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Ich stehe hier auf dem Dach eines Hochhauses; schaue betroffen hinunter. Zwanzig Stockwerke hat das Gebäude. Der Regen wütet, Wind bläst mir in meine kurzen blonden Haare. Meine Brille beschlägt. Die fernen Wolken; ich sehe die zahlreichen Gebäude in der Gegend aus einer anderen Perspektive.

Ich schaue von der Kante des Hochhauses in die Tiefe. Niemand ist unten, bloß nasser Beton nahe eines kleinen Parks. Mein Handy vibriert. Wieder eine dieser Nachrichten.

Hi, ganz ehrlich, wann bringst du dich endlich um!? Wir können deine hässliche Fresse nicht mehr ertragen. Du bist zu nichts zu gebrauchen, mach endlich Selbstmord!“

Jeden Tag kommt sowas. Seit Jahren habe ich keine Freunde mehr. Ich sei seltsam, sagen die einen. Ich sei hässlich, die anderen. All diese Wörter, diese Sprüche spielen sich als Film in meinem Kopf ab. Ich lasse mein Handy los. Es stürzt in die Tiefe, auf den harten Beton. Das Gerät fällt auseinander, ich kann es aus der Ferne noch sehen.

Diesen Weg würde ich jetzt gehen. In die Tiefe springen. Aufknacken. Und für immer zerstört sein. Körperlich. Bereits jetzt bin ich nicht mehr reparierbar, mein psychischer Schaden hat das Innere meines menschlichen Körper durchdrungen und zerstört. Ein kurzer Blick nach oben. Der Himmel, verdeckt von grauen Wolken. Wie meine Seele, verdeckt von Schmerz.

Ich trete einen Schritt näher. Nur ein Zentimeter, und ich bin befreit. Befreit vom Schmerz des Lebens. Der Film vom Leben wird bald ein jähes Ende nehmen. Ich streife mir durch meine Haare. Wische eine Träne weg. Mein Gewicht verlagert sich nach vorne. Die Schwerkraft zieht mich nach unten. Die Reise beginnt.

Ich passiere mit zunehmender Geschwindigkeit die Fenster. Ein kurzer Blick, und schon bin ich am Nächsten. Mir begegnen für einen Wimpernschlag geschockte Gesichter. Jetzt wo es zu spät ist, dürfen die Leute teilnehmen, an meiner Reise, das Ticket ist gebucht.

Kurz vor dem Aufprall sehe ich eine junge Frau, welche mit ihrem Hund Gassi geht. Sie trägt einen blauen Mantel, eine schwarze Brille und hat dunkelbraune Haare. Es ist meine Mutter. Sie darf das Ganze miterleben, eine wirkliche Befriedigung für meine Sinne. Es sind nur noch wenige Zentimeter.

Mein Kopf schlägt auf. Meine Schädeldecke prallt auf dem Beton auf, Blut spritzt aus meinem Schädel. Ich spüre… Wie… Es endet…

Währenddessen sitzen die Mobber des Suizidopfers in ihrer Shisha-Lounge. Das Radio ist angeschaltet.

„[…] Und wir unterbrechen die aktuelle Hitliste für eine kurze Sondermeldung. Im Nordteil der Stadt beging ein 15-Jähriger vor den Augen seiner Mutter Selbstmord, indem er sich vom Dach eines Hochhauses stürzte. Das Opfer starb noch am Unfallort. Die Gründe für den Suizid sind noch unklar, die Polizei hat die Ermittlungen inzwischen aufgenommen. […]“

Stille…

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Fuchs111

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