FANDOM



Es begann alles vor einem Jahr, als Jim völlig durchnässt vom Regen nach Hause kam. Seine zerzausten, braunen Haare waren klitschnass und seine schwarze Jeans von der Nässe des Regens noch dunkler verfärbt. Die Tage wurden immer verregneter und grauer, selbst emotional stand er kurz vor dem Abgrund. Seine Jacke war an den Ärmeln zugenäht worden und die Kapuze war halb abgerissen. Mit trüben Blicken warf er seine nassen Bücher auf den Küchentisch und schnappte sich ein Stück Pizza von gestern abend. Er unterdrückte schweigend die Tränen, die kurz davor waren aus seinen Augen zu rinnen.

"Wie oft habe ich dir schon gesagt du sollst deine nassen Sachen nicht auf den Esstisch werfen?!" regte sich seine 21-jährige Schwester auf, bei der er seit dem Tode seiner Eltern lebte. Er zuckte seufzend mit den Schultern und biss gierig das letzte Stück seiner Pizza ab. Er hatte seiner Schwester Mona nie erzählt, dass er in der neuen Schule gemobbt wird. Er wusste nicht wieso, vielleicht weil er keine Freunde hatte, oder weil er einfach nur neu dort war, jedenfalls mochte ihn dort niemand. Er wollte Mona mit so einer Sache nicht belasten, der Tod ihrer Eltern war schon schlimm genug.

Nachdem Mona es aufgab, ihre Worte an ihm zu verschwenden, machte sie sich auf den Weg ins Auto. Wie jeden Tag um diese Zeit musste sie zur Arbeit fahren. Das hieß fünf ganze Stunden alleine sein für Jim. Das störte ihn nur wenig, er traf sich eh mit niemandem und schaute den ganzen Tag Fernsehen. Wenn er einmal raus ging, dann war das entweder zur Schule oder zum Briefkasten. Denn dort war der einzige Freund den er hatte. Ein Brieffreund mit dem er in der alten Schule bei einem Projekt angefangen hatte zu schreiben. Er schüttete ihm in seinen Briefen sein ganzes Herz aus und jedesmal wenn er seinen neuen Brief in die Hand nahm erfüllte ihn das mit Hoffnung. Vorallem, weil dieser Brieffreund auch der einzige war, der ihn verstand. Er war einfach genau wie Jim und umgekehrt.

Nach einer Weile hörte Jim mal wieder einen alten Automotor die Einfahrt hinein fahren. Er wusste sofort, dass dieses Brummen von dem gelben Postwagen kam, der ihm andauernd die Briefe seines einzigen Freundes lieferte. Sofort sprang er auf und rannte durch den langsam schwindenden Regen zu dem Wagen. Der Postbote erkannte ihn sofort und drückte ihm das Paket zusammen mit dem Brief in die Hand. "Wieder dein Brieffreund?" Er nickte eifrig. "Schon zum dritten mal in dieser Woche, ihr habt aber viel zu schreiben." Mit einem Lächeln stieg er wieder in das Auto und fuhr zum nächsten Haus.

Im Haus angekommen machte Jim es sich wieder vor dem Fernseher gemütlich und packte langsam den Brief aus dessen Umschlag aus. Leise las er:

Hallo Jim,

Es war zwar erst letztens, dass du meinen alten Brief bekommen hast, aber ich kann einfach nicht aufhören dir zu schreiben. Dank dir fühle ich mich schon viel besser, leider streiten sich meine Eltern noch immer und ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalte. Meine Freunde scheinen sich immer mehr gegen mich zu verschwören und ich fange auch an sie zu hassen. Ja, ich fange an die ganze Welt zu hassen, außer dich Jim. Dank dir habe ich wenigstens einen, dem ich vertrauen kann. Einen unglaublich netten Freund, auch wenn er weit weg ist. Wer weiß, vielleicht werden wir uns ja eines Tages einmal treffen. Dann könntest du mir helfen mein Problem zu beseitigen und ich dir helfen deines. Denn allein dass ich dich kennen gelernt habe, gibt mir Mut weiter zu leben. Ich hoffe es ist auch umgekehrt der Fall. Bei uns regnet es schon seit letzter Woche, ich hoffe du hast schöneres Wetter.

Dein Brieffreund.

Jim legte das Paket beiseite auf Monas Platz, sodass er den Brief noch einmal in vollen Zügen genießen konnte. Er las ihn ein zweites Mal durch, wie er es bei jedem seiner Briefe tat. Sein Brieffreund hatte zwar nicht die selben Probleme wie er, aber ähnliche. Erst jetzt bemerkte er, dass sein Brieffreund -Hallo Jim,- geschrieben hatte. Etwas verwundert rieb er sich die Augen. War das überhaupt möglich? Er hatte ihm im vorherigen Brief seinen Namen noch nicht geschrieben. Oder etwa doch und er konnte sich nicht mehr daran erinnern? Na egal... Das wichtigste war ihm zurück zu schreiben. Vorsichtig nahm er ein Blatt Papier und einen Füller zur Hand. Dann fing er an zu schreiben:

Hallo Brieffreund,

danke das du mir zurück geschrieben hast, ich habe mich sehr darüber gefreut. Bei uns ist leider das selbe Wetter, auch schon seit einer Woche. Es macht mich traurig darüber zu hören, dass deine Eltern sich immer noch streiten, auch das mit deinen Freunden tut mir leid. Bei mir läuft es derzeit auch nicht besser. Heute haben meine Mitschüler mal wieder meine nagelneue Kapuzenjacke an den Ärmeln zusammen genäht und mich ausgelacht, als ich sie anziehen wollte. Ich kann verstehen, dass es immer ein "Opfer" in den meisten Klassen gibt, aber wieso musste das gerade ich sein? Ich hasse neuerdings auch alle um mich herum, sie regen mich schon fast so auf, dass ich mir manchmal in Gedanken vorstelle wie ich sie nacheinander absteche... aber verrate es niemandem. Am liebsten würde ich das wirklich tun, wenn das so weiter geht, aber da wir im 21. Jahrhundert leben und ein Mensch vernünfig handeln sollte, tu ich das lieber nicht, würde ich ja auch niemals tun. Stattdessen habe ich morgen ein Termin bei der Vertrauenslehrerin in unserer Schule, ich hoffe es wird sich wenigstens etwas bessern.

dein Jim.

P.S.: Schreib mir Bitte zurück!

Dieses mal hatte Jim seinen Namen erwähnt, wieso auch anders, wenn er ihn bereits wusste? Eilig rannte er wieder nach draußen und stieg auf sein Fahrrad, um mit dem Brief zur Post zu fahren. Trotz Regen schien es nicht lange zu dauern bis der Brief ankommen würde, da er seinen letzten Brief auch erst gestern abgeschickt hatte. Vielleicht wohnten sie gar nicht so weit weg wie er dachte.

Am nächsten Tag musste er wieder durch den Regen nach Hause gehen. Zwar war die Schule nicht weit entfernt, aber da er noch keine neue Jacke hatte, musste er ohne gehen. Heute war er bei der Vertrauenslehrerin. Diese konnte ihm aber nicht besonders viel helfen hatte er das Gefühl, also hoffte er auf einen neuen Brief von seinem fremden Freund. "Hey du!", knurrte ihn eine bekannte Stimme von hinten an und er drehte sich um. Es war Max, der aus seiner Klasse, der die anderen andauernd dazu angestiftet hatte, ihn zu ärgern. Jim antwortete nicht und lief nun wieder weiter. Mit der Zeit holte Max in jedoch ein und schubste ihn zur Seite. "Platz da Idiot!", lachte er mit einem verachtenden Blick. Jim seufzte ahnend, dass er nicht unversehrt wieder nach Hause kam und stand einfach wieder auf, als wäre nichts gewesen. Das jedoch provozierte Max noch mehr, sodass er ihn einen heftigen Tritt gegen das linke Bein verpasste. Ein Knacksen ertönte, Jim schrie auf vor Schmerz. Das Geräusch kam von diesem Bein, vorgestern erst ist er damit die Treppe herunter gefallen, was die Schmerzen nur noch verstärkte. Ohne groß zu zögern schnappte er sich seine Tasche, die dabei auf den Boden gefallen war und rannte so schnell er mit seinem Bein konnte die Straße herunter. Bloß weg von hier, war sein einziger Gedanke.

Als er sich dann endlich sicher war, weit genug weg zu sein, verlangsamte er seinen Gang wieder. Schwer atmend bog er in die nächste Straße ein. Kurz vor der Haustür stolperte er unvorsichtig. Völlig erschöpft blieb er liegen. Diesmal konnte er seine Tränen nicht mehr abhalten. So ging das schon ein halbes Jahre lang. Das hielt er nicht mehr aus. Er würde einfach liegen bleiben, dann müsste er niemanden aus seiner Schule mehr zu Gesicht bekommen. Dieser Gedanke verwirklichte sich aber nicht. Denn als er aufsah, streckte ihm jemand in gelber Regenjacke die Hand entgegen. Dankend nahm Jim sie an und rappelte sich auf. "Wer bist du?" fragte Jim ihn unsicher, er konnte die Augen des Fremden nicht sehen, weil sie unter dem Schatten der gelben Kapuze versteckt waren. Nur der traurig blickende Mund kam zum Vorschein. Seine roten Gummistiefel ließen ihn wie ein kleines Kind, das im Regen spielte, wirken. "Ich? Ich bin dein Brieffreund. Als ich gemerkt hatte, dass du nur ein paar Straßen von mir entfernt wohnst, bin ich sofort her geeilt um dich zu besuchen!", kicherte er und Jim kratze sich verwirrt am Kopf. Als ob ihnen das nicht schon vorher aufgefallen wäre... "Ich habe meine Probleme schon seit langer Zeit nicht mehr. Wenn du willst, kann ich dir helfen, deine zu beseitigen... weißt du? Du erinnerst mich an mich selbst früher!" Jim verwirrten diese Worte nur noch mehr, aber, sein Brieffreund hatte ihm immer alles so geschrieben als wäre ihm das erst letztens passiert, wieso meint er dann er hätte seine Probleme schon seit - langer Zeit - nicht mehr?

"Wieso an dich früher? Bist du nicht selbst noch ein kleines Kind? Viel jünger als ich?" Der Junge in der gelben Regenjacke kicherte belustigt. "Körperlich vielleicht, aber mein Leben kommt mir wie eine Ewigkeit vor, seitdem ich niemanden mehr habe... als ich dann eine Brief von dir bekam, wollte ich auch dir alle Probleme nehmen, dann kannst du zu meinen anderen Freunden kommen, denen ich auch schon alle Sorgen nahm!" Er zog ein Messer aus seiner Tasche. Mit erwartungsvollen Blicken sah er mich an. "Jetzt wirst du... keine Sorgen mehr haben..." erfreut stach er das Messer genau in sein Herz. Erschrocken sank Jim zu Boden. "Sei glücklich, du bist jetzt schon Nummer 13 denen ich half. Ihre Probleme zu lösen." Jims Blickfeld verschwamm, das einzige was er sah, war der Junge im Regen, von dem Messer an seiner Hand tropfte sein Blut, nein, es waren seine Sorgen, die dahin flossen...

Der fremde kleine Junge nahm eine Liste aus seine Jackentasche. Er hakte einen Namen daraus ab. "Hätte nicht gedacht, dass ich so viele Freunde in diesem Ort habe. Sie sind jetzt alle sorgenfrei...."

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki