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Als ich letzten Sommer bei meiner Tante in England war, stöberte ich hin und wieder mal bei ihr auf dem Dachboden rum. Eigentlich war mir das strengstens untersagt, doch da ich den Grund für dieses Verbot nicht kannte, fand ich es natürlich noch spannender, dort oben zu sein. An einem Abend, als ich mal wieder dort oben war, entdeckte ich einen Gegenstand, der hinter einem schwarzem Tuch verborgen war. Meine Neugier wuchs und ich lugte vorsichtig hinter das Tuch.

Es war ein Spiegel, der in der Wand steckte, jedoch einen sehr großen und weiten Rahmen hatte, so dass das Tuch ihn von außen eher wie einen Schrank aussehen ließ. Der Spiegel war äußerst billig gemacht, vor allem, da er statt Spiegelglas eher so etwas wie eine schlecht spiegelnde Folie besaß. Diese hatte jedoch einen Spalt, so dass der Spiegel wie ein Vorhang aussah. Vorsichtig ließ ich meine Hand hindurch gleiten. Ich fühlte weder eine Wand noch einen Gegenstand. Also lugte ich vorsichtig mit dem Kopf hinein. Es war dunkel. Ich ging, die Arme nach vorne gestreckt, geradeaus und wartete, bis ich an irgendeine Wand stieß, denn eigentlich hätte ich schon längst eine berühren müssen. Irgendwann fühlte ich dann etwas pelziges. Ich hielt es zuerst für ein altes Fell oder eine struppige, alte Decke. Doch dann vernahm ich von dem pelzigem Etwas ein Grunzen. Aus dem Grunzen wurde ein Knurren und aus dem Knurren ein markerschütterndes Brüllen. So schnell ich konnte rannte ich zurück und suchte nach dem Spiegelvorhang, fand ihn jedoch nicht.

Ich hörte etwas hinter mir und begann vor lauter Angst schon zu verzweifeln. Zu heulen wäre unter meiner Würde gewesen, jedoch hätte nicht viel gefehlt. Irgendwann stolperte ich dann eine Treppe runter und fand mich plötzlich im Flur meiner Tante wieder. Es war helllichter Tag und ich hörte meine Tante in der Küche ein Lied summen. Schweißgebadet drehte ich mich um und schaute die Treppe zum Dachboden hinauf. Es schien alles normal zu sein, doch ich hatte das Gefühl, dass dieses Viech immer noch dort oben war. Schließlich überlegte ich jedoch, ob ich nicht eingeschlafen und geträumt hätte. Ich beschloss, dass es wohl so gewesen sein muss und ging zu meiner Tante in die Küche.

Doch sie war plötzlich nicht mehr da. Dafür jedoch ein riesiges Loch in der Wand und eine Blutspur auf dem Boden. Mir wurde mit großem Entsetzen klar, dass ich nicht geträumt hatte. Meine Tante war tot. Und ich war Schuld daran. Ich rief unter Tränen meine Eltern an, erklärte ihnen, dass ein Mörder ins Haus eingebrochen war und dass sie mich sofort holen sollten. Meine Eltern machten sich auch sofort auf den Weg. Ich verständigte auch die Polizei und erzählte ihnen das gleiche wie meinen Eltern. Auch sie sind nun auf dem Weg hierhin. Doch sie werden zu spät kommen. Ich habe mich in meinem Zimmer eingeschlossen und höre von unten ein lautes Schnaufen und Grunzen. Es ist hier und es will mich holen. Ich tippe diese letzten Sätze und bete, dass die Polizei bald da ist.

Doch selbst dann werde ich nicht mehr hier sein. Ich habe es auch eigentlich verdient, getötet zu werden, denn ich habe soeben ein schreckliches Monster in diese Welt geführt und wahrscheinlich wird es noch mehr Menschen töten. Ich höre es gerade an meiner Tür schaben. Es kommt gleich rein. Ich nehme meinen letzten Atemzug.

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