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„Jill! Verdammt nochmal, jetzt komm endlich!“ Hannah hielt die Tür des Klassenzimmers nur noch einen Spalt weit auf und wartete mit Schweißperlen auf der Stirn darauf, dass ihre Mitschülerin sie erreichte. Diese keuchte mit Tränen in den Augen.

„Ich…kann nicht mehr…“, wimmerte sie und wurde immer langsamer. Hinter Hannah tauchte kurz der Kopf von Dan auf. „Jetzt mach schon! Das sind nur noch gut fünf Meter!“, schrie er. Auch ihm stand die Panik ins Gesicht geschrieben. Jill rannte keuchend weiter, Tränen rannen ihr übers Gesicht. Sie hatte fast die Tür erreicht und streckte ihre Hände nach Hannah aus.

Plötzlich wurde sie von etwas Schwarzem zurück gerissen. Schreiend versuchte Jill sich zu befreien, doch es half nichts. Das dunkle Etwas verschwand mit ihr in der Dunkelheit.

„Jill!“, schrie Hannah entsetzt und wollte heraushechten, da packte Dan sie am Arm und zog sie hinter sich in den Klassenraum. Dann schlug er die Tür zu.

„Los! Stellt die Tische und Stühle davor!“, rief er, während Hannah schwer atmend auf den Boden sank. „Jetzt ist Jill auch weg. Es wird nicht lange dauern, bis er uns auch noch hat“, weinte sie. Lotte hob sie wieder auf die Beine und versuchte, sie zu beruhigen. Myra, Tony und Flynn schoben alles was sie finden konnten vor die Tür, während Dan den Raum nach Fluchtmöglichkeiten absuchte.

„Und was sollen wir jetzt tun?“, fragte Lotte nach einer Weile. Dan seufzte und strich sich durch die Haare. „Wir wissen nicht, ob dieses Ding noch draußen vor der Tür steht. Aus dem Fenster können wir nicht, dass ist zu hoch. Die einzige Möglichkeit wäre…“ Er sah nach oben an die Decke zu einem Lüftungsschacht. Lotte schüttelte heftig den Kopf. „Da geh ich nicht rein.“ „Willst du vielleicht so enden wie die anderen?“, zischte Flynn. „Schluss jetzt.“ Dan nahm einen Stuhl von der verbarrikadierten Tür weg und stellte sich drauf.

Vorsichtig öffnete er den Schacht und streckte, soweit es ging, den Kopf hinein. „Hier ist nicht viel Platz drin“, murmelte er bedenklich. Gerade, als er wieder herunter steigen wollte, klopfte es an die Tür. Alle erstarrten mitten in der Bewegung. Das Klopfen erklang nochmal, diesmal energischer und lauter.

Aus dem Klopfen wurde mit der Zeit ein Hämmern, welches immer bedrohlicher wurde. Und dann begann die Tür plötzlich zu knacken. „Er bricht sie gleich durch!“, schrie Tony entsetzt. „Okay, alle sofort in den Schacht!“, rief Dan. Nacheinander kletterten sie alle auf den Stuhl und den Schacht hoch. Als letztes hievte Dan sich nach oben. In diesem Moment hörte man die Tür zerschmettern.

„Los, kriecht weiter!“, zischte Flynn. Hannah, die als erstes oben war, bewegte sich mühsam nach vorne. „Meines Wissens nach“, keuchte Myra, “kommen wir nachher auf dem Schulhof raus. Von dort aus können wir es bis zum Zaun schaffen, dann sind wir hier raus.“ „Okay, dann mach endlich, du Walross!“, fauchte Flynn. Myra schwieg und versuchte, ihren Bauch einzuziehen, während sie durch den Schacht robbten.

„Ich glaube, ich sehe den Ausgang!“, rief Hannah nach einer Weile. Sie bewegte sich etwas schneller und drückte das Gitter mit aller Kraft weg. Nach Luft schnappend krabbelte sie nach draußen. Der Lüftungsschacht hatte sie etwas abseits vom Schulhof hingeführt. Sie half den Anderen heraus und sah sich um.

„Welcher Teil des Schulhofes ist das hier?“, fragte Hannah verwirrt. Tony trat vor sie und begutachtete die Umgebung. „Hier in der Nähe ist der Geräteschuppen des Hausmeisters. Schüler haben hier keinen Zutritt, deswegen ist die Umgebung hier auch umzäunt.“ Dann schwieg er. „Verdammt!“, zischte Flynn und trat gegen einen Haufen Laub. Der Zaun war mindestens zwei Meter hoch und das Tor dazu natürlich verriegelt.

„Okay, das schaffen wir trotzdem“, sagte Dan. „Äh, Leute? Aus dem Schacht, da…“ Myra zeigte zitternd in die dunkle Öffnung hinein. Alle waren still. Aus dem Schacht kamen ein unverständliches, leises Flüstern und ein Stöhnen, welches sich röchelnd den Weg zu den Kindern bannte. „Schnell, pack das Gitter wieder drauf!“, rief Tony und hob es zusammen mit Myra hoch. „Das wird ihn nicht lange aufhalten“, wimmerte Lotte und wischte sich ein paar Tränen aus dem Gesicht. Flynn stand bereits am Zaun und versuchte vergeblich, hinauf zu klettern. „Helft mir mal!“, schrie er energisch. Tony lief zu ihm und machte ihm eine Räuberleiter. Flynn schaffte es über den Zaun und sprang hinunter.

„Okay, ich helfe euch allen jetzt hoch und einer von euch, zieht mich dann mit.“ Die anderen nickten und Myra ging zuerst, dann Lotte, Dan und Hannah. „Hannah, zieh mich rauf!“, rief Tony. Hannah streckte die Arme aus und die Beiden versuchten, einander zu erreichen. Plötzlich hörten sie ein Scheppern. Langsam drehte Tony sich um und sah das zerbeulte Gitter des Lüftungsschachtes neben dem Geräteschuppen liegen. Panik stieg in ihm hoch. „Oh Mann, Hannah zieh mich hoch!“, schrie Tony panisch und streckte sich nach seiner Mitschülerin.

Hannah tat dasselbe, während sie eine schwarze Gestalt hinter Tony erblickte. Sie war fast zwei Meter groß, komplett schwarz und ohne Gesicht. Schwarze, lange Arme strömten aus seinem Körper und krochen auf Tony zu.

„Tony!“, schrie Lotte von der anderen Seite entsetzt. Endlich ergriff Hannah sein Handgelenk und schaffte es, ihn ein Stück hochzuziehen. Dann merkte sie plötzlich eine Spannung. Die schwarzen Arme hatten Tony gepackt und zerrten ihn mit sich. Hannah hielt ihn mit Tränen in den Augen fest. „Verdammt, Tony, ich werde dich nicht loslassen! Du wirst nicht auch noch diesem Monster zum Opfer fallen.“ Ihre Arme begannen zu zittern und sie zog noch heftiger an ihm. Plötzlich verlor sie den Halt, fiel zur Seite und landete auf dem Schulhof. „Nein!“, schrie sie, als sie sah, wie Tony zu dieser Kreatur gezogen wurde und diese plötzlich ihre Kiefer öffnete, in dem spitze Zähne im Mondlicht funkelten. Dan lief zu Hannah und zerrte sie mit sich, während die anderen über den Schulhof liefen.

Mit einem Mal stolperte Myra und riss Flynn mit sich. „Pass doch auf, du fette Kuh!“, schrie er sie an. Lotte half ihm auf die Beine. „Schnell, wir müssen weiter!“, keuchte Dan außer Atem. Myra hielt sich stöhnend ihr Knie. Sie setzte sich auf und hielt unter Mühe ein paar Tränen zurück. In ihrem Bein hing ein spitzer Stein. „I-ich kann damit nicht laufen“, schniefte sie.

„Ich verstecke mich bei den Toiletten. Wenn ihr es rausschafft, dann holt auf jeden Fall Hilfe.“ Lotte schüttelte den Kopf. „Myra, wir können dich jetzt nicht zurücklassen, wir verlieren dich auch noch.“ Flynn schnaufte verächtlich, woraufhin er einen bösen Blick von Dan kassierte. „Dieses Ding jagt uns im Moment. Wenn Myra einen Umweg nimmt, bemerkt es sie vielleicht nicht.“, überlegte er. „Aber wir können sie doch nicht alleine lassen!“, warf nun auch Hannah ein. Myra schüttelte den Kopf. „Das geht schon, ich komme klar. Ich versteck mich einfach in einer der Kabinen, nur bitte beeilt euch.“

Dan zögerte, doch dann nickte er und half ihr auf. Myra zog kurzerhand und mit schmerzverzerrtem Gesicht den Stein aus ihrem Bein und ging auf ein paar dichte Büsche zu. Sie drehte sich noch einmal um und hob leicht die Hand. Die anderen nickten zurück und liefen langsam weiter.

„Wenn das hier vorbei ist, bring ich euch um“, sagte Flynn mit bitterer Miene. „Ach ja?“, zischte Lotte. „Ja, allerdings!“, fauchte er zurück. „Wenn ihr nicht diese dämliche Geisterbeschwörung gemacht hättet, würden jetzt alle einfach nur schlafen und vor allem leben!“

„Ach, und was ist mit dir?“, mischte sich Hannah ein. „Du meintest selbst, dass ist Babykram und funktioniert nicht. Außerdem warst du auch derjenige, der sich am meisten darüber lustig gemacht hat. Vielleicht ist es ja nur deswegen passiert.“

„Hört auf jetzt! Ja gut, vielleicht hättet ihr nichts ausprobieren sollen, von dem ihr keine Ahnung habt und euch auch nicht so enorm darüber lustig machen sollen, vor allem nicht, um cool rüber zu kommen. Mal im Ernst, wir können eh nichts mehr dran ändern. Unsere Lehrerin und unsere Klasse ist wegen dem ganzen Dreck jetzt tot und es bringt nichts, darüber zu diskutieren, wer Schuld hat“, sagte Dan. Alle waren leise. „Wir werden hier rauskommen. Dieser…schwarze Mann wird uns nicht besiegen, ist das klar?“, fügte er hinzu. Lotte und Hannah nickten, Flynn hingegen schluckte schwer, schwieg aber dennoch.

Sie rannten immer weiter, die ganze Zeit die Augen offen haltend, doch der schwarze Mann war nirgends zu sehen. „Dahinten ist das Schultor!“, rief Lotte. „Wartet!“, entgegnete Hannah und blieb stehen. Die Anderen taten es ihr gleich. Wie erstarrt blieben sie stehen und standen dem schwarzen Mann direkt gegenüber. Seine Arme schwebten durch die Luft und sein Maul klappte langsam auf.

„Scheiße, das war‘s jetzt“, sagte Flynn und zog die Nase hoch. Auch Lotte begann langsam zu weinen. Hannah zitterte und krallte sich an Dan’s Arm fest. Der schwarze Mann wankte langsam auf die vier zu. Sein Kopf war zu Flynn gewandt. Dieser bewegte sich keinen Millimeter. Aus seinem Mund kamen stotternd Wortfetzen. „Nein…Bitte…Nein…E-es tut mir leid…Bitte…“ Sein Flehen wurde immer mehr zu einem Wimmern und schließlich brach er in Tränen aus. In dem Moment, in dem der schwarze Mann ihn fast erreicht hatte, stellte Hannah sich vor ihn. „Es ist mir völlig egal, was du mit mir machst. Aber ich war einer der wenigen, die dich gerufen haben und du wirst sicher nicht noch jemanden töten.“ Ihre Stimme zitterte, doch trotz der Tränen in ihren Augen war ihr Blick fest und starr. Das Monster blieb stehen, und obwohl es keine Augen hatte, schien es Hannah direkt in die ihren zu schauen.

„Hannah, geh da weg!“, rief Dan und zog sie wieder zu sich. Der schwarze Mann fauchte. Mit einem Mal wurde er noch größer, sein ganzer Körper zog sich in die Breite und schien alles zu verschlingen. Die vier rückten alle zusammen und hielten sich an den Händen. Mit einem Mal war es komplett dunkel. Hannah spürte plötzlich, wie sich die Griffe der andern lösten. Sie war alleine. Ihre Stimme versagte, sie konnte sich nicht einmal mehr bewegen. Dann schlug sie die Augen auf.

Auf der Isomatte neben Hannah lag in aller Seelenruhe Jill und schlief. Sie richtete sich auf und sah sich um. Sie befand sich in ihrem Klassenraum, um sie herum schliefen noch all ihre Mitschüler. Die ersten Sonnenstrahlen schienen schon durchs Fenster und Hannah’s Augen gewöhnten sich langsam an das dämmrige Licht. War alles nur ein Traum gewesen?, fragte sie sich und hielt sich den Kopf.

Egal, was passiert war, sie war sich sicher, sie würde nie wieder eine Geisterbeschwörung machen. Vor allem nicht, wenn sie davon solche Träume bekam. Hannah sah noch einmal über ihre schlafenden Mitschüler hinweg. Tony, Flynn, Myra, Dan und Lotte lagen auch noch alle in ihren Schlafsäcken. Beruhigt ließ sich Hannah zurück in ihr Kissen fallen und schloss die Augen. Dabei bemerkte sie nicht, wie ein langer, schwarzer Arm langsam auf sie zu kroch.

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