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Es war mal wieder ein ziemlich langweiliger Tag. Manchmal kam mir mein Job so unspektakulär vor, dass es schon fast wieder beeindruckend war, wie etwas so uninteressant sein konnte. Seit mittlerweile fünf Jahren führte ich nun schon dieses kleine Kosmetikstudio mitten im nirgendwo. Früher hatte ich noch Träume gehabt, wollte noch in die großen Städte, raus aus diesem elenden Dorf und endlich ein neues Leben anfangen. Doch dann war völlig überraschend meine Tante gestorben. Sie hatte mir diesen dreckigen Abklatsch von einem Laden vermacht, manchmal verfluchte ich sie nachts noch leise dafür. Damals hatte ich ihn noch freudig übernommen, doch er war von Misswirtschaft und Inkompetenz zerfressen und ich musste mein gesamtes bescheidenes Vermögen dafür aufwenden, um mich vor dem Ruin zu bewahren. Eh ich mich versah befand ich mich in einem nie endenden Albtraum, gefangen zwischen ernüchternden Tagen, erdrückenden Nächten und der puren Existenzangst. Anfangs hatte ich noch viele Kundinnen gehabt, doch irgendwann waren es weniger geworden. Bis dann gar keine mehr kamen. Ich wusste, dass sie alle im Dorf über mich redeten, über mich lästerten und mich wohlwollend ins Abseits schickten. Wann immer ich sie darauf ansprach, taten sie als wüssten sie von nichts, doch warum sonst hätten all meine Stammkunden nach und nach meinen Laden meiden und nie wieder kommen sollen? An dieser Stelle waren sie meistens sprachlos und wandten sich ab. Sie ahnten, dass ich alles wusste. Doch nie kam eine Entschuldigung, nie...

Die Türglocke riss mich aus meinen Gedanken. Völlig überrascht riss ich mich hoch und blickte in die Augen meiner neuen Kundin. Sie war um die 25 Jahre alt, hatte wunderschöne schwarze Haare und generell eine Ausstrahlung, die man in dieser grauen Einöde eher selten fand. Sie schien noch vor Freude und Optimismus zu sprühen, während alle Anderen, tief drinnen auch ich, eher eine dunkle Aura der Verzweiflung und Missgunst umgab. Lächelnd bat ich sie, sich zu setzen, brachte ihr etwas zu trinken und begann dann mein übliches Verkaufsgespräch. "Einen schönen guten Morgen, was kann ich denn für Sie tun?" "Ich würde gern meine Falten behandeln lassen." Ich war etwas irritiert. Falten? Sie? "Bitte was, Ihre Falten?", fragte ich mit einem eher unsicheren Lachen. Sie sah mich ein wenig unsicher an, dann antwortete sie: "Ja, ich weiß es klingt dumm, aber ich sehe jeden Morgen in den Spiegel und dann sind da diese kleinen Einkerbungen und..." "Keine Angst, Sie müssen sich vor mir nicht rechtfertigen." Ich setzte das professionellste Lächeln auf, das ich noch hinbekam. "Wie möchten Sie es denn behandelt haben? Wir haben hier eine brandneue Methode aus Frankreich für grade mal 70..." "Es tut mir leid, Sie zu unterbrechen, aber ich habe nicht allzu viel Geld. Was wäre denn das günstigste Angebot?" Ich setzte schnell ein noch breiteres Lächeln auf. "Na, wenn das so ist...unsere billigste Variante wäre ein speziell von mir entwickeltes Konzept. Grade mal zehn Euro."

Wie zu erwarten war sie hellauf begeistert. Sie sagte es zwar nicht direkt, doch während der ganzen Prozedur hatte sie nicht ein Mal gemuckst. Und ihr Gesicht strahlte danach einfach eine Welle der Freude aus. Sie war ganz rot im Gesicht, so sehr freute sie sich. Meine Behandlung war an sich ganz simpel. Laut meinem mehr oder weniger vollständigen Wissen, waren Falten einfach nur weniger gut durchblutete Stellen der Haut, an denen sich dann diese Fältchen bilden. Soweit meine Theorie. Ich habe ihr einfach etwas von meinem speziellen Mittel verabreicht und so die Blutung in ihrem Gesicht wieder angekurbelt. Danach habe ich sie in den Erholungsraum gebracht, in den ich all meine Kunden nach dieser Behandlung brachte. Der Großteil meiner Kunden war hier. Kein Wunder, dass auch sie das Gerede im Ort nicht mehr ausgehalten hatten. Deshalb waren sie zu mir gekommen und blieben hier auch. Jeden Morgen wenn ich kam waren sie schon da und wenn ich abends ging blieben sie sogar noch ein bisschen. Sie waren einfach fantastisch. Auch sie würde sich hier ein wenig ausruhen müssen. Unfassbar wie viel mein kleines Hausmittelchen alles erreichen konnte. Und ihre Falten konnte man auch kaum noch sehen. Sie waren nun alle bedeckt von einer schönen roten Schicht, mein Mittel hatte also sein Ziel erfüllt. Immer wieder faszinierend, was Salzsäure alles ausrichten kann. Und für ihr Blut würde ich bestimmt sogar die 10€ kriegen, die sie mir versprochen hatte...

von Duschvorhang

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