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"Hört den Ruf des Kind des Nordens
Hört, was es zu sagen hat
Höret hin und gebt gut acht"

Langsam und wie nach einem Schlag auf den Kopf öffnete Margaret die Augen. Noch völlig betäubt sah sie sich um. Wo war sie hier? Alles war so verschwommen.
Nur durch kleine Spalten drang fahles Licht in den Raum, in dem sie sich befand. Die Wände waren leicht moosig, ziemlich feucht. Unwohlsein macht sich breit. Sie lag auf einer kalten, harten Fläche, etwas vom Boden abgehoben. Die Kälte hatte sich bereits in ihrem Körper ausgebreitet, die Haare im Nacken und an den Armen hatten sich aufgestellt, sie hatte Gänsehaut.
Immer mehr wurde sie wieder Herr ihrer Sinne, die Linien ihrer Umgebung wurden klarer.
Panik fuhr ihr durch den Körper. Ihre Glieder waren an den steinernen Tisch gekettet. Tränen stiegen ihr in die Augen.
War das ein schlechter Scherz? Sie sollte doch das Monster spielen. Seit wann war die Schnitzeljagd in eine Horroraktion umgewandelt worden? Was zur Hölle ging hier vor?
Sie wandte sich in den rostigen Ketten, versuchte sich irgendwie aus dieser Lage zu befreien. Immer weiter schnitten sich die Fesseln in ihr Fleisch, rissen ihr die Haut auf. Es tat weh! Verdammt weh. Ihr stiegen Tränen in die Augen. Sie verstand das alles einfach nicht. Was hatte sie getan, dass man ihr so etwas antat.

Plötzlich... leises Flüstern, kaum zu hören. Wo kam es her? "Ich schwöre euch, wenn das hier ein blöder Scherz ist, bring ich euch um IHR VERDAMMTEN ARSCHLÖCHER!", schrie sie in einen Gang, einige Meter zu ihrer Linken, den sie nun entdeckt hatte.
Das Flüstern wurde lauter, man konnte einige Worte ausmachen.

"Ein grausig' Geschöpf, voll Warzen und Pusteln, ein Gesicht zur Grimasse gezogen und erstarrt,..."


Diese Worte kamen Margaret bekannt vor, hatte sie diese doch so oft schon gehört. Doch es war nicht die Stimme der 'Botin' auf dem Jahrmarkt... Nein, sie klang viel ächzender, schriller und... jünger...
Egal wem sie gehört, Margaret wollte es auch eigentlich nicht wissen. Wieder zappelte sie und die Ketten rissen große Fetzen ihrer Haut ab. Sie unterdrückte Schmerzensschreie, Tränen liefen dennoch ihre Wangen herunter. Es brannte so sehr an ihren Gelenken, heißes Blut rann an ihnen herab.

"Dies Wesen schleicht hier durch die Straßen und sucht sich ein Kind."

Ihr Atem wurde schneller, Panik und Adrenalin schoss durch ihre Adern, ein letzter Befreiungsversuch. So kräftig sie konnte zog und zerrte sie als knack!
Ein Schrei, von Schmerz und Leid erfüllt, hallte in dem Raum wider. Mit tränenüberströmten Gesicht und zitterndem Atem sah sie zu ihrem linken Handgelenk. Schlaff hing es dort, Versuche es zu bewegen scheiterten kläglich. Ausgerenkt...

"Gebt Acht, eure Kinder sind in Gefahr! Dieses Jahr... Dieses Jahr ist es wieder soweit"

Da stand sie, neben Margaret am steinernen Tisch. Diese hässliche, knorrige Gestalt mit dem verzerrten Gesicht. Ihre Augen, kaum erkennbar, dennoch leuchtend auf Margaret gerichtet. Langsam griff sie mit ihrem knorrigen, verdorbenen und von Pusteln übersähten Arm nach dem kaputten Handgelenk.
Margaret die vor Entsetzen bis jetzt kein Wort rausgebracht hatte, schrie nun mit blanker Angst in den Augen. "OH GOTT FASS MICH BLOß NICHT AN DU EKLIGES DING BLEIB FERN VON MIR LASS MICH IN FRIEDEN DU -" Ein erneuter Schmerzensschrei entglitt ihr, als das Wesen ihr Gelenk berührte. Es brannte, der Schmerz fuhr ihr durch den ganzen Körper und betäubte sie fast bis zur Ohnmacht. Der Griff des Wesens ließ schnell nach, aber als Margarets Blick wieder zu ihrer Hand wanderte, hätte sie wohl erneut aufgeschrien, hätte sie noch die Kraft dazu gehabt.

Überall dort, wo der Griff des Wesens die Haut berührt hatte, war verfault, mit Pusteln bedeckt und knorrig, wie die Haut des Wesens selbst.
Weinend sah Margaret nun zu wie sich die Fäulnis ausbreitete, langsam und stetig nahm sie jeden Zentimeter ihrer Haut ein. Brennender Schmerz, den sie mittlerweile nur noch stumpf wahrnahm, raffte sie dahin.
Das Wesen aber sah nicht zu, es hatte sich an eine Wand gelehnt, war an ihr heruntergeglitten und hatte aufgehört sich zu bewegen. Einzig und allein ein Dunst ging von ihr aus, der sich schließlich über Margaret legte und verschwand.

"Führe sie fort, die Legende nun auch dein, sollst von nun an du die Weide sein. Doch gebe gut Acht, in 12 Jahren wirst auch du dieses Ritual vollziehen und ins Reich der Toten übergehen. Du bist nur eine von vielen, doch werden wir ewig bestehen..."

Diese Worte wurden immer lauter im Kopf des Mädchens, das da auf dem steinernen Tisch lag. Mit jedem Mal, dass sie sich wiederholten, wurden sie lauter und lauter bis sie dann schließlich... ihre eigenen wurden.

"Ich führe sie fort, die Legende mein, bin auch ich eine Weide und werde es immer sein. Doch gebe ich Acht, in 12 Jahren werde auch ich dieses Ritual vollziehen und ins Reich der Toten übergehen. Ich bin eine von vielen, wir werden ewig bestehen..."

So zerfielen die Ketten, das knorrige, entstellte Wesen setzte sich auf, stieg vom steinernen Tisch und verschwand langsamen Schrittes aus dem Raum.

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