das wirst du nicht tun!“, brüllte ich, und lief ihm hinterher, holte aus und erwischte ihn noch bevor er die Klinke runterdrücken konnte. Blut spritzte aus einer großen Wunde am Schädel der schattigen Kreatur. 

Die Wände waren mit Spritzern bedeckt, doch das kümmerte mich wenig, denn als die Schlafzimmertür aufging, stand die Kreatur wieder vor mir. „Versuchs doch hiermit“, zischte sie mir zu und hielt mir die Schrotflinte von meinem Dad hin. Ich starrte auf das Bett, dort lagen meine Eltern. Sie atmeten noch. Sofort griff ich die Schrotflinte und schoss dem Wesen ins Gesicht. Zum dritten Mal spritzte Blut umher, und bedeckte sämtliche Oberflächen, die es erreichen konnte.

Ich warf noch einmal einen prüfenden Blick auf meine Eltern. Sie schliefen. „Das Wesen muss sie mit einer Art Fluch belegt haben…“, murmelte ich zu mir als ich die Schrotflinte nachlud. „Ich bewundere wirklich deinen Mut, andere Opfer von mir haben nicht so lange durchgehalten“, zischte wieder die verzerrte Stimme des Wesens. „Ich kann das die ganze Nacht lang machen“, antwortete ich verhöhnend. „Hast du jetzt Angst vor mir oder warum zeigst du dich nicht mehr?!“ Wieder hörte ich ein Kichern. „Ich habe wirklich Angst. Soviel Angst, dass ich mich besser erst einmal bei Amy verstecke.“

Das Blut gefror mir in den Adern. „Das würdest du nicht wagen!“, schrie ich ins nichts. Als ich nach 10 Sekunden noch keine Antwort bekommen hatte, erkannte ich was passiert war. Sofort sprintete ich los, die Treppen hinab, durch die offene Haustür hindurch. Als ich an Amys Haus angekommen war, sah ich ihn schon. Er wartete vor der Haustür. „Ahh, jetzt hast du dir aber Zeit gelassen…“, sprach er in seiner verzerrten Stimme. „Halts Maul!“, schrie ich.

Er verschwand in der Tür. Hastig rannte ich zur Tür und klingelte Sturm, während ich mit einer Hand gegen die diese hämmerte. Die Tür ging schließlich auf, der Gang dahinter war hell erleuchtet, sodass ich erst einmal blinzeln musste. Dort stand er, in der Tür erleuchtet vom Licht. Schnell schleuderte ich ihm zwei Schrotflintenladungen ins Gesicht. „Hihi hihi“, hörte ich ihn kichern. „Ich bin hier fertig, aber vorher hätte ich gerne noch etwas von dir!“ Ab dort wurde es dunkel.


Als ich aufwachte, lag ich in einem weißen hohen Raum, der mit großen Lampen beleuchtet wurde. Als ich versuchte mich zu bewegen, musste ich feststellen, dass mein gesamter Körper auf einem Bett fixiert war. „Wo bin ich?“, rief ich in die weiße Leere. Als ich meinen Kiefer bewegte bemerkte ich einen stechenden Schmerz, der mir durchs gesamte Gesicht zog. „Sie sind in einer psychiatrischen Einrichtung“, antwortete eine tiefe Männerstimme. „Was? Warum?“, fragte ich verwirrt.
„Weil sie Ihre Familie, sowie Amy Guillenberg mit einem Baseballschläger und einer Schrotflinte getötet haben. Anschließend haben wir sie Ohnmächtig auf der Türschwelle von Miss Guillenberg gefunden, ohne Gesichtshaut.“

„Ohne Gesichtshaut“ wiederholte ich leise. „Das war dieses dunkle Wesen, mit den stechenden Augen! Ich habe versucht meine Eltern und Amy zu retten! Haben sie die Leichen von dem Wesen nicht gefunden?“, sagte ich laut, und fügte noch einen leichten Schmerzensschrei an, da ich meinen Kiefer überlastet hatte. „Wir haben nur die vier Leichen der betroffenen Personen gefunden: Mr. Strond, Mrs. Strond, Chris Strond, Amy Guillenberg. Alle wurden mit schweren Kopfverletzungen aufgefunden. Zwei von ihnen, Chris und Mrs. Strond wurden mit einem Baseballschläger, an dem Ihre Fingerabdrücke gefunden wurde erschlagen, Ms. Guillenberg und Mr. Strond wurden mit einer Schrotflinte erschossen.“


Ich fing an zu lachen. Ich hatte verstanden, dass ich nie wieder hier rauskommen würde, und die Geschichte mit dem Gesichtsdieb würde mir eh niemand glauben.

Ich hörte, dass der Arzt sich mir näherte. Seine Schuhe waren klar und deutlich auf dem Linoleumboden zu hören. Langsam schob sich mein eigenes Gesicht mit den irren Augen des Wesens in mein Gesichtsfeld.


„Ich habe es mir genommen, du brauchst es eh nicht mehr. Du wirst hier verrotten.“

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