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Unsere Nachbarn hatten einmal eine Schaufensterpuppe vor ihr Haus gestellt. Der Grund dafür war der Geburtstag der Nachbarin. Ich fand diese Puppe einfach nur abstoßend und gruselig, vor allem weil sie irgendwie lebendig aussah, allerdings auch immer noch wie eine Puppe. Nachts war es besonders schlimm, denn da sah sie am lebendigsten aus und immer wenn ich aus dem Fenster sah, dachte ich, dort stände eine echte Frau. Um es anderes auszudrücken: Ich wollte, dass man diese Puppe endlich wieder weg stellte, damit ich endlich ruhig schlafen konnte. Denn wir wohnten in einem Bungalow und die Puppe stand meinem Fenster gegenüber und schien direkt hinein zu starren. Eines Nachts wachte ich plötzlich auf. Ich hatte mächtigen Durst und ging deshalb in die Küche um etwas zu trinken. Als ich wieder zurück kam, war mein Fenster offen. Ich war mir sicher, dass es vorher zu war, doch vielleicht hatte ich mich geirrt. Aus Gewohnheit schaute ich hinaus um zu sehen, ob die Puppe noch da war. Doch diesmal war sie das nicht. Ich bekam leicht Panik. Was wenn...? Ach, Quatsch, dachte ich und schloss das Fenster. Die Nachbarn hatten sie wahrscheinlich endlich wieder mit reingenommen. Oder, was noch wahrscheinlicher war, irgendwelche Jugendliche hatten sie mitgenommen. Ich drehte mich um und wollte mich wieder hinlegen, da ich morgen Schule hatte. Dabei kam ich an meinem großen Wandspiegel vorbei. Aus den Augenwinkeln nahm ich eine weitere Person außer mir darin wahr. Erschrocken drehte ich mich zum Spiegel und starrte hinein. Nichts. Ich ging näher und schaute noch einmal genau hinein. Kein Zweifel, ich war´s. Oder? Mein Gesicht begann sich zu verändern. Es dauerte ein bisschen bis ich genau erkannte, wessen Gesicht das war. Es war das der Puppe! Ich schrie auf. Dann viel ich in Ohnmacht. Als ich aufwachte, fühlte ich mich komplett steif. Dann merkte ich, ich war es auch. Ich konnte mich überhaupt nicht bewegen, nur geradeaus gucken und denken. Mehr konnte ich nicht. Ich stand gegenüber von MEINEM Haus und starrte direkt in mein Zimmer. Darin standen meine Eltern. Meine Mutter weinte heftig und auch mein Vater stand den Tränen nahe. Bei ihnen stand ein Polizist. Und plötzlich wurde mir alles klar. ICH war nun die Puppe! ICH stand vor dem Haus unserer Nachbarn. Und meine Eltern dachten, ich wäre verschwunden, doch ich war doch hier! Ich schrie, doch mich hörte keiner, den ich konnte nur in Gedanken schreien.

Ich stehe nun seit vielen Jahren hier, kann mich nicht bewegen oder sonst etwas tun. Ich sehe meine Mutter immer wieder, wie sie mein Zimmer betritt und sich weinend alles ansieht. Meine Eltern hoffen immer wieder, dass ich zurück komme. Doch das werde ich nicht. Ich kann es nicht. Ich weine innerlich, denn ich sehe, wie sehr meine Eltern leiden und immer älter werden, während ich jetzt bestimmt schon 30 wäre. Und ich wünsche mir Tag für Tag, dass die Nachbarn mich endlich rein stellen, damit ich das hier nicht mehr ertragen muss. Doch sie tun es nicht. Und ich frage mich auch immer wieder, warum mir das passiert ist. Ich war erst 13 als mir das passierte. Ich bin doch hier! Aber sie sehen mich nicht. Die Qualen werden immer größer, je öfter ich sehe, dass meine Eltern wieder ein Stück älter geworden sind.

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