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Piep... Piep... Piep... Piep...

Der Klang des Lebens ist ein sich immer wiederholendes Piepen. So höre ich es schon lange. Wie lange, frage ich mich? Wie lange schon liege ich hier? Wie lange ist es her, dass ich mich zuletzt bewegt habe? Wann spürte ich die Wärme der Sonne? Was war das letzte Wort, das ich sprach? Und mit wem? Lange schon, zu lange bin ich diesem weißen, fensterlosen Raum, angeschlossen an Maschinen, die mein Leben darstellen.

Piep... Piep... Piep...

Der Klang meines Lebens, damit die Ärzte sehen ob ich noch lebe, aber auch für mich, damit ich weiß, ob ich lebe oder tot bin.

Es ist einsam hier, in diesem Zimmer. Die Ärzte kommen nur sehr selten. Täglich ist eine Krankenschwester hier und tut etwas in eine Maschine, welche mich mit Essen versorgt. Sie rattert laut wenn sie dies tut. Der Klang des Lebens. Piep... Piep... Ratter... Ratter. Ich will mit ihnen reden, doch kann ich nichts tun, außer sie mit meinen Augen anzusehen, immerzu gerade aus, ohne mich zu bewegen oder zu blinzeln. Immer nur höre ich denn Klang des Lebens. Piep.... piep... Ratter... Ratter... Einatmen.... Ausatmen. Selbst das macht eine Maschine für mich. Ich bin einfach nur da und erwarte das, was kommen muss. Das diese Musik, die für mein Leben gespielt, enden wird. Doch will ich das?


Will ich, dass ich so von der Welt scheide? Angeschlossen an Maschinen, die mir beweisen müssen, dass ich noch lebe?! Nein! Ich will Leben! Für mich selber und durch meine eigene Kraft will ich leben!

Piep... Piep... piiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiep.

Der Klang des Leben endet und wird nun zum Klang des Todes! Ich will das nicht! Ich will leben! Ich will lachen, weinen, lieben!

Da kommen Ärzte um mich zu retten, wie sie es geschworen hatten als sie ihr Amt bekleideten. Sie sehen gestresst aus. Sie erreichen mein Bett, aber sie halten inne. Keine Bewegung geht durch ihren Körper und eine Stille, die fast greifbar ist, erfasst den Raum. Wenn das der Tod ist, dann ist er einsamer als das Leben!

Ich höre Schritte, von weit entfernt kommen sie zu mir! Aus dem Flur? Nein, viel weiter scheinen sie zu hallen, als seien sie von einer anderen Welt. Sie werden lauter, das Wesen, was sie erzeugt kommt näher, bis ich es am Ende meines Bettes sehe. Dort steht ein Mensch mit schwarzen Umhang, man sieht seinen Kopf nicht, aber zwei rote Punkte wo bei einem Menschen die Augen sind und eine Knochenhand, welche eine Sense hält. Ich dachte immer, diese Darstellung vom Tod wäre eine mittelalterliche Fantasie, doch wie es scheint ist sie echt. Er spricht zu mir „Dein Leben ist zu Ende, kleine Seele. Deine nächste Reise wird nun beginnen.“ Er hebt seine Sense um mich zu ernten.

„Aber ich sehe, dass du dich noch immer an dein Leben klammerst. Das ist nur zu verständlich, bei dieser Art des Dahinscheidens. Deine Zeit ist noch nicht gänzlich verbraucht“, mit diesen Worten, zeigt er mir eine Sanduhr. Der Sand ist noch nicht ganz versiegt, doch sind es nur noch wenige Körner welche an meinem Leben hängen. „Ich kann dir deine Zeit wieder geben. Doch wisse, dass dies einen Preis haben wird. Ein Leben, für ein Leben.“ Er neigt seinen Kopf zu mir und zeigt seinen blanken Schädel. Er schaut mich an und ich spüre wie sein Blick meine Seele ergründet. „Dann ist dem so. Wenn deine Zeit erneut gekommen ist, dann werde ich kommen um einzufordern was mir zusteht. Bis dahin, kleine Seele, genieße dein zweites Leben, denn es wird dein Letztes sein.“ Mit diesen Worten dreht der Tod die Sanduhr und verschwindet wie er gekommen ist und der Fluss der Zeit, welches dieses Zimmer erfrieren ließ, fließt wieder.

Die Ärzte beleben mich erfolgreich wieder und ich erhole mich von dieser Krankheit, welche mich in ein Wachkoma versetzt hatte. Ich arbeite in einem prima Beruf mit netten Kollegen, verliebe mich, heirate und bekomme Kinder. Ich lebe jeden Tag wie ein Geschenk, denn es ist eines, erhalten vom Tod. Ich kann mich noch an jeden Moment erinnern, jede Sekunde dieses Momentes ohne Zeit. Das Leben ist wertvoll, so nutzte ich jeden Tag für schöne Momente. So sitze ich nun an meinem PC und lese im Internet Geschichten. Ich hatte total die Zeit vergessen, als ich auf die Uhr sehe, also stehe ich schnell auf.

Da sehe ich den Tod, welcher an der Schwelle zu meinem Zimmer steht. Ich erschrecke, hatte ich nicht damit gerechnet ihn so bald wieder zu erblicken. „Deine Zeit ist nun gekommen, kleine Seele. Blicke zurück auf dein Leben und auf das, was dein Ende ist.“ Wie auf einen Befehl drehe ich mich um und sehe mich. Ich stolpere über ein Kabel und schlage mit meinen Kopf dann auf dem Tisch auf. Erneut spricht der Tod zu mir: „Nun ist es Zeit deinen Teil des Vertrages zu erfüllen.“ Er streckt mir seine knochige Hand entgegen. Trotz Unbehagen und Zweifel ergreife ich sie wie zu einem Handschlag.

Ich spüre, wie mein ganzes Dasein, meine Existenz, mein Ich vom Tod aufgesaugt wird und nicht nur das, meine Haut und mein Fleisch wandert von meinen Körper zum Tod. Ich falle auf die Knie und erblicke mein Skelett. Der Tod hingegen legt seinen Mantel und seine Sense ab und zeigt sich als Mensch aus Fleisch und Blut, nur um in einem Strahl aus Licht zu entschwinden. Ich bleibe zurück, nehme den Mantel und die Sense und gehe los, meine niemals endende Aufgabe zu vollrichten, bis eine Seele mit den Willen zu leben mich erlöst. Ich bin der Tod!

ShadowLorn (Diskussion) 19:11, 21. Mai 2015 (UTC)

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