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Dies ist die wohl schönste Nacht meines Lebens.

Einsam beobachte ich die Sterne. Der Mond taucht meine Umgebung in eine weiche Silhouette. Der Wind weht leicht durch die Grashalme. Die Luft ist irgendwie aufgeladen. Alles versprüht eine gewisse Magie. Eine kraftvolle Aura und ist einfach friedlich.

Dieser Friede ist ein Gefühl, an welches ich mich fast nicht mehr erinnern konnte. Meine letzten Erinnerungen an einen solchen Frieden kamen aus meinen Kindheitstagen, ich hatte sie mit Feen und Drachen gleichgestellt und ausgemistet. Doch dieser Frieden ist real und so wundervoll. Man kann ihn förmlich atmen. Er durchströmt meinen gesamten Körper, erfrischt und belebt ihn.

Meine Mitmenschen und ich haben an einer Stelle unseres Lebens aufgehört an Frieden zu glauben. Denn ihr müsst wissen, dass Krieg herrscht, ein furchtbarer Krieg, ein nie dagewesener Krieg. Es kämpfen keine Weltanschauungen, keine Länder, es kämpfen Generationen. Es sind diese jugendlichen Halbstarken die zerstörend von einem Ort zum anderen ziehen und Ausländer die rauben und nicht einmal vor ihresgleichen zurückschrecken.

In unserer Zeit muss man nicht das Haus verlassen um von neuen Gräueltaten zu hören, man muss bloß den Fernseher oder das Radio anschalten. Selbst wenn man genug hat reisen die Wellen von Gewalt nicht mehr ab. Diese erbarmungslosen Verbrechen begleiten einen überall hin, selbst wenn man sich nur über das Wetter informieren will hört man neue, noch schlimmere Berichte.

Zuerst vermutete ich auch eine gewisse Übertreibung. Doch ich war in U-Bahnen und bin durch Seitenstraßen gelaufen. Und bei Gott, ich habe sie gesehen wie sie da saßen mit dem Bier in der Hand und ziellos in die Menge starrend. Die Gefahr war so real, so fassbar wie der Pfefferspray in meiner Hand.

Lange überlegte ich wie man der Gefahr begegnen könnte, ohne wie so viele nachts und überhaupt das Haus nicht zu verlassen und vor dem zu Bett gehen betend, dass man und alle die man liebt morgen noch genauso unbeschadet und lebendig vorfinden wird. Dieser Druck eine Antwort zu finden lastete hart auf mir. Doch eines Tages wusste ich schließlich, es gab keine Antwort, nur die Flucht.

Ich kaufte mir Land weit abgelegen von jeglicher Zivilisation. Doch, auch das war nicht genug, nach einem Spaziergang fand ich eine meiner Scheiben zertrümmert vor. An diesem Moment gab es für mich nur eine Sache zu tun, mich zu schützen. Ich stellte Stacheldraht auf, kaufte mir noch mehr Waffen, stellte Suchscheinwerfer auf, richtete Kameras mit Gesichtserkennung ein, legte Minen und baute einen Fluchtraum. Ob pleite oder nur verschuldet, mein Leben war mir wichtiger.

Nach dem ich all das geschafft hatte und mein Haus nur noch für die wöchentlichen Lebensmittellieferungen verlassen musste, fühlte ich mich endlich sicher. Es fühlte sich großartig an.

Endlich konnte ich etwas entspannen, mir für ein paar Momente Waffenstillstand gönnen. Ich hatte meine Schützengräben gebaut, äußerlich und innerlich konnten sie mir nichts mehr anhaben. Zumindest so lang, wie mein Schutz hielt.

Doch es war nichts im Vergleich zu der Freiheit die mich jetzt durchflutet.

Ja, vielleicht haben mich doch nur die Medien zu einem Kollateralschaden für höhere Einschaltquoten ernannt. Vielleicht war es falsch meinen Sohn zu verstoßen bloß weil er das falsche Alter hatte. Ja vielleicht.

Vielleicht habe ich mein Leben falsch geführt. Doch jetzt habe ich keine Angst mehr, mein Weg ist klar, einfach und unabwendbar.

Was ihr nicht wisst, heute auf meinem Kontrollrundgang bin ich auf eine meiner Minen getreten und habe meinen Fuß seitdem nicht mehr bewegt.

Hilfe zu holen ist leider zwecklos und das ist auch nicht schlimm in dieser wundervollen Nacht. Eine schöne Zeit um zu sterben.

Eins macht mir aber trotzdem Angst.

Die Mine unter meinem Fuß ist nur gebaut um jemanden das Bein abzutrennen, damit er oder sie durch schreien Alarm geben kann und trotzdem verblutet.

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