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Ein eiskalter Schauder lief ihm den Rücken hinunter. Sein Herz pochte wie verrückt, als seine klaren blauen Augen das gespenstische Gemäuer erblickten, welches sich bedrohlich vor ihm aufthronte. Dieses verfluchte Haus! Es starrte Leon mit seinen kaputten Fenstern an. Tote Augen aus kaltem Glas starrten permanent tief in seiner Seele. Eine unheimliche Aura umgab das grässliche Bauwerk.

Doch trotz der blanken Angst, die wie scheußliche Spinnen an ihm hinauf krabbelten, war Leon felsenfest davon überzeugt, dass sich seine geliebte Hannah dort in diesem Spukhaus befand. Denn in seine Träume erschien ein merkwürdiges Wesen, eine Füchsin. Ihr Fell war in einem zarten Rosa, wie eine Kirschblüte, die leuchtend goldenen Augen funkelten wie Edelsteine hinter das feuerrote Haar und die vielen Fuchsschweife verliehen ihr ein Hauch von Eleganz. Das Fuchswesen verriet Leon das Geheimnis um Hannahs verschwinden. Das arme Mädchen soll in diesem Haus sein, gefangen von einem bösen Dämon. So surreal dieser Traum war, weit weg vom alles Möglichen, glaubte Leon daran. Sein ganzes Vertrauen legte Leon in dieser neunschwänzigen Füchsin. Sakura, so lautete ihr Name.

Sakura…

Die Zeit rannte und Hannah schwebte in Gefahr. Entschlossen zog er noch mal kräftig an seine Zigarette, bevor er sie dann mit einem Schwung davon schnipste. Im Nebel des blauen Dunstes warf er noch mal einen kühlen Blick auf das alte Familienhaus.

„Ich werde dich da raus holen, das verspreche ich dir. Hannah…“, flüsterte Leon.

Langsam stieß er das rabenschwarze Tor auf und gewährte sich so einlass in den Vorgarten des Hauses. Das saftige Gras ging Leon bis zu den Knöcheln. Früher war dies bestimmt ein wunderschönes Haus gewesen. Doch die Zeit hatte Spuren hinterlassen. Tiefe Spuren. Wilder Efeu kletterte ungestüm an der  Hauswand empor, die von tausenden von Risse und Löchern gezeichnet waren. Das einst klare Hellblau, welches der Farben des Himmels glich, war jetzt nur noch ein verblichenes dreckiges Weiß.

Nach genaueren Betrachtungen, entdeckte Leons Neugier eine mysteriöse Nachricht an der Wand des alten Gemäuers. Jemand hatte dort einen komischen Satz hingeschmiert. Die Farbe der Lettern war ein dreckiges rot, das langsam einen Braunton annahm. Der junge Mann war sich sicher, dass es sich hier bei um keine Farbe handelt, nein, viel mehr sah es nach Blut aus. Geronnenes Blut. Die Lettern ergaben:

>Wenn es bei vollem Regen die Sonne scheint, so geht die Braut des Fuchses in ihres Mannes Haus.< 

Hat dieser Satz etwas mit der Füchsin Sakura zutun? Die aus seinen Träumen? Bestimmt! Schlagartig weiteten sich Leons Augen, seine Pupillen schrumpften zu kleinen wortlosen Punkten zusammen. Er war auf der richtigen Fährte gewesen. Ja, diese Füchsin hatte Recht gehabt, es war also kein Traum!

Wie vom Blitz getroffen stürmte Leon zu der Eingangstür. Doch sie war verschlossen, hielt ihn fern von Hannah. Aber so leicht gab Leon nicht auf. Nein- jetzt wo er auf der richtigen Spur war, fast am Ziel, gab es kein aufgeben. Geschickt fuhr er sich mit der Hand durch sein blondes Haar und ging einige Schritte zurück, dabei behielt er die sperrige Holztüre im Blick. Ein Grinsen zierte sein Gesicht. Und dann- mit einen Satz sprintete er auf die Türe zu und warf sich mit ganzer Kraft dagegen. Das alte Schloss brach mit einem Ruck auf und gab einen ächzenden Sterbelaut von sich. Die Eingangstüre wurde heftig gegen die Wand geschleudert.

Leon stolperte herein. Ein fauliger und maroder Geruch begrüßte ihn, doch Leon war abgelenkt vom brennenden Schmerz, der in seiner rechten Schulter wütete. Zischend grub er dort seine Finger hinein, um den elenden Schmerz zu unterdrücken. Nach einiger Zeit ging es wieder und Leon schaute sich in Ruhe um. Gähnende Dunkelheit herrschte an diesen trostlosen Ort.

Wie von Geisterhand schloss sich die Eingangstüre hinter ihm und nahm Leon das letzte bisschen Licht weg. Nun war er ganz alleine, verschlungen von der  Dunkelheit. Gepackt von Angst und Panik. Sie erdrückte ihn förmlich.

„Was zum Teufel geht hier vor sich…“, eine Antwort blieb ihm verwehrt.

Unerwartet, aus heiterem Himmel, erschienen zwei merkwürdige, bläuliche Flammen, die den Saal mit einem Meer aus Licht flutete. Binnen Sekunden wurde die Finsternis verjagt. Leon hielt seine Hand schützend vor sich. Wenig später als sich seine Augen langsam an das merkwürdige Licht gewöhnten, spazierte sein aufgeregter Blick durch den riesigen Saal. Er fand sich in der Eingangshalle des Hauses wieder. Die blauen Flammen tanzten gespenstisch durch die Luft. Dieses Schauspiel jagte Leon eine unheimliche Angst ein.

„Was sind das für Flammen?“, jaulte Leon angsterfüllt. Ein Echo hallte gespenstisch auf und jagte durch seinen Körper ein Zucken.

Eine fremde Stimme, die plötzlich aus dem Nichts erklang, gab ihm die Antwort: „Das mein Freund nennt man Fuchsfeuer.“.

Erneut überrannte Leon die Angst. Hastig suchte er nach der Quelle, die Quelle der Stimme. Und schließlich fand er sie. In einer kleine Ecke, gemütlich auf einen Stuhl sitzend. Ein komisches Wesen. Sah irgendwie wie ein fetter Waschbär aus. Dieses Waschbärwesen trank genüsslich aus einem wundervoll verzierten Krug. Ganz langsam näherte sich Leon ihm.

„Fuchsfeuer?“, fragte der Mensch ganz perplex.

Gemächlich setzte das Wesen den feuerroten Krug nieder und wischte sich mit der Pfote die Schnauze ab. „Genau. Fuchsfeuer. Die Christen nennen so was Irrlicht. Aber was wollen die schon wissen.“, ein freudiges Lachen folgte dem Satz.

Leon trat noch einen Schritt näher und musterte weiter diesen komischen Waschbären, mit einem gemischten Gefühl von Neugier und Angst. „Und was bist du? Ein fetter Waschbär oder so in der Art?“. Das fröhliche Gekicher des Tieres verstummte urplötzlich und eine bedrückende Stille herrschte zwischen den Beiden. Leon konnte nicht genau erkennen, ob der Waschbär oder was es sonst sein sollte, verwirrt oder wütend aussah. Vielleicht beides. Panik machte sich ihn im breit.

„Wie bitte? Ein fetter Waschbär?“, prustete das menschenähnliche Ding. Leon kratzte sich am Kopf: „Eh, also doch kein Waschbär?“.

„Nein!“, warf die Kreatur scharf hinein. „Kein Waschbär! Warum verwechselt ihr dummen Menschen uns immer mit einem Waschbären? Ich bin ein Maderhund. MADERHUND, auch besser bekannt als Tanuki! Und wen nennst du hier fett?!“.

Mit seiner Pfote klatschte der Tanuki auf seine dicken Wampe. „Das sind alles Muskeln, denn du musst wissen Mensch, wir Tanukis sind einer der stärksten Dämonen. Also ein bisschen mehr Höflichkeit wenn ich bitten darf. Apropos Höflichkeit. Wir haben uns einander gar nicht vorgestellt. Mein Name ist Kenta. Kenta der Tanuki, freut mich dich kennen zu lernen.“. Kenta lächelte mit zusammen gekniffenen Augen.

Leon war sprachlos. Er stand nur da mit offenem Mund. „Was ist los?  Hat’s dir die Sprache verschlagen? Ah, bestimmt weil du in der Gegenwart eines der wundervollsten Geschöpfe der Welt bist. Mich. Wäre ich an deiner Stelle auch.“, zufrieden kratzte sich der Maderhund an seinem dicken Hodensack und störte sich keinesfalls an den angewiderten Blick von Leon.

Nach einer Weile schaffte es Leon seine Gedanken in Worte zu verfassen: „Eh, sagen wir so, man hat selten die Gelegenheit sich mit einem Maderhund zu unterhalten. Aber ich hatte schon eine Konversation mit einer Füchsin geführt, also was soll’s. Ich heiße Leon.“. Kenta nickte und gönnte sich noch einen beherzten Schluck aus seinem Krug.

„Kenta. Eine Frage, hast du hier in diesen Haus eine junge Frau gesehen?“, begann Leon vorsichtig zu fragen und schaute den Tanuki verzweifelnd an.

„Eine junge Frau?“, fragte Kenta mit einer hochgezogenen Braue. Seine ölbraunen Augen funkelten im Schein der tanzenden Fuchsfeuern.

„Ihr Name ist Hannah. Sie ist meine Frau und vor zwei Tagen verschwand sie spurlos. Doch in meinen Träumen bin ich diesem Fuchsmädchen begegnet. Sakura nannte sie sich…“, weiter kam Leon nicht, denn Kenta fiel ihm sofort ins Wort.

„Sakura? Du redest doch nicht von der Sakura, oder?!“, Kenta legte fragend den Kopf schief. „War das eine neunschwänzige Füchsin?“. Leon nickte bejahend. „Und hatte ihr Fell einen rosa Farbton, wie der eines Kirschblütenblatts?“.

„Genau!“.

„Dann war es sie. Puh, es geht ihr geht also gut. Das ist schön, wirklich schön.“, Kenta lächelte glücklich. Jetzt schaute der Tanuki den von Hoffnung erfüllten Mann tiefer in die Augen und fuhr fort: „Und sie hat dir in deinen Träumen erzählt, dass sich deine Hannah hier in diesen Haus befindet?“.

„Ja. Das hat sie mir erzählt. Gefangen von einem Dämon.“.

In Gedanken versunken, fasste sich der Tanuki am Kinn. „Nun denn Leon. Siehst du diese Treppe dort?“, Kenta verwies mit seiner Pfote auf der große Treppe im Saal. Dort oben auf der letzten Stufe herrschte eine bedrückende Finsternis. Leon blickte in dieser Richtung.

„Dies ist keine normale Treppe. Denn sie führt dich nicht nach oben, wie es eigentlich sein sollte, sondern in einer anderen Welt. In einer Welt voll von Dämonen. Das Reich der Yokais. Eigentlich können Menschen sie nicht betreten, aber da ich der Torwächter bin, gewähre ich dir Einlass zu dieser Welt.“.

Leon lächelte fröhlich und verbeugte sich. „Vielen dank Kenta! Danke.“.

Doch Kenta warnte ihn: „Warte Leon. Eines musst du noch wissen. Wie du gemerkt hast bin ich ein Dämon, ein so genannter Yokai. In der anderen Welt wirst du auch auf Yokais treffen, doch die werden dir nicht so freundlich gesinnt sein, wie ich es bin. Im Gegenteil. Wir Yokais hassen euch Menschen und wollen euch nicht in unsere Welt haben. Es wird gefährlich werden, du wirst Dinge sehen, die deinen wildesten Fantasien übersteigen. Vielleicht wirst du deine Welt nie wieder sehen, vielleicht wird dein Geist bei diesem Anblick verrückt werden oder gar den Tod finden. Ich möchte dich nur warnen, also frage ich dich: Bist du dir wirklich sicher, dass du im Reich der Yokais eintreten möchtest?“.

Leon musterte den Maderhund. „Ich habe Angst…“, fing er an zu sprechen, „große Angst. Doch meine Liebe zu Hannah ist viel, viel größer als eine lähmende Angst. Darum gehe ich in diese Welt und werde sie befreien! Von den Klauen dieses Dämons. Das schwöre bei meinem Leben!“. In Leons Gesicht spiegelte sich Mut und Entschlossenheit.

Kenta war überrascht über dieser Antwort. Der graue Maderhund nahm noch einen Schluck und fügte hinzu: „Ihr Menschen schafft es immer wieder mich zu überraschen.", ein mildes Lächeln zierte sein Gesicht. „So denn. Lebewohl Leon und möge dich Amaterasu Omikami auf deiner Reise beschützen.“.

Leon nickte und erwiderte das Lächeln.

Nun führte seine Reise ihm zu der Treppe. Mit jedem Schritt den Leon machte, schlug sein Herz immer schneller. Drohte fast aus dem Brustkorb zu platzen. Schlussendlich erreichte der junge Kerl die gewaltige Treppe. Der erste Schritt. Das alte Holz knarrte unter seinem Gewicht. Jetzt kam die zweite Stufe. Die Beine fühlten sich schwer an, als würden Gewichte dran hängen. Gewichte aus purer Angst. Leons ganzer Körper brannte wie die Hölle. Es dauerte eine Weile, eine gefühlte Ewigkeit, doch er schaffte es mit größter Mühe die letzte Stufe zu erreichen.

Zum Schluss warf Leon noch einem Blick auf Kenta. Dieser saß noch immer in seiner gemütlichen Ecke und spielte auf einer Wölbbrettzither eine wundersame Musik. Die verspielten Flammen leisteten ihm Gesellschaft und tanzten dazu. Beim genaueren Betrachten erkannte Leon, dass dieses Wölbbrettzither in Wirklichkeit die Hoden von Kenta waren. Was für ein seltsames Wesen, schoss es durch seinen Gedanken.

Nun war vor ihm das Tor zur Dämonenwelt. Es sah beängstigend aus. In der dunklen Brühe wanden sich die leidenden Schatten, wie wehrlose Würmer.

„Einmal tief durch Atmen, Augen zu und durch!“, redete er sich selbst Mut zu.

Flugs sprang Leon durch das Schattentor. Eine eisige Kälte überkam ihn und er merkte, wie die Schatten ihn berührten. Ihn anfassten. Doch Leon wollte gar nicht dran denken. Felsenfest  blieben die Augen verschlossen. Langsam setzte er seinen Weg fort, verfolgt von gespenstische Stimmen, die in seinem Ohr gelangten. Wildes Gelächter, angsterfüllte Schreie, Wehklagen und Todeswünsche. Sie setzten seinem armen Geist schwer zu. >Kehre um du Narr!<, >Verschwinde Mensch, du wirst sie nie kriegen!<, >Willkommen in der Hölle!<, krächzten sie.

Ängstlich wie ein Kind kniete sich Leon hin und presste beide Hände gegen seinen Kopf. Das Ganze ging ihm wirklich an den Nerven. Kauernd wimmerte der von Panik geplagte Mann auf dem Boden.

Flehend schrie er: „Hört auf! Bitte! HÖRT DOCH AUF!“.

Doch kurz vor dem Wahnsinn nahe, erblickte er im Geiste ein Bild von seiner geliebten Hannah. Ihr kastanienrotes Haar, die unschuldigen smaragdgrünen Augen und ihr herzerwärmendes Lächeln. Seine geliebte Hannah. „Hannah – nein. Ich muss stark bleiben. Hannah!“. Mit neuer Kraft erhob Leon sich wankend auf und erreichte mühevoll das Ende des Schattentores. Geschwind öffneten sich die Augen.

Sein Wesen fand sich nun in einem grotesken Korridor wieder. Die Wände bestanden merkwürdiger Weise aus Fleisch, die von bläulichen Adern durch zogen worden. Körperteile von menschlichenähnlichen Kreaturen ragten daraus und verliehen diesem Alptraum den letzten Schliff. Gefüllt war der Ort vom Wehklagen der Leidenden. Leons Gesicht wurde augenblicklich von einer Totenblässe überzogen. Kenta hatte ihn gewarnt, aber so was? Leon schluckte. Aber dies war sein Weg.

Zögerlich lief er weiter, achtete dabei aber, dass er immer in der Mitte des Flures war, damit die fürchterlichen Gesellen in den fleischigen Wänden ihn nicht berühren konnten. Oder besser gesagt, nicht packen konnten. Schweißgebadet zwängte er sich durch das Wirrwarr an Gliedmaßen.

Aber plötzlich…

Die Kreaturen zogen sich zurück in ihrem grotesken Gefängnis. Verwirrt blieb er ganz alleine im Flur zurück. „Warum sind sie urplötzlich verschwunden?“, Eine Türe wurde frei gegeben.

Hinter ihr war ein Zimmer voller Puppen und Spielsachen. Ein wunderschönes Kämmerlein. Gemütlich und geborgen, voll von Wärme, ganz im Gegenteil zur anderen Welt. Ein kleines blasses Mädchen saß friedlich auf den Boden und kämmte vergnügt einer der Puppen das lange, schwarze Haar. Sie trug einen Kimono mit einem schönen Muster aus Vögel und Blumen. Das winzige Kämmerlein wurde von ihrem kindlichen Gesang gefüllt. Ihre Stimme klang wunderschön, zerbrechlich und sanft.

Doch Leon traute sich keinen Zentimeter weiter. Dies war kein normales Mädchen. Bestimmt so ein grässlicher Yokai, oder wie sie sonst hießen. Ein gemeiner Trick, eine Illusion. Das kleine Kind bemerkte ihn jetzt und ihre Stimme verstummte. Verschlungen von der Stille. Leon zuckte auf. Das kleine Mädchen legte ihren Kopf schief und lächelte ihn freundlich an. Tote Augen stierten in seinen.

 „Du bist doch ein Mensch oder?“, stellte sie verblüffend fest.

„Ein Mensch in der Welt der Yokais.“.

„Bitte tu mir nichts. Ich bin nur auf der Suche nach jemanden.“, wimmerte Leon.

Das Mädchen beäugte den von Angst schlotternden Mann. „Ich war auch einmal ein Mensch, so wie du.“, sagte sie fröhlich.

„Du warst ein Mensch?“.

„Ja, doch jetzt bin ich nur eine kleine Seele, die niemals die Himmelsebene erreichen wird. Verdammt dazu mein erbärmliches Dasein in dieser Welt zu fristen.“. Ihre toten Augen starrten auf die kleine Puppe, die sie in ihren kalten Händen hielt.

„Sag kleines Mädchen. Hast du vielleicht eine Frau gesehen? Ihr Name war Hannah.“. Gemächlich erhob sich das tote Kind und blickte mit voller Angst in den meeresblauen Augen von Leon.

„Hannah? Die Frau heißt also Hannah.“.

Leon stieß freudig hervor: „Du hast sie gesehen, oder? Meine Hannah?“.

Traurig nickte sie. Ihr bleiches Gesicht verfinsterte sich auf einmal und verlor gänzlich alle Emotionen.

„Ja. Sie ist bei Kemaru.“, fügte sie tonlos hinzu.

„Kemaru? Ist das dieser Dämon? Diese böse Kreatur die Hannah entführt hat?“.

Doch das Mädchen gab darauf keine Antwort. Sagte nur: „Kemaru ist böse. Er tut gerne Menschen weh. Schrecklich weh.“. Ihre Stimme bebte heftig. Pure Furcht ergriff Leon.

„E- er, tut Menschen weh?“. Ohne etwas zu sagen, zog sie sich den Kimono aus und entblößte ihren entstellte Körper. Der arme Magen von Leon krümmte sich, eine ätzende Brühe schoss durch seine Speiseröhre, die er nur mit Mühe und Not runter würgen konnte.

Der Körper des kleinen Mädchen war überseht von tiefen Kratzer und Bissen. Bisse die nur von einer verrückten Bestie stammen konnte. Aber der schlimmste Anblick der sich für immer in Leons Gedächnis eingebrannt hat, war das tiefe schwarze Loch, dass ihre kleine Brust zierte. Pechschwarze Schlangen krochen herraus und schlangen sich um ihren fahlen Körper.

War das dieser Kemaru? War das wirklich er? Leon wollte weg rennen, diesen schrecklichen Anblick und diesen verfluchten Ort vergessen. Einfach nur weg von hier.

Es ging aber nicht.

„K- kleines, sag, wo kann ich Hannah finden?“.

„Am Ende des Korridors, ist eine seltsame Türe. Dahinter wirst du sie finden. Doch die Türe ist verschlossen. Und nur ein Schlüssel vermag dieses komplexe Schloss zu öffnen.“.

„Ein Schlüssel?“.

„Kein gewöhnlicher. Nur eine Fuchsleber kann diese Türe öffnen.“, fuhr sie monoton fort.

„Fuchsleber? Woher soll ich so was bekommen?“, jammerte Leon verzweifelt.

„Sakura!“.

„Hm! Was sagtet du?“.

„Finde Sakura. Nur von ihm kannst du diesen Schlüssel bekommen. Sei aber gewarnt, es wird kein leichtes Unterfangen werden. Nun spute dich. Die Zeit läuft für Hannah bald ab und dann wird sie so Enden wie alle hier.“. Langsam zog sich das Geistermädchen in die Wand zurück.

Ihre letzten Worte, bevor sie gänzlich in der Wand eintauche, waren: „Finde die Kirschblütenfüchsin.“.

Das Mädchen war weg. Für immer. Allmählich fing sich das Zimmer an zu verändern. Die Illusion löste sich langsam in Luft auf und zeigte die wahre Realität. Die einst bezauberten Puppen waren nun alle samt vermodert. Grinsende Fratzen zierten ihre kleinen Puppenköpfe. Der Kimono des Geistermädchens war nur ein blutiger Fetzen gewesen und die einst schöne rosa Tapete war nun giftgrün und an einigen Stellen teilweise von der Wand gerissen.

Erschöpft ließ sich Leon langsam fallen. Sakura, ist sie der Schlüssel? Doch wie zum Teufel soll er Sie nur finden?  In diesem Moment fühlte Leon sich so schwach und hilflos. Ganz alleine. Die Finsternis verschlang nach und nach gierig sein Herz. Erdrückte ihn. Atemnot zwang dem Armen, wie einen Hund zu hecheln. Er schielte noch einmal zu der Wand, in der das kleine Geistermädchen verschwand. Dort stand nun in Blut geschrieben:

Willkommen im Haus der Herzlosen.  



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