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Ich liebe den Sommer. Wärme, alles blüht und vor allem: Ferien! Ich verbrachte 3 Wochen meiner Sommerferien auf der Alm meiner Großeltern und das waren immer die besten Wochen im Jahr. Die urige Hütte, das deftige Essen und ich konnte hingehen wo ich wollte. Denn im Gegensatz zu meinen Eltern, die mich wohl am liebsten nur zu Hause einsperren würden, durfte ich bei meinen Großeltern rausgehen, wann ich wollte und musste erst zurückkommen, wenn es dunkel wurde. Ok, ich hatte dort keine Freunde, da die Alm sehr abgelegen war, doch das machte mir nichts, ich konnte mich gut allein beschäftigen.


 Ich blickte auf das Foto meiner Großeltern, welches ich auf dem Nachttisch stehen hatte. Da war meine Oma, klein und kräftig gebaut. Sie hatte langes, silbriges Haar, welches sie immer zum Zopf geflochten trug. Kleine, hellblaue Augen blitzten zwischen vielen Falten hervor. Sie trug immer altmodische aber farbenfrohe Kleider. Opa hingegen war groß und schlank. Sein schloweißes Haar stand oft in alle Richtungen ab, obwohl er es kurz hielt und immer zu bändigen versuchte. Er trug zudem eine Augenklappe, da ihm das linke Auge im Krieg ausgeschossen wurde. Angeblich steckte die Kugel noch in seinem Kopf, weshalb er manchmal sehr schlimme Kopfschmerzen hatte und dann den ganzen Tag im Bett lag. Er sagte dann immer, dass es die Rache des Russen wäre, den er erschossen hatte. Das waren Geschichten, die ich meiner Mutter nicht erzählte... Sie würde sich nur unnötig aufregen. Ich meine, ich bin 13 nicht 3! Da machen mir solche Sachen nichts aus. Langsam wurde ich müde und das war gut, denn ich musste früh zum Zug.


 Mit viel Vorfreude schlief ich ein. Ich hatte einen sehr merkwürdigen Traum... alles war dunkel nur eine Stimme rief immer: "... ge... geh nicht!" Komisch, ...aber egal. Ich konnte es nicht erwarten und schaufelte das Frühstück in mich rein. Ich verschluckte mich fast an einem Stück Toast und meine Mutter schimpfte, dass ich mich zügeln soll, schließlich käme ich noch früh genug zu meinen Großeltern. Schließlich stand ich am Bahnhof. Die Verabschiedung von meiner Mutter war wie immer tränenreich, Papa blieb cool, aber war innerlich aufgewühlt. Mein Bruder hingegen freute sich, wahrscheinlich weil er nun seine Ruhe hatte. Warum er nie mitfuhr war mir schleierhaft. Wie immer nahm ich auch mein Handy mit, obwohl das sinnlos war. Das klobige Ding hatte schon auf der Hälfte der Strecke keinen Empfang mehr, aber meine Mutter bestand darauf. 


Ich stieg in den Zug. Warme, muffige Luft nahm mich gefangen und ich setze mich an ein Fenster und kippte es an. Als der Zug losfuhr, winkte ich noch einmal und nun holte ich mein Buch raus, um die 4 Stunden Fahrt zu verkürzen. Viele Leute stiegen ein und aus: Alte, Junge, Frauen, Männer... ich beachtete sie kaum. Mein Buch war nicht allzu spannend, ein sehr vorhersehbarer Western, aber besser als nichts. Auf halber Strecke kramte ich in meiner Tasche nach dem Reiseproviant: Zwei Schnitten belegt mit Käse und Wurst, dazu zwei Tomaten und ein Apfel, welcher schon braune Flecken hatte. Egal, ich war hungrig und ein nerviges Piepen irritierte mich, bis ich darauf kam, dass es mein Handy war. Ich schaute auf den Funkknochen und sah, dass meine Mutter anrief. Sogleich wollte ich annehmen, doch dann war auch schon der Empfang weg. Tja, Pech gehabt Mama, dachte ich und legte es wieder weg. Ich fragte mich dennoch, warum sie angerufen hatte. Ja, auf dem Rückweg tat sie das, aber noch nie auf der Hinfahrt. Vielleicht hab ich was vergessen, überlegte ich und begann wieder zu lesen. Nach endlosen 4 Stunden fuhr der Zug endlich in den Bahnhof ein.


 Euphorisch schnappte ich meine Sachen und sprang aus dem Wagon. Frische Bergluft begrüßte mich. Es war auch etwas kühler als zu Hause. Suchend sah ich mich um und sah eine junge Frau, die es wohl eilig hatte. Unbehaglich trat sie von einem Bein aufs andere und sah sich hektisch um. Aber da, da waren endlich auch meine Großeltern. Oma trug ein hellblaues Kleid mit großen, roten Blumen und Opa eine Trachtjacke mit silbernen Knöpfen. Ich rannte freudestrahlend auf sie zu und umarmte Oma und Opa möglichst gleichzeitig. Etwas verzögert drückten sie auch mich. Das war seltsam, aber ich ermahnte mich, dass sie nunmal alt waren und somit alles langsamer lief. Ich schaute hoch und erschrak etwas. Oma war sehr blass und ihre Augen wirkten leer. Opa schien noch mehr Falten zu haben und sein Gesicht wirkte sehr angespannt. Dennoch begrüßten sie mich freundlich und wir stiegen in die kleine offene Kutsche, mit der sie mich immer abholten. 


Gezogen wurde sie von Hannibal, einem dunkelbraunen Kaltblut. Er war ruhig, aber sehr stark und alle liebten ihn. Als ich nun so in der Kutsche saß, und diese klappernd und schaukelnd die Straße zur Alm hochfuhr, spürte ich dieses Glückgefühl, welches ich hier immer hatte. Oben angekommen bezog ich mein Zimmer. Es war ein recht großes Gästezimmer mit einem Bett, einem hohem Schrank, Nachttisch, Kommode und Schaukelstuhl. Der Hund meiner Großeltern schlief auch hier auf seiner Decke. Es war ein Schäferhund, der aber schon auf einem Auge blind war und Opa meinte, dass auch das andere bald hinter diesem weißen Schleier verschwinden würde. Das machte mich traurig, aber er war nunmal alt, da kann man nichts machen. Nachdem ich ausgepackt hatte, gab es auch schon Abendessen: Frischgebacknes Brot, Schinken und selbstgemachter Käse, auch gekochte Eier waren da. Es sah unwiederstehlich aus und ich langte ordentlich zu. Oma erzählte wie das Jahr war, dass die Ernte im Spätsommer reich und der Winter aussergewöhnlich kalt gewesen war, sodass einige Hühner erfroren sind. Opa sagte nur ab und zu "Hm" dazu und konzentrierte sich mehr aufs Essen.


Ich fiel todmüde ins Bett. Das war nichts Neues, aber ich fühlte mich wirklich sehr erschöpft... Als ich aufwachte, strahlte die Sonne in mein Zimmer. Es war 11 Uhr?! So lange hatte ich noch nie geschlafen... auch hier nicht... egal! Ich sprang aus dem Bett und ging ins Bad, um mich zu waschen. Ja, eine Dusche gab es hier nicht, nur eine Wanne und ich wollte nicht die Zeit mit Baden verschwenden. Als ich nach unten ging, war das Mittagessen bereit. Ein Eintopf mit dem Brot von gestern als Beilage. Meine Oma entschuldigte sich, mich nicht eher geweckt zu haben und füllte meinen Teller reichlich. Wir aßen schweigend und ich genoss den unverfälschten Geschmack. Danach ging ich wie immer nach Draußen. Opa sagte noch, ich solle zurückkommen, wenn es dunkel wird und mich von der Kadaverhöhle fernhalten. 


Die Kadaverhöhle war eine kleine Höhle im Wald, wo die Bauern der Umgebung tote Tiere reinwarfen, von denen sie ausgingen, dass sie an etwas Ansteckenden gestorben waren. Dort verwesten sie nun, bis man irgendwann die Knochen rausräumte. So wollte man vermeiden, dass sich andere Tiere ansteckenden könnten. Ich war natürlich nicht scharf darauf, in diese Höhle zu gehen, aber Opa sagte es dennoch immer. Ich rannte ausgelassen über die blumenbedeckten Wiesen in Richtung Wald. Dort angekommen atmete ich tief den intensiven Duft ein. Es roch nach Pflanzen und Erde, nach Pilzen und Moos... herrlich. Nun tat ich, was ich immer tat. Ich staute den kleinen Waldbach, kletterte auf Bäume, fing Insekten und legte mich auf den weichen Waldboden, um dem Vogelkonzert zu lauschen. Opa hat mir beigebracht, einige Vögel am Gesang zu erkennen. So hörte ich einen Bergfink, eine Alpendohle, aber auch eine Amsel raus. Ich fragte mich, was wir wohl unternehmen würden... angeln vielleicht? Oder etwas schnitzen? Vielleicht würde ich auch mit Oma Blumen und Kräuter sammeln oder Brot backen? In solchen Momenten war ich wirklich wunschlos glücklich. 


Als die Dämmerung einsetze, begab ich mich schnell zurück zur Alm und verschlang das Abendessen. Wieder wurde ich danach so unglaublich müde... Ich schaffte es gerade noch so ins Bett und schlief ein. Mitten in der Nacht wurde ich wach. Ich musste so dringend pinkeln, dass meine Blase richtig wehtat. Bloß schnell ins Bad, dachte ich und fühlte mich sehr erleichtert, als ich wieder rauskam. Immernoch war ich müde, aber ich beschloss, mir noch ein Glas Wasser aus der Küche zu holen, da ich morgens immer durstig war. 


Dabei ging ich am Wohnzimmer vorbei. Da brannte noch Licht, also schaute ich kurz hinein... Dort lag der Hund, auf dem Rücken, mit aufgeblähten Bauch. Sein Schädel war zerschmettert und seine Augen nach innen gedreht. Nicht weit von ihm lang Oma... auch sie war aufgebläht und ich erkannte, dass die roten Blumen auf ihrem Kleid keine waren... sondern Blutflecken, es waren Stichwunden. Opa hing im Sessel und ein dunkles Würgemal war deutlich an seinem Hals zu sehen. Seine Augen waren aus den Höhlen getreten. Oh und dieser Gestank... dieser überwältigende Gestank. Dann wurde ich ohnmächtig.


Als ich am nächsten Morgen in meinem Bett wach wurde, schien alles normal, der Hund lag auf seiner Decke, er atmete schwer aber... er lebte! Oma trug das Frühstück auf, während Opa Zeitung las... hatte ich mich geirrt? War alles nur ein Albtraum? Ja, so musste es gewesen sein... alles andere wäre zu grausam... dennoch blieb ein flaues Gefühl. Ich beschloss, die nächsten Tage alles zu beobachten, unauffällig aber sehr genau.


Ich notierte mir in meinem Zimmer, was ich alles als verdächtig empfand: Der Hund hatte eine große Delle im Kopf, Opa einen dunklen Schatten da, wo das Würgemal war. Und Oma trug immer das gleiche Kleid mit den Blutblumen... und alle bewegten sich ungelenk, reagierten verzögert. Doch das Auffälligste war der Geruch... er kam langsam wieder... je wärmer es war, desto schlimmer. Es war der klassische Verwesungsgeruch zusammen mit geronnenem Blut. Nach Ende der ersten Woche beschloss ich zu fliehen. 


Es war wahrscheinlich nicht gut überdacht, aber ich hatte einfach Angst... ich meine, sie waren tot, doch irgendwas spielte mir vor, dass alles normal war, aber warum? An diesem Abend trank ich viel Wasser vorm Schlafengehen. So viel, dass mir schon fast übel wurde, doch ich musste Nachts wach werden. 2:34 Uhr war es soweit. Ich packte meine Tasche und schlich mich raus. Wagte es weder ins Bad zu gehen, noch ins Wohnzimmer. Doch kaum war ich draussen, hörte ich etwas scheppern. Ich zuckte zusammen und begann schnell loszulaufen. Ich blickte zurück und sah den Hund ungelenk hinter mir her rennen. Wütend knurrend und mit eingeschlagenen Schädel. Opas Gesicht erschien am Fenster. Sein Mund öffnete sich unnatürlich weit und eine dunkle Flüssigkeit lief herraus. Ich kämpfte gegen die Angst, die mir den Brustkorb zuschnürte, sodass jeder Atemzug schmerzte. Ich rannte und überlegte schon die Tasche wegzuwerfen, aber da waren das Zugticket und andere Sachen drin, auf die ich nicht verzichten konnte. Ich hielt erst an, als ich drohte vor Erschöpfung zusammenzubrechen.


Ich lehnte mich keuchend an die kühle Felswand und sah mich panisch um. Nichts zu sehen. Kein Hund, keine Großeltern. Ich beruhigte mich etwas und dachte nach, was ich tun sollte. Ich war hier im Wald wohl relativ sicher, aber hier konnte ich ja nicht bleiben. Die Bäume rauschten und ich konnte durch ihr Laub die Sterne funkeln sehen... Doch da, ein Geräusch! Ich überlegte nicht lange und floh in die Höhle, an der ich stand. Ja genau, die verbotene Kadaverhöhle. Ich drückte mich in den Fels und beobachtete den Eingang. Es war nichts zu sehen, aber ich beschloss hier auszuharren, bis es wieder hell wurde. So ging ich tiefer hinein. Es war dunkel aber geräumig. Kalt und nass. Ich glaubte sogar, Fledermäuse quieken zu hören. 


Die Höhle gabelte sich und ich ging in den linken Gang. Eine Sackgasse. Ich musste mich aber einfach mal setzen. Nun konnte ich weinen. Ich ließ alles raus, die Angst und den Schmerz. Ich wusste nicht, was es war und was es von mir wollte, aber ich musste entkommen. Ich beschloss mir noch den rechten Gang der Höhle anzusehen und so ging ich da hinein. Auch dieser Gang endete bald aber... am Ende lag ein kleines Mädchen, vielleicht 6 Jahre. Sie lag in einem Kreis aus Kreide um welchen merkwürdige Symbole gekritzelt waren und... sie war tot. Eingefallene, trübe Augen starrten mich an. Ihre Kehle war durchschnitten, ein Messerstich in Herzgegend und auch ihr Schädel war eingeschlagen... ein Overkill. Das war eine rituelle Tötung gewesen, dachte ich und schauderte. Das wusste ich aus einer Sendung über Moorleichen, welche ich heimlich angesehen hatte. 


Hier konnte ich auf keinen Fall über Nacht bleiben. So rannte ich wieder los, runter ins Dorf und schloss mich im Bahnhofsklo ein. Bei der ersten Durchsage rannte ich raus und wartete auf den Zug. Ich ignorierte die Leute, die mich anstarrten und der Kontrollör schaute auch nur verwundert drein, aber lochte meine Fahrkarte. Noch nie war ich so froh gewesen, nach Hause zu fahren...


Die 4 Stunden vergingen schnell und so war ich wieder daheim. Ich lief die ganze Strecke vom Bahnhof bis zu unserem Haus. Mein Vater öffnete mir die Tür und war sowohl entsetzt als auch besorgt, doch ich versprach ihm alles zu erklären, nachdem ich ein wenig geschlafen hätte


3:01 Uhr zeigte mein Wecker, als ich wach wurde und in die Dunkelheit blinzelte. Komisch... warum hat meine Mutter mich nicht geweckt? Sie hätte mich nie solange schlafen lassen, wenn sie wusste, wie ich aussah und viel früher hier war, denn sie würde sofort wissen wollen, was los ist. Langsam öffnete sich meine Zimmertür... draußen stand meine Familie. Alle hatten aufgeblähte Bäuche und ihre Augen waren zerfallen. Meine Mutter hatte eine Menge Messerstiche einstecken müssen, während meinem Bruder der halbe Schädel fehlte. Etwas Hirnmasse tropfte auf den Teppich. Mein Vater hatte ein dunkles Würgemal am Hals. Der Gestank traf mich wie ein Fausthieb und langsam öffneten sie ihre Münder unnatürlich weit. Dann begannen sie auf mich zu zu torkeln.

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