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Ich ging spazieren im Wald, ich musste einfach hinaus,

da sah ich ein Stück Holz, das sah heilig aus.

Also steckte ich es ein, nahm es mit nach Haus'

Und dann schnitzte ich mir einen Gott daraus.



Puh, wie beschreibt man ein simples WG-Leben zweier heterosexueller Männer Mitte Zwanzig, die sich ihr Geld durch frühe und reichhaltige Erbschaft erwirtschaftet haben und nun nichts besseres anzufangen haben, als den lieben langen Tag Playstation zu spielen?

Die WG besteht aus zwei Freunden, die sich in der Schule kennengelernt und sofort verstanden haben. Nick, ein schmächtiger, aber nicht unintelligenter Kerl, der seine Fähigkeit, selbst komplizierte Rätsel innerhalb von kurzer Zeit zu lösen, dafür benutzte, komplizierte Games innerhalb von wenigen Stunden durchzuspielen. Man könnte getrost sagen, dass er vor dem Computer, der Playstation oder der Xbox lebte. Die Wohnung verließ er eigentlich nur, wenn er einkaufen musste. Lebensmittel oder neue Games.

Der Zweite in der Gruppe war Leon. Im Gegensatz zu Nick führte er so was wie ein „reales Leben“, er hatte sogar eine Freundin, wenn die Beziehung auch eher lediglich auf Sex basierte. Er war körperlich deutlich fitter als Nick, was er gerne auf die „zahlreichen nächtlichen Trainingsstunden“ mit Jessica schob.

Die zwei führten sozusagen ein recht normales bis langweiliges Leben. Bis Nick etwas mit nach Hause brachte.


Leon saß gerade auf seinem Bett und las, als sich die Eingangstür öffnete und Nick mit den Worten: „Du glaubst ja gar nicht, was ich heute gefunden habe!“ hereinstürmte.

Leon legte das Buch beiseite und stand auf: „Was ich glaube und was nicht, überlässt du mal schön mir.“, meinte er, während er seinem Freund entgegenging. Dieser wedelte mit seiner linken Hand, in der sich ein etwa Kopf großes Objekt befand.

„Mann, halt doch mal die Hand still, ich kann gar nicht erkennen, was das ist.“, maulte Leon, und Nick kam der Aufforderung nach. Das Objekt war eine Stoffpuppe, und Leon fiel sofort auf, dass sie dem Aussehen nach einer Mangafigur ähnelte. Sie trug ein weißes Kleid mit Spaghettiträgern und darunter eine Bluse in Lila. Die Träger des Kleids waren mit jeweils einer Lila Blume besteckt. Die Haare der Puppe waren braun und kurz, und zusammen mit ihren großen, treuen Manga-Augen und dem sanften Lächeln, dass ihr ins Gesicht genäht worden war, sah sie richtig liebenswert aus. Leon konnte sich vorstellen, dass jedes Kind, das diese Puppe sah, sie auf der Stelle haben wollte.

Es ging im selbst ja nicht anders.

„Wo hast du sie denn her?“, fragte er Nick, der die Puppe verzückt anstarrte: „Die saß auf einer Mauer in der Nähe des Supermarktes. Saß einfach da und hatte diesen Zettel neben sich liegen.“. Er griff in seine Tasche und holte ein zerknülltes Stück Papier heraus, auf dem mit krakeliger Kinderschrift geschrieben stand:

Hallo, mein Freund. Ich bin ein kleines, verlassenes Mädchen und suche eine neue Heimat. Magst du mich aufnehmen und mein Freund sein? Wenn ja, nimm mich bitte mit. Ich bin auch ganz brav.

Deine kleine Puppe.


Leon kicherte: „Oh Mann, da hat sich jemand aber wirklich Mühe gegeben, sein Spielzeug loszuwerden. Kann ich gar nicht verstehen. Die Puppe ist echt niedlich.“.

Nick nickte: „Genau deswegen habe ich sie ja mitgenommen. Es war fast so, als hätte sie mich darum angebettelt.“. Er sah sich kurz in der Wohnung um und setzte die Puppe dann auf das Bücherregal im Wohnzimmer: „Da sieht sie doch gut aus. Damit hat die Kleine einen super Überblick über ihr neues Heim.“.

Leon grinste: „Ja, sie kann das Wohnzimmer sehen. Aber was ist mit der Küche, den Schlafzimmern, dem Bad...?“.

„Also wirklich. Das Bad ist ein Saustall, die Küche ebenso, das kann man einem kleinen Mädchen doch nicht antun. Und das Schlafzimmer? Willst du wirklich, dass die Kleine dir und Jessica dabei zusieht, wie ihr...“, er formte mit dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand einen Kreis und deutete dann mit dem rechten Zeigefinger Geschlechtsverkehr an.

„Nein, hast wohl recht. Kleine Puppen dürfen so was noch nicht sehen.“. Leon grinste, und nachdem die beiden noch einen letzten Blick auf die Kleine Puppe geworfen hatte, die sie vom Bücherregal aus anlächelte, setzten sie sich gemeinsam an die Playstation, um ein neues Spiel auszuprobieren, das Nick noch nicht bis ins kleinste Detail ausgespielt hatte.

Mit der Zeit dachten sie weniger an die kleine Puppe, aber sie saß doch in einer kleinen, dunklen Ecke ihres Unterbewusstseins fest, wie eine dicke, fette Spinne auf Nahrungssuche.


Drei Tage waren vergangen, seit Nick die kleine Puppe mit nach Hause gebracht hatte, und inzwischen hatte sie mehr und mehr den Mittelpunkt im Leben der zwei Jungs übernommen. Sie hatten ihr den Namen Madison gegeben, und obwohl keiner von beiden so recht wusste, warm, kam es ihnen richtig vor.

Sie behandelten Madison fast wie einen Menschen, indem sie sie grüßten, wenn sie am Morgen aufstanden, und wenn es spät wurde, wünschten sie ihr eine gute Nacht.

Manchmal, nur so aus Spaß, unterhielten sie sich mit Madison, und sowohl Leon als auch Nick ertappten sich das ein oder andere Mal dabei, wie sie eine Antwort abwarteten.


Ein Wendepunkt in dieser Situation war der Abend, an dem Nick alleine auf eine Party ging, weil Leon Jessica für ein Techtelmechtel eingeladen hatte.

Sie besuchte ihn am Abend, und ohne große Vorrede gingen sie ins Schlafzimmer von Leon. Das sind die Vorteile einer schlicht sexuellen Beziehung: Nicht reden, sondern machen.

Die beiden lagen zusammen auf dem Bett und Leon schon langsam eine Hand unter Jessicas Bluse, als diese einen irritierten Blick hinter ihren Lover warf: „Hey. Was zur Hölle ist denn das?“.

Leon, der sich schon auf den Sex gefreut hatte, stöhnte und drehte sich widerwillig um. Auf seinem Nachtschränkchen saß Madison und betrachtete die beiden mit ihrem süßen Blick.

„Seit wann spielst du denn mit Puppen?“, fragte Jessica, und Leon schüttelte den Kopf: „Die kleine Madison ist nur eine hübsche Dekoration. Eigentlich steht sie immer im Wohnzimmer. Ah, ich wette, Nick hat sie hier hingestellt. Dieser Schlingel.“.

Er drehte sich wieder, um doch noch zum erhofften Verkehr zu kommen, aber Jessica blockte ihn ab: „Sieht aus... als würde sie uns beobachten.“. Sie sah Leon in die Augen: „Leon, ich mag sie nicht. Kannst du sie wegstellen?“.

„Pff... warum? Sie ist doch nur eine Puppe. Die tut doch nichts.“.

Jessica erwiderte etwas, aber Leon bekam es nicht mit. Hinter seiner Stirn. Bildeten sich ungewöhnlich heftige Gedanken: Madison wegstellen? Was denkt sich dieses Miststück eigentlich? Ich werde Madison nicht wegstellen.

Unbewusst hatte er den letzten Satz laut ausgesprochen, und in seiner Stimme lag eine ihm unbekannte Härte.

„Was... wieso nicht? Und wieso bist du gleich so gereizt? Ich wollte doch nur, dass du...“.

Leon schlug hart auf die Matratze, sodass Jessica zurückzuckte: „Ich werde sie nicht wegstellen. Madison gehört zu mir! Sie gehört hierher!“.

„Was ist denn nur los mit dir!?“. Auch Jessica schrie nun: „Weißt du was? Ich glaube, du willst nur, dass ich gehe!“.

Leon zuckte zusammen: „Wie, zur Hölle, kommst du jetzt darauf!? Du bist doch verrückt!“.

Jessica beachtete ihn nicht, sondern stand auf: „Schön, wie du willst. Du hast jetzt deine letzte Chance. Entweder ich, oder diese Puppe Madison!“.

„Ha. Da fällt mir die Wahl nicht schwer. Madison schreit mich zumindest nicht an!“.

Das reichte. Jessica drehte sich ohne ein weiteres Wort um und verließ die Wohnung.

Als er das Knallen der Haustür hörte, drehte Leon sich zu Madison: „Wir werden uns nicht streiten, nicht war, meine Kleine? Wir werden uns nicht streiten. Niemals.“.

Dann schlief er ein.


Nick war todmüde, als er gegen Mitternacht nach Hause kam, allerdings warf er sich nicht direkt ins Bett, sondern ging ins Wohnzimmer. Er warf einen Blick auf das Bücherregal und lächelte der kleinen Madison zu, die dort saß. Er ging auf sie zu und stupste sie sanft an: „Na, meine Kleine? War dir auch nicht langweilig?“.

Madison schwieg, wie üblich, und Und Nick drehte sich um, wünschte ihr eine gute Nacht und ging zu Bett.

In seinem Traum wiederholte sich die Situation von eben. Er ging ins Wohnzimmer, sprach Madison an. Und diesmal antwortete sie mit einer Stimme, so süß wie Honig und so zart wie Seide.

„Ach, nein. Langweilig war mir nicht. HiHi, Leon und Jessica hatten einen Streit. Das war richtig süß, die beiden beim Schreien zu beobachten. Ist das eigentlich so üblich bei Pärchen, dass man sich anschreit?“.

Nick schüttelte den Kopf: „Es gibt Ausnahmen. Wir streiten uns nicht, zum Beispiel.“.

Madison nickte: „Das stimmt. Streiten ist fies, aber ich bin immer ganz brav. Wir streiten uns niemals.“.

Sie verstummte, dann sah sie Nick bittend an: „Kannst du mir einen Gefallen tun? Das wäre wirklich, wirklich lieb von dir.“.

Nick nickte. Ihre Stimme hatte ihn eingelullt, er würde alles für Madison tun.

„Kannst du mir ein paar Kekse geben? Ich habe gerade einen riesigen Appetit auf Schokoladenkekse.“. Ihr genähtes Grinsen formte sich zu einem herzenbrechenden Schmollmund: „Bitte.“.

Nick zögerte nicht. Er eilte in die Küche und suchte die Schubladen durch, bis er gefunden hatte, was er suchte: Eine Packung Schokoladenkekse, zwar schon angebrochen, aber drei Stück waren noch drin. Er nahm sie wieder ins Wohnzimmer und legte sie Madison auf den Schoß. Sie sah ihn mit ihren großen, süßen Augen dankbar an und streichelte ihm mit einer Hand über die Wange: „Och, das ist so nett. Du bist immer so gut zu mir.“.

Im Schlaf lächelte Nick und murmelte: „Alles für dich, meine Kleine.“.


Leon stand schon früh am Morgen auf. Der Streit mit Jessica saß ihm tiefer in den Knochen, als er sich eingestanden hätte, und sein Blick fiel auf sein Nachtschränkchen. Madison war weg. Nick musste sie gestern Nacht wieder weggenommen haben, dieses Arschloch.

Er trat müde aus seinem Zimmer und ging ins Bad, um zu Duschen. Das heiße Wasser tat gut auf seiner Haut, und er merkte, dass er sich beim Schlafen den Nacken verspannt hatte. Die Verspannung löste sich langsam durch die heißen, dampfenden Tropfen, die seine Haut langsam röteten.

Nach gut einer Viertelstunde verließ Leon die Dusche und trocknete sich ab. Auf dem Weg zurück in sein Zimmer blieb er vor der Wohnzimmertür stehen und dachte sich, dass er ja eben noch Madison begrüßen konnte. Er trat ein und sagte: „Hallo, Maddy. Wie geht es...“. Schockiert blieben ihm die Worte im Halse stecken. Madison, seine kleine, süße, unschuldige Madison war über und über mit Schokolade vollgeschmiert.

Stammelnd taumelte Leon auf die kleine Puppe zu und strich ihr über das Gesicht. Kleine Spuren von Schokolade blieben an seinen Fingern zurück, und neben der armen Puppe sah er noch einen halb aufgegessenen Keks.

„Nick.“, murmelte er leise, seine Stimme triefte vor Zorn. „Wieso hast du das getan, du Hurensohn?“.

Dann rannte er in Nicks Zimmer und schrie: „WIESO HAST DU DAS GETAN!?“.

Nick schlief noch, und auch durch den Schrei wachte er nicht auf. Leon sprang, nackt wie er war, auf das Bett und legte seine Hände um den Hals seines Freundes. Während er zudrückte, rüttelte er Nick wach, und als er die Augen öffnete, stand augenblicklich Panik darin. Blanke Todesangst. Er begann zu röcheln, aber Leon drückte nur noch fester zu und schrie: „Niemand darf meiner kleinen Madison etwas antun! Niemand darf sie entstellen!“.

Wenige Minuten später blickte Leon schwer atmend auf den Leichnam seines alten Freundes. Seine Augen waren herausgequollen und er hatte die Zunge aus dem Mund gestreckt. Leon fuhr sich mit der Hand durchs Gesicht und keuchte, dann blickte er zur Seite.

Auf dem Nachtschränkchen saß Madison, sauber und unversehrt. Sie blickte ihn liebevoll an.


Epilog

Jessica warf das Taschentuch, das sie vollgeheult hatte, in den Mülleimer und nahm sich ein neues, um mit ihm dasselbe zu tun. Seit gestern Abend hatte sie nichts anderes getan als zu weinen. Und das nur, weil Leon diese dämliche Puppe wichtiger war als sie.

Es klingelte, und zuerst wollte Jessica es ignorieren, aber dann stand sie doch auf, wischte sich mit dem Taschentuch das Gesicht ab und öffnete die Tür.

Vor ihr stand Leon. In der einen Hand hielt er diese Puppe, Madison, in der anderen Hand glitzerte ein Messer.

„Entweder Madison oder du.“, grinste Leon: „So war es doch, oder?“.

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