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Das Glücksspiel. Es konnte das Leben noch schöner machen, oder aber es in die reinste Hölle verwandeln. Risiken, deren die Spieler erst nach ihren Entscheidungen bewusst wurden, waren ein großer Teil dieses Zeitvertreibes. Manche lernten daraus, und andere versuchten weiter mit ihrer Hand nach dem Glück zu greifen.

Auch James gehörte zu diesen Menschen. Er liebte das Spiel, egal in welcher Form. Seien es Karten, Automaten oder gar Roulette. So war es auch kein Wunder, dass er sich wieder an den Tisch setzte und seine letzten Scheine für diesen Abend auf das Brett, welches darauf abgebildet war, legte. Die Karten sprachen am Anfang für ihn, doch das Blatt wandte sich und so verlor er auch sein restliches Geld.

Voller Enttäuschung stand er auf und wollte zur Tür gehen, als jemand seinen Namen rief. Verwirrt drehte sich James um und sah zu einem Mann herüber, welcher ihm zuwinkte. Diesen hatte James noch nie gesehen, trotzdem wollte er nicht unhöflich sein und setzte sich an seinen Tisch. Er betrachtete den Fremden eingehend. Lange, schwarze Haare fielen ihm die Schultern hinab und auf seinem Kopf befand sich ein alter Hut. Um seinen Hals hingen zahlreiche Ketten, welche mit kleinen Schädeln und Kreuzen bestückt waren.

“Ich hoffe es macht Ihnen nichts aus, wenn ich Ihnen etwas einschenke, oder?”, fragte der Mann und füllte zwei Gläser mit Whiskey.

James nahm das Glas dankend an. Normalerweise mochte er keinen starken Alkohol, aber aus Höflichkeit und Enttäuschung nippte er dennoch daran. Der Mann vor ihm war weniger zaghaft und leerte seines in einem Zug. Danach legte er eine Münze auf den Tisch und schob sie zu James herüber.

“Hätten Sie Lust auf ein kleines Glücksspiel?”

James schüttelte den Kopf und erzählte ihm, dass er leider kein Geld mehr bei sich trug. Solche Tage waren nicht selten bei ihm. Seine Spielsucht trieb ihn dazu, immer weiter zu spielen, und alles zu setzen, was er besaß. Viele Beziehungen sind aufgrund dessen in die Brüche gegangen, weil er etwas haben wollte, was er niemals erreichen konnte. Selbst wenn er den Jackpot knacken würde, wäre ihm das nicht genug. Das wäre es nie.

“Das macht nichts. Sie brauchen kein Geld zu setzen, aber sie können etwas gewinnen.”

Seine Worte verwirrten James umso mehr. Wenn er kein Geld wollte, was dann? Etwa seine Seele? James wusste, dass er selbst seine eigene Mutter gesetzt hätte, wenn es möglich gewesen wäre, aber ein Teil von ihm sollte es nicht sein. James lachte in seinen Gedanken. Der Whiskey musste sich jetzt schon bemerkbar machen, wenn er anfing, über so etwas nachzudenken.

Ein leises Lachen kam von dem Mann und er schüttelte den Kopf, so als ob er James Gedanken lesen könnte.

“Wenn ich Ihre Seele haben wollte, hätte ich sie längst haben können, aber ein Mann wie Sie hat bereits seine Seele an eine bedeutungslose Kugel oder das Blatt in seinen Händen verkauft.”

Der Mann holte ein Bündel Geldscheine aus seiner Tasche und legte es auf den Tisch.

“Die Regeln sind einfach. Sie werfen die Münze und wenn Sie richtig liegen, erhalten Sie von mir 10.000 Dollar”.

James drehte die Münze in seiner Hand und betrachtete sie genau. Auf der einen Seite war ein grinsender Totenschädel eingraviert, während auf der anderen eine Eule abgebildet war. Diese wirkte weise und machte für ihn den Eindruck, die richtige Entscheidung bei diesem Spiel zu sein. Der Totenschädel hingegen verkörperte eher das Pech und es erinnerte ihn an die Tage, an denen er ohne Geld nach Hause kam und nicht wusste, wie er das seiner Frau erklären sollte. Trotzdem war das Geld zu verlockend, also sah er dem Fremden in die Augen und willigte ein.

“Was ist, wenn ich verlieren sollte?”, fragte James etwas unsicher.

Wieder grinste der Mann über das ganze Gesicht.

“Das werden Sie noch schnell genug herausfinden."

Und so begann das Spiel. Die Eule sollte es sein. James warf die Münze in die Luft. Sein Herz raste, als sie sich dem Boden näherte. Mit einem lauten Klirren landete die Münze auf dem Tisch und eine Eule schaute ihm ins Gesicht. Er hatte gewonnen. Der Fremde gab ihm das Geld und ermutigte ihn dazu, noch weiterzuspielen. Es war einfach unglaublich. Dieser Typ hatte ihm einfach so 10.000 Dollar überlassen. Wieder warf James die Münze in die Luft und wettete auf die Eule. Sein Herz blieb beinahe stehen, als er den Totenschädel vor sich erblickte.

“Und was jetzt?”, fragte James mit zitternder Stimme.

Der Mann lehnte sich zurück und antwortete: “Die Konsequenzen dafür, werden Sie schnell genug feststellen."

James überlegte nicht lange und warf die Münze ein weiteres Mal. Das Glück war nicht auf seiner Seite. Wieder verlor er und musste kein Geld ausgeben. Das Spiel zog sich eine Weile und James hatte dem Mann eine Million Dollar abgeknöpft. Das war auch der Zeitpunkt, an dem der Fremde aufstand und, ohne ein Wort zu sagen, verschwand. James fiel das zunächst nicht auf, da er immer noch damit beschäftigt war, das Geld zu zählen. Erst nachdem er fertig war, bemerkte er sein Verschwinden.

Es kümmerte ihn auch nicht weiter, also stand auch er von seinem Platz auf und bekam einen schweren Schock. Das Lokal in dem er sich befand, war plötzlich verfallen und von den Leuten fehlte jede Spur. Spinnweben zierten den Raum und auch die Tische waren vom Staub bedeckt. Was war hier nur passiert und wo waren die ganzen Leute hin? Eine leichte Panik machte sich in ihm breit. Hatte das Spielen ihn um den Verstand gebracht? Sein Schädel schmerzte und tausende Fragen schwirrten durch James Kopf. Er ging nach draußen und sah ein großes Schild an der Tür hängen.

"Seit dem 30.08.2062 geschlossen."

Darunter war ein altes und verstaubtes Metallschild, auf dem stand:

“Zum Gedenken an die Toten, welche bei einem Brand, am 30.August 2015 ums Leben gekommen sind”.

Für James war es heute genau dieser Tag, an dem dieser Brand gewesen sein sollte, aber was ihn am meisten beunruhigte, war das Schild darüber. Es waren nämlich genau 47 Spiele, die er verloren hatte.

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