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Yuan Chen, ein junger Mann, den das abenteuerliche Leben der Soldaten lockte, zog vom Süden des Landes nach Schantung, um sich dort anwerben zu lassen.

Auf seiner Reise kam er in eine einsame Gegend und die Dunkelheit überraschte ihn, bevor er eine Herberge erreichte.

Noch dazu wehte ein eiskalter Nordwind, der von Minute zu Minute heftiger wurde.

Yuan Chen kämpfte gegen den Sturm an und spähte nach einer menschlichen Behausung aus, wo er Obdach finden könnte.

Als er schon fast die Hoffnung aufgegeben hatte, erblickte er plötzlich eine Herberge , aus deren Fenster das trübe Licht einer Öllampe fiel.

Er trat ein. In der Herberge standen Wein und Reis bereit, als würde eine große Schar Gäste erwartet.

Der junge Mann bestellte Essen und Quartier, zu seinem Erstaunen wurde ihm aber beides verweigert.

Die Wirtsleute, ein altes, weißhaariges Ehepaar, erklärten sich außerstande ihn aufzunehmen, da sich bereits Gäste angemeldet hätten, die jeden Augenblick hier eintreffen müssten.

Die Aussicht, wieder in die Sturmnacht hinaus zu müssen, war alles andere als verlockend.

Yuan Chen ließ sich nicht abweisen und bat so lange, bis der Wirt Mitleid mit ihm zu bekommen schien.

Nach einigem Zögern führte ihn in eine winzige Kammer nebenan und erlaubte ihm die Nacht dort zu verbringen.

Speise und Trank wollte er ihm aber unter keinen Umständen geben.

Die Kammer war kahl, bis auf ein Bambusbett ohne Decke; Yuan Chen legte sich nieder, hüllte sich in seinen Mantel und schloss die Augen.

Obwohl er erschöpft war, ließen ihn Hunger und Durst nicht einschlafen, lange Zeit wälzte er sich unruhig auf seinem harten Lager umher.

Endlich schlief er ein, schreckte aber bald darauf wieder aus dem Schlaf.

Es musste gegen Mitternacht sein. Aus der Wirtsstube drang Bechergeklirr. Das werden die erwarteten Gäste sein, dachte Yuan Chen.

Ihn wunderte, dass er keine Stimmen hörte.

Allem Anschein nach nahmen die nächtlichen Besucher ihr Mahl in völligen Schweigen ein.

Neugierig erhob er sich von seinem Bett, schlich zur Tür und lugte durch einen Spalt.

Die Wirtsstube war voller Soldaten, die beiden Alten schlurften umher und bedienten sie.

Alles geschah schweigend, ohne dass ein Wort gewechselt wurde.

Yuan Chens Herz schlug schneller.

Seine Eltern hatten nur ungern ziehen lassen, sie hatten ihn einem Kaufmann in Lehre geben wollen und ihm klangen noch ihre Bitten und Vorwürfe in den Ohren.

Es ist eine Fügung des Schicksals, dachte er jetzt, dass ich hier in dieser einsamen Gegend auf einer Schar Soldaten stoße.

Der Himmel will mir sagen dass mein Entschluss richtig war.

Er wollte schon hinausgehen und sich an einer der Offiziere wenden, da flog die Tür der Herberge auf und ein hoch gewachsener, langbärtiger Mann in der Kleidung eines Feldherrn trat ein.

Die Soldaten machten ihm Platz, er schritt in die Mitte des Raumes und blieb dort stehen.

Plötzlich wurde Yuan Chen bewusst, dass die Öllampe nicht mehr brannte, trotzdem war die Wirtsstube von einem seltsamen Licht erfüllt; woher dieses Licht kam, konnte er sich aber nicht erklären.

Auch der Feldherr war stumm wie seine Soldaten.

Yuan Chen kam dies sonderbar vor, eine Furcht packte ihn und er rührte sich nicht von seinem Beobachtungsposten weg.

Im nächsten Augenblick stockte ihm der Atem.

Auf einem Wink des Feldherrn zogen die Soldaten ihre Schwerter und fingen an sich selber an zu verstümmeln.

Da hackte einer sich sich den Arm ab und ein anderer das Bein, dort spaltete sich einer den Schädel, wieder andere fügten sich klaffende Wunden am ganzen Körper bei.

Es fiel aber kein einziger Bluttropfen.

Als alle Soldaten verstümmelt waren waren stöhnte der Feldherr tief auf, griff sich mit beiden Händen an den Kopf, löste ihn mühelos vom Rumpf und legte ihn vor sich auf den Tisch.

Vor Entsetzen verließen den mann die Sinne.

Als er erwachte, lag er in einem Dornengestrüpp.

Ein bleicher Morgen dämmerte.

Der Sturm hatte sich gelegt, es war aber noch immer eisig kalt.

Yuan Chen blickte um sich und sah, dass er von öder Wildnis umgeben war,

Er erhob sich mühsam, schleppte sich weiter und fand schließlich zur Straße zurück, von der er nachts abgekommen sein musste.

Ganz in der Nähe war eine Herberge.

Er klopfte an die Tür und wurde gastfreundlich aufgenommen.

Man brachte ihm sofort einen Becher heißen Weines zur Stärkung, und nach dem er getrunken hatte, war er fähig sein nächtliches Erlebnis zu berichten.

Er fragte nach der seltsamen Herberge, aber der Wirt schüttelte den Kopf und antwortete: ,,In dieser Gegend gibt es keine zweite Herberge. Nach eurer Beschreibung müsst ihr euch auf das alte Schlachtfeld verirrt haben, dort soll früher eine Herberge gestanden haben. Man erzählt, sie sei in der Schlacht zerstört worden."

Yuan Chen kehrte in seine Heimat zurück und trat bei dem Kaufmann in Lehre.

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