FANDOM


"Sorry, ich liefere nicht die normale Zeitung", rief Mike, als er mit seinem Fahrrad an dem Haus vorbeifuhr, aus dem die Alte ihren Kopf steckte. "Was soll das heißen!?", keifte sie. "Ich warte schon ewig auf die Zeitung! Du Jüngelchen willst mir erzählen, dass es keine gibt?!" "Es tut mir leid, ich bin in Eile." rief Mike zurück und fuhr mit seinem Fahrrad weiter. Nach einigen Häusern verdrehte er die Augen. Immer diese nervigen alten Menschen, die sich über alles aufregten. Neumodische Jugend, lärmende Kinder, die hatten für alles einen Grund zum aufregen. Mike verdrängte diesen Gedanken und konzentrierte sich wieder auf die Liste. Nächste Adresse: Räucherhofstraße. Das war nur zwei Blocks weiter, trotzdem musste er sich beeilen, er wollte keinen Stress mit dem Chef haben. Er gab noch einige Tritte mehr Gas und bog in die Straße ein.

Mike hatte diesen Job nicht gewollt, aber er brauchte Geld, und seine Eltern wollten ihm keins geben. Stattdessen hatte er diesen Nebenjob annehmen müssen. Einmal täglich Zeitungen austragen, um Punkt acht Uhr abends, und dafür 10€ bar auf die Hand. Mike hatte kein Problem damit; er fuhr gerne Fahrrad, aber diese Pressestelle war schon seltsam. "Devil's Daily" klang nicht gerade nach einer seriösen Zeitschrift, eher wie ein Metal-Magazin. Und dann die Adressenliste... vielleicht lief die Zeitung ja auf Einzelabbonement. Aber egal, Mike brauchte das Geld, ziemlich dringend sogar. Nur deshalb hatte er den Job angenommen.

Am Merkwürdigsten kam ihm aber der Hauptredakteur vor. Als Mike zum Vorstellungsgespräch erschienen war, hatte er erst einige Sekunden gewartet, bevor er das Büro des Chefs betreten hatte. Dieser erwartete ihn bereits. Er saß hinter einem massiven Schreibtisch auf einem großen Bürostuhl, und schaute Mike durchdringend an. Der ganze Raum war wegen der geschlossenen Fenster ziemlich dunkel. "Setzen Sie sich doch", sagte Mikes Gegenüber in einer aalglatten Stimme, und zeigte auf den Stuhl vor dem Schreibtisch. MIt einem etwas mulmigen Gefühl setzte Mike sich. Dieser Mann machte ihm irgendwie Angst.

Der Chefredakteur begann zu reden. "Sie haben sich also für diese Stelle beworben? Nun, Sie sollten wissen, dass unser Unternehmen sich stets bemüht, die Empfänger unserer Zeitung so schnell wie möglich zu beliefern. Man könnte sagen, wir stellen sie in einem Höllentempo zu." Er lachte. "Nun, ich denke, Sie sind genügend, um unseren Anforderungen zu entsprechen. Gehen Sie bitte ins Büro nebenan, da wird Ihnen alles erklärt." Und er zeigte zur Tür.

Die Reifen quietschen, als er vor dem Haus eine Vollbremsung hinlegte. Mike schwang sich vom Fahrrad, schnappte sich eine Zeitung und ging zur Haustür. Er klingelte, und ein etwas älterer Herr öffnete die Tür. "Ihre Zeitung, der Herr." Mike hielt sie ihm entgegen.

Der streckte nur zögerlich die Hand aus. Mike bemerkte, dass er zitterte. "Ah, endlich. Ich hatte schon gewartet. Vielen Dank, junger Mann." Er sagte das zwar freundlich, doch Mike hörte deutlich, dass so etwas wie Unruhe in der Stimme des Alten lag. "Geht es Ihnen gut?"; fragte er vorsichtshalber. Der Alte hörte nicht zu, sondern schloss die Tür. Nicht gerade freundlich. Doch Mike dachte sich nichts dabei, er sprang wieder auf sein Fahrrad und fuhr zur nächsten Adresse.

Dort begrüßte ihn ein Mann um die 30 Jahre mit einem genervten "Was willst du?" "Ihre Zeitung, der Herr", antwortete Mike. Er reichte die Zeitung weiter. Als der Mann sah, was Mike in der Hand hielt, weiteten sich seine Augen panisch. Mit einem Gesichtsausdruck, den man als ängstlich bezeichnen würde, nahm er sie entgegen. "Junge", sagte er zu Mike, "geh nach Hause und werd' diesen Job los. Du hast ja keine Ahnung, was du tust." Dann knallte er ihm die Tür vor der Nase zu. Mike war nun etwas verwirrt. Was hatte es mit der Zeitung auf sich? Und wieso machte sie den Leuten Angst? Er konnte sich keinen Reim darauf machen.

Nun, eine Adresse war noch übrig. Den Nächsten würde er danach fragen.

Mike parkte vor dem Gebäude, das auf seiner Liste ganz unten stand. Königinnenstraße 14. Hier wohnten die Reichen. Jemand aus so einer Gegend abonnierte anscheinend eine Zeitschrift wie diese. Warum war ihm schleierhaft. Aber egal, das war seine letzte Adresse, und er wollte schnell fertig werden. Er klingelte an der Tür. Eine Frau von älterem Jahrgang öffnete. Sie nahm die Zeitung gleich entgegen, und mit einem seligen Gesichtsausdruck umarmte sie das Papier. "Vielen Dank, Jungchen. Ich habe so lange schon auf diese Ausgabe gewartet." "Was hat es mit der Zeitung eigentlich auf sich?", fragte Mike. Der Gesichtsausdruck der Frau wurde ein bisschen betrübt. "Ach mein Junge, ich wünschte, du hättest den Beruf nicht angenommen. Nun, jetzt ist es eh zu spät." Sie wollte die Tür schließen, aber er quetschte meinen Fuß dazwischen. "Was ist das für eine mysteriöse Zeitung? Ich will wissen, was ich ausliefere!" Die Frau antwortete ihm nicht, sondern ging einfach weg. Einen Moment zögerte er, doch dann folgte Mike ihr hinein. "Erklären Sie es mir! Was hat es damit auf sich?", fragte er energisch. "Ach mein Kind, du stellst Fragen. Diese Zeitung ist für alle, die sie verdient haben. Für alle, die sie brauchen. Für alle, die sie nötiger haben, als sie wissen... und mein Heinz ist nun endlich wieder bald bei mir. Ich habe so lange gewartet..." Daraufhin vertiefte sie sich in die Zeitung und ließ Mike verwirrt zurück. Er ging zu seinem Fahrrad und fuhr los, er wollte diesen Ort so schnell wie möglich hinter sich haben. Was zur Hölle war nur mit dieser Zeitung los?! Eines war klar, er würde diesen Job sofort loswerden, sobald er wieder bei der Redaktion war.

Immer noch den Kopf voller Fragen, betrat Mike das Büro der Redaktion. Der Chef saß immer noch an seinem Schreibtisch. Stand der denn nie auf, oder wieso schien der nichts zu tun zu haben? Mike setzte sich auf den Stuhl, der dem Schreibtisch des Chefs gegenüber stand.

"Entschuldigen Sie bitte, aber ich wollte gerne mit Ihnen reden", sagte Mike. "Ich weiß bereits, wieso Sie hier sind", antwortete sein Gegenüber. "Sie wollen kündigen." Mike war erstaunt. Woher wusste der das? "Ich weiß auch wieso", sprach der Chefredakteur weiter. "Unser Unternehmen fängt an, Ihnen suspekt zu werden." Er stand auf und ging langsam zu Mike hinüber. "Was wir hier tun, ist delikate Arbeit. Sehr professionell. Ich kann mir nicht leisten, dass irgendetwas nach außen dringt. Und Sie stellen ein potenielles Risiko dar." Er kam näher auf Mike zu, dieser sprang aus seinem Stuhl. "Sie werden nicht wagen, mir etwas anzutun!", rief er. "Sie wissen gar nicht, auf was Sie sich eingelassen haben. Wieso glauben SIe, dass wir uns "Devil's Daily" nennen? Haben SIe nichts gemerkt? Haben die Leute Sie nicht gewarnt?" Mike wich zurück und tastete nach der Türklinke des Büros. Der Chef kam immer näher, sein Gesichtsausdruch wurde immer hasserfüllter. "Jeder, der unsere Zeitung liest, ist verdammt dazu, ewig in der Hölle zu schmoren! Na, wie fühlt sich das an, für die Tode von Menschen verantwortlich zu sein? Aber das ist nicht mehr wichtig für Sie, denn jetzt ist es für Sie zu spät. Das Geheimnis darf nicht verraten werden." Er zog aus seiner Tasche ein Messer und ging auf Mike zu. DIeser versuchte panisch, die Tür zu öffnen, doch sie war abgeschlossen. "Es ist zwecklos", sagte der Redakteur hämisch hinter ihm, "dem Teufel kann man nicht entkommen." Damit stach er zu.

Mike fühlte die Stiche im Rücken, als wäre das Messer glühend heiß. Er schrie, während das Blut sich in Strömen auf dem Boden ergoss. Sein Bewusstsein begann zu schwinden... drohte sich aufzulösen...

Schweißgebadet sprang Mike aus dem Bett. Er atmete heftig, und versuchte seine Gedanken zu ordnen. Aufgewühlt setzte er sich auf's Bett, nach ein paar Minuten hatte er wieder einen klaren Kopf. Was er erlebt hatte, konnte nur ein Traum sein. Vorsichtig tastete er seinen Rücken ab, und stellte erleichtert fest, dass er keine Merkmale von Messerstichen fühlen konnte. Erleichtert stand er auf und streckte sich. Da bemerkte er, dass auf seinem Schreibtisch ein Stapel Papier lag. Nein, kein Stapel Papier, eine Zeitung. Mike wusste instinktiv, was es war, und Panik stieg in ihm auf. Das war doch nur ein Traum gewesen, oder? Sicherheitshalber ging er auf das Papierbündel zu und schaute es sich an.

Die "Devil's Daily"...

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki