FANDOM


Die Hexe, die Hure und die heilige Madonna - Teil 1 DIE HEXE

Kinder sind unsere Zukunft. Wer kennt dieses Spruch nicht?

Die menschliche Parentalgeneration bringt all ihe Mittel auf, um eben jener Zukunft einen sicheren Weg zu ebnen. Ihr Schutz zu gewährleisten. Sie zu nähren, einzukleiden und zu bilden. Es ist unüblich, jedoch leider nicht selten dass Kindern dieses Urrecht verwehrt bleibt.

Vor allem in den westlichen Regionen, Europa, Amerika, Westasien, fallen solche Nesthäkchen in unserer Gesellschaft schnell auf. Meist werden sie bereits in ihren ersten Lebensjahren mit Abneigung seitens dieser gestraft. Oder schlimmer noch: 

Der angeborene Trieb zur Rassenerhaltung wird in gleichaltrigen geweckt.

Selbst Vogeljunge wissen, dass das schwächste Glied das Nest verlassen muss, um keine lebenswichtige Ressourcen zu verschwenden. Sobald die Vogelmutter die Junge wieder einmal verlässt um Nahrung zu suchen, schubsen die Geschwister das schwächste von ihnen über den Rand des Nestes, wohl wissend dass es alleine auf dem kalten Erdboden nicht lange überleben kann.

Ebenso verhält es sich mit unserem wohlbehütetem Nachwuchs. Trifft er auf einen schwachen Artgenossen, welcher noch nicht ganz ausgewachsen ist, so wird er umgehend aus dem schützenden Nest, genannt Gesellschaft, vertrieben und sich selbst überlassen.

Nur der stärkste vermag es zu überleben. "Survival of the fittest" - Charles Darwin. Oder der eigentliche Urheber, Herbert Spencer.

Doch was passiert, wenn das verstoßene Jungtier überlebt?

Wenn es die Zeit überdauert und heranwächst. Nun, es wird mit großer Warscheinlichkeit seinen Artgenossen in Größe und Kraft niemals gleich kommen.

Doch wenn es überlebt, dann wird es seinen Peinigern schon bald in einem unbestreitbaren Faktor weit überlegen sein. - Mentaler Stärke.

Sie alle können sich wohl nur zu gut ausmalen, was mit jenen passiert die das nötige Maß an Willenskraft nicht aufbringen können. Die Voraussetzung für das Überleben in der "Verbannung" - Sie sterben. Ob durch eigene Hand oder die eines anderen, das tut hier nichts zur Sache.

Doch jene, welche sich den gegebenen Umständen anzupassen vermögen und bis zu ihrem letzten Atemzug um ihr Recht zu Leben kämpfen, denen oftmals eine Rückkehr in die Heimat gewährt. Ein sogenannter "Neubeginn auf humaner Basis".

Doch heute befassen wir uns nicht mit diesen Menschen.

Heute erzähle ich ihnen von der Hexe.

Wir wissen was mit jenen geschieht, oder geschehen mag, welche sich diesem Zustand anpassen können und mit denen die es nicht können. Doch es gibt noch einen dritten Fall.

Jene Verstoßenen, welche sich die Einsamkeit Untertan machen. 

Sie, welche mit der Zeit anfangen ihre Vorzüge zu begreifen. Sie ihrem Willen nach zu formen und mit ihrer Hilfe in der Lage sind, sich selbst und wohl auch andere auf die nächste Stufe der Evolution zu erheben. Weit über dem Homo Sapiens.

Gescheiter, stärker, gefährlicher. Der "Super-Mensch", wenn Sie damit mehr anfangen können.

Unsereins befasst sich seit Jahrtausenden mit der Frage nach der persönlichen Freiheit. Diese neue Art braucht sich diese gar nicht erst zu stellen. Es nimmt sie sich einfach.

Es gibt einen Präzedenzfall, der dies bestätigt.

Salem, eine britische Kolonie. Einzig und allein errichtet um an jener Stelle Gottes auserwähltes Volk das "Neue Jerusalem" erbauen zu lassen.

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wurde die dort streng puritanische Gemeinde von dem Erweckungsprediger Samuel Parris gehütet. Bekannt für seine überzeugenden Predigten und seine große Gottesfurcht, erfreuten er und seine Frau Mary sich großer Beliebtheit. 

Diese besaßen drei Töchter von denen zwei, Elizabeth und Abigail Parris für ihre Gottesfürchtigkeit und ihr reines Auftreten stadtbekannt waren. Über die dritte Schwester gibt es nur wenige Aufzeichnungen.

Nicht einmal ihr Geburtsname ist heute bekannt. Wer sich schon einmal mit den Hexenprozessen von Salem befasst hat, der wird Pseudonym sicher schon einmal gelesen oder gehört haben.

Hepzibah.

Sie war das Nesthäkchen der Familie. Parris' Frau verstarb bei der Geburt ihrer jüngsten Tochter und Hebzibah wurde von klein auf von ihren älteren Schwestern erniedrigt und geschlagen. Der Vater, Samuel, soll von all dem nichts mitbekommen haben.

Nach sechzehn Jahren der Unterdrückung war aus dem jungen Mädchen, eine hagere junge Frau geworden. Mit ungekämmten roten Haar, fahler Haut und dunklen Schatten unter den Augen. Selbstgespräche führend während sie sich mit ihren langen dürren Fingern immer wieder über die Lippen fuhr.

Sie soll selten im Dorf gesehen worden sein, ganz im Gegenteil zu ihren Schwestern, welche wohl keine Möglichkeit ausließen um mit ihrer ausladenden Darbietung Freier anzulocken.

Stattdessen soll sie sich oft im Familienanwesen zurück gezogen haben oder ab und an Abends bei Waldspaziergängen gesichtet worden sein.

Zudem sprach sie kaum ein Wort zu jemandem.

Im Winter 1691 begann dann der Spuk. Die beiden älteren Schwestern, Elizabeth und Abigail begannen sich seltsam zu verhalten, stießen unkontrollierte Laute aus, fingen plötzlich an auf dem Küchenboden zu kriechen oder sich unter der Veranda zu verstecken.

Parris ließ nach Ärzten aus den nahe gelegenen Ortschaften rufen, doch keiner konnte den Grund für ihr seltsamen Gebaren ausfindig machen, gar medizinisch erklären.

Ein Fachkundiger aus der Hauptstadt kam nach eingehender Untersuchung zu dem Schluss, dass die beiden Frauen wohl vom Teufel besessen sein mussten.

Die Mädchen bestätigten diesen Verdacht und erzählten ihrem Vater, dass sie Nachts im Schlaf unter Schmerzen aufschreckten und von den Händen des Teufels verrenkt worden seien.

Der Vater sah dies als Zeichen und erklärte seiner Gemeinde, dass der gehörnte die Stadt heimsuche und von den Mädchen Besitz ergriffen hätte.

Nach dem Elizabeth berichtete, eine Hexe hätte Satan in ihr Schlafgemach eingelassen um sich Beth zu nähern, rief der Prediger dazu aus alle Hexen zu identifizieren und zu benennen.

Ich muss wohl nicht erwähnen, dass viele unschuldige Menschen in den darauffolgenden Monaten festgenommen und die meisten von ihnen bereits dem schmerzhaften Verhör erlagen.

Wie viele Menschen aus reiner Böswilligkeit als Hexe angeprangert wurden.

Darunter auch die indianische Sklavin des Geistlichen Samuel Parris, Titubah. Die, wenn man den Aufzeichnungen hier glauben schenken darf, einzige Freundin Hebzibahs.

Doch Titubah erwies sich als weniger Loyal und als sie den Foltermethoden des Verhörs nicht weiter Stand halten konnte, gab sie an sie hätte Nachts einige junge Frauen, nackt und jauchzend in den nahen Wäldern mit dem Teufel liegen sehen. Sie habe sich nah herangeschlichen, jedoch nicht nah genug um in den Treiben und dem aufsteigenden Rauch eines großen Feuers die Gesichter der Frauen ausfindig machen zu können.

Jedoch nah genug um einen Blick in ein Buch werfen zu können, welches unter einem Baum lag, umringt von Kerzen und mit dem Schädel eines Ziegenbocks beschwert.

In diesem sollen die Namen der Hexen mit Schwarzer Tinte niedergeschrieben worden sein.

Sie wollte einige Namen im Austausch für ihre Freiheit Preis geben. Der Geistliche nahm ihr Angebot an und verlangte, nachdem man ihre Fesseln gelöst und ihr ihre Kleider gebracht hatte nach den Namen.

Hebzibah war eine der genannten Frauen.

Die Angeklagte stritt alles ab und flehte ihren Vater an, ihr Glauben zu schenken.

Als sie dann unter Tränen von dem Gebaren ihrer Schwestern ihr gegenüber erzählte, fühlte sich der Prediger in seinem Verdacht bestätigt und ließ seine Tochter festnehmen.

Doch in einem schwachen Fall von Unmut ließ er einen Richter kommen, um ihr einen fairen Prozess zu gewähren. Dieser ließ die angsterfüllte Frau umfassend befragen.

Hebzibah stritt jede Form der "Teufelsbuhlschaft" ab, noch gab sie zu für den Zustand ihrer Schwestern verantwortlich zu sein.

Selbst nachdem man ihr die "Verhörwerkzeuge" vorführte und ihr detailliert beschrieb, wie diese einzusetzen waren, beharrte sie auf ihrer Aussage.

Nach drei Wochen der Folter griff Hebzibahs, von Gewissensbissen geplagter, Vater ein und bat um die Freilassung seiner Tochter, da ihr doch nichts nachzuweisen sei. Doch der Richter erwies sich als standfest in seinem Glauben und sah in der jungen Frau die Schuldige.

Hebzibah selbst hatte diese Zeit schweigend ausgestanden. Kein Schrei verließ ihre Lippen. Oft erschien es ihren Peinigern sogar, als würde sie schlafen.

In ihrer Wut über ihr Verhalten und in ihrem Stolz als Folterknechte gekränkt, ließen die Männer ihr Werkzeug fallen, rissen die arme Frau aus ihren Fesseln, drückten sie zu Boden und machten sich wie wilde Tiere über sie her. Sie drückten ihr Gesicht in den staubigen Boden, gaben ihr Schimpfnamen und wurden immer rasender als Hebzibah selbst darauf keine Mine verzog.

Nach weiteren zwei Wochen, war der Körper der jungen Frau so geschunden, dass selbst ihr Vater sie kaum wiedererkannte. Doch da seine Tochter weiter darauf beharrte, unschuldig zu sein, fasste er kurzerhand einen Plan. 

Er besuchte eines Abends den Richter und erzählte ihm, er habe am selbigen Tag seine Tochter in ihrer Zelle besucht und ihr ein Geständnis entlocken können. Doch sie sei unter der Folter dem Wahnsinn verfallen und deshalb nicht in der Lage in ihrem jetzigen Zustand noch einen klaren Gedanken fassen zu können.

Der Richter sah dies als vollwertiges Geständnis an und ließ für den nächsten Tag die Hinrichtung der vermeintlichen Hexe ausrufen. Ganz zum Gefallen des Geistlichen, welcher seiner Tochter einen schnellen Tod durch Enthauptung eher gönnte, als das langsame dahinscheiden durch die gnadenlose Folter der Knechte.

Doch als er am nächsten Morgen die Männer des Dorfes Reisig schleppen sah, erfasste ihn die Furcht und er lief zu seiner Tochter.

Diese saß nackt und mit Blutergüssen und Striemen übersäht auf dem schmutzigen Heu, welches ihr in ihrer Zelle als einziger Schlafplatz diente und als ihr Vater ihr von seinem Fehler berichtete, zeigte sich in ihrem Gesicht eine erste Regung.

Sie lächelte. Offen. Freundlich. Bis sich ihr Mund zu einem unheimlichen Grinsen verzog und sie anfing schallend zu lachen.

"Siehst du mein kleiner Sperling.", sprach sie. " Nun brauchst du dich um nichts mehr zu sorgen."

Während sie mit einer Hand schützend unter ihren Bauch fasste, stand sie auf, ergriff mit der anderen den Hemdskragen ihres Vaters und zog ihn ruckartig zu sich heran. Nur die kalten Gitterstäbe ihrer Zelle trennten sie noch voneinander.

Ihr würzig fauler Atem schlug Parris ins Gesicht und er verzog vor Ekel das Gesicht.

Seine Tochter lachte noch immer, jedoch leiser und kehliger als zuvor. Einem Keuchen gleich.

Ihre Augen suchten nach den seinen und als einige Zeit später die Knechte kamen um Hebzibah zum Scheiterhaufen zu führen, starrten sich die beiden immer noch schweigend an.

Nur mit einem Totenhemd bekleidet, wurde die Frau auf den Dorfplatz geführt. Dort erwartete sie schon die keifende Gemeinde. Unter ihnen befand sich auch die Sklavin Tibutah. Sie bespuckten die Frau und traten ihr in die Kniekehlen, während sie langsam und starr geradeaus blickend auf den Richtplatz zuschritt.

Sie fiel immer wieder zu Boden und die Männer die sie führten, zerrten sie jedes Mal wieder unsaft auf die Füße.

Am Fuße des Scheiterhaufens warteten ihr Vater, der Richter und einige der Dorfältesten bereits auf sie. 

Der Richter verlas sein Richturteil indem stand, dass ihr aufgrund ihres Vergehens, die Sakramente verweigert werden und ihr auch der Gnadentod durch Enthauptung verwehrt bleiben würde.

Hebzibah hatte keine Einwende. Überhaupt ließ sie nichts von sich vernehmen und verzog keine Mine.

Selbst als die knisternden Flammen ihr Hemd erfassten und an ihrem nackten Fleisch hoch züngelten, ließ sie keinen Laut vernehmen.

Vom grausamen Anblick verstört, ergriff der Vater eines der kleinen Teerfässer, welche in der Nähe standen und warf sich, das Fass fest umklammert, auf den Scheiterhaufen. 

Als sich am nächsten Morgen die Gemeinde am Richtplatz versammelte, hatte sich bereits der letzte Rauch bereits verzogen und nichts als Asche bedeckte den Erdboden.

Doch mit dem vollzogenen Richturteil erfreuten sich die beiden verbliebenen Schwestern bereits am selben Morgen wieder bester Gesundheit. Sie erzählten, dass mit dem Tod ihrer "teufelsbuhlenden" Schwester, die wahre Hexe gerichtet worden sei und das Böse nun keine Macht mehr über sie oder das Dorf hatte. Nicht einmal der Tod ihres Vaters schien ihre Gemüter sehr zu belasten. Stattdessen folgten sie wieder ihrem geregelten Alltag und ließen sich keinen Kummer bezüglich dem Tod von Pariss und Hebzibah anmerken.

Nach einigen Jahren heirateten sogar beide, Kaufmänner aus nahe gelegenen Ortschaften, und ließen nach ihrer gemeinsamen Hochzeit das Familienanwesen ausbauen.

Jedoch, sechs Jahre nach der Hinrichtung und dem Selbstmord ihres Vaters, brach des Nachts ein großes Feuer in der Gemeinschaftsküche aus und erreichte die obrigen Stockwerke im Sturm. Viel zu spät bemerkte man die lodernden Flammen in der ferne. Die Dorfbewohner strömten zu dem abgelegenen Anwesen und versuchten mit dem Wasser aus nahe gelegenen Brunnen die Flammen zu löschen.

Als einige Männer des Dorfes nun das Anwesen betraten um nach Überlebenden zu suchen, unter anderem nach der hochschwangeren Elizabeth und ihrer Schwester Abigail, fand man alle Familienmitglieder auf dem großen Speicher.

Verkohlte Überreste, die zusammengekauert in der hintersten Ecke unter dem einzigen Fenster dort oben  hockten. Ihre Münder zu einem ewig hallenden Schrei verzerrt und die Hände schützend über ihren Häuptern.

Die Männer sagten aus, dass der Geruch nach verbrannten Fleisch so stark war, dass es sie Mühe kostete ein weiteres Mal dort hinauf zu steigen um die Leichen zu bergen.

Die Toten wurden herausgetragen und zeitnah bestattet. Das Anwesen, oder viel mehr was davon übrig blieb, wurde schließlich abgerissen. Ein neues Haus wurde auf dem Grundstück nie errichtet. Stattdessen wurde ein mannshohes Kreuz aus Eichenholz aufgestellt, auf welchem die Namen der Pariss-Schwestern und ihrer angeheirateten Familien eingraviert wurden.

Auch hatte irgendjemand wohl heimlich den Namen "Samuel Pariss" in das Holz geschnitten. Und einen weiteren. 

"Hepzibah" - Heute vermutet man, dass es sich dabei um die jüngste Schwester handeln soll.

Es heißt sogar, dass die Sklavin welche ihre Freundin verriet, dies getan haben soll. Kurz bevor sie sich in einen der Brunnen warf. Eine Woche, nach dem das Feuer ausbrach.

Als man dann ihre Hütte am Dorfrand räumte, fand man unter dem Ofen ein in Pferdeleder gewickeltes Buch. Ein schweres Exemplar, dessen ledernder Einband mit fremdartigen Abbildungen verziert gewesen sein soll. 

War man einen Blick in das Buch, fand man nur leere Seiten. Bis auf die letzte.

"Elizabeth Parris"  "Abigail Parris"

Störung durch Adblocker erkannt!


Wikia ist eine gebührenfreie Seite, die sich durch Werbung finanziert. Benutzer, die Adblocker einsetzen, haben eine modifizierte Ansicht der Seite.

Wikia ist nicht verfügbar, wenn du weitere Modifikationen in dem Adblocker-Programm gemacht hast. Wenn du sie entfernst, dann wird die Seite ohne Probleme geladen.

Auch bei FANDOM

Zufälliges Wiki