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Ich renne fast den Hügel hinunter, springe über die Abgrenzungen der Weiden. Ein Stück muss ich klettern, dann stehe ich vor der riesigen Felswand, die steil in den Himmel ragt. Ich stehe auf einem schmalen Grad, der die Halbinsel mit dem Festland verbindet.

Mühsam mache ich mich auf den Weg, den Felsen hoch. Unter mir peitschen die Wellen gegen den blanken Stein. Das Gestein ist feucht und bröckelt. Immer wieder trete ich einige der nass glänzenden Brocken los, die in die schier endlosen Tiefen des Meeres sinken. Meine Hände finden oft an dem glitschigen Weg keinen Halt und mehrmals falle ich fast.

Ein leichter Regen, begleitet von heftigen Böen, setzt ein. Ich erreiche eine moosbedeckte Plattform, wo ich kurz verschnaufe, dann führe ich meinen Anstieg fort. Nach einer Weile erreiche ich eine Wiese. Vor mir liegen alte Mauern, mächtig und stark.


Einst war dies die ruhmreichste und prächtigste Burg in der Umgebung, ein Schloss, in dem Könige geboren wurden. Eine große Brücke verband den Fels in der Brandung mit dem Festland, zu dem auch die Insel einst gehörte. Doch die Jahrtausende und das Meer nagten am Schiefer, schliffen die Kanten und isolierten den Stein. Das Branden der Wellen und das Pfeifen des Windes wurden steter Begleiter dieser Region.


Zwischen den alten Mauern, dort, wo nur noch Gras und Moos zu finden sind, wo größere Pflanzen aufgrund von Nährstoffmangel und Sturm sofort verderben, befanden sich einst riesige, prunkvolle Säle, in denen Feste gefeiert wurden.

Musik und Gelächter drangen durch die Burg, die sich über den ganzen Felsen erstreckte. Bis zum Abgrund reichte das Gemäuer, welches einst die königliche Familie beherbergte.


Doch das Königreich fiel, die Burg wurde verlassen. Jahrhunderte lang wurde sie dem Zerfall überlassen, während unter den Klippen die nächste Hochburg entstand:


In den, vom Meer geschaffen Höhlen, die die Steilküste zieren, nisteten sich Schmuggler ein. Die Bucht wurde als Schwarzmarkt im ganzen Umkreis bekannt, doch die Burg auf dem Felsen geriet in Vergessenheit.


Man fand jedoch bald bessere Möglichkeiten als den Abstieg an den Felsen an der rauen, verregneten Küste.


Auch die einst berüchtigten Schmugglerhöhlen versanken mit der Burg tiefer in Vergessenheit. Die rauen Winter und die vielen Stürme vertrieben den Großteil der Bevölkerung. Nur noch weinige Bauern ließen noch ihr Vieh auf den grünen Wiesen weiden.


Im neunzehnten Jahrhundert begann die Sehnsucht nach Nostalgie, die ehemaligen Prachtbauten wurde zu Touristenattraktionen, die Burg erlebte eine neue Blütezeit. Auch wenn sie längst eingestürzt und von Moos und Gras überwuchert war, kamen tausende und abertausende Touristen. Archäologen entfernten die Pflanzen und stellten einige Mauern wieder her.


Mit dem Fortschritt der Technik und der Aufspaltung der Klassen reiste allerdings wiederum kaum noch jemand hin.

2364 wurde die neue Aufteilung innerhalb der Nato beschlossen. Zur Nato gehören derzeit das Vereinigte Königreich, die USA, die Vereinigung Südamerikas, die Vereinigten Staaten von Europa, Die Republik Kongo, Südafrika, die Republik Nordafrika, Russland, Australien, Slavakonien, das islamische Reich, Chindien und Ostasien. Nach dem dritten Weltkrieg wurden die Staaten und Staatenbünde komplett neu geordnet, nur wenige Gebiete sind überhaupt noch bewohnbar.


Eines dieser Gebiete ist Cornwall, der Ort, an dem ich lebe. Naja... arbeite. Mit dem neuen Klassengesetz habe ich kaum Rechte, aber bei meinem derzeitigen Herren geht es mir recht gut.

Es gibt drei Klassen: In der Sklavensprache nennt man sie die Reichen, die Klugen und der Rest. Natürlich werden die unteren Klassen nicht als Sklaven bezeichnet, doch faktisch sind wir es. Wir dienen den Reichen, sie haben uns in der Hand.


Als Kind muss jeder von uns einen Test bestreiten, in dem der IQ und die Kraft eine große Rolle spielen. Danach wird eingeteilt: Klug oder Rest.


Die, die mehr Kraft als Intelligenz zeigen, werden ihr komplettes Leben als wertlose, billige Arbeitskraft in heruntergekommenen Unterkünften fristen und die grobe Arbeit für die Reichen verrichten.

Die intelligenteren... Nunja, sie werden helfen, Technik zu entwickeln. Sie werden als Spielgefährten für die Kinder der Reichen eingesetzt, damit diese auch zumindest ein wenig klüger werden. Wir sind dem Jähzorn der Wohlhabenden direkt ausgesetzt. Wenn wir ihnen widersprechen, werden wir gefoltert, in dieser Hinsicht sind sie einfallsreich.

Immerhin bekommen wir genug zu Essen.


Ich weiß nicht, wie alt ich war, als ich meinen Eltern weggenommen wurde. Ich weiß nicht einmal, wer sie sind oder welcher Klasse sie angehörten.

Naja... Eine der Unteren beiden, so viel ist sicher, aber welche...

Sie könnten mir jeden Morgen mein Frühstück machen und ich würde es nicht wissen.


Jedenfalls absolvierte ich den Test, wie vermutlich alle, zuerst mit einem und dann mit zwei Jahren.

Aus den beiden Ergebnissen kam dann heraus, dass ich zu der klügeren Klasse gehörte. Man brachte mich in eine Familie mit einem Jungen in meinem Alter.

Meine Besitzer schärften mir oft ein, dass sie mich unter Kontrolle hatten. Der Junge war schon immer recht dicklich und bekam jeden Wunsch von den Augen abgelesen. Ich wurde angewiesen, So zu tun, als wäre er sehr viel klüger als ich, damit er sich gut fühlte.


Er war grausam, schlug und demütigte mich oft, doch ich war gezwungen, es zu ertragen.


Einmal musste ich den Jungen auf eine Veranstaltung begleiten. Dort waren auch andere Reiche mit ihren Ziehgeschwistern. Wir wurden angewiesen, uns in einer Ecke zu sammeln und auf Anweiungen unserer Besitzer zu warten. Dabei kam ich mit einem Mädchen ins Gespräch, die genau das selbe durchmachen musste wie ich.


Ich erzählte ihr davon, was besagter Junge mir regelmäßig antat, als genau dieser plötzlich hinter mir stand.

Er schrie mich an, schlug mich, ließ mich in einen Raum mit Hornissen sperren, regelte meine Luftzufuhr auf unmögliche Sauerstoffwerte und vieles mehr. Ich ertrug es, hatte schließlich keine Wahl.


Jahrelang hatte ich keine Wahl, als alles über mich ergehen zu lassen.


Nun steht meine Prüfung bevor: Ich soll zeigen, ob ich es schaffe, weiter in der intellektuellen Liga zu bleiben und mein Leben als Lebender Computer zu fristen, oder ob ich eine ganz normale Arbeitskraft werde.


Da ist es mit mir durchgebrannt, ich habe meinem Besitzer wiedersprochen, gefragt, ob es noch einen Weg gäbe.


Er hat mich tagelang nichts essen, nicht schlafen lassen. Er hat mir meine Kleidung weggenommen.


Deshalb bin ich hier. Hier ist mein einziger Rückzugsort, diese Burg. Ich bin weggelaufen und ich höre schon meine Verfolgung. Doch ich weiß, warum ich heute, genau jetzt hier bin.


Ein schweres Erdbeben wird diesen Küstenstrich heimsuchen, gleich!


Die Burg ist als meine Festung auferlebt, und gleich wird sie ein letztes Mal untergehen. Wir werden in den Wellen verschwinden.

Und dieser ganze Küstenstrich, der die halbe Menschheit beheimatet, gleich mit.

Crepka

Der Teil der Cornwall beschreibt:

Cornwall

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