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Eisige Winde pfiffen vor dem Fenster umher, ließen Äste gegen die Fenster des alten Hauses schlagen und den Regen gegen ebendiese prasseln. In völliger Dunkelheit war das Zimmer versunken, die kleine Gestalt hatte sich unter der Decke verkrochen , aus Angst, vor dem Gewitter und vor ihr. Im Grunde wusste das Kind nicht einmal ob es sich um eine sie handelte doch die langen, weißen, knochigen Finger, mit den langen Nägeln die dieses unheimliche regelmäßige Pochen verursachten, welches neben dem von den Ästen verursachten diese unheimliche Stille durchdrang, ließen es vermuten.

Nur manchmal sah der kleine Junge sie wirklich, und wenn war meistens das Blut noch unter den Nägeln zu erkennen, als hätte sie sich nach getaner Arbeit die Hände nicht gewaschen.  Seit Wochen ging es so, auch wenn seine Mutter es ihm nicht glaubte.

Warum lässt du mich nicht endlich rein? Zu dir…

Als die Worte durch die Nacht zischten, von einer Stimme gesprochen die klang als würde Wind durch Blätter rascheln, zog sich etwas in seinem Inneren in schmerzhafter Gewissheit zusammen.  Sie war real. So echt wie  die Blätter die draußen von den Bäumen fielen und deren Rascheln ihrer Stimme so ähnlich klang. Zum ersten mal hatte er diese vernommen und so reagierte er nicht. Wie denn auch? Doch das Klopfen ließ nicht nach. Es wurde eindringlicher und  immer lauter, brannte sich in sein Hirn und ließ ihn nicht schlafen. Poch, Poch, Poch… Warum ließ sie es nicht? Warum grade er… ? Poch… Poch…

Du musst nur das Fenster endlich öffnen…

Voller Angst zitternd nahm der Junge die Decke von seinem Gesicht. Er wusste genau , dass Sie wusste, dass er hier lag. Zuerst sah er im Licht des fahlen Blitzes nur wieder den Umriss ihrer Hand, die unablässig mit einem ihrer Finger gegen die Scheibe klopfte und um Einlass bat. Doch dann tauchte etwas bei weitem schlimmeres in seinem Blickfeld auf.  Zuerst nur zerzaustes, vom Wind durchwehtes Schwarzes Haar, gefolgt von einem Gesicht mit weißer  Haut und unglaublich müde und gelangweilt dreinblickenden Augen. Doch auf eine labile, arrogante Art gelangweilt, diese Art von Blick die dir sagt, dass du jede Art von Gnade, um die du so sehr bettelst, nie bekommen wirst, einfach diese Art von Blick, welche aussagt dass sie nicht einmal interessiert  wie du leidest. Gefolgt  wurde dies von dem labilsten Grinsen, welches der Junge in seinem viel zu kurzen Leben je gesehen hatte…

Etwas an diesem Anblick fesselte seinen Blick und dann ertönte wieder dieses Klopfen, immer im Abstand von exakt einer Sekunde. Die Frau vor dem Fenster legte den Kopf noch mehr schief, wobei ihr die weiße, nun ins Blickfeld geratene Hälfte ihres Haares, ins Gesicht fiel. Als sie den Mund leicht öffnete quoll etwas Blut hervor, lief in kleinen Bahnen ihre so blasse Wange herunter. Immer noch war sein Blick vollends gefangen, als ein etwas festeres Pochen nun einen endgültigen Riss in die Scheibe trieb.

Immer auf die gleiche Stelle…

Poch

Poch

Klirr…

Die Scheibe war gesplittert… sein letzter Schutzwall zwischen ihm und dieser … Frau vor dem Fenster.  Quälend langsam schob sich ihr Arm durch das ehemalige Fenster, riss sich Wunden an den Überresten dessen, was einst sein Schutz gewesen war, brachte mehr Blut dazu langsam die Wände herab zu fließen. Die ganze Zeit konnte er nicht aufhören hin zu starren, wie sich die Gestalt durch das Fenster zog und schließlich leicht torkelnd aufkam, mit einer Hand den linken Arm haltend, die Schulter leicht hochgezogen und den Kopf schiefgelegt. Doch dann löste sich ihr Griff und sie streckte langsam die Hand nach ihm aus, während sie auf ihn zuging.

Warum hast du mich nicht einfach rein gelassen?

Wie versteinert unter dem durchdringenden Blick  wartete der Junge. Sie setzte sich neben ihn, griff nach seinem Arm und…

Er tat nichts.

Bis er plötzlich seine Kräfte wiederfand, nur für einen kurzen Moment, und aufspringen wollte, jedoch von ihr zurück gezogen. Wie eine Mutter ihr Kind halten würde zerrte sie ihn auf ihren Schoß, ihre Hand auf seinem Kopf platzierend und immer wieder mit festem Griff darüber streichelnd, als wolle sie ihn beruhigen. Ihre langen Nägel gruben sich schmerzhaft in seine Kopfhaut, sie hinterließen tiefe, blutende Kratzer, als die Gestalt zu reden anfing, immer wieder von seinem Wimmern unterbrochen.

„Willst du nicht wissen, was Sie damals mit mir getan haben?“ , ein leichtes kichern entfuhr dem so blassen, zu einem gewollt fürsorglichen Lächeln verzogenen Mund. „Er hat sie einfach… Umgebracht. Vor meinen Augen…“ Bei jedem Wort, welches so schwer über ihre Lippen ging krallte sich die Frau mehr fest, fast krampfhaft, wie ein kleines Kind an seinen Teddy wenn es etwas gruseliges zu sehen bekommt. Doch schon stoppte ihre Erzählung. Fast krampfhaft stieß sie den Jungen von sich, hinunter vom Bett, stand selber auf und sah sich mit ihren kalten, verlorenen grauen Augen um. „Bring mich doch zu ihnen…“, der Junge selbst wusste nicht einmal von wem sie sprach, doch der kalte, angsteinflößende Blick der auf ihm ruhte lähmte seine Zunge, sodass es ihm unmöglich wurde nachzufragen.

Und selbst wenn, Fragen wäre nur ein weiterer tödlicher Fehler in einer Situation dessen Ausmaße der Verstand eines Kindes nicht gewachsen wäre.  Seine Beine zwangen ihn, wie in einer Trance, aufzustehen und auf die Türe zuzugehen.

„Wo willst du denn hin?“

Eine Hand fasste den Jungen am Kragen und zog ihn mit schmerzhaft sanfter Gewalt zurück. „Ich will nur, dass du mich zu deinen Eltern bringst. Damit du das gleiche Leid erleben kannst…

Jedoch werde ich dir den Gefallen tun dich danach zu erlösen.“

Ein zittriges Nicken ging nun von ihm aus, als er vorsichtig in den Flur trat, die Frau immernoch an seiner Seite, ihre Hand auf seiner Schulter, sich krampfhaft festhaltend. Er konnte jeden einzelnen ihrer Fingernägel tiefe Wunden in sein Fleisch drücken spüren, genau wie jene, die auf seiner Kopfhaut brannten und ihm das Blut übers Gesicht jagten.  

Dann erschien jene verhängnisvolle Tür vor ihren beiden Augen.  Als die Frau sie aufstieß hätte der Junge beinahe aufgeschriehen, so laut, dass es die Nachbarn geweckt hätte und ihnen vielleicht jemand geholfen hätte. Doch wieder einmal tat er es nicht. Er ließ sich nur hilflos von der Frau in das Zimmer schubsen,  sah zu, wie sie die Türe hinter ihm schloss und den Schlüssel, welcher sich immernoch im Schloß befand, drehte. Was würde nun passieren? WAS würde diese Frau mit seinen Eltern tun…?

Doch im nächsten Moment erfuhr er es auf schmerzhafte Art. Langsam war sie auf das Bett zugegangen und hatte ihr Messer genommen, es seinem Vater ohne erkennbaren Grund in den Hals gestoßen… Voller Schmerz öffnete er ein letztes mal die Augen, blickte in ein ihm unbekanntes Gesicht, dann war alles vorbei. Nur noch Schwarz… „Ihn brauchen wir nicht…“

Auf einmal klang ihre Stimme schmerzerfüllt, als ob es sie verletzen würde, zu tun, was sie tat. Sie wandte sich der Mutter des Jungen zu, setzte sich neben sie aufs Bett, drückte krampfhaft, wie unter Zwang, das Messer in ihren Bauch. Blut quoll aus der Wunde, wie die Tränen aus den Augen des Jungen, als er hilflos, immernoch wie gelähmt, dieses Schauspiel mit ansehen musste.  Dann riss ihn jedoch etwas aus seiner Starre. Ein schrei, voll Schmerz, ausgestoßen von seiner Mutter, im nächsten Moment jedoch erstickt und röchelnd, als die Frau ihr das Messer in den Rachen stach. „Sei still! Damals hat sie auch nicht geschriehen!“, das hysterische Kreischen hallte durch den Raum, als die Schwarz-weißhaarige in blinder Hysterie anfing auf die Mutter einzustechen. Innerhalb von Sekunden hatte sich die ehemals weiße Bettwäsche rot gefärbt, ein wunderschön blutiges Grab für eine verlorene Familie.

Doch war sie noch nicht komplett.

In den wenigen Sekunden in denen die Mörderin ihr Werk betrachtete, abweschselnd weinend und kichernd, rüttelte der Junge nur an der Türe, versuchte mit zitternden Händen den Schlüssel zu greifen und zu drehen. Doch es war zu spät für ihn. Eine Hand griff wieder einmal nach ihm. Als sie ihn zu fassen bekam zog sie ihn heran, im nächsten Moment spürte er schon das Messer an seinem Hals, wie es leicht in seine Haut ritzte und kleine blutende Kratzer hinterließ.

„W-warum…?“, war das erste und letzte Wort, was man von ihm hörte. Doch es kam keine Antwort, nur ein reißen, an der Haut seines Halses, welche nun abgerissen wurde. Immer mehr kleine Streifen sammelten sich voller Blut am Boden, als er noch etwas spürte… Einen Biss in seinen bloßgelegten Hals, welcher noch mehr Fleisch aus ihm heraus riss. Betäubender Schmerz breitete sich in seinem Körper aus, dann wurde alles schwarz.

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