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Alles fing vor einem Jahr an. Mit diesem Haus. Mit diesen Puppen. Mit diesem Grauen.

Marionettenspieler

Wir waren grade umgezogen. In ein älteres Haus, am Rande der Stadt. Es war ein großes Haus, mit vielen Zimmern, einem großen Wohnzimmer, Keller und Dachboden. Mein kleiner Bruder rannte sofort durchs ganze Haus, um die Zimmer zu erkunden. Ich half meinen Eltern dabei, die Sachen auszuladen und das Haus zu beziehen. Mein Bruder rannte mehrmals an uns vorbei und ich musste schmunzeln. Er war sehr lebhaft. Als wir zu Mittag aßen sagte er, dass der Keller abgeschlossen wäre. Meine Eltern glaubten dies nicht, da wir nur einen Schlüssel bekommen hatten und die Schlüssel zu den Zimmern in den Türschlössern steckten.

Nach dem Essen ging ich zur Kellertür, um zu gucken, ob sie nicht doch offen war. Als ich davor stand überkam mich ein seltsames Gefühl. Es war eine Art Angst, eine böse Vorahnung. Als könnte ich das Unheil, das von diesem Keller ausging, förmlich spüren. Dennoch probierte ich die Tür zu öffnen und suchte nach dem Schlüssel, da ich dachte er würde in der Nähe der Tür liegen. Doch ich fand ihn nicht, also drehte ich mich um und ging wieder meinen Eltern helfen.

Als wir abends fertig waren, wollte ich mir auch mal das Haus ansehen. „Sehn wir uns das Haus zusammen an?“ fragte ich meinen kleinen Bruder. „Ja klar!“ rief er. Auch wenn er das Haus schon gesehen hatte, gab es dennoch 2 Räume die er nicht gesehen hatte und die er hoffte mit mir sehen zu können: Den Keller und den Dachboden. Aber ich wollte nicht noch einmal an der Kellertür stehen. Dieses unheimliche Gefühl wollte ich nicht noch einmal erleben. Zumindest nicht am selben Abend. Aber wir gingen zum Dachboden. Mein kleiner Bruder wollte sich den Dachboden nicht alleine angucken, da er Angst hatte. Er war ja auch erst 7.
Die Tür war alt und zerfallen. Sie sah viel älter aus als die anderen Türen des Hauses. Der Dachboden war sehr verstaubt. Etwas Licht viel durch ein verdrecktes Fenster, grade so viel, dass man sich im Raum umgucken konnte. Auf dem Dachboden stand viel Krempel rum.  Alte Kommoden, Schränke und Truhen. Mein kleiner Bruder rannte sofort los und durchstöberte alles. Ich ging langsam hinter ihm her und sah mich um. Ich fand ein Bild. Es war, genau wie die übrigen Gegenstände auf dem Dachboden, sehr verstaubt. Das Bild zeigte ein Kind mit zwei Marionetten. Auf der Rückseite stand das Geburtsdatum und, was mich etwas erschreckte, auch das Todesdatum. Das Kind war nur 12 Jahre alt geworden. Wieder bekam ich dieses unheimliche Gefühl. Jedoch war es jetzt so als würde mich etwas beobachten. Ich hörte etwas hinter mir rascheln und schreckte hoch. Doch ich sah nichts. Vermutlich hatte mein Bruder etwas umgeworfen oder durchsucht. Ich drehte mich wieder um und öffnete die Truhe, auf welcher das Foto gestanden hatte. In der Truhe lag eine Marionette, einige ausgeschnittene Zeitungsberichte und ein Schlüssel. Ich sah mir die Zeitungsberichte an. „12 Jähriges Kind brutal gefoltert und getötet.“ Sofort dachte ich an das Kind auf dem Bild. Es hätte ja vom Alter her gepasst. Ich las weiter. „Der Zwölfjährige wurde in seinem Haus gefoltert. Man schlug ihm Nägel in die Augen und zerschnitt ihm das Gesicht. Danach wurde er enthauptet.“ Daneben war ein Bild von unserem, von diesem Haus. Ich sah mir die anderen Zeitungsberichte an. „Familie erstochen aufgefunden – Kind verschwunden.“ , „Mörder ersticht Familie – 10 jähriger entführt.“ ,und „Seltsame Geräusche aus verlassenem Haus – Schatten an Fenstern beobachtet.“ Dann sah ich mir die Puppe an. Die Augen der Marionette waren aus Glas und hatten eine rote Iris. Das waren die unheimlichsten Augen die ich je gesehen hab. Es war so als starrten sie einem direkt in den Kopf. Es war als könnten diese toten Augen meine Angst sehen. Ich nahm den Schlüssel und schloss schnell die Truhe. Ich konnte den Anblick dieser Marionette nicht lange ertragen. Ob der Schlüssel für den Keller war? „Komm!“ rief ich meinem Bruder zu. Ich wollte nicht mehr hier oben sein. Wir gingen runter. Ich beschloss in den nächsten Tagen den Schlüssel auszuprobieren.

Einige Tage später probierte ich es dann aus. Tatsächlich war der Schlüssel, den ich in der Truhe gefunden hatte, der des Kellers. Wieder beschlich mich dieses ungute Gefühl einer bösen Vorahnung, doch ich ignorierte es. Der Keller war dunkel. Ich tastete nach dem Lichtschalter. Als ich ihn drückte geschah jedoch nichts. Wahrscheinlich waren die Lampen zu alt. Ich ging die Treppe hinunter. Bei jedem Schritt knarrten die Stufen. Auch hier unten war alles zu gestellt mit Kisten und alten Sachen. Wieder fühlte ich mich beobachtet. Ich ging im Keller umher. Wieder hörte ich etwas rascheln. Doch dieses Mal war mein Bruder nicht da. Ich erschrak. Was war das? Eine Ratte oder ein anderes Tier vielleicht? Dieses Mal raschelte es jedoch weiter und nicht so kurz wie beim ersten Mal.  Das Geräusch war hinter einem Stapel Kisten. Langsam nährte ich mich den Kisten. Je näher ich kam desto mehr hörte sich das Geräusch an, als würde etwas aus Holz zusammenstoßen, wie in einem Scharnier aus Holz. „Noch eine Marionette?“ dachte ich. Und tatsächlich. Hinter dem Stapel lag eine Marionette auf dem Boden. An ihren Gliedmaßen waren Fäden befestigt, die in der Dunkelheit verschwanden. Nun bekam ich große Angst. So als würde sich dieses Gefühl der unguten Vorahnung verwirklichen. Ich drehte mich um und wollte schnell aus dem Keller gehen. Nach wenigen Schritten hörte ich hinter mir wieder dieses hölzerne Klackern.

Doch nicht nur das. Ich hörte auch ein Geräusch, das sich anhörte, als würde jemand an Schnüren ziehen. Allerdings hörte es sich irgendwie elektrisch an. Ich drehte mich um. Und da stand die Marionette. Sie war aufgerichtet und starrte mich an. Ich schrie auf und rannte aus dem Keller. Ich schlug die Tür hinter mir zu und sank zu Boden, starr vor schreck.

Seit dem hörte ich immer wieder auf dem Dachboden und im Keller dieses Klacken und das Ziehen von Schnüren. Manchmal wachte ich sogar nachts auf, weil ich diese Geräusche in meinem Zimmer, unter meinem Bett gehört hatte. Wenn meine Eltern oder mein Bruder jedoch dort waren hörten sie nichts. Auch fand niemand die Marionetten. Allmählich wurde ich verrückt. Doch zwei Wochen später passierte es.
Mein Bruder wollte zu einem Freund und sollte auf dem Weg noch eben etwas aus dem Keller mitnehmen. Abends rief sein Freund an und fragte warum er nicht gekommen sei. Meine Eltern waren natürlich sofort in Aufruhe. Sie fuhren los und suchten den weg ab, fanden jedoch nichts. Als sie wieder zu hause waren, riefen sie die Polizei. Sie wollten das Haus durchsuchen und fingen mit dem Dachboden an. Ich machte mir auch Sorgen und überlegte wo mein Bruder sein konnte. Da traf es mich wie ein Schlag. Ich rannte sofort in den Keller. Es war immer noch stock dunkel und es dauerte einige Sekunden bis ich mich in der Dunkelheit zu recht fand. Ich ging im Keller umher und rief meinen Bruder, doch ich bekam keine Antwort. Grade als ich schon dachte, dass er vielleicht doch „nur“ einen Unfall oder so etwas hatte, sah ich es. Ein paar Augen funkelten mich aus der Finsternis an. Es waren die Augen von meinem Bruder. Ich rief meine Eltern so laut es ging. Doch sie kamen nicht. Was war mit ihnen? Doch da begann das Klackern und Schnüre-ziehen wieder. Dieses Mal war es lauter. Ich hörte wie oben Fenster und Türen zu schlugen. Dann zerriss ein Schrei die kurze Stille. Das war meine Mutter. Ich rannte nach oben. Hinter mir hörte ich das Klackern. Die Marionette schienen mich zu verfolgen, doch das war mir egal. Während ich die Treppen hoch rannte, hörte ich die Türklingel. Das musste schon die Polizei sein, doch ich konnte jetzt nicht umkehren, ich musste meinen Eltern helfen. Auf dem Dachboden bot sich mir ein grausamer Anblick. Meine Mutter lag mit einem Messer im Brustkorb auf dem Boden. Mein Vater war gegen die Truhe gelehnt. Vor ihm stand die Marionette mit einem Messer in der Hand. „Hau ab!“ schrie er. Doch nun hatte mich die zweite Marionette eingeholt und die erste drehte sich langsam mit ihren grauenhaften Augen zu mir um. Doch nicht nur das. Aus der Dunkelheit kam eine weitere Marionette: Mein Bruder. Nägel die an Schnüren hingen waren durch seine Gliedmaßen und seinen Kopf geschlagen worden. Die Schnüre verliefen zwar ins nichts, waren aber dennoch stramm gezogen, als wären sie doch irgendwo befestigt. „Hau endlich ab!“ schrie mein Vater noch einmal.

Eine Gestalt trat aus der Finsternis. Sie war etwa eineinhalb Meter groß, hatte einen schwarzen Umhang um, weiße Handschuhe und hatte eine weiße Maske auf. Aus den Augenlöchern tropfte Blut. Die Gestalt schien keinen Körper und kein Gesicht zu haben. Die Schnüre liefen zu ihr hin. War das etwa das Kind von dem Foto? „Wer bist du? Was willst du von uns?“ schrie mein Vater das Wesen an. Die Gestalt zeigte mit seinen weißen Handschuhen auf meinen Vater und bewegte die Finger etwas. Die Marionette die vor ihm stand, wendete sich ihm wieder zu und heftete ihn mit dem Messer an die Truhe. „PAPA!“ schrie ich und wollte die Marionette zerstören. Doch der Puppenspieler bewegte wieder seine Hand und mein Bruder sprang auf mich zu und drückte mich zu Boden. Er war kein Mensch mehr. Seine Augen waren genau wie die der Puppen aus Glas. Hatte er das meinem Bruder angetan? Warum wollte mein Bruder mich töten? Warum hatten die Marionetten meine Eltern getötet? Mein Bruder versuchte mich zu erwürgen. Ich tastete nach dem Messer, dass in meinem Vater steckte. „Ihr werdet den anderen Familien folgen. Auch du wirst meine Marionette werden!“ sagte die Gestalt. Im letzten Moment konnte ich das Messer ergreifen und rammte es ihm in den Rücken. Das Blut meines Bruders tropfte auf mich herab. Dann sank er neben mich. „Wer bist du? Warum hast du das getan?“ schrie ich die Gestalt an. Das Wesen starrte mich durch die Maske an. Ich stand langsam auf während es mich weiter fixierte. „Was hast du mit meinem Bruder gemacht?“ schrie ich. „Er ist jetzt eine Marionette. Auch du wirst meine Marionette werden!“ wiederholte der Puppenspieler. Ich wollte ihn packen doch da stand mein Bruder wieder auf. Er war nun vollständig zu einer Marionette geworden. Während er sich bewegte, hörte ich das hölzerne Klackern. Er versetzte mir einen Schlag und ich ging zu Boden. Mein Bruder und der Marionettenspieler verschwanden in der Dunkelheit. Das letzte was ich hören konnte, bevor ich ohnmächtig wurde, war das jemand unten die Tür aufbrach und die Treppen hoch stürmte.

 Psychiatrieprotokoll: Akte unter Verschluss

Patient 7624:
Zustand: Heftiger Verfolgungswahn und chronischer Schlafmangel sowie Halluzinationen und Angstzustände

Einstufung: Ständige Beobachtung, Einzelzelle

Wurde zu hause gefunden, nachdem er zu Hause seine Eltern erstochen hat. Von seinem kleinen Bruder fehlt jede Spur, doch befand sich auf seiner Kleidung das Blut seines Bruders.


An seinen Gliedmaßen waren Schnüre befestigt.

Er weiß nicht was er getan hat. Er kennt seinen Namen auch nicht. Er wiederholt immer und immer wieder: „ Der Marionettenspieler war es. Er wird mich zu seiner Marionette machen. Genau wie meinen Bruder.“

Manchmal hört man nachts aus seinem Zimmer ein elektrisches Kratzen, so als würde jemand an Schnüren ziehen.

Er behauptet dann, der Marionettenspieler wäre da gewesen, auf den Überwachungskameras sieht man allerdings nur ihn. Er bewegt sich dann, als wäre er eine Marionette.

Mis4nthr0py666 (Diskussion) 18:42, 29. Aug. 2014 (UTC)

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