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Gefangen in der Leere. Bearbeiten

Dreimal kurz…Dreimal lang… Dreimal kurz.

Ich sende es mittlerweile im Minutentakt ab. Ich habe doch sowieso keine andere Beschäftigung als immer dasselbe zu tun. Meine Gedanken… Ich habe das Gefühl, sie gehen immer langsamer von statten. Ob es Wahnsinn oder Einsamkeit ist, weiß ich nicht. Wahrscheinlich sogar beides. Was hätte ich denn für einen anderen Grund? Platzangst vielleicht. Aber das wohl eher nicht, ich habe hier eigentlich mehr als genug Platz für mich und meine Einsamkeit. Drei Jahre, vier Monate, elf Tage, fünf Stunden und dreizehn Minuten sind mittlerweile vergangen, seitdem sie mich hier zurückgelassen haben.

Dreimal kurz… Dreimal lang… Dreimal kurz.

Diese glücklichen Menschen die auf der Erde in Seenot geraten sind und auf einer einsamen Insel erwacht sind. Das reinste Paradies im Gegensatz zu dem Alptraum in dem ich lebe. Diese Leute hatten wenigstens noch die Chance auf Rettung, doch ich… Ich habe meine Chancen verpasst. Achtundsiebzig Billionen Quadratkilometer Leere umgeben mich. Und der nächste Stern ist siebzig Lichtjahre von der Erde entfernt… 662.300.000.000.000.000 Kilometer sind das.

Dreimal kurz… Dreimal lang… Dreimal kurz.

Hoffnung auf Rettung habe ich nicht. Die Reise hierher würde acht Jahre dauern… Und so lange halte ich es hier nicht mehr durch. "Es besteht kein Grund zur Sorge, es ist das sicherste Raumschiff, das jemals gebaut wurde"… Das haben sie gesagt, als ich im Vorstellungsgespräch saß. "Es ist wie eine Kreuzfahrt: Sie reisen dorthin, schauen sich den Ort an, machen ein paar Fotos und reisen wieder zurück"… Und jetzt hocke ich hier alleine in der IPFSS und vegetiere vor mich hin… Ohne Chance auf Rückkehr… Ohne Chance auf Hoffnung.

Dreimal kurz… Dreimal lang… Dreimal kurz.

Obwohl ich weiß, dass dieses beschissene SOS nicht funktioniert, benutze ich es trotzdem. Es ist der einzige Hoffnungsschimmer eines Hoffnungsschimmers an den ich mich klammere. Es ist wie, wenn ein Schiffbrüchiger sich an einem Stück Holz festklammert obwohl er in einen Strudel gesogen wird. Nur hier ist es noch viel schlimmer. Ich bin mir selbst eine Gefahr. Nicht selten habe ich mir schon das Küchenmesser an den Hals gehalten… Nicht selten habe ich schon darüber nachgedacht, einfach während voller Geschwindigkeit rauszuspringen. Ein letztes Mal den Sternenhimmel sehen, ein letztes Mal dieses Schiffswrack sehen und dann…

Dreimal kurz… Dreimal lang… Dreimal kurz.

Die Vorräte reichen noch zwanzig Jahre, wenn ich jeden Tag die doppelte Ration esse. Am Essen liegt es nicht… Es ist die Einsamkeit und die Erkenntnis, die nächsten sechs Jahre in diesem Drecks Raumschiff festzusitzen, die mich zur Depression führen. Desolation… Vollkommene Desolation. Ich bin wie der Kapitän der Titanic. Ich gehe als letzter von Bord…

Dreimal kurz… Dreimal lang… Dreimal kurz.

Wieso haben sie mich zurück gelassen? Wieso haben sie nicht auf mich gewartet? Ich...Naja, wer kann es ihnen verübeln. Es war ein ganz normaler Tag auf der IPFSS,bis der Alarm ertönte: "Brennstoffleck, verlassen sie das Schiff umgehend.“ hatte die roboterartige Frauenstimme ausgerufen. Alle waren sofort zu den Notkapseln gerannt und hatten sich hastig für den Abwurf bereit gemacht.

Desolation

Die IPFSS kurz nach dem Start auf der Erde

Doch ich habe mich verhakt. Mein Hosenbein verfing sich im Verbindungsring und ich kam nicht mehr weiter. Ich schrie um Hilfe doch niemand kam um mich zu retten. Dann verloschen die Alarmlichter und das letzte, das ich hörte waren die Zischlaute, als die Notkapseln von der IPFSS abgeworfen wurden. Kurz danach war der Brennstoff verbraucht und seitdem fliege, nein schwebe ich mit einer konstanten Geschwindigkeit von 158 Km/s durch das Weltall. Die Frauenstimme ist zwei Jahre später ausgefallen und seitdem habe ich nur noch meine Selbstgespräche.

Dreimal kurz… Dreimal lang… Dreimal kurz.

Keine Chance auf Wiederkehr, keine Chance… Bestimmt haben sie mich schon vergessen. Nur meine Frau und meine Tochter werden jeden Abend in die Sterne gucken und sich fragen ob ich noch am Leben bin.

Dreimal kurz… Dreimal lang… Dreimal kurz.

Dreimal kurz… Dreimal lang… Dreimal kurz.

Dreimal kurz… Dreimal lang… Dreimal kurz.

Keine Chance… Keine Hoffnung… Kein Sinn…

Ich halte es nicht mehr aus. Nur das rhythmische Klicken der Hyperfunkanlage. Nur das beständige Vibrieren der IPFSS. Ich kann nicht mehr. Ich fühle mich wie eine lebendige Seele gefangen in einem toten Körper. Sollte man jemals dieses Dokument finden, lasse ich euch wissen, das

Der Sternenhimmel wird das letzte sein, was ich sehe. Ich hasse euch. Ich hasse euch alle dafür, dass ihr mich zurückgelassen habt.

Gute Nacht

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