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Schon mal von den drei Affen gehört? – Ja, genau diesen drei Affen, von denen sich einer den Mund, ein anderer die Augen und wieder ein anderer die Ohren zuhält. Man findet ihr Motiv heutzutage als Karikatur, Statuten und sogar als Whatsapp-Emojis. Weißt du denn eigentlich auch was diese drei Affen für eine Bedeutung haben? -Ja? -Nein? Wahrscheinlich glaubst du die drei Affen ständen mit ihrer „nichts sehen, nichts hören, nichts sagen“ Mentalität für das Ignorieren und Leugnen von unangenehmen Tatsachen. Eine Praxis wie, wir sie ja alle nur zugut aus der Politik, der Wirtschaft oder aber von der Gesellschaft an sich kennen. Mit dieser Bedeutung werden die drei Affen heutzutage ja auch meistens verwendet. Als Zeichen der Ignoranz.

Doch einst hatten die drei Affen eine ganz andere Bedeutung. Denn wie das Schießpulver, das von den Asiaten für Feuerwerke und Signale erfunden und später von den Europäern für Krieg und Zerstörung eingesetzt wurde, so wurden auch die drei Affen vom Westen aus ihrer fernöstlichen Heimat gestohlen und anschließend zweckentfremdet.

Eigentlich kommt das Symbol der Affen nämlich aus Japan und steht dort für „nichts Böses sehen, nichts Böses hören, nichts Böses sagen“.  Dieses Sprichwort soll nach einer budhistischen Lehre den vorbildlichen Umgang mit dem Bösen der Welt darstellen. Man soll das Böse von sich selbst fernhalten und so seine Seele nicht beschmutzen. Auch ein fraglicher Umgang mit den Untaten der Menschen und Gottes, aber keiner der auf Leugnung und Schönreden beruht.

Das ist zumindest was die Kulturwissenschaftler und Symbolforscher heute glauben. Du kannst es auch gerne im Internet nachlesen. Was du aber nirgends finden wirst, ist der wahre Ursprung der drei Affen.

Denn lange vor dem Sprichwort, gab es eine alte und inzwischen längst vergessene Geschichte über die Affen. Eine Art Märchen. Ihr Name:

Der Vierte Affe

Einst beschlossen vier Mönche des Quen-Klosters in die Berge zu gehen um dort zu meditieren und durch das Leben im Einklang mit der Natur der heiligen Erleuchtung ein Stück näher zu kommen. Sie stiegen also weit hinauf in die Berge, bis sie einige Meilen unterhalb der Schneegrenze in einem ruhigen Wald beschlossen sich niederzulassen. Weitab von allen Städten und Dörfern, begannen sie ihr einfaches Leben: Sie tranken Wasser aus einer Quelle, aßen Nüsse und Früchte und schliefen in einfachen Laubhütten.

Alles war so einfach und schlicht und ruhig wie es sich die vier Mönche erhofft hatten.

Doch etwas beunruhigte sie: Es war zu ruhig. Keine Tiere streiften durch den Wald, keine Fische schwammen im Fluss und keine Vögel flogen über den Himmel. Doch auch wenn es die vier Mönchen verwunderte, so hielten sie die Lage des Waldes oder das Wetter für verantwortlich und sahen darüber hinweg.

So verging die Zeit und einen Monat lang sahen die vier Mönche keinen anderen Menschen und auch kein Tier. Jeden Tag meditierten sie stundenlang und beteten stundenlang um der Erleuchtung näher zu kommen.

Doch langsam fanden sie keine Nüsse und Früchte mehr an den Bäumen und so beschlossen sie höher auf den Berg hinauf zu steigen, wo sie bisher noch nicht nach Nahrung gesucht hatten. Einen Tag nachdem die Mönche in das neue Gebiet gezogen waren, sah einer von ihnen als er gerade Nüsse von einem Baum sammelte in diesem einen Affen sitzen. Der Affe saß nur starr da und hielt die Hände vor seine Augen geschlagen. Der Mönch war überrascht und fragte den Affen verwundert, warum dieser denn seine Augen bedecke, woraufhin der Affe die Hände von seinen Augen nahm und offenbarte, dass diese ihm ausgekratzt worden waren. Erschrocken lief der Mönch zu seinen Brüdern und erzählte ihnen von der seltsamen Begegnung. Doch keiner wusste sich darauf einen Reim zu machen und so taten sie nichts Weiteres wegen dieser Sache.

Obwohl die Mönche nur wenig aßen wie es eben ihrer Lehre entsprach, fanden sie einen Monat später wieder nichts mehr zu essen und zogen, weiter in Richtung des Berggipfels. Als sie am zweiten Tag nach Beeren suchten, fand einer der Mönche in einem Busch einen Affen sitzen, der aussah als würde er sich die Ohren zuhalten. Der Mönch fragte den Affen warum er sich denn die Ohren zuhielte. Der Affe reagierte nicht, also fragte der Mönch ein zweites Mal. Da nahm der Affe die Hände von seinen Schläfen und der Mönch sah, dass seine Ohren abgerissen worden waren. Erschrocken lief der Mönch zu seinen Brüdern und erzählte ihnen von dem verstümmelten Tier. Doch wieder wusste sich keiner zu erklären was das zu bedeuten habe und so fuhren sie in ihren Gewohnheiten fort.

Doch bereits einen weiteren Monat später, fanden die Mönche nichts mehr zu essen in ihrem Gebiet des Waldes und wanderten wieder weiter nach oben. Nun hatten die Mönche den Gipfel des Berges fast erreicht. Am dritten Tage nach ihrem Umzug, als alle sie gerade am Fluss unmittelbar an der Baumgrenze tranken, sahen sie wie ihnen etwas vom kahlen Gipfel des Berges entgegengerannt kam. Wieder war es ein Affe. Als das Tier näherkam, sahen sie, dass es die Hände vor seinen Mund hielt. Der Affe erreichte sie und blieb stehen. Der erste Mönch fragte warum er denn seine Hände vor den Mund hielte, doch der Affe antwortete nicht. Da fragte der zweite Mönch, aber wieder antwortete der Affe nicht. Da fragte der dritte Mönch. Und der Affe nahm seine Hände weg, riss seinen Mund auf und offenbarte, dass seine Zunge herausgerissen worden war. Dann rannte der Affe davon in Richtung des Tales.

Dieses Mal glaubten die Mönche zu wissen, dass die Ursache der verletzten Tiere dort oben auf dem Gipfel des Berges gesucht werden müsste. Also beschlossen sie, dass einer von ihnen dort hinauf steigen sollte, um zu sehen was die Affen so grausam verstümmelt hatte. Sie losten aus welcher es sein sollte und jener auf den das Los gefallen war ging ohne sich zu sträuben los. Zur Verteidigung nahm er sein Messer mit, mit dem er sonst die Früchte von den Bäumen schnitt.

Nach der Hälfte des Weges zum Gipfel kam er an eine Höhle. Er wollte gerade an dieser vorbeigehen, als er in sie hineinsah. Was er sah war so schrecklich, dass er sein Messer nahm und sich die Augen ausstach, damit er nie wieder auch nur etwas Ähnliches erblicken musste. Voller Entsetzen wollte er dann zurück zu seinen Brüdern laufen um sie zu warnen, doch ohne Augen fand er den Weg zurück nicht und stürzte in eine Felspalte.

Als der erste Mönch nicht zurückgekehrt war, schickten die Mönche einen weitern von ihnen los. Der nächste Mönch hatte eine Sichel dabei, mit der er sonst Reis schnitt und begann seinen Aufstieg.

Als der zweite Mönch zur Höhle kam, hörte er etwas aus ihr. Das Geräusch war so grauenvoll, dass er sich mit seiner Sichel die Ohren abschnitt und dann in Panik zu seinen Brüdern floh. Als diese ihn nun jedoch fragten, was denn passiert sei konnte er sie nicht verstehen und antwortete ihnen nicht, sodass die zwei gesunden Mönche beschlossen einen weiteren von ihnen zu entsenden. Dieser nahm seine Klinge mit, mit der er sonst das Getreide schnitt und machte sich auf den Weg.

Als der dritte Mönch zur Höhle kam hörte er eine Stimme aus ihr etwas flüstern und als er verstand was sie da flüsterte wollte er diesen Schrecken nie mit jemanden teilen und so nahm er die Schere und schnitt sich die Zunge heraus. Dann rannte er voller Entsetzen zu seinen beiden Brüdern. Doch weder wollte er noch konnte er, da ja seine Zunge abgetrennt war, diesen erzählen was er erlebt hatte.

So machte sich der letzte gesunde Mönch auf zum Berggipfel. Doch weil er gesehen hatte, was mit den anderen passiert war, nahm er keine Waffe und auch kein Werkzeug mit um sich zu verteidigen und so ging er mit leeren Händen.

Als er die Höhle erreichte, sah er hinein. Dort saß eine Kreatur, die durch nichts in dieser Welt an Schrecken noch zu überbieten wäre. Es war eine Bestie mit einem Gesicht verzerrt durch so tiefen Wahnsinn, wie ihm noch nie ein Mann bis zu diesem Tage verfallen war. So grauenvoll war das Ding, das der Mönch sich die Augen nehmen wollte, damit er niemals mehr etwas Vergleichbares sehen musste. Doch ohne eine Waffe konnte er es nicht und so blieb er vor Schreck erstarrt stehen.

Da begann, das Wesen zu brüllen und ihr Geschrei war dabei so verrückt und schrecklich, dass der Mönch sich die Ohren abschneiden wollte um niemals mehr etwas Vergleichbares hören zu müssen, doch er hatte nichts bei sich womit er dies hätte tuen könnte und so blieb er durch Grauen gelähmt, dort wo er war und rannte nicht davon.

Da fragte die Bestie ihn mit einer Stimme die, sich unablässig änderte so als sprächen viele: „Warum bist du denn hier?“

Der Mönch antwortete: „Ich bin hier um dich zu fragen, wer du bist und warum du meinen Brüdern und den drei Affen all dieses Leid zugefügt hast.“

Die Bestie antwortete: „Ich bin der vierte der Affen. Einst kam ich mit meinen Brüdern auf diesen Berg hier und wir lebten glücklich in dieser Höhle.

Doch eines Tages wollte ich sehen was ganz oben auf dem Gipfel dieses Berges wäre. Also stieg ich hinauf und dort fand ich etwas das nie von irgendjemandem hätte gefunden werden dürfen. Und als ich zurückkehrte zu meinen Brüdern, da hatte ich mich verändert. Als mein erster Bruder mich sah, da kratzte er sich die Augen aus. Als ich meinen zweiten Bruder rief, da riss dieser sich die Ohren ab und als ich meinem dritten Bruder schließlich erzählte was ich auf dem Gipfel gefunden hatte, da riss jener sich die Zunge aus dem Mund. Und genauso taten es auch deine Brüder.“

Da fragte der Mönch voller Neugier, was der Affe den auf dem Gipfel des Berges gefunden habe. Da lachte der Affe und sagte: „Ich fand die Wahrheit! Die eine und endgültige Wahrheit. Aber du wirst nicht stark genug sein sie zu hören. Doch der Mönch meinte nur: „Ich bin stark genug, denn ich habe mein Leben lang meditiert und gebetet und bin reinen Gewissens. Bitte erzähl mir die eine und endgültige Wahrheit.“ Da lachte der Affe erneut und erzählte dem Mönch die Wahrheit die er auf dem Berg gefunden hatte und die nie von irgendjemandem hätte gefunden werden dürfen. Da wurde der Mönch wahnsinnig und wollte sich die Zunge herausschneiden, um das gehörte niemals mehr weitererzählen zu können, doch ohne Waffe konnte er es nicht.

Doch da zeigte der Affe sich gnädig und riss ihm die Zunge heraus. Jetzt jedoch war der Affe neugierig geworden und wollte wissen ob es jemanden gäbe der die eine und endgültige Wahrheit ertragen könne. Also stieg er vom Berg hinab und tötete die beiden zurückgeblieben Mönche indem er ihnen das Hirn durch den Mund herausriss, weil er sie als unwürdig befunden hatte. Danach machte er sich auf den Weg ins Tal und kam dort bald zu einem Dorf.

Jedem im Dorf erzählte er die Wahrheit die er auf dem Berg gefunden hatte und jeder der sie hörte verfiel dem Wahnsinn. Alle die sie nicht ertrugen tötete er oder nahm ihnen die Zunge, denn nur er wollte die Botschaft verkünden, denn nur er sollte den einen finden der die Wahrheit ertrug und stark genug war sie sehen, hören und verstehen zu können.

Doch der Affe fand nie jemanden der stark genug war, wohin er auch ging und so sucht er noch immer bis zum heutigen Tage nach einem der stark genug ist die eine und endgültige Wahrheit, die Wahrheit, die nie von jemanden gefunden hätte gefunden werden dürfen, zu ertragen…

Und wenn du ihm begegnen solltest, dann lass dir das hier geraten sein:  Sie nicht hin. Hör nicht hin. Frag ihn nicht.

Denn glaub mir du bist nicht stark genug für die Wahrheit. Wir alle sind es nicht.

Und denke immer an die Legende des vierten Affen: Das geschieht mit einem, wenn man etwas findet, das man nie hätte suchen dürfen.

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