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Steve musste an diesem Montag Morgen früh aufstehen, denn solange seine Eltern im Urlaub waren, hatte er sich um das Haus und den Garten zu kümmern. Normalerweise reichte es, wenn er um 8 Uhr aufstand, aber kürzlich sind auch die Nachbarn in den Urlaub gefahren, weshalb er sich nun um zwei Häuser, zwei Gärten und allerlei Haustiere zu kümmern hatte. Zum einen um seinen Kater und zum anderen um die Schlangen der Nachbarn. Steve hatte allerdings eine leichte Phobie vor allerlei Reptilien. Manchmal stellte er sich abends sogar vor, eine Schlage würde in sein Bett kriechen oder ihn von der Deckenlampe aus mit ihren kalten Augen, die sich niemals schlossen, beobachten. Als die Nachbarsfrau jedoch bittend vor seiner Tür stand, konnte er einfach nicht ablehnen. Zumal die einzig anderen Menschen in der Straße das nette Rentner Ehepaar von der anderen Seite der Doppelhaushälfte waren und er es ihnen schlecht zumuten konnte. Steve seufzte, als er sich aus dem Bett quälte. Wenigstens musste er sich nicht auch noch um deren Garten kümmern, denn beide waren noch ungewöhnlich fit für ihr Alter.

Als alle Blumen bewässert, die Post rein geholt und Tiere gefüttert waren, verließ Steve das Haus und machte sich auf den Weg zu seinem Ferienjob. Er war diesen Sommer furchtbar beschäftigt und ständig übermüdet, weswegen eine Party, obwohl er sturmfrei hatte, nicht infrage kam. Andererseits wäre das Rentnerehepaar wohl auch nicht begeistert davon gewesen. Die Wände waren zwar ziemlich dick, aber auf beiden Seiten der Doppelhaushälfte führte an der gleichen Stelle eine Treppe in die Wand. Es war eine jener Eisenbautreppen und durch die Vibration des Metalls konnte man immer hören, wenn jemand auf der anderen Seite rauf oder runter ging. Da die einzige Toilette im Obergeschoss ist, hätten die Gäste immer die Treppen rauf gemusst und das wäre auf Dauer doch recht nervig für die alten Eheleute gewesen.

Als Steve wiederkam, war es bereits spät am Abend, denn er hatte sich nach der Arbeit noch mit Freunden getroffen. Er konnte nur noch mit aller Mühe seine Augen offen halten. Doch als er die dunkle, kalte Wohnung betrat, verkrampfte sich sein Körper schlagartig. Wieso war es hier so finster? Er hatte die Rollos doch gar nicht herunter gelassen und dennoch waren sie unten...

Die Nachbarn! Die Eheleute hatten einen Zweitschlüssel. Steve fragte sich, warum sie das tun sollten, war sich aber sicher, dass sie es gewesen sein mussten. Alles war noch an Ort und Stelle und keine Fenster oder Türen waren beschädigt. Es konnte also kein Einbrecher gewesen sein. Allerdings würde ein Einbrecher sowieso nicht die Rollos runter lassen.

Nachdem alle Pflichten erledigt waren, fiel Steve wie ein Stein in sein Bett und blieb reglos liegen. Da er morgen früh aufstehen musste, beschloss er auch eben so früh schlafen zu gehen. Sein Bett war warm und weich, sodass er in aller Ruhe und Bequemlichkeit auf den Schlaf warten konnte. Dieser wollte aber einfach nicht kommen. Nach einer glatten Stunde war er immer noch wach. Zudem spürte er, dass er auf Klo gehen musste. Es half nichts. Nachdem er schlaftrunken die Nachttischlampe eingeschaltet hatte, machte er sich mit mürrischem Schritt auf den Weg zur Toilette. Während er zum Bad lief, hatte er eine Gänsehaut, außerhalb seines Bettes fühlte es sich doch recht kalt an. Darum wollte er schnell wieder zurück, doch ein leises Stapfen erregte seine Aufmerksamkeit. Es war sehr dumpf und fern und ehe er es richtig zuordnen konnte, war es auch schon wieder verschwunden. Wahrscheinlich hatte sein Kater nur Lust mal wieder im Dunkeln durchs Haus zu laufen, trotzdem beeilte Steve sich auf dem Weg zurück ins Bett und blickte über die Schulter, als er seine Tür schloss.

Nun war er nicht mehr so müde. Als er sich wieder hingelegt hatte, merkte er, dass ihm auf den kleinen Schrecken viel zu warm wurde und streckte ein Bein unter der Decke hervor an die Bettkante. Das angenehme Gefühl hielt aber nur kurz, denn schon bald hörte er wieder das Stapfen. Hastig zog er sein Bein zurück in Sicherheit unter die Decke. Was war nur dieses Geräusch? Es hielt länger an als beim letzten Mal und Steve überlegte verzweifelt was es sein könnte. Das Geräusch machte ihn so verrückt, dass sein Herz wie wild anfing zu schlagen und er nicht mehr sagen konnte, ob das leise Hämmern von seinem Herzen kam oder von diesem Stapfen. Er hörte es immer näher kommen, bis es vor seiner Tür endete. Schnell drehte Steve sich zur Lampe um und schaltete sie mit unruhiger Hand an, wobei er sie umwarf und die Lampe scheppernd zu Boden fiel. Plötzlich öffnete sich die Tür einen spaltbreit und er hörte ein dumpfes Geräusch als würde etwas auf den Boden fallen. Steve hatte sich mittlerweile im Bett aufgesetzt und zog sich die Decke bis an den Hals, in dem er seinen Herzschlag deutlich spüren konnte. Er starrte auf die Tür doch nichts geschah. Kurz bevor er aufstehen wollte, huschte eine kleine pelzige Gestalt in den Raum, sein Kater. Das Vieh hatte es tatsächlich fertig gebracht, die Tür zu öffnen.

Steve brauchte ein paar Minuten, in denen er sich den Schweiß vom Gesicht wischte und sich beruhigen konnte. Er ließ die Tür offen, damit es nicht nochmal einen Radau wie eben geben würde. So einen Schrecken wollte er nicht noch mal erleben. Zusammen mit seinem Kater legte er sich ins Bett und stellte die Lampe wieder auf ihren Platz, bevor er sie ausschaltete.

Mit weit geöffneten Augen lag er nun da, auf die langsamen aber stetigen Atembewegungen seines Katers achtend. Es dauerte nicht lange, da hörte er wieder das leise Stapfen. Der Kater lag noch im Bett, das konnte Steve trotz Dunkelheit sehen aber woher verdammt nochmal kam denn nun dieses Geräusch! Dann dämmerte es ihm plötzlich. Diese verdammte Treppe, seine Nachbarn waren es, die das Geräusch verursachten. Nach dieser Erkenntnis schoss sein Bein unter der Decke hervor und trotzig legte er es zurück an die Bettkante. Nicht zu glauben, dass er davor Angst gehabt hatte.

Am nächsten Morgen wurde Steve dann von einem lauten Rattern und einem Piepen geweckt. Er überlegte kurz und ehe sein Ärger über das unsanfte Erwachen vollständig verflogen war, begriff Steve zweierlei Dinge. Erstens, die Müllabfuhr war da. Zweitens, er hatte vergessen den Müll raus zustellen. Hastig schlüpfte Steve in seinen Bademantel und raste die Treppen runter. Sein Getrampel musste dabei sehr laut gewesen sein, denn sogleich klopfte es protestierend von der anderen Seite der Wand zurück. Er konnte und wollte darauf aber gerade keine Rücksicht nehmen, zumal die Eheleute von nebenan selbst nicht auf ihr blödes Getrampel achteten. Steve rannte raus vor die Haustür, doch die Müllabfuhr war bereits weg. Er wusste, dass seine Eltern ihn dafür rügen würden und stand einen Moment niedergeschlagen am Straßenrand. Ein Blick zur Seite erfüllte ihn dann aber mit Erleichterung, wenn auch zum gleichen Teil mit Verwunderung. Ein großer, rechteckiger, schwarzer Kasten stand neben ihm: Der Mülleimer.

Steve war sich absolut sicher, dass er ihn nicht raus gestellt hatte. Da die Müllabfuhr so etwas nicht tat, konnten ja nur die Nachbarn dafür verantwortlich sein. Steve fühlte sich nun sehr schlecht. Er hatte sich so über die beiden geärgert, obwohl sie in Wirklichkeit doch echt nett waren. Außerdem hatte er sie auch schon einige Zeit nicht mehr gesehen. Eigentlich, seit dem Tag an dem seine Eltern weggefahren waren. Deshalb beschloss er heute nach der Arbeit nichts mit seinen Freunden zu machen, sondern sich bei seinen Nachbarn zu bedanken. Bei der Gelegenheit würde er sie auch gleich fragen, was diese Sache mit den Rollos sollte.

Er kam am Nachmittag nach Hause und fand die Wohnung wieder in tiefster Dunkelheit vor. Steve war wirklich verwundert darüber, wieso die Nachbarn das taten, aber er würde sie ja gleich selbst fragen können. Ohne die Rollos aufzurollen verließ er das Haus sogleich wieder und joggte die paar Meter zur anderen Seite des Hauses, wo die Wohnung des alten Renterpaares begann. Steve klingelte, aber ihm wurde nicht geöffnet. Er wartete ein paar Minuten und klingelte erneut, doch wieder wurde ihm nicht geöffnet.

Er drehte sich um und bekam fast einen Schrecken als die Nachbarn mit ihrem Auto in die Einfahrt fuhren. Fröhlich stiegen die beiden aus und winkten Steve zu.

"Ah hallo, was wolltest du denn bei uns?", sagte der alte Mann.

"Nun ich wollte mich einerseits bedanken, dass ihr den Müll für mich raus gestellt habt, ich hatte das in meiner Schusseligkeit vergessen. Aber ich wollte euch auch fragen, warum ihr den Zweitschlüssel benutzt habt, um in unser Haus zu kommen und die Rollos runter gelassen habt, heute und gestern... Das ergibt für mich keinen Sinn."

Die beiden tauschten einen verwirrten Blick aus, bevor die alte Frau sprach: "Wir haben weder den Müll für dich raus gestellt, noch die Rollos runter gelassen. Tatsächlich waren wir die letzten beiden Tage gar nicht da, wir sind spontan unseren Sohn besuchen gegangen."

Steve war nun völlig perplex. "Aber wer war denn dann bei uns im Haus, während ich nicht da war..."

"Ich befürchte -", begann der alte Mann "ich muss dir beichten, dass wir euren Zweitschlüssel verloren haben, er fehlte auf einmal in dem Kästchen, wo wir alle Schlüssel aufbewahren. Und bevor du nun wieder zurück gehst schlage ich vor, wir rufen sicherheitshalber erst mal die Polizei an."

Drei Stunden waren vergangen und die Polizei hatte das ganze Haus abgesucht, doch niemanden gefunden. Sie suchten in beiden Hälften des Hauses, aber bis auf die Rollos war tatsächlich nichts Verdächtiges zu vermerken. Weder die Türen noch die Fenster zeigten Spuren eines Einbruchs. Die Polizisten rieten sowohl Steve als auch den Eheleuten zur Vorsicht und dass sie ihre Schlösser austauschen sollten. Danach waren sie auch schon verschwunden. Für Steve ergab das alles wenig Sinn. Er war also die ganze Zeit allein gewesen... Oder nicht ganz allein, denn anscheinend war hier doch jemand eingebrochen und das mehrfach.

Steve bekam einen Schock, als ihm etwas in den Sinn kam. Er rannte die Treppe runter an den Schlüsselkasten, der mit einem Zahlenschloss gesichert war und suchte. Er suchte nach einem kleinen Schlüssel mit schwarz- gelbem Anhänger und fand ihn auch sogleich. Es war der Zweitschlüssel zur Haushälfte der Nachbarn. Steves Hals fühlte sich rau an und sein Herz pochte so stark, dass er Angst hatte sein Schädel würde gleich zerbrechen.

Es mag sein, dass jemand den Schlüssel für seine eigene Seite des Hauses gefunden oder gestohlen hatte, aber wie war jene Person ins Haus der Nachbarn gekommen und hat das Stapfen verursacht und an die Wand geklopft ohne diesen Zweitschlüssel.

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