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Gehe in irgendeiner Stadt, in irgendeinem Land zu irgendeiner psychiatrischen Anstalt oder Rehabilitationsklinik, zu welcher du Zugang hast, und frage an der Rezeption nach, ob du jemanden besuchen darfst, der sich selbst „Den Halter des Siegels“ nennt. Der Arbeiter wird beginnen, fröhlich zu kichern, und an dir vorbei aus dem Ausgang rennen.

Erst wenn sich die Türen hinter ihm geschlossen haben, darfst du seinem Weg folgen. Sobald du aus dem Gebäude trittst, wirst du dich in einem warmen, mediterranen Wald wiederfinden, der von einem salzigen Geruch umhüllt ist, und von dem Geräusch der brechenden Wellen bevölkert wird, welcher sogar das laute Rufen der lokalen Fauna übertönt. Du wirst ein Schloss sehen, welches auf einer haushohen Klippe tönt, die von den Wellen umspült wird; gehe dort hin. Aber sei vorsichtig, während du dich durch das Geäst kämpfst, denn – auch wenn es dir so erscheinen könnte – sie gehört nicht zu dieser Welt.

Das Schloss sollte verlassen, verfallen und in einem schlechten Zustand sein, und in diesem Fall kannst du eintreten. Sollte es jedoch nicht so sein; verlasse die Gegend. Baue dir selbst eine Hütte und warte Tage, vielleicht sogar Monate, bis es auf die Beschreibung passt. Denn du willst kein Teil von dem sein, was sich in seinem Inneren ereignet.

Wenn du also das Schloss – zum rechten Zeitpunkt – betreten kannst, musst du durch die Ruinen bis zum Ende der Klippe laufen. Du suchst nach einer aus Mahagoni bestehenden Doppeltür, auf der altertümliche Buchstaben und Symbole eingraviert sind. Diese sind aus einer verblassten Sprache; starre sie nicht zu lange an, da sie dich sonst vollkommen einnehmen.

Trete ein. Du wirst eine Art Bücherei vorfinden, deren gigantisches, halb zerschlagenes Fenster einen wundervollen Blick auf das Meer schenkt. Reihen von Büchern werden sich in Regalen aneinander reihen, die schon seit tausenden Jahren nicht mehr gelesen wurden. Berühre keines von ihnen, und widerstehe deiner Neugier. Denn wenn du eins liest, musst du alle lesen, was in absehbarer Zeit nicht zu schaffen ist. Die Leichen auf dem Boden haben es nämlich getan. Vielleicht liegt dir einer von ihnen sogar zu Füßen; die Überbleibsel des letzten Suchers, der sich nicht zügeln konnte. Aber das kann man nicht genau wissen, da dieser Halter gerne einmal ausmistet.


Es wird auch Lesesessel geben. Größer und weicher, als du es für möglich gehalten hast, geschaffen aus Materialien, die diese Welt nicht mehr kennt. Auch diese haben vielleicht Tote zu tragen, die sich in einer interessierten Geste über ein Buch beugen.

Eines der Regale wird nur wenige Bücher enthalten, da der Rest davor auf dem Boden liegt. Du suchst nach genau diesem einen Regal. Und irgendwann wirst du auch dem Halter des Siegels begegnen: Einem alten Mann mit Lesebrille, und einer fließenden Robe, die vor Jahrhunderten sicher einmal schön gewesen ist. Er wird, wie seine Kameraden, nur auf eine einzige Frage antworten:


„Bin ich derjenige, der sie stoppen kann?“


Nach dieser Frage wird er dich bitten, dir beim Aufräumen der Bücher zu helfen, und es wäre schrecklich unhöflich, einem älteren Mann diese Bitte zu unterschlagen.

Wenn du nun also dabei ist, dass letzte Buch an seine Stelle zu legen, halte inne, und frage ihn abermals:


„Bin ich derjenige, der sie stoppen kann?“


Er wird dir in wahnsinnigen Details erklären, was es kostet, sie aufzuhalten. Das Opfer, den Tribut, das Leiden, die Qualen und die Rache, die die Menschheit ertragen muss, um sie davon abzuhalten, zusammen zu kommen.

Er wird endlich auf deine Frage antworten, denn du hältst nun den einzigen Gegenstand in der Hand, welcher es vermag, sie zu stoppen. Wenn du beim Aufräumen der Bibliothek mitgezählt hast, wirst du feststellen, dass es genau fünfhundertsiebenunddreißig Bücher waren. Platziere das fünfhundertachtunddreißigste ebenfalls, und die Macht der 538 Objekte wird verschlossen sein, ihre Eigenschaften verloren, ihr Böses verbannt und ihre Halter und Sucher befreit.

Meh

Und da ist, wie es die Menschen sagen, der Haken. Denn einige Halter sind besser in Gefangenschaft ihres Objektes aufgehoben. Und einige Sucher werden nicht glücklich sein, dass die Objekte, für die sie jahrelang gesucht haben, nun nicht mehr oder weniger als gewöhnliche Gegenstände sind. Um genau zu sein, werden sie wohl eher wütend sein, und ein gewisses Schloss auf einer Klippe aufsuchen.

Nun ist es deine eigene Entscheidung. Du kannst sofort gehen, nachdem du es getan hast, und hoffen, dass dich die Halter und Sucher, deren Welt du auf den Kopf gestellt hast, nie erreichen. Wenn du gehst, werden sie nur den Halter des Siegels finden, ihn in Stücke reißen, die Bücher von den Regalen reißen, und die 538 wieder zu ihrer alten Kraft führen, um die Zahnräder auf dem Weg zu ihrer Vereinigung wieder ineinander greifen zu lassen.

Du wirst vielleicht mit dem Leben davonkommen, aber das Objekt hier nie erhalten.


Wenn du sie wirklich aufhalten willst, musst du in der Bibliothek bleiben. Jeder Horror, den du dir vorstellen kannst, wird kommen, und sich gegen die Wände, Fenster, Drecken und Grundbausteine dieses Ortes werden. Sie werden nicht sofort hereinkommen, da der Halter immer noch eine gewisse Macht über die Räumlichkeiten hat.

Er wird aber nicht lange durchhalten; alt wie er ist; weswegen du dich beeilen musst. In einem der Regale wird die Geschichte dieses Objektes stehen. Du musst sie finden, und lesen, aber sei gewarnt: Die Titel, Seiten und Kennzeichen auf den Regalen sind alle in einer anderen Sprache, und ergeben keinen Sinn für Sterbliche. Noch dazu enthält jedes Buch die gesamte Geschichte seines Objekts, mit jedem Detail der Sucher und Halter, oder wer sonst noch in Kontakt mit ihnen kam. Und jedes Wort, das du liest, lässt dich an eigenem Leib die Angst, den Neid, die Habsucht, und noch mehr, den Schmerz der anderen Sucher fühlen. Halte dich nicht zu lange mit den falschen Büchern auf. Finde das richtige. Lies es.

Der alte Halter wird verschwunden sein, und du dir jedes Nagels, Holzbrettes, Stuhles, Buches, Regales und Wortes in dieser Bücherei bewusst sein. Und wenn das nicht deinen zerbrechlichen Verstand in Stücke reißt: Herzlichen Glückwunsch. Du bist nun Halter des Siegels. Sie sind verschlossen, aber die Hölle kommt, um sie freizusetzen. Lasse die Bücher so lange an ihrem Ort, wie du die Kontrolle über sie bewahren kannst.

Doch wenn du das Objekt als dein Eigen bezeichnen willst, und die restlichen Ewigkeiten so verurteilen kannst, nimm einfach das Buch an dich, und geh. Aber sei sicher, dass es das richtige ist, da jeder Halter und jeder Sucher seine Geheimnisse wahren will, und alles tun würde, um diese vor dir zu bewahren.

Wenn du es denn überhaupt schaffst, das Objekt zu finden, bevor die Legionen durch die Türen brechen. Verlasse einfach diesen Ort, und du wirst dich innerhalb der Institution wiederfinden, als ob keine einzige Sekunde inzwischen vergangen wäre. Der Rezeptionist wird dich verwirrt anstarren. Gehe einfach hinaus, dort erwartet dich nur die gewohnte Straße.


Solange du dieses Buch besitzt, kann kein Objekt dich verletzten. Und solange du das Buch besitzt, können sie nicht aufgehalten werden, da eine Lektüre in der Reihe fehlt.


Es ist Objekt 143 von 538. Du hast das Siegel gebrochen, und die Stücke verteilt. Wie lange kannst du mit deinen Taten leben?


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