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Erneut warte ich, ich warte hier auf unserer Parkbank. Der starke Wind bläst mir ins Gesicht und die Dunkelheit, welche alles verschlingt, zieht mich komplett in ihren Bann. Nicht mehr lange, nicht mehr lange und dann bin ich wieder bei dir. Eine einzelne Träne rollt meine Wange hinunter, doch gefriert nach einigen Sekunden und wird eins mit der Kälte und dem Eis. Nur der Gedanke an dich lässt meinen Körper erzittern und sich mit Gänsehaut bedecken.

Ich warte genau hier, dort wo du auch mal gewartet hast, auf mich gewartet hast, erinnerst du dich? Du sagtest immer, die Hoffnung stirbt zuletzt und das tat sie, dass Einzige was von dir blieb, war Hoffnung. Noch heute sehe ich deine glasigen, starren Augen vor mir.

Du hattest dir so sehr gewünscht, dass ich komme, jetzt wünschte ich, ich wäre da gewesen. Ich hätte bei dir sein sollen, deine Hand halten, dir meine Jacke um die Schultern legen und dich umarmen sollen, dich Küssen und Lieben sollen wie du es erhofft-, nein, wie du es verdient hattest. Ich wusste, wie viel dir dieser Tag bedeutet, der erste Tag des Frühlings, der Tag an dem wir uns kennen lernten und der erlösende Morgen, welcher den kalten, seelenlosen Winter für viele Monate verbannt.

Ich warte hier, auf unserer eisigen Parkbank, dort wo wir uns unsere Liebe standen, dort wo wir uns zum ersten mal Küssten und schließlich der Ort, wo du deinen letzten Atemzug nahmst. Ich warte hier und mit jeder Sekunde, welche vergeht wird mir mehr und mehr klar, wie viel dieser letzte Winter Tag mir genommen hat, er hat dich, meine große Liebe, mir entrissen.

Ich erhebe den Blick und schaue direkt auf das Feld wo deine Großeltern vor vielen Jahren anlegten, den einzelnen Baum, welchen sie in der Mitte pflanzten und welcher, zusammen mit ihrer Liebe wachsen sollte. Ich schaue hinauf zu den Ästen, auf dem höchsten von ihnen hängen Schuhe, es sind deine weißen Schuhe. Du hast sie geliebt, du sagtest, dass sie so rein seien wie unsere Seelen und wenn du irgendwann einmal Sterben solltest, sollten diese Schuhe auf dem Ast, welcher den meisten Abstand zu der Erde hatte, hängen, darauf, dass du frei bist und überall mit dem Wind hinreisen und die gesamte Welt erkunden kannst, mit deinen großen weißen Flügeln.

Dann schaue ich hinüber, dorthin wo wir zum ersten mal Schwimmen gingen, der große vereiste Fluss. Auch wenn ich spüre dass meine Kräfte schwinden, schreie ich ihn, ich schreie deinen Namen, so laut ich kann in die ferne, darauf Hoffend, dass du mich erhörst: "Fenja, ich komme!" Und tatsächlich, dort sehe ich dich.

Dein Braunes Haar in deinem Gesicht hängend, der Pony welcher eines deiner hellleuchtend blauen Augen verdeckt, in deinem weißen Kleid, welches dir deine Eltern zu deiner Beerdigung aussuchten und deine Schuhe. Dort stehst du und siehst mich an, kalte Augen, so wie damals, als ich dich tot auf unserer Parkbank fand. Ob du mich so Herzlich aufnehmen wirst, wie ich es erhoffe? Wirst du mich verstoßen? Ich komme! Jetzt!

Ich schließe meine Augen, unaufhaltsame Tränen, welche meine Wangen hinunterlaufen, ignorierend, flüstere ich meine letzte Bitte in die kalte Luft: "Bitte warte auf mich, ich komme." Deine Hand an meiner Wange ist das Letzte, was ich spüre, dann nehme ich meinen aller letzten Atemzug, so wie du, vor genau einem Jahr.

Dieses mal bin ich da, ich werde mit dir warten, ich warte mit dir auf den ersten Tag des Frühlings.

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