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Ich wache auf, liege auf dem Boden, weiß nicht, wo ich bin. Wie bin ich hier gelandet? Eine Kakerlake wandert vor meinen Augen herum und verschwindet in einem Spalt in der Wand. Ich stehe auf und sehe mich um. Der Raum, in dem ich mich befinde, ist alt; es gibt ein Fenster, durch das ich sehen kann, dass es draußen bereits dunkel ist. Öffnen lässt sich das Fenster jedoch nicht. In diesem Raum wurde schon lange nichts mehr gemacht, an den Wänden hängen alte vergilbte Tapetenfetzen, von der Decke hängt eine Glühbirne einsam an einem Kabel. Der Boden besteht aus alten Holzdielen, die knarren, sobald ich mich bewege. An der Wand steht eine alte Kommode, auf der ein Wecker mit Digitalanzeige steht. Es ist 23:59, also eine Minute vor Null Uhr. Strom scheint es in diesem alten Haus also zu geben.

Ich taste meine Kleidung ab und gucke, was ich dabei habe. Abgesehen von dem T-Shirt, das ich trage, habe ich noch meine Jeans an und meine Schuhe. In den Taschen meiner Jeans finde ich nicht viel, ein Feuerzeug, meinen Geldbeutel und ein paar Gummibänder. Ich öffne eine alte Holztür, die einzige Tür in diesem Raum. Sie führt in einen düsteren Gang. Ich taste nach einem Lichtschalter. Er funktioniert nicht mehr, vielleicht gibt es auch keine Glühbirne in diesem Flur, oder sie ist durchgebrannt, ich weiß es nicht. Langsam betrete ich den Gang, dessen Dielen knarren bei jedem Schritt, den ich mache. Was ist das nur für ein Ort? Bin ich alleine hier? Ich traue mich nicht, laut zu rufen, um zu sehen, ob ich alleine bin oder nicht. So setze ich langsam einen Fuß vor den anderen in diesem Gang. Ich benutze mein Feuerzeug, um zu sehen, wohin ich laufe. Ich war schon immer eher der ängstliche Typ und fühle mich mit jeder Sekunde, die ich an diesem unbekannten Ort verbringe, unwohler. An den Wänden des Ganges befinden sich alte verblichene Fotos von Menschen, die ich noch nie gesehen habe. Auf der rechten Seite des Flurs ist eine kleine Nische in der Wand. Dort befindet sich eine Art Schrein mit Fotos und Kerzen, die einen kleinen Lichtschein werfen. Auch auf diesen Fotos erkenne ich niemanden. Ich nehme mir eine der Kerzen und gehe langsam weiter. Am Ende des Flures ist eine alte Holztreppe, direkt neben der Haustür. Die Haustür ist verschlossen. Bin ich hier gefangen? Wenn ja, wieso? Ich habe niemals jemand anderem Leid zugefügt. Ich höre ein Rumpeln über mir. Ich schaue nach oben, wo eine Deckenlampe wackelt, die dabei nervtötend quietscht. Ich fühle mich schutzlos. Eine Lampe gibt es also! Ich versuch den Lichtschalter neben der Treppe, doch auch das ohne sichtlichen Erfolg. Ich werde auf ein Rauschen aufmerksam, das aus dem oberen Stockwerk zu kommen scheint.

Langsam gehe ich die alte Treppe hinauf. Mit jedem Schritt knarren die Stufen, mit jedem Schritt schlägt mein Herz schneller. Oben angelangt sehe ich mich um. Es gibt einen Lichtschalter und tatsächlich, er funktioniert. Allerdings reicht die klägliche Glühbirne nicht aus, um den oberen Flur komplett zu erleuchten, sie spendet mehr einen Schimmer von Licht, so dass alles noch recht düster ist. Langsam bewege ich mich Schritt für Schritt in den Flur der oberen Etage. Ich höre ein Prasseln, Regenwasser läuft über die Scheibe des einzigen Fensters im Flur. Natürlich musste es regnen… Aber das war gerade meine kleinste Sorge. Ich höre ein Tropfen, das Dach scheint wohl an manchen Stellen undicht zu sein. Das Wachs der Kerze, die ich noch immer in meiner Hand halte, läuft auf meine Haut. Es schmerzt fürchterlich, ich traue mich jedoch nicht, einen Ton von mir zu geben. Ich stelle die Kerze beiseite und bewege mich langsam weiter in diesem düsteren Flur. Ich höre ein Kinderlachen, aber sehe nach wie vor niemanden. Was sollte ein Kind an diesem unheimlichen und trostlosen Ort?

Links neben mir befindet sich eine Tür, sie ist nur angelehnt. Ich drücke sie einen Spalt weit auf und linse hinein. In der Ecke steht ein alter kleiner Röhrenfernseher auf einem alten Holzstuhl. Er ist eingeschaltet, jedoch sieht man nicht außer dem Testbild. Von hier scheint das Rauschen zu kommen, das ich von unten gehört hatte. An der Wand steht ein massiver Holzschrank. Ich erschrecke mich, denn wieder höre ich das Lachen. Kommt es aus diesem Raum? Im Raum scheint sich keiner zu befinden, also öffne ich die Tür ganz und trete ein. Da war es schon wieder, das Lachen. Kam es aus Richtung des Schranks? Ich gehe langsam zum Schrank, er ist nicht verschlossen. Mit einem Ruck öffne ich die Tür. Nichts. Was heißt nichts? Ein altes, weißes und staubiges Kleid hängt an einem Kleiderbügel im Schrank. Sonst nichts. Wer lebt hier? Auf einmal ein Knarren. Ich drehe mich um. In der Ecke hinter der Tür steht ein alter Schaukelstuhl. Er hat begonnen, hin und her zu wippen, doch niemand sitzt darin. Es wird immer unheimlicher an diesem fremden Ort. Ich verlasse den Raum wieder und schließe die Tür hinter mir. In diesem Zimmer wollte ich keine Sekunde länger verbringen. Nun stehe ich also vor der Tür des Raumes, in dem ich mich eben noch befand. Ich hole erst mal tief Luft und sage mir selbst, dass ich ruhig bleiben muss und Panik mich hier auch nicht weiter bringen wird.

Mir gegenüber befindet sich eine weitere Tür. Ich gehe langsam rüber. Sie ist nicht verschlossen. Vorsichtig öffne ich nun diese Tür, mit einem leichten Knarren geht sie auf. Darin befindet sich ein Badezimmer. Das Licht funktioniert. Es sieht aus wie aus einer anderen Zeit, alte grüne Fließen an den Wänden, auch die Toilette hat diesen alten unangenehmen Grünton. Es riecht muffig, alt und feucht. Neben dem Waschbecken hängt ein Stofffetzen, der wohl mal ein Handtuch gewesen ist. Es gibt kein Fenster in diesem Raum. Ich werfe einen Blick in die Wanne, die so alt ist, das sie noch Füße hat, dort sehe ich einen großen roten Fleck. Ist es Blut? Ist es etwas anderes? Ich möchte es gar nicht genauer wissen und gehe langsam wieder aus dem Bad zurück in den Flur.

Was soll ich nur machen? Einfach weitergehen? Ich fasse einen Entschluss und gehe weiter. Langsam setze ich einen Fuß vor den anderen. Der Boden knarrt bei jedem Schritt. Das Knarren kommt mir mit jedem Schritt, den ich mache, lauter vor. Was war das? Schon wieder dieses Lachen! Ich bin starr vor Angst. Tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf. Panisch suche ich mit meinen Augen meine Umgebung ab. Nichts! "Beruhige dich!" sage ich mir immer wieder leise in Gedanken. Neben dem Bad ist eine weitere Tür. Sie ist bereits einen Spalt offen, und ich sehe hinein. Was ich sehen kann, ist, dass in diesem Raum ein altes Metallbett steht. Mehr kann ich durch den Spalt nicht erkennen. Ich lausche. Nichts zu hören. Ich öffne die Tür und trete ein. Eine Ratte huscht an mir vorbei unter das alte rostige Bettgestell. Ich sehe mich um. Das Licht in diesem Raum kommt von einem Haufen Kerzen, die in der Ecke des Raumes auf einer Kommode stehen. An der Wand hängt ein alter, kaputter Spiegel. Ich stelle mich davor und sehe in das von Rissen durchzogene Glas. Was ist das? Hinter mir sehe ich eine Frau! Ruckartig drehe ich mich um, sie ist weg! Ich sehe erneut in den Spiegel. Nichts. Habe ich mir sie vielleicht nur eingebildet? Ich habe langsam das Gefühl, nicht mehr zu wissen, was real ist und was nicht. Ich sehe mich weiter im Raum um. An einer Wand steht ein altes, klappriges Holzregal, im Regal befinden sich lauter staubige Flaschen. Die Flaschen sind nicht beschriftet. In manchen sind Flüssigkeiten, andere wiederum sind leer. Im oberen Regalfach steht ein Glas. Was ist darin? Ich nehme es herunter, um es mir genauer anzusehen. Vor Schreck lasse ich es fallen. In dem Glas befand sich ein Embryo, konserviert. Hinter mir höre ich Dielen knarren. Ich drehe mich um, wieder sehe ich nichts. Ich verlasse auch diesen Raum, in dem mich nun wirklich nicht länger aufhalten will, und gehe zurück in den Flur.

Zwei Türen sind noch zu sehen. Soll ich es wagen? Mir bleibt ja nichts anderes über, ich will einfach nur hier raus und einen Ausgang finden. Ich gehe rüber zu einer der Türen und öffne sie. Ich sehe eine Balkontür und gehe, ohne mich weiter umzusehen, direkt auf sie zu. Ein Gefühl von Hoffnung durchströmt mich. Doch zu früh gefreut, auch diese Tür ist verschlossen. Also sehe ich mich nun in diesem Raum um. An der Wand steht ein altes Sofa, und an der Decke hängt ein staubiger, betagter Kronleuchter. Wer an diesem Ort wohl mal gelebt hat? Neben dem Sofa gibt es eine Tür. Ich sehe hinein. Ein Wandschrank. Der Wandschrank riecht nach Mottenkugeln und Verwesung. Ich sehe viele alte Klamotten, die auf rostigen Metallkleiderbügeln in diesem Schrank hängen. Doch von wo kommt dieser eklige Geruch nach Tod und Verwesung? Ich schiebe die Kleider beiseite, um sehen zu können, ob sich noch etwas in dem Schrank befindet. Was ich sehe, lässt sich kaum beschreiben. Ich sehe den Körper eines kleinen Mädchens, der von Verwesung befallen ist. Maden kriechen in ihren Augenhöhlen, und ihre Kehle ist aufgeschnitten, auch dort befinden sich Maden. Ich gehe zwei Schritte rückwärts und schließe den Schrank wieder. Das arme Mädchen. Kein Kind hat so etwas verdient. Wieder höre ich das Kinderlachen. Ich drehe mich um und sehe eine durchsichtige Gestalt. Es scheint das Mädchen aus dem Schrank zu sein. Sie hält eine Puppe in den Armen und lacht. Ich traue mich nicht, mich zu bewegen oder auch nur einen Ton von mir zu geben. Ist es ihr Geist? Langsam schwebt die Gestalt rückwärts Richtung Wand und verschwindet in dieser. Ich verlasse auch diesen Raum und betrete wieder den Flur.

Mein Herz rast. Eine Tür gibt es noch. Schlimmeres kann mich ja kaum erwarten. Ich öffne die Tür. Der Raum ist stockdunkel, ich greife neben den Türrahmen, um einen Lichtschalter zu suchen. Tatsächlich ich finde einen. Als ich ihn anschalte, stelle ich fest, dass auch diese Glühbirne nicht wirklich viel Licht spendet. Es scheint eine Vorratskammer zu sein. In den Regalen stehen ein paar alte staubige Dosen, und in ein paar anderen Regalen liegen alte Lacke. Ich ziehe die Tür hinter mir zu, setze mich auf den Boden des kleinen Raums, ich kauere mich zusammen in eine Ecke unter ein Regal. Ich bin erschöpft und verängstigt, ich schließe meine Augen und schlafe ein.

Als ich wach werde, liege ich in einem anderen Raum. Es scheint der Raum vom Anfang meiner Reise durch dieses mehr als gruselige Haus zu sein. Ich sehe in die Ecke des Raumes auf die Kommode. Dort steht er, der Wecker mit Digitalanzeige. Es ist 23:59, also eine Minute vor Null. Voller Panik richte ich mich auf und stürme aus dem Raum in den Gang, ich stolpere und falle und falle und falle. Ich falle in ein düsteres Nichts.

Mit einem Schreck wache ich auf. Ich liege in meinem Bett. In meinem Zimmer. Ich bin nassgeschwitzt. War das alles nur ein Traum? Ich schalte das Licht an und bin froh, als ich feststelle, dass ich wirklich zuhause in meinem Zimmer bin. Ich lege mich wieder auf meine Matratze und hole tief Luft. Das Schlimme für mich war ja, dass mir alles so real vorkam. Es war nie klar, ob die Monster wirklich da waren oder nur in meinem Kopf.


(Geschrieben von Toehle)

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