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Brooklyn 1895:


„Hexenkind, Hexenkind!“ Ein steiniger Schneeball, aus fiel zu naher Entfernung traf Soraja und zerbröckelte an ihren Kinn. Das Mädchen versuchte wegzurennen, zwecklos. Mehrere Kinder, ihre Mitschüler, packten sie an Händen und Füßen. Sie drückten sie zu Boden. Ihre Schreie wurden durch Schnee und ein Paar Handschuhe gedämpft, die auf ihren Mund gepresst waren. Hilfesuchen glitten Sorajas Blicke zu der wuchtigen Eingangstür, des Lehrerbalkons. Sie sah sie direkt an. Mrs. Wilkens ausdruckslose Miene war für einige Zeit auf das Geschehen gerichtet, dann wandte sie sich ab und nippte an ihrer Tasse.

„Sei froh, dass du überhaupt in die Schule kommen darfst. Wenn es nach mir ginge….aber darauf hört ja keiner, elendes Negerkind!“ Soraja hatte es aufgegeben, ihre Lehrerin um Rat zu fragen. Sie nannten sie Affe oder Mohrenkopf, stießen sie aus. Auch im Unterricht, saß sie immer alleine, zurückgezogen in der hintersten Ecke. Die Pausenglocke verkündete das Ende ihrer Qualen. Ein letzter, kräftiger Stoß ereilte sie, dann rannten sie weg. Was war denn so falsch an ihr? Sie sah ihre Hand. Braun, wirkte fast schwarz im Vergleich zum Schnee. Oder lag es an ihrem Glauben? Die Menschen verbanden Voodoo mit dunkler Magie. Soraja wusste es besser. Zurück im Klassenzimmer, bekam sie Ärger.

„Zu spät!“ Mrs. Wilkens zog sie aus dem Raum.

„Aber-“

„Still! Ungezogene Göre!“ Wüste Beschimpfungen drangen durch die geschlossene Tür an ihre Ohren. Die letzten Stunden waren unerträglich. Soraja überlegte, ob sie am Ende zuerst aufspringen sollte, um zügig das Gebäude zu verlassen oder als letztes im Klassenzimmer zu bleiben.

„Beeil dich, kleines Stück Scheiße!“ Soraja trödelte. Sie musste Zeit schinden, Zeit um nicht noch mehr Leid zu erfahren.

„Schluss jetzt!“ Mrs. Wilkens packte das Kind am Arm und zog es vor die Tür. Soraja begab sich in eine Nische, zwischen den Spinten. Vorsichtig spähte sie aus ihrem Versteck. Der Gang war leer. Um sich schauend verlies das Mädchen die Schule. Erleichtert atmete sie auf.

„He Mohrenkopf. Wir haben schon auf dich gewartet“ . Soraja war wie eingefroren.

„Na, musst du heute noch jagen gehen? Ugga, ugga!“ Die Kinder kicherten

„Weißt du, hier sind wir Christlich. Was sagst du dazu. Dein Voodooscheiß ist doch voll blöd, das gibt´s gar nicht!“ Tränen sammelten sich in den großen, braunen Augen Sorajas. Genug ist genug!

„Natürlich gibt’s den!“ Ein Schlag in die Magengrube ließ sie zusammensinken.

„Ach ja und hast du´s schon einmal gesehen?“ Soraja verstummte. Nein, das hatte sie nicht. Sie kannte die magischen Bücher, hatte sie gelesen, aber angewandt….nein.

„Natürlich!“ Ein weiterer Schlag, diesmal tiefer.

„Ach ja, dann zeig mal was du kannst!“ Soraja bekam Angst. Den einzigsten Spruch, den sie beherrschte war der, der Nekromantie.

„Ich…Ich kann Tote zum Leben erwecken, aber da hier keine sind…zu schade na dann.“

„Vergiss es!“ Lenny, der Anführer dieser Gang, hielt sie fest.

„Wie wär´s mit dem da?“ Er deutete auf einen großen Schneemann, den er und seine Kumpels am Morgen gebaut hatten. Soraja wusste weder ein noch aus, also ging sie trat sie vor den Schneemann. „Voodoo, meine Magie. Du bist doch echt oder?“


Es war windig. Mrs. Wilkens verließ das Gebäude. Es dämmerte bereits. Diese nervigen Aufsätze. Da war man auch nur zwei Wochen krank und schon stapelten sich Klausuren über Klausuren. Sie hätte auch gleich im Lehrerzimmer übernachten können, so lange hatten ihre Korrekturen gedauert.

„Guten Abend Mrs. Wilkens.“ „Huch!“ Die betuchte Dame faste sich an ihre Brust. Es war nur dieses kleine Göre. Was machte sie denn noch hier.

„Scher dich heim, du- Was soll das“ Sorajas Arm zeigte kerzengerade in ihre Richtung und trotz der Dunkelheit erkannte sie den Hass in ihren Augen.

„Denkt du, du kannst mir damit Angst machen?“ Eine schier unendlich lange Zeit blickten sich beide Seiten nur in die Augen. Langsam verzog sich Sorajas Mund zu einem teuflischen Lächeln.

„Ja.“ Der Schneemann schoss hervor und wickelte seine drahtigen Astarme, um den Hals der Lehrerin.

„Ich denke schon!“ Sie nahm einen widerwärtigen Geruch war, den Geruch von Blut. Sie würgte. Krampfhaft versuchte sie sich zu befreien. Lichtpunkte tanzten vor ihren Augen.

„Auch Schneemänner können farbig sein.“

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