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Mein Wecker klingelte. Ich stand auf und machte das gleiche, was ich jeden Morgen tat, bevor ich zur Arbeit ging. Auf dem Weg zur Arbeit spürte ich in der Bahn einen unnatürlich kalten Schauer meinen Nacken runter laufen. Was war das?. Ich drehte mich schnell um und sah die junge blonde Frau an, die hinter mir saß. Sie hob leicht erschrocken ihren Kopf und fragte mich, wieso ich sie plötzlich ansah. Ich entschuldigte mich und wendete mich dem Fenster zu.


Als ich mit der Arbeit begann, unterhielt ich mich deutlich weniger mit meinem Kollegen und meiner Kollegin als an sonst einem anderen Tag. Doch das fiel mir zu dem Zeitpunkt nicht auf. Nach einigen gesprächslosen Stunden voller Arbeit begann schließlich die einstündige Pause. Ich stand auf, und holte mir bei der Cafeteria das Tagesmenü. Ich setze mich zu meinen beiden Kollegen, die gerade gemeinsam die Zeitung lasen. Meine Kollegin sah zu mir und sprach in einer etwas besorgten Stimme „Hast du es schon gehört? In deinem Nachbarhaus wurde angeblich ein Geist gesichtet! Hier ist sogar ein Foto!“ Ich sah mir das Foto an und war überrascht, dass das angeblich keine 50 Meter von mir passiert sein soll. Ich zuckte einfach mit den Schultern und dachte mir nichts weiter dabei. Wie sollen Geister auch existieren? Bestimmt wollte mein Nachbar bloß mit einem in Photoshop bearbeiteten Foto Aufmerksamkeit erregen. Als schließlich die Pause zu Ende war, machten wir uns wieder auf dem Weg zu unserem Arbeitsplatz. Doch was ich nicht bemerkt hatte war, dass neben einem Tisch der Wagen mit den Putzmitteln stand und ein mit Wasser aufgesaugter Schwamm auf den Boden gefallen war. So ist es dazu gekommen, dass ich auf dem Schwamm ausrutschte und nach einem kurzen Aufschrei mit meinem rechten Auge an einer Tischkante aufschlug. Das letzte woran ich mich erinnere ist, dass ich auf dem Rücken lag und einige Mitarbeiter über mir standen und durcheinander redeten. Mein Kollege beugte sich zu mir runter als meine Sicht immer dunkler wurde und ich das Bewusstsein verlor.


Es fühlte sich an als ob mein Unfall nur einige Sekunden her ist, als ich plötzlich erschrocken aufwachte. Alles war dunkel, bis auf eine alte brennende Glühbirne, die von der Decke hing. Es scheint eines der Glühbirnen zu sein, die tatsächlich wie Birnen aussahen und nur sehr schwach leuchteten. Ich saß auf einem Sessel und konnte mich, obwohl ich nicht gefesselt war, nicht bewegen. Stand ich so unter Schock, dass ich mich nicht bewegen konnte? Ist das der Schock vom Unfall oder liegt es an etwas anderem? Mir gegenüber sah ich etwas, was wie zwei schwach beleuchtete Knie aussah. „H-Hallo? I-Ist da jemand?“ Nach einer kurzen Weile, hörte ich eine Frau mit sanfter Stimme sprechen. „Ja. Ich sitze dir genau gegenüber!“ „Wo sind wir?“ „Glaubst du an paranormale Dinge?“ Ich spürte wie die Angst in mir wie tausende Käfer von meinen Beinen nach oben kletterte. „W-was? Nein! Antworte mir: Wo sind wir hier?“ „Wieso glaubst du nicht? Meinst du es gibt viele Dinge nicht, nur weil du sie nicht sehen kannst?“ Ich hatte solche Angst, dass ich schon begann schwer zu atmen. „Wo bin ich hier!?“ fragte ich mit angsterfüllter Stimme. Die Frau beugte sich leicht nach vorne. Ich konnte nur eine Silhouette ihres Kopfes sehen und den schwachen Schatten ihres Kopfes auf ihren Knien. „Hast du dich nie gefragt, wieso es Menschen gibt die Geister, UFOs und Kreaturen sehen können und Menschen, die sie nicht sehen können? Das liegt daran, dass wir mit unseren Sinnen nicht alles wahrnehmen können was Wirklichkeit ist. Das ist genauso, wenn du nachts in deinem Bett liegst. Du beginnst plötzlich Dinge zu hören. Dinge die du nur dann hörst, wenn die Dunkelheit dir deine Sehkraft nimmt.“ Die Frau stand nun auf, ging mit gesenktem Kopf auf mich zu und kniete vor mir nieder. Sie hob ihren Kopf und sagte „Du kannst nur dann wie Wahrheit wahrnehmen, wenn du nichts mehr wahrnehmen kannst!“


Ich warf mich panisch schreiend nach hinten und fiel über den Sessel. Der Frau fehlten beide Augen und Blut lief ihr aus den Augenhöhlen, den Ohren und dem Mund. Es war auch die gleiche Frau, die hinter mir in der Bahn saß. Kein Wunder, dass ich dieses merkwürdige Gefühl hatte. „Lass mich hier raus!“ schrie ich so laut ich konnte. Die Frau lachte herzlich „Wie geht es deinem verletzten Auge?“ Ich starrte sie für einen Moment panisch an. Als ich wieder halbwegs normal denken konnte, hob ich meine Hand und führte sie langsam zu meinem Auge. Mein ganzer Körper fing an zu zittern als ich bemerkte, dass ich in meine leere Augenhöhle gegriffen habe. Die Frau stand auf und ging einen Schritt zurück, damit ich ihr Gesicht noch besser sehen konnte. Sie zeigte auf mir und sagte in einem angenehmen Ton „Verdeck dein gesundes Auge und sieh mich an!“ Einen Moment zögernd, tat ich es und zu meiner Überraschung hatte die Frau wieder ihre beiden Augen und kein bisschen Blut lief aus ihren Augen, Ohren oder Mund. „W-Was bedeutet das Wie kann ich ohne Auge sehen?“ Sie näherte sich mir langsam „Ein ‚wie‘ gibt es nicht.“ Sie setzte sich direkt vor mich auf den Boden. „Deine Zeit ist gekommen!“ Das Licht ging plötzlich aus und plötzlich spürte ich ‚etwas‘ meinen ganzen Körper berühren was mir augenblicklich das Bewusstsein nahm.


Ich öffnete langsam meine Augen und bemerkte, dass ich in meinem Bett lag. Nachdem ich realisierte, was ich geträumt, durchgemacht oder sonst etwas hatte, griff ich mir erschrocken an meine beiden Augen. Ich weiß nicht wieso es mich überraschte, aber ich schien auch mein zweites Auge verloren zu haben. Ich fühlte nur mehr die Leere meiner Augenhöhlen. Ich stand auf und ging ins Bad zu meinem Spiegel. „Wieso kann ich meine Augen im Spiegel sehen?“ Ich verlor schnell das Interesse und ging wieder in mein Zimmer und bemerkte, dass mein Kissen voller Blut war. Auch lief etwas meine Wangen und Kinn herunter. Ich wischte es mit meiner Hand weg. Es war Blut. Blut aus meinen Ohren? Ich führte meine keinen Finger in meine Ohrhöhlen hinein. Seltsam, die Ohrhöhlen sind größer als ich es in Erinnerung habe. Die Finger stießen an etwas Weiches und leicht klebriges. Ich zog meine Finger wieder raus. An beide Finger hing ein Teil vom Fleisch meines Innenohres. „Was soll das? Hab ich jetzt mein Gehör verloren? Nein. Nur das physische.“ Nun war das Blut, welches aus meinem Mund lief dran. Ich griff mir in meinen Mund und war nicht überrascht, dass meine Zunge ebenfalls weg war. „Die Frau scheint Recht zu haben. Zu fragen wie das funktioniert macht keinen Sinn. Wie soll man das auch erklären können?“


Ich sah noch einmal schnell in den Spiegel. Alles sieht normal aus. Augen, Ohren und Mund sind vorhanden. Allerdings schien jedwede Art von Emotion zu fehlen. Ich verließ das Haus und sah mich um. Kein Mensch weit und breit. Einige Minuten stand ich einfach vor meiner Eingangstür als ich in der Ferne eine Person immer näher kommen sah. Nicht überrascht erkannte ich, dass es die gleiche Frau war, die bei mir in dem dunklen Zimmer war. Ihr fehlten ebenfalls weder Augen, Ohren und wahrscheinlich auch die Zunge. Sie blieb vor mir stehen und sprach in ihrer gewohnten Stimme „Komm mit. Ich muss dir etwas zeigen.“ Ich nickte einfach und folgte ihr zum Haus meines Nachbars, in dem angeblich der Geist fotografiert wurde. Die Frau öffnete die Tür und gemeinsam betraten wir das Haus. Wortlos gingen wir in den Keller und in einen Raum der mir nur allzu bekannt vorkam. Es ist der gleiche Raum in dem ich gewesen bin, bevor ich in meinem Bett aufwachte. Die Frau zeigte auf eine Person die auf einen Sessel in der Mitte des Raumes saß „Kennst du ihn?“ Nachdem ich einen Blick auf die Person sah erkannte ich, dass das mein Arbeitskollege war, der immer neben mir saß. Nur fehlten ihm die Augen und alle drei Sinne bluteten. Ich sah zu der Frau „Was hat das zu bedeuten?“ Zusammen verließen wir den Raum und gingen nach draußen. „Ganz einfach. Du kannst jetzt die wirkliche Welt sehen und jenen Menschen die das nicht können, fehlen die Sinne dazu. Wenn du ab heute durch die Welt ziehen wirst, können die Menschen nicht wahrnehmen, dass dir in ihrer falschen Welt die falschen Sinne fehlen, weil sie in der wirklichen Welt nicht die Wirklichkeit wahrnehmen können.


Die Frau verabschiedete sich von mir und ging ihrer Wege. Der Alarm meines Handys zeigte an, dass ich nun zur Arbeit gehen musste. Heute fand ein Meeting statt bei dem ich anwesend sein musste. Mir fiel sofort auf, dass jeder Person hier die Augen, Ohren und höchstwahrscheinlich die Zunge fehlten. Einer der Mitarbeiter stand auf und reichte unserem Boss die Hand und sagte „Mein Beileid zum Verlust ihrer Frau und Tochter.“ Unser Boss bedankte sich und eröffnete das Meeting. Ich passte aber nicht auf was gesagt wurde. Ich war auf die Frau und das Mädchen fixiert die hinter meinem Boss standen und mich direkt ansahen.

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