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Apathisch blickte ich gegen die kalte Mauer meiner Zelle und sah mehr das Bild meines inneren Auges, als das, was sich wirklich vor mir abspielte. Nicht, dass es besonders spannend wäre, eine kalte, feuchte Wand anzustarren. Irgendwann ist man diesen Anblick Leid und man flüchtet dann nur zu gerne in die Welt der Fantasie um sich von der traurigen Realität zu entziehen. Man sagt, in der Fantasie kommen oft Dinge vor, die man sich am meisten wünscht... oder auch fürchtet. Träume, Sehnsüchte und auch Ängste. Wenn man im Gefängnis sitzt, kann das so ziemlich alles sein. Von einer leicht bekleideten Dame, die vor einem sitzt und ihre Beine öffnet, bis zu Kinderlachen der eigenen Sprösslinge, die auf einem Spielplatz spielen, mit seiner Frau im Arm auf der Parkbank sitzend. Man fliegt mit Superkräften über die Stadt und rettet Menschen oder steht am Rednerpult vor der ganzen Welt und hält eine Rede.

So schön diese ganzen Dinge auch sind, so bleiben es nur Wunschbilder. Nichts davon ist echt, oder greifbar. Keine Gefühl, keine Hoffnung, keine Gnade.

Manchmal passiert es, dass man so sehr in seiner Welt ist, dass man es für die Realität hält, bis man von einer Wache, einem Schrei seiner Zellennachbarn oder lauten Geräuschen wieder in diese schreckliche Welt gezogen wird.

Ich war ein stolzer General. Meine Rekruten sahen ergriffen zu mir auf und ich schritt zwischen ihnen auf und ab, bedacht, unter meinen Leuten, meinen Soldaten die Ordnung aufrecht zu erhalten. Dann schlägt die ganze Szene schlagartig um und ich befinde mich in einem erbitterten Kampf gegen ein übermächtiges Monster. Die Welt beobachtet mich und hält den Atem an, während ich über das Schicksal unserer Existenz entscheide und um mein Leben kämpfe. Wieder schlägt die Szene um.

Wie sehr ich doch diese Welt liebte. Dennoch wünschte ich mir nichts mehr, als endlich aus dieser Zelle zu gelangen.

Wie falsch ich doch lag.

Ich war wieder einmal Retter der Menschheit geworden und ein wunderschönes Mädchen rannte freudestrahlend auf mich zu. Die Szene schlug wieder um.

Ein Wachmann fiel vor meinen Füßen auf den Boden. Überall vernahm man das Alarmsignal der Sirenen und laute Stimmen wehten durch die Gänge und Schreie waren zu hören. Ein Gefangener schritt an mir vorbei, blieb aber dann stehen und klopfte mit einem blutigen Messer gegen die Gitterstangen.

Mir war das sehr unangenehm also entschied ich die Szene wieder zu wechseln.

Ich lag auf einer Blumenwiese und blickte in den blauen Himmel. Die Sonne wärmte mein Gesicht und die frische Luft wehte mir durch das Haar. Eine Wolke schwebte vorbei und blieb dann stehen, als ob eine plötzliche Flaute eingetreten wäre. Ein Mund erschien und die Wolke sagte:

"Hey du! Heute ist dein Glückstag!"

Die Stimme der Wolke war rau und klang sehr unfreundlich. Dann schüttelte sie sich und gab wieder dieses Geräusch von sich, was dieser Gefangene in meiner letzten Fantasie gemacht hatte. Als würde ein Messer gegen Stangen geschlagen werden.

Ich schlug die Augen auf und sah wieder diesen Gefangenen vor meiner Zelle stehen.

Er hatte ein blutiges Messer in der Hand und klopfte abermals gegen die Gitterstangen. Eine tote Wache lag neben ihm.

Ich erschrak fürchterlich und sprang vom Bett auf.

"Was ist passiert?"

fragte ich und der Gefangene grinste mich finster an. Seine Zähne waren teilweise verfault und er war mit Blut besudelt.

"Das Gefängnis gehört jetzt uns! Wir haben den Krieg gewonnen!"

Ich erstarrte. Das war kein Traum. Es war Realität. Ich konnte fliehen.

Der Gefangene blickte zur Wache hinab und hob die Schlüssel zu meiner Zelle auf.

"Wie kann etwas so kleines nur dein Leben zerstören?" fragte er mehr sich selbst als mich und führte den Schlüssel langsam zu meiner Zelle.

"Okay, Baby, hier kommt Papa..." sagte er genüsslich und führte den Schlüssel vorsichtig in das Schlüsselloch. Dabei gab er ein stöhnen von sich. Er sah mich mit glasigen Augen an, dann lachte er dreckig.

"Ahahahaha... Weißt du, was das erste ist, wenn ich hier raus bin?"

Er drehte den Schlüssel mit Macht im Schloß rum und gab dumpfe Töne der Wolllust von sich.

"Oh, ja. Aber das sieht dann etwas anders aus."

Er stieß die Tür auf und stand nun vor der offenen Tür. Ich zögerte und blickte erst einmal mit großen Augen den Gefangenen an, der den Schlüssel fallen lies und das Messer in seiner anderen Hand anstarrte.

Er fing an zu murmeln, doch ich hörte es deutlich.

"Wie kann etwas so kleines nur dein Leben zerstören?"

Er streichelte die scharfe Seite seines Messers und sah mich dann an. Seine Augen wurden groß, als ob er eine knifflige Aufgabe plötzlich verstanden hätte.

Dann richtete er sein Messer auf mich und fragte mich.

"Darf ich um diesen Tanz bitten?" Ich keuchte und presste mich mit meinem Rücken an die Wand.

Er schritt langsam auf mich zu und flüsterte:

"Ich weiß, das erste Mal tut immer weh aber ich verspreche dir, vorsichtig zu sein..."

Dann sprang er auf mich zu und griff mit seiner freien Hand an meinen Hals und drückte meinen Kopf gegen die Wand.

Ich keuchte und packte mit einer Hand an meinen Hals während ich mit der anderen Hand sein Handgelenk packte, mit dem er das Messer auf mich losschnellen lassen wollte.

"Wehr dich nicht, dass macht es nur schlimmer...",

flüsterte er in mein Ohr. Ich presste angestrengt Luft zwischen meinen Zähnen hervor und versuchte die Hand mit der Klinge von mir wegzuschieben, doch ich bekam immer weniger Luft, daher würde ich nicht mehr lange durchhalten.

Der Gefangene lachte und ich holte mit meinem Knie aus und traf ihn direkt in den Magen. Er hustete und lockerte seinen Griff und ich nutzte dies sofort und stieß die Hand um meinen Hals von mir weg und ergriff mit beiden Händen die Hand, mit der er sein Messer hielt. Ich drückte die Spitze der Klinge an seine Brust und seine Augen wurden weit. Der Gefangene packte mit seiner freien Hand mein Handgelenk und so standen wir voreinander, ein Messer mit vier Händen gepackt.

"Werd vernünftig...",

keuchte er und ich sah wie die Spitze sich immer weiter auf seine Brust zubewegte. Ich verstärkte meinen Druck noch und der Gefangene bekam einen panischen Gesichtsausdruck, während er schwitzend versuchte gegen meine Kraft zu halten.

Die Spitze drückte sich gegen seine orangefarbende Kleidung und der Gefangene stöhnte schmerzhaft und versuchte zitternd meine Hände wegzudrücken.

Ich stand keuchend und mit den Zähnen zusammengepresst vor ihm und ließ nicht von ihm ab. Die Klinge stieß nun durch die Haut und Blut trat aus der Kleidung und lief über das Messer und meine Hände.

"Nein... ich...",

ächzte der Gefangene doch mit einem Schrei stieß ich das Messer bis zum Schaft in die Brust des Mannes, dessen Griff erlahmte und schließlich zu Boden fiel.

Ich ließ mich neben ihm auf die Knie sinken und Tränen schossen mir aus den Augen, während ich zitternd das blutige Messer in Händen hielt.

Diese Hölle war schlimmer als jede Fantasie.

Und es war noch nicht zuende.

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