FANDOM


„Beurteile niemals bloß nach dem Äußeren!“ Wie oft habe ich diese Predigt von meinen Eltern zu hören gekriegt. Hätte ich damals bloß nicht darauf gehört…

Es war zwei Tage nach Weihnachten. Draußen war alles weiß und ein leichter Wind wehte. Langsam kam die Dämmerung, die Zeit vor der ich mich, seit jener Nacht, am meisten fürchte. Die Schatten wurden immer länger. Ich und meine Familie saßen gemütlich vor unserem Kamin. Neben mir schlief ruhig mein kleines Vulpix, es war mein Weihnachtsgeschenk. Ich wollte schon seit Jahren ein eigenes Pokemon, doch meine Eltern untersagten dies. Aber irgendwie habe ich es geschafft, sie zu überreden. 

Als mir langsam auch die Augen zu fielen, schickte mich meine Mutter ins Bett. Ich schlief sofort ein.

„Derek!! Steh auf!! Derek!“, schrie eine Stimme. Ich riss die Augen auf, und sah mich um, aber alles war ruhig. 

Auf einmal berührte mich etwas am Bein. Ich sprang vor Angst aus dem Bett, doch es war nur Vulpix. Es sah mich mit seinen großen Knopfaugen an.

Beruhigt ging ich wieder ins Bett. „Das hab ich wohl nur geträumt“, sagte ich zu mir und schlief wieder ein. Wäre ich bloß aufgestanden und hätte geguckt, ob auch im Haus alles gut ist.

Durch die ersten Sonnenstrahlen des Morgens wurde ich wach. Vulpix war bereits wach und beobachtete mich, als es sah das ich die Augen offen hatte, quietschte es vor Freude.

Gelassen ging ich runter in die Stube. Als ich die letzte Stufe erreicht hatte, stockte mir der Atem, die Stube war komplett verwüstet. Nichts stand an seinem gewohnten Platz.

Ein leises Schluchzen, ich wollte wissen woher das kam, doch Vulpix hielt mich am Bein fest.

„Ganz ruhig, solange du bei mir bist, passiert mir nichts“, sagte ich leise und nahm es auf meinen Arm. 

Voller Adrenalin ging ich langsam in die Stube und kam den Schluchzen immer näher. Da! In der hintersten Ecke unter unserem Esstisch saß meine kleine Schwester Sue. An sie schmiegte sich das Psiau meiner Mutter. Langsam näherte ich mich Sue, als sie mich bemerkte, wurde sie ruhiger und sah mich an. Ihre wunderschönen grünen Augen waren leer, so als wenn sie psychisch gar nicht da wäre. 

„Was ist passiert? Wo sind Mama und Papa? Hast du gesehen, wer das war?“ Ich wusste selber nicht welche Frage ich zuerst beantwortet haben wollte, doch Sue sah mich nur an ohne sich zu regen. 

Aus der Ferne hörte ich schon die Sirene von Officer Rocky. Ich ging raus, um sie in Empfang zu nehmen. Mir fiel auf, dass keinerlei Fußspuren im Schnee zu sehen waren. „Hallo Derek.“ Rocky stand vor mir und sah mich besorgt an. „Weißt du, was heute Nacht hier passiert ist?“, fragte sie mich vorsichtig.

„Nein, natürlich nicht. Wie sollte ich auch etwas mitbekommen haben, wenn ich geschlafen habe?!“, fauchte ich zurück, im selben Moment erschrak ich vor mir selbst, sie hat mich doch ganz normal gefragt, das war eine reine Routinefrage.

Vulpix wurde unruhig, erst jetzt bemerkte ich, dass ich es immer noch auf dem Arm hatte. Behutsam setzte ich es in den Schnee. Sofort rannte es los, die Straße entlang. „Vulpix!“, schrie ich hinterher, doch es hörte nicht.

Von drinnen hörte ich plötzlich meine Schwester schreien. Ich lief zusammen mit Rocky zu ihr, als sie mich sah schrie sie noch lauter. Rocky wies mich an nach draußen zugehen. Ich gehorchte. Kaum war ich draußen, beruhigte sich Sue wieder. Es dauerte eine gefühlte Ewigkeit bis Rocky wieder rauskam. Sie sah verärgert aus und kam direkt auf mich zu. „Ich nehme dich jetzt mit Derek!“, fauchte sie. Noch bevor ich mich wehren konnte packte sie mich und nahm mich mit. 

„Aber was passiert jetzt mit Sue, es ist doch niemand da, der sich um sie kümmert“, dachte ich die ganze Zeit.

Als wir anhielten, stieg Officer Rocky aus und schliff mich mit. Ich konnte einen kurzen Blick auf ein Schild erhaschen. „Blue Hill Psychiatrie“, stand darauf. Wir gingen weiter. Als sich die große Eisentür öffnete, trat ein Mann an mich heran und nahm mich mit. Ich sah Rocky an, ihr Blick war furchteinflössend und gleichzeitig wehleidig. 

Ich wurde untersucht und befragt, als ich endlich fertig war, brachte man mich in einen weißen Raum. Es waren zwei Betten, ein Tisch und zwei Stühle vorhanden. Das Inventar war am Boden verschraubt. 

Ein Junge, ungefähr in meinem Alter starrte aus dem Fenster. Als die Tür sich schloss drehte er sich um. 

Ich bekam ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. „Na weswegen haben die dich hier rein gesteckt?“, fragte er neugierig und kam näher. „I-ich weiß es nicht“, antwortete ich leise und sah ihn an. Er verdrehte den Kopf und sah mich fragend an. „Haha, na gut wenn du nicht darüber sprechen willst. Irgendwann wirst du es, weil du hier so schnell nicht mehr herauskommst“, lachte er und drehte sich wieder zum Fenster.

„Abendessen.“, klang es aus dem Lautsprechern. Die Tür wurde geöffnet, doch anstatt eines Menschen, kam ein Channeira ins Zimmer und stellte ein Tablett mit Brot und Milch auf unseren Tisch. Es lächelte uns an und ging wieder. Nachdem ich mein Teil aufgegessen hatte, legte ich mich hin, da ich sehr müde war. Mein letzter Gedanke drehte sich um mein armes kleines Vulpix und um Sue. 

Ich schlief in dieser Nacht sehr unruhig. Ich träumte von jener Nacht, nur mit dem Unterschied, dass ich aufgestanden bin und in die Stube gegangen bin. Ich wollte meinen Augen nicht trauen, dort stand meine Schwester mit Psiau und Vulpix vor meinen Eltern. Sie lachte ganz fürchterlich und meinen Eltern stand die Angst ins Gesicht geschrieben. „Lauf Derek!!“, schrie meine Mutter. Ich lief, kam jedoch nur bis zur Tür, da sich Sue vor mich stellte. „Nun kennst du unser Geheimnis!“, sagte sie in einem unheimlichen Ton. „Und deswegen musst auch du verschwinden!“ Sie nahm das Kabel von unserer Lampe und kam lachend auf mich zu. Ich fing an zu schreien.

Durch einen Schlag ins Gesicht wurde ich wieder wach. Es war mein Zimmergenosse, er sah mich besorgt an und fragte, wer denn Sue ist. Ich erzählte ihm, was in jener Nacht passiert ist, naja zumindest das, was ich mitbekommen habe. Er wollte wissen, was ich geträumt habe. Ich erzählte ihm auch dies. Und als ich den letzten Satz von Sue aussprach, sprach er synchron genau das Gleiche, obwohl ich ihm das vorher nicht erzählt hatte.

Entsetzt sahen wir uns an. „Lass mich raten, Officer Rocky hatte dich aus dem Haus geschickt und als sie wieder herauskam, hat sie dich einfach mitgenommen und hierher gebracht?“, fragte er mich. Ich nickte geistesabwesend. Auf einmal fing er an zu erzählen, warum er hier ist. Je mehr er erzählt desto mulmiger wurde mir. Das was er erzählte, war genau das, was ich soeben zu ihm gesagt hatte, bis auf den Unterschied, dass seine Schwester nicht Sue sondern Maggy hieß. Plötzlich fiel mir eine Geschichte ein, die Officer Rocky mir mal erzählt hatte, von einem kleinen Mädchen, dass sich zusammen mit ihren Pokemon Psiau und Vulpix in Familien einschleicht und diese Familien verschwinden lässt. 

Sie sucht sich Familien mit einem Sohn, der sich schon lange ein Pokemon wünscht. Das Mädchen verwirrt mit Hilfe ihres Psiau und lässt sie so glauben, dass sie ihre Tochter ist. Vulpix übernimmt die Arbeit und lässt die Familie verschwinden. Es lockt sie mit Hilfe des süßen Aussehens in einen nahegelegenen Wald, wo sie letztendlich verschwinden. Hinterher verwüsten sie das Haus und tun so als wäre nichts gewesen. Am nächsten Tag ist das kleine Mädchen und seine Pokemon verschwunden, das Einzige, was sie hinterlässt sind lediglich die Buchstaben M.S. 

„Moment“ unterbrach ich meine Gedanken selbst 

„M.S.?…. Maggy. Sue!!!“ brüllte ich auf einmal. 

Ich versuchte es den Pflegern zu erklären, diese riefen letztendlich Officer Rocky. Als ich ihr meine Geschichte und die von meinem Zimmergenossen erzählte. Nahm sie mich mit und fuhr zu unserem Haus. „Du wartest hier!“, befahl sie mir. Sie ging ins Haus und kam kurze Zeit später wieder heraus.

Ihr Gesicht war ganz blass. Sie winkte mich zu sich und zeigte ins Haus. Als ich in unser Haus sah, fuhr mir ein kalter Schauer über den Rücken.  An der Wand stand M.S. geschrieben. 

Aber Sue - oder sollte ich besser sagen Maggy Sue - war verschwunden und wurde nie wieder gesehen, meine Eltern blieben weiterhin verschwunden. Und ich dachte ich kannte meine Schwester und mein geliebtes Vulpix….

BEURTEILE NIEMALS BLOß NACH DEM ÄUßEREN!

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki