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Ich liege hier, in der Ecke, zusammengekauert, meinen Blick ins Leere gerichtet.

Und ich weiß, in weniger als 20 Minuten werde ich erstickt sein. Denn Luft ist Luxus. Milliarden von Menschen wissen das nicht. Und sie wissen Vieles nicht. Vielleicht ersticke ich auch nicht. Tot werde ich trotzdem sein.

Vor drei Tagen saß ich mit 7 weiteren Astronauten in einem Raumschiff, das gerade die Erdumlaufbahn verlassen hatte. Wir befanden uns auf direktem Weg zum Mond, um der Menschheit noch weitere Informationen über dieses Mysterium liefern zu können. 

Nachdem wir schon länger als zwei Tage unterwegs waren, legte ich mich in meinen Schlafsack, um ein wenig zu schlafen, damit ich Kraft hätte, wenn wir den Mond betreten. Doch ich konnte nicht einschlafen, zu aufgeregt war ich. Mein Freund, Tom, der sich mit mir zum Astronauten hat ausbilden lassen, lag im Schlafsack neben mir, vielleicht stand er auch im Schlafsack neben mir, schwer zu sagen, wo hier oben oder unten ist. Wie es aussah, konnte er auch nicht schlafen, also fragte er mich, was ich denn auf dem Mond erwarte. " Ich weiß nicht. Möglicherweise ist es gar nicht so spannend wie sich viele vorstellen. Ich meine, mehr außer Staub gibt es dort wohl auch nicht", antwortete ich. 

"Naja, und keine Luft, aber davon jede Menge", erzählte er mir mit einem sarkastischen Unterton, woraufhin er zu lachen anfing. Mir aber war nicht nach lachen zumute. Ich wollte schon langsam festen Boden unter den Füßen, auch wenn ich die Anziehungskraft des Mondes nicht gewohnt sein werde.  

Nach weiteren Stunden, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen, erreichten wir die Mondumlaufbahn. Ich, Tom und 2 weitere Astronauten zogen unsere Raumanzüge an und begaben uns in die Raumkapsel, die kurz darauf vom Mutterschiff gelöste wurde und, mit uns darin, Richtung Mond flog. Als wir die Mondoberfläche fast erreicht hatten, fuhr Tom die Beine der Raumkapsel aus, die langsam auf dem Mond auftrafen und Staub aufwirbelten, der sich langsam vom Boden erhob. Ich öffnete die Tür, kletterte die Leiter hinunter und stieß mich von ihr ab, als ich etwa 20 Zentimeter über dem Boden war. Ich "flog" einige Sekunden durch die Luft, bis meine Füße auf dem Mond auftrafen. Was für ein Gefühl, endlich nicht mehr frei im Raum herumzuschweben. Tom und die anderen Astronauten folgten mir, bis auf einen, der die hintere Tür der Kapsel öffnete und zwei Mondfahrzeuge hinausgleiten ließ. Wir entschieden, dass ich und einer der Astronauten mit den Mondfahrzeugen Distanz zur Kapsel aufbauen würden um die etwas weiter entfernten Gebiete zu erkunden, während Tom und der andere Astronaut die Umgebung hier erkundeten. 

Wir fuhren also los, was besser funktionierte, als ich mir vorgestellt hatte. Außer, dass bei jeder Unebenheit das Mondfahrzeug kurz abhebte, passierte nicht viel. Nach etwa zehn-minütiger Fahrt kam wieder eine größere flache Ebene, also fuhren wir schneller, bis ich mit dem rechten Vorderrad über einen kleinen Hügel fuhr, den ich nicht sah. Ich kippte mit dem Fahrzeug nach links. Allerdings geschah das so langsam, dass mir nichts passierte und ich sofort aufstehen konnte, nur um zu merken, das ein Rad an meinem Mondfahrzeug verbogen war. Also wollten wir zu zweit auf einem Fahrzeug zur Kapsel zurückfahren. Ich schlug vor, erst noch bis zu den nächsten Hügeln zu fahren, um zu sehen, ob wir möglicherweise später nochmal hierherkommen sollten. 

Wir fuhren bis zum Fuß des Hügels, wo wir abstiegen und zusammen langsam hoch liefen, teilweise auch hochkletterten. 

Was ich hinter dem Hügel sah, verschlug mir den Atem. 

Dort stand ein kleines Gebäude, es war ein quaderförmiger Kasten aus grauem Beton, geschätzt 10 Meter hoch, über 50 Meter lang und verlief nach hinten sehr weit, ich schätzte es auf 300-400 Meter. 

In der Mitte der Vorderseite war eine Metalltür, daneben Metallgitter, die wohl Fenster ersetzen sollten. Unter diesen Gittern hingen Flaggen herab... russische Flaggen. 

"Russen", sprach ich in mein Mikrofon im Helm. 

Der Astronaut neben mir stimmte mir zu, worauf sich der Astronaut meldete, der mit Tom bei der Kapsel geblieben war. 

"Russen? Wovon redet ihr? Wo seid ihr? Ihr solltet euch nicht zu weit von der Kapsel entfernen!" 

"Hier ist ein Gebäude. Mit Russen-Flaggen", antwortete ich ihm. "Wo ist Tom?" 

"Tom ist ein wenig weiter gelaufen, er ist außer Sichtweite aber er müsste jeden Moment wieder zurückkommen." 

Ich zögerte kurz, dachte nach und sagte dann: "Wir gehen in das Gebäude. Wenn du Zeit hast, komm bitte her. Unsere Position kannst du ja sehen." 

Ich checkte den Sauerstoff. 

"Ich habe noch genug Luft um rechtzeitig wieder zurückzukommen. Ich widerrufe meine Bitte. Bleib bei der Kapsel und warte auf Tom! Over." 

Er sagte nichts mehr. Wir gingen in das Gebäude. 

Innen angekommen schalteten wir unsere Taschenlampen an. Als ich sah, was in dem Gebäude war, wurde mir übel und Leute, die nicht besonders hart im Nehmen waren, hätten wohl in ihren Raumanzug gekotzt. 

Ein gerader Gang führte durch das Gebäude, an den Seiten waren Gitter. Es sah aus wie ein Gefängnis. In den einzelnen Zellen lagen Kadaver, tote Körper, Organe und an den Wänden klebte Blut. Ich konnte Teile eines Gehirns erkennen und Kleidung lag mehr oder weniger in jeder Zelle. Ich fragte meinen Partner, ob wir abbrechen sollen, doch er sagte, er wolle das beenden und wissen, was im Rest des Gebäudes war. Wir gingen mehrere Minuten den geraden Gang entlang.  

Plötzlich leuchtete uns etwas direkt ins Gesicht. Ich war kurz geblendet, doch als ich wieder halbwegs normal sehen konnte, sah ich, wie Tom an einer Wand lehnte. Blut klebte an seinem Raumanzug und ich sah, dass er in den Hals gebissen wurde.  

"Oh mein Gott, Tom!" 

Er antworte nicht, ich hörte ihn auch nicht, da anscheinend etwas mit seinem Mikro nicht stimmte.  

Ich legte ihn über meine Schultern, als ich bemerkte, wie etwas mein Bein berührte. Ich leuchtete nicht drauf, sondern rannte, so schnell es auf dem Mond durch seine Schwerkraft möglich war, tiefer in das Gebäude hinein, als wir am Ende des Ganges ankamen, wo uns eine Betonwand den Weg versperrte. Da bemerkte ich in dieser Wand eine Tür. 

Mein Partner stieß die Tür auf. Wir gingen hinein und sofort schloss er die Tür wieder. Vor der Tür war ein Riegel, den ich vorschob, damit unser Verfolger sie nicht öffnen konnte.  

Vom fahlen Licht der Taschenlampen beleuchtet, verstarb Tom J. Miller in meinen Armen. Ich sank zu Boden, legte Tom auf den harten Beton. 

Ich versank in eine Art Trance, bis ich von meinem Partner aufgeschreckt wurde, der ein Blatt Papier gefunden hat, welches anscheinend aus einem Buch herausgerissen wurde. 

Es war beschrieben und er las vor: 

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Tagebucheintrag 25.3.2065

 Dr. Andreij Alexandrow 

Heute ist unser letzter Tag auf dem Mond. Bevor wir in einer Stunde an Bord gehen, werden die Gefangenen in ihre Zellen gebracht, die Türen werden jedoch nicht verschlossen. Mein schlechtes Gewissen plagt mich, dabei führe ich nur Befehle aus um die Erde zu retten.

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 Anbei befindet sich ein medizinischer Bericht, ebenfalls von Dr. Andreij Alexandrow: 

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In Russland wurden einige Menschen mit einem Virus infiziert, der sie zu tötenden Bestien werden lässt.  

Menschen, die von dem Virus infiziert werden, beginnen sich zunehmen merkwürdig zu benehmen, bis sie anfangen, menschliches Fleisch zu essen und zur Beschaffung dessen die Nicht-Infizierten beißen, bis sie ihren Wunden erliegen. 

Mir wurde keine Zeit gelassen, den Virus zu untersuchen, da alle Infizierten unter dem Vorwand, geheilt zu werden, auf den Mond verfrachtet werden, wo zu dieser Zeit zum Zweck der Unterbringung der Infizierten ein Gefängnis gebaut wird. Mir wurde erzählt, dass die Infizierten dort untergebracht werden, bis ein Heilmittel gefunden wird, da diese eine Bedrohung der Allgemeinheit darstellen. 

Nachtrag: 

Ich habe heute erfahren, dass die Infizierten nicht zu heilen sind und auf dem Mond zurückgelassen werden, wo sie sich vermutlich gegenseitig zerfleischen werden.

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 Keuchend stehe ich auch und sehe meinem Partner ernst in die Augen. 

"Ein Virus? Bestien?" 

"Zombies." 

"Du meinst..? ... Oh mein Gott..." 

"Ja. Wir sind verloren. Sie sind da draußen", woraufhin er auf die Tür zeigt, "und wenn wir dort rausgehen, sterben wir." 

Plötzlich wird mit schwindlig, vor meinen Augen dreht sich alles und ich beginne ohnmächtig zu werden. Ich weiß nicht, wie lange ich ohnmächtig war, jedoch als ich aufwache, befinde ich mich alleine in dem Raum. Verschreckt sehe ich mich um, kann jedoch meinen Partner nicht sehen. 

Langsam öffne ich die Tür nach außen und leuchte in den Gang.  

Dort knieten etwa fünf Gestalten, die aussahen wie Menschen, nur dass ihre Haut fehlte und mehrere Teile ihres Körpers herausgerissen wurden. Sie hatten blutrote Augen und keine Haare. Ich sah, wie sie auf etwas herumkauten. Es war mein Partner. Seine Gedärme lagen auf dem Boden verteilt und Blutlachen flossen in alle Richtungen. 

Die Bestien reagierten sofort auf das Licht meiner Taschenlampe, drehten ihre blutigen Köpfe in meine Richtung, woraufhin ich sofort die Tür wieder verschloss. Mein Herz klopfte wie verrückt und ich sank zu Boden.  

Ich war allein, hatte nur mich und wenig Sauerstoff. 

Ich liege hier, in der Ecke, zusammengekauert, meinen Blick ins Leere gerichtet. 

Und ich weiß, in weniger als 20 Minuten werde ich erstickt sein. Denn Luft ist Luxus. Milliarden von Menschen wissen das nicht. Und sie wissen vieles nicht. Vielleicht ersticke ich auch nicht. Tot werde ich trotzdem sein. 

  

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