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Ich war schon von klein auf etwas Besonderes. In der Schule hatte ich immer die besten Noten, nur Freunde hatte ich keine. Die Leute aus meiner Klasse nannten mich oft Streber, sie mobbten mich und meine dämliche Mutter gab mir nur den Rat, alles zu ignorieren. Aber je mehr ich sie ignorierte, desto stärker versuchten sie wieder meine Aufmerksamkeit zu bekommen. Heute habe ich eine Frau und zwei Kinder. Auch wenn man meinen sollte, die Familie würde einem die Lebensfreude klar machen, bei mir war das Anders. Ich habe schon ein paarmal versucht mich umzubringen. Einmal wurde mir der Magen ausgepumpt und ich ging zu einem Psychologen. Aber mit dem Alltagstrott kamen die Depressionen wieder. Ich saß also an diesem Abend im Auto, es war 2.00 Uhr morgens. Ich fuhr zu einem Hochhaus in meiner Nähe. Diese Nacht waren die Depressionen stärker denn je und ich beschloss mich noch am selben Abend umzubringen. Schließlich kam ich an…

Als ich am Rand des Hochhauses sah, wie die Autos entlang fuhren, war ich das erste Mal in meinem Leben vollkommen erleichtert. Ich wollte gerade springen, da spürte ich einen Stich und bemerkte, dass ich langsam müde wurde.

Als ich aufwachte war das Zimmerlicht an. Mir gegenüber saß jemand, von dem ich bereits viel gelesen habe. Sein Name war Vergo und er trug immer diesen leicht zerrissenen Anzug. Er war ein Mörder, kein sehr berühmter, aber nichts desto trotz hatte er sich bereits einen Namen gemacht.

„Bitte, töte mich!“, krächtze ich heraus. Meine Kehle fühlte sich trocken an.

Vergo ignorierte meine Bitte und starrte mich nur an. „Hast du Durst?“, fragte er mich nach einer Weile. Er stand auf und ging aus meinem Sichtfeld.

Ich versuchte den Kopf zu drehen, aber ich war mit Kopf, Hände und Füße am Stuhl festgebunden. Dann kam Vergo wieder, mit einem Wasserglas in der Hand. Er legte meinen Kopf (den Umständen entsprechend) schief und gab mir das Wasser zu trinken.

„Ich kann dich nicht töten.“, sagte er schließlich, „Tut mir Leid!“

„Warum nicht? Du bist doch ein Mörder und du hast ernsthafte psychische Probleme. Du bist Kannibale und hast mich noch nicht einmal angefasst. Manche Mörder hätten mich schon längst umgebracht!“, schrie ich ihn an. Er schaute mich weiter an, wie ein interessierter Schuljunge. „Ich will doch nur sterben.“, schluchzte ich.

„Wieso?“, hörte ich eine verzerrte Stimme sagen.

Ich musste Lächeln. So eine einfache Frage und doch erklärte sie mein ganzes Leben.

„Ich hatte kein einfaches Leben, weißt du?“

Vergo lehnte sich zu mir rüber. „Meins war auch kein Ponyhof. Weißt du, dass Kannibalismus nur eine meiner psychischen Krankheiten ist?“

Ich schüttelte den Kopf und er fuhr fort. „Tatsächlich hab ich einen leichten Sadismus und Masochismus. Verstehen Sie mich nicht falsch: ich bin nicht erregt, wenn man mich schlägt. Es macht mir manchmal auch einfach nur Spaß oder es ist mir egal.“

Ich schaute ihn lange an. „Was soll ich denn noch? Ich kann mich nicht durchsetzen, habe Entscheidungsschwäche und“ „- Du hast doch Frau und Kinder.“, unterbrach Vergo mich.

Er zeigte auf meine Brieftasche, die auf dem Tisch lag. „Ich habe ihre Bilder gesehen.“

Ich schaute auf den Boden. „Für meine Kinder bin ich nur eine Enttäuschung. Ich bin der letzte Dreck und das Schlimmste ist, meine Frau denkt das bestimmt auch von mir.“

„Aber du weißt es nicht?“

„Nein.“

„Na gut.“, sagte Vergo und stand auf. Ich dachte schon, er würde mich jetzt doch töten, aber er nahm den Stuhl und schob ihn. Ich habe die ganze Zeit in einem Rollstuhl gesessen und hatte es nicht einmal gemerkt.

Wir fuhren in den Fahrstuhl. Es war niemand an der Rezeption und so verließen wir das Hotel. Vor dem Hotel stand mein Auto und ich war zu perplex um überhaupt daran zu denken, zu schreien. Wir stiegen also ins Auto. Zuerst schob er mich an die Fahrerseite. Er selbst war Beifahrer. Er nahm eine seltsam aussehende Pistole und sagte „Fahr los.“

Eigentlich konnte es mir ja egal sein, ich wollte ohnehin nicht mehr leben. Aber irgendwie war ich neugierig und so gehorchte ich.

Er sagte mir, wo ich abbiegen musste und so standen wir am Ende vor einem Haus. Ich kannte das Haus nicht, aber es sah schön aus. Ein bisschen wie so ein Luxushaus von diesen neureichen Typen. „Steig aus.“, sagte Vergo. Aber es klang nicht, wie eine Drohung. Mehr wie eine Bitte, also tat ich es.

Wir gingen vor die Tür und Vergo klingelte. Als die Tür aufging kam uns eine halbnackte Frau entgegen und Vergo und ich gingen hinein. Ein Mann im Schlafmantel empfing uns auf der Treppe.

„Wer seid ihr? Was wollt ihr?“

„Wie sehen wir für sie denn aus Mr. Tenton?“, fragte Vergo.

„Wie zwei Einbrecher zumindest nicht.“, sagte der Mann ruppig.

Ich sah auf die Schublade. Aber… der Junge auf dem Bild, das war einer von denen, die mich früher gemobbt haben.

„Also was wollt ihr?“, fragte der Mann ungeduldig.

„Ich würde nur gerne etwas überprüfen.“, antwortete Vergo grinsend, „Sie sind William Tenton. Sie haben ihre Frau umgebracht und amüsieren sich jetzt mit dem Geld, dass sie ihnen hinterlassen hat.“

Er lächelte verlegen „So etwas muss ich mir nicht anhören. Ich rufe die Polizei.“

„Machen sie das.“, begann Vergo, riss mich zur Seite und hielt dieses Ding, das einer Pistole ähnelt, an meinen Kopf, „Dann können Sie den Beamten auch gleich erklären, was diese Leiche in ihrem Haus macht.“

Ich hörte ihn mit den Zähnen knirschen. Außerdem sah ich, wie Vergo ein Blatt Papier aus seiner Tasche holte.

„Hier bitte!“, sagte er und übergab dem Mann, der inzwischen die Treppe runter gekommen ist, das Papier, „Schreiben sie bitte auf.“ Er lies dem Mann die Zeit, nach einer Schreibunterlage und nach einem Stift zu suchen.

„Sind sie bereit? Gut: Ich kann so nicht mehr weiterleben.“, ich zuckte zusammen, dass waren auch die ersten Worte meines Abschiedsbrief. „Ich habe 10 Jahre lang einen Jungen förmlich terrorisiert und ihm das Schulleben zur Hölle gemacht. Ich vermache diesem Jungen, beziehungsweise heute ist es ein Mann, mein ganzes Vermögen, mein Haus und mein Habgut.“ Ich schaute verwirrt auf Vergo.

„So etwas schreibe ich nicht.“, weigerte sich der Mann, „Vielleicht können wir einen Kompromiss eingehen?“

„Ich mache keine Kompromisse.“, sagte Vergo. Er ließ mich los und zielte auf den Mann. „Schreiben sie.“

Während mein alter Bekannter schrieb, bemerkte ich, dass ich völlig frei war. Schnell rannte ich zur Küche und holte mir ein Messer. Danach kam ich wieder zurück.

„Vergo!“, rief ich, aber er ignorierte mich. Ich schlich mich von hinten an und stach ihn in den Rücken. Es war ein befreiendes Gefühl, aber im selben Moment wurde mir klar, dass ich gerade den einzigen Menschen verletzte, der mir wirklich hilft.

Vergo drehte sich langsam zu mir um, die Waffe jetzt am Kopf meines alten Klassenkameraden.

„Fühlst du dich jetzt besser?“, fragt er. Ich nickte.

„Kannst du mir bitte das Messer geben?“, fragte er mich als nächstes und wieder nickte ich und gab es ihm.

Als Vergo das Messer nimmt legt, er es an die Kehle des Mannes. „Bye then!“ Dann ein kurzer Schnitt. Direkt durch die Luftröhre. Er wischte den Griff des Messers ab und legte ihn in die Hand von dem Mann, der vorher noch so voll im Leben war.

„Selbstmord.“, war die kurze Erklärung von Vergo. Danach nahm er mich wieder zur Seite und legte mir die Waffe an den Kopf. So fuhren wir dann zu mir nach Hause. Inzwischen war es fünf Uhr Morgens. Er und ich haben während der ganzen Fahrt nichts geredet. Als wir bei mir zu Hause angekommen waren, stieg Vergo aus „Es gibt immer etwas, für das es sich zu leben lohnt.“, sagte er, gab mir seine Waffe und ging einfach weg. Danach lag ich mich ins Bett. Ich brauchte jetzt mindestens eine Stunde Schlaf.

Es sind jetzt zwei Tage vergangen, seit diesem Vorfall. Williams Leiche wurde gefunden und man tippt auf Selbstmord. Meine Depressionen sind seit dem Vorfall wie weggeblasen. Manchmal sollte man sich fragen, wer die wirklichen Monster im Leben sind. Die psychisch labilen Mörder oder die, die sagen, sie wären besser als diese?

Aylo (Diskussion) 18:43, 10. Mär. 2014 (UTC)

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