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Bibliotheks-Tetralogie: Teil 3

Alles tat weh. Meine Knie,  meine Beine, meine Lunge brannte wie Feuer. Die unglaublichen Seitenstiche ignorierend rannte ich immer weiter. Mein Herz hämmerte. Pures Adrenalin. Mein Verfolger kam näher. Ich durfte ihn nicht aufholen lassen. Ich durfte das nicht zulassen. Ich steigerte nochmal mein Tempo, eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. So schnell bin ich noch nie in meinem Leben gerannt. Es ging um alles. Die Sehnen zum zerreißen gespannt. Die Arme pumpend an den Seiten, rhythmisch vor und zurück. Einfach weitermachen. Das Ziel kam näher. Endlich die Erlösung in Aussicht, aber die dunkle Gestalt war mir immer noch dicht auf den Fersen. Ebenfalls fest entschlossen. Wie konnte das sein? Meine Sicht verschwamm. Der Schweiß in blendete mich. Mein Kreislauf machte schlapp. Beinahe stolperte ich, fing mich gerade noch aber brachte mich aus dem Takt. Wieder holte er auf. Keine zehn Meter hinter mir. Die letzten Meter gab ich alles, um es endlich, endlich zu schaffen, diese Tortur zu überstehen. Gerade, als ich mein Ziel erreichte, entwich ein Schrei meiner Kehle! Ich stolperte, fiel und mir wurde kurz schwarz vor Augen.

Eine große Hand packte mich an der Schulter, zog mich in eine sitzende Position. Alles verschwommen. Nur Gemurmel vernehmend, schärfte sich langsam wieder mein Blick. Hatte ich es geschafft? Etwas wurde mir in die Hand gedrückt. Kalt. Nass. Eine Flüssigkeit wurde mir in den Nacken gegossen. Schwer Atmend sah ich auf. Vor der Mittagssonne stand eine riesengroße Gestalt, das Gesicht somit dunkel im Schatten. Eine dröhnende Stimme kam von dem Bären von einem Mann:

„Hey Bücherwurm, alles klar? Scheiße, du hast sogar Timon überholt! Das ist die beste Zeit die ich seit Jahren gesehen habe!“ Mein Sportlehrer war nun endlich zu erkennen.

„Danke Herr Maier...“ erwiderte ich völlig außer Atmen. Nahm noch einen großen Schluck aus der Flasche in meiner Hand. Hatte mir Markus wohl in die Hand gedrückt als ich über die Ziellinie kam und zusammengebrochen bin. Der war wieder befreit wegen seines Knies.

Sich an den Kopf fassend, sagte der bärtige Hüne noch: „Junge, warum hast du nur so oft geschwänzt? Deine Leistungen waren immer ganz gut bei mir, aber ich hätte dich fast auf eine zwei runterstufen müssen, wegen der Fehlstunden. Mit dem heutigen Prüfungstag hast du deine 14 Punkte aber doch verdient. Habe ich noch nicht gesehen, sowas. Gut gemacht.“ Er klopfte mir nochmals auf die Schulter. Schüttelte den Kopf und begutachtete den Rest der Klasse, die sich noch über die Aschebahn quälte.

Timon, mit seinen schwarzen Sportsachen, kam zu mir. Ebenfalls völlig außer Atmen aber grinsend. Er war das Sportass der Klasse. Hobbyfußballer, Handballer, gelegentlich aktiv im freiwilligen Basketballkurs. Bälle scheinen ihm zu liegen, dachte ich grinsend.

„Alter Nerd, du! Respekt!“ Feixend reichte er mir die Hand und zog mich auf die Beine. So stand ich ziemlich wacklig vor ihm, aber konnte mich halten.

„Na ja, trainieren für die Superhelden-Uni hat sich gelohnt.“ Lachte ich.

Immer noch grinsend klatschte er mich noch ab. Gratulierte nochmals und verschwand zu seiner Freundin am Rand des Sportplatzes.

Wie Ihr bemerkt, war ich trotz meiner Leidenschaft für Nerdkram, meiner großartigen Noten und meinem ungewöhnlichen Kleidungsstil, bestehend vorwiegend aus Superheldenshirts, Schlabberhosen  und abgetragenen No-Name Schuhen nicht unbeliebt oder war irgendeiner Art Mobbing ausgesetzt. Hier auf der Schule lief es ziemlich großartig. Toller Klassenzusammenhalt und alle waren höflich, manchmal ein wenig neckisch zueinander  aber niemals respektlos. Ich kannte das anders. Aber das ist kein Problem mehr.

Mein Shirt klebte an meinen Körper. Ich wollte unbedingt diese verschwitzten Klamotten loswerden und so sagte ich zu Herrn Maier, wenn ich jetzt durch wäre würde ich gerne Duschen. Er nickte, gratulierte nochmal und ein Funken Stolz blitzte in seinen blassgrünen Augen, über dem Buschigen Bart.

Frisch geduscht und wieder in meine schlabberige Kleidung geschlüpft, machte ich mich auf den Weg zum Edeka unweit der Schule. Ich wollte noch eine Kleinigkeit für meine Freundin besorgen. Sie sagt ständig ich solle das bleiben lassen,  freut sich aber immer darüber. Das reicht mir schon. Ihr bezauberndes Lächeln und ihre gespielte Verärgerung über meine kleinen Mühen genoss ich jedes Mal in vollen Zügen.

Beladen mit einer Packung Gummibärchen und einer Cola Zero wartete ich vor dem Haupteingang der Schule. Gleich hatte sie auch Schluss und würde in diese Richtung kommen. Wir hatten uns ja verabredet. Heute Abend würde ich sie ausführen. Ein teures Restaurant, hatte meine Mutter angepumpt. Meine Taschengeldreserve war reserviert ,aber meine großzügige Mutter mochte meine Freundin sehr und so war es einfach, sie zu überzeugen.

Lachend fiel meine Freundin mir in die Arme, drückte mir einen langen Kuss auf den Mund und schlug mir spielerisch gegen die Schulter als sie meine Mitbringsel für sie sah. Wir erzählten uns vom Jeweiligen Schultag, tauschten Klatsch aus und bummelten Richtung Innenstadt. Sie ging in die Parallelklasse, sahen uns dementsprechend nur in den Pausen und nach dem Unterricht. War wahrscheinlich besser so, sonst hätten wir beide unsere großartigen Noten nicht.

Wir bogen in die kleine Seitenstraße abseits des Hauptweges der Einkaufsstraße ein. Ich wollte noch mein neues Comicheft von meiner Stammbuchhandlung abholen. Klein gemütlich, wühlig. So hatte ich meine Buchhandlung gern. Leider war der junge Mann nicht da, der sonst immer meine Bestellung schon zur Hand hatte, als ich den Laden betrat. Ich nannte der Frau hinter dem Tresen meinen Namen und sie holte mein neues Superman-Heft. Nr 46 auf dem Regal. Ich erkundigte mich nach dem Buchhändler, die Frau schüttelte den Kopf. Wirkte traurig. Er war krankgeschrieben. Hatte eine Menge durchgemacht, über das er nicht reden wolle, würde aber bald wieder im Dienst sein. Ich dankte, zog meine Freundin spielerisch von den teuren Leinenausgaben, die beeindruckend gut sortiert und ausgewählt waren, weg und versicherte Ihr, bald eines davon für sie zu besorgen. Gemeinsam verließen wir den Laden.

Ihr Elternhaus lag auf der Hälfte meines Weges. Ein Reihenhaus in der guten Gegend der Stadt. Ihr Vater hielt die Fassade penibel sauber und weiß, er strich sie jedes Jahr, mit Hilfe Ihres großen Bruders,  während viele andere der Häuser ein wenig überwuchert aussahen. Klar, hier wohnten viele ältere Leute, die ihr Leben lang hart gearbeitet hatten, um sich ein Haus in dieser Lage leisten zu können, aber es jetzt aufgrund ihres Alters nicht mehr schafften, alles in Stand zu halten. Ihr Vater hatte das Problem nicht. Er war ein hoher Angestellter in einer Hamburger IT Firma und konnte es sich früh leisten dieses Haus zu kaufen. Wenn es auch einige Jahre gedauert hatte. Ich bewunderte ihn. Ein hochsympathischer Mann, der wusste, wie man Dinge anpackt. Im Großraum Hamburg war es für ambitionierte Leute nicht einfach, aber besser möglich aufzusteigen. Die Kleinstadt, in der wir wohnten, lag außerhalb und doch nah genug an der Metropole, um dorthin in angemessener Zeit pendeln zu können. Ich wollte dort ab nächstem Jahr studieren. Gemeinsam mit meiner Freundin. Mit unseren Noten wäre das kein Problem. Die Welt stand uns offen. Ich drückte meine Süße ganz fest, küsste sie lange und sagte, dass meine Mutter uns dann am Abend zum Restaurant fahren würde.

Ich nahm den Weg durch den Stadtpark. Es war ein schöner Tag und nach meiner Lauforgie war ich weniger erschöpft, als gedacht. So wäre ein weiterer Spaziergang, bevor ich nach Hause kam schon angebracht und es machte mir Spaß.

Den mit Bäumen gesäumten Weg des Parks nahm ich öfter mal. Aber nie nachts. Wer weiß, was hier sonst für Leute rumlaufen. Der Penner am hinteren Ende war ein gutes Beispiel für die seltsamen Typen, die ich meinte. Er bekam gerade von einem Punk einen dunklen Hoddie geschenkt. Sein Hemd wirkte sowieso viel zu groß für so einen abgemagerten, alten Mann. Aus der Entfernung konnte ich sein dankbares, eifriges Nicken erkennen, auch, dass er ständig auf etwas Eckiges in seinem Schoß klopfte, als fürchte er, er könne es verlieren.

Ich ging weiter, über den vollen Parkplatz und in Richtung meiner etwas weniger exklusiven Wohngegend, wo ich mit meinen beiden Geschwistern und meiner Mutter wohnte.

Das Mittagsessen war fertig abgepackt und bereit für die Mikrowelle. Mutter würde erst später nach Hause kommen, aber rechtzeitig um mich und meine Freundin zum Restaurant zu fahren. Zur Zeit gab es einfach zu viel Arbeit in dem Bioladen, in dem sie arbeitete, so dass sie andauernd Überstunden schob. Mein Vater kam nur an den Wochenenden. Er war Fabrikarbeiter in Hamburg. Eine große Werkhalle, die irgendwelche Zulieferteile herstellte. Keine Ahnung warum es diese Fima noch gab. Wurde doch alles nach Asien verlagert. Aber man musste wohl froh sein, dass er diesen Job hatte. Seine kleine Stadtwohnung, die er unter der Woche mit Kollegen bewohnte, war echt nicht besonders einladend. Eine typische einfache Männer- WG. Dreckig, nur das Nötigste gemacht und überall diese „Feierabendbierflaschen“. Ich beschloss, damals, als ich ihn das erste Mal dort besuchte, niemals so wohnen zu wollen. Den Pedantismus hatte ich wohl von meiner Mutter.

Die Nudeln rochen großartig, wenn ich sie auch lieber frisch gemacht bekommen hätte aber so ist das eben in den unteren Mittelstandsfamilien in denen beide Elternteile hart und unterbezahlt arbeiten müssen, um nicht auf Staatliche Hilfe angewiesen zu sein. Den heißen Teller in der einen, meine Schul- und Sportaschen in der anderen Hand balancierend. Ging ich die Treppe nach oben in mein Zimmer. Gut das ich das Fenster auf gemacht hatte bevor ich losging. Sonst wäre das der reinste Brutofen. Den Fernseher angeschaltet, den Laptop hochgefahren und mein Comicbuch für später im dafür reserviertem Regal platziert aß ich mein Mittagessen und vertrieb mir die Zeit bis heute Abend mit Neuigkeiten, Trailern zu neuen Comicverfilmungen  und einer amerikanischen Sitcom über eine Nerd-WG.

Das Auto meiner Mutter ist ein in die Jahre gekommener Passat und wahrscheinlich übersteht er den nächsten TÜF Test nicht. Ständig liegt Sie uns damit in den Ohren das wir uns keinen neuen leisten können und wir langsam mal daran denken müssen dass wir nicht überall hingefahren werden können, um den Verschleiß nicht noch weiter zu erhöhen. Ich wäre ja selbst gefahren aber meine Fahrschulprüfung war noch in weiter Ferne. Mein espartes Geld ging alles in meinen Führerschein und ich konnte es kaum erwarten endlich nicht mehr abhängig von der Gnade meiner Mutter zu sein. Gefahren hat sie uns dennoch, war auch auf der Fahrt gut gelaunt und redete viel mit meiner Freundin  während ich an meinem Smartphone spielte.

Unsere beste Kleidung an, betraten wir das Lokal. Nannte dem Herren am Einfang meinen Namen und diese führte uns dann zu unserem Tisch. Das musste ein Anblick gewesen sein. Zwei gerade Achtzehngewordene junge Menschen, rausgeputzt wie zu einer Hochzeit, sitzen in einem Nobelrestaurant und lassen sich bewirten und verköstigen. Seltsam das so etwas einem gleich das Gefühl des Erwachsenseins vermittelt und man genau weiß dass man es noch nicht wirklich ist.

Es war köstlich. Drei Gänge wunderbarster Köstlichkeiten, perfekt arrangiert  und dazu sogar eine Weinauswahl die sich gewaschen hatte. So fühlt es sich bestimmt an wenn man reich ist, dachte ich bei mir. Die Rechnung war dementsprechend gesalzen. Ihr wollt nicht wissen wie viel, aber ich hatte das ja vorher schon abgesteckt und ausgekundschaftet von daher war es keine Überraschung. Wir saßen noch lange und redeten über alles was uns in den Sinn kam. Lachten und freuten uns das bald die Ferien und unser letztes Jahr in der Schule anstand. Unterbrochen wurden wir nur kurz als wir zwei Tische weiter einen jungen Mann bemerkten, der eigentlich nicht so recht hierher gehören zu schien. Normale Kleidung, etwas wuscheliges Haar, so gar nicht herausgeputzt  und ließ sich einen Gang nach dem anderen bringen. Als es an die Rechnung für ihn ging, holte er einen kleinen glänzenden Gegenstand aus der Tasche, legte ihn vor sich auf den Tisch und fragte höflich aber unglaublich dreist, ob er dieses vorzügliche Mahl nicht auf Haus bekäme. Zu unser grenzenlosen Überraschung, nickten die zwei bei Ihm anwesenden Kellner und der Restaurantleiter höflich und erwiderten dass es Ihnen eine Ehre gewesen sei ihn bewirten zu dürfen. Wir prusteten uns an und starrten ungläubig auf das Geschehen. Das würde Gesprächsstoff für einige Tage in unserem Freundes und Bekanntenkreises sein wenn wir Ihnen davon berichten.

Es wurde schon dunkel und morgen war ja noch Schule. Vorletzte Woche hin oder her. Wir mussten Nachhause. Da wir schon gezahlt hatten, rafften wir unser Sachen zusammen. Dankten dem Kellner nochmals und verließen das Restaurant. Ich schrieb meiner Mutter eine Nachricht dass wir jetzt fertig seien und nach Hause könnten. Ihre Antwort was das sie in zwanzig Minuten bei uns sein müsste und wir Ihr ja schon mal entgegen gehen könnten. Ein kleiner Spaziergang konnte ja nicht schaden, meinte meine Freundin. Das würde sich sicher rächen, dachte ich. So einen aktiven Tag hatte ich lange nicht und der Muskelkater morgen von der Sportstunde würde ziemlich übel werden.

Die Straßen waren von den Laternen erleuchtet. Alles in allem ein gelungener, schöner Abend. Eng die Arme umeinander gelegt schlenderten wir in Richtung der Bushaltestelle, von der uns meine Mutter abholen würde. Wir fingen an uns ein wenig zu necken, in die Hüfte zu pieksen und meine Freundin fing an verärgert und vergnügt zu quietschen. Sie stieß mich aus Rache an den Rand des  Weges, ich stolperte in eine kleine dunkle Gasse und in dieser über eine dunkle Kiste aus dicker Pappe. Ich lachte, rieb mir das bisschen Dreck von den Knien und wollte gerade wieder auf die Straße zurückgehen als ich diese Kiste doch näher in Augenschein nahm. Ich hob sie auf, ging das kurze Stück zurück zur Straße, wo meine Kleine bereits mit triumphierenden Lächeln und verschränkten Armen wartete.

Neugierig nahmen wir die Schachtel in Augenschein. Sah aus wie ein Schuhkarton ohne Label oder Marke darauf. Dunkelbraune Stabile Pappe. Wir öffneten sie.

Ein paar braune, knöchelhohe Schürlederstiefel. Die Absätze mit Holz beschlagen und die Sohle aus hartem Schwarzen Leder. angenagelt an das Holz. Dabei ein Kleiner Zettel mit der Aufschrift:

NICHT.STOLPERN.

Das war ja ein interessanter Fund. Sie schienen meine Größe zu haben und so beschloss ich aus einer Laune heraus sie mitzunehmen. Der Abend war schön, spaßig und kurios. Nun gab es auch noch ein paar gratis Mystery-Schuhe.

Meine Mutter holte uns an der vereinbarten Stelle ab und brachte meine Freundin nach Hause bevor wir uns ebenfalls auf unseren Weg machten. Da ich zu müde war um die Schuhe abends noch anzuprobieren, verschob ich dieses Vorhaben auf morgen und die Schachtel unters Bett.

Die Schule war am nächsten Tag sehr angenehm. Die Lehrer hatten ab morgen Zeugniskonferrenzen und wir somit kaum noch etwas zu tun. Wir alberten rum, sahen uns Filme an und redeten über die anstehenden Ferien. Der Tag war dementsprechend schnell um und konnte mich nach der Schule meinen neuen Schuhen widmen. Meine Freundin hatte noch einige Nachhilfestunden zu geben und wir sprachen somit nur  in der Pause über den schönen Abend, verabredeten uns für Freitagnachmittag bei ihr zu hause.

Das Essen wieder aus der Mikrowelle geholt und gespannt auf mögliche Entdeckungen eilte ich in mein Zimmer, zog den Karton hervor und zog diese Dinger promt an. Sie passten wie sprichwörtlich angegossen. Ein unglaublich gutes Gefühl. So robust und leicht zugleich. Ich würde nie wieder andere Schuhe anziehen wollen und edel sahen sie auch noch aus.

Probehalber wagte ich einen Schritt. Perfekte Abfederung, perfekter Halt. Ich dachte ich würde den ganzen Tag die Schuhe anbehalten und sie einlaufen obwohl das gar nicht nötig wäre. Schließlich waren sie wie für mich gemacht. Ich wollte mich gerade auf den Weg in die Küche Machen und tat einen Schritt beim Gedanken daran... für eine Millisekunde, eigentlich zu schnell um es bewusst wahrzunehmen, verschwamm die Welt um mich herum in hellen Farbschlieren.

Und ich stand in der Küche vor dem Geschirrspühler, wo ich meinen Teller reinstellen wollte.

Fassungslos blickte ich mich um. Ich war vor einer Sekunde noch in MEINEM ZIMMER GEWESEN!

Bei dem Gedanken tat ich wieder beinahe unbewusst einen Schritt.  Wieder das Farbflackern. Und Stand vor meinem Bett.

HEILIGE SCHEISSE!

Ich hatte über so etwas schon mal gelesen... waren das Siebenmeilenstiefel? Oder ist das sowas wie ein Teleporter? Bewegte ich mich so schnell? Würde ich jetzt so etwas wie einer meiner Lieblingssuperhelden „Flash“ sein können? Diese Stiefel verliehen SUPERKRÄFTE und mussten getestet werden!

Ich dachte an das Haus meiner Freundin, tat einen Schritt und die Welt versank für einen Bruchteil länger in diesen Schlieren. Ich stand tatsächlich vor ihrem Haus!

Ich konnte jederzeit überall sein! Ein Schritt, ein Gedanke und ich befand mich am Ende der Stadt! Ein Weiterer und ich war mitten im Hamburger Hauptbahnhof! Ein großer grober Kerl rannte mitten in mich herein als ich dort auftauchte und fauchte mich an wo ich denn auf einmal herkäme und aufpassen sollte wo ich hintrete. Ich fühlte mich nun wirklich wie ein Superheld! Scheiß auf Führerschein! Mit diesen Dingern brauchte ich kein anderes Fortbewegungsmittel mehr!

Ich glaube ich habe den Rest des Tages damit zugebracht wie weit ich mit den Stiefeln reisen konnte. Wenn ich das richtig berechnet habe, hat ein Schritt etwa eine Reichweite von 120 Kilometer. Zwei dann dementsprechend 240 und so weiter. Ich Dachte an den Ort dann den ich gehen wollte, tat den ersten Schritt, den Zweiten Dritten und so weiter und in einer für mich vorkommenden Distanz als würde ich durch ein Zimmer gehen, stand ich in Paris. Rom. MOSKAU oder sonst in irgendeiner Europäischen Metropole! Ich Traute mich nicht, etwas zu nehmen, das außerhalb dieser Zone Lag. Das war immer noch unglaublich! Ich machte an einem Tag Selfies vor dem Kolosseum, auf dem Roten Platz, vor dem Eifelturm, der Knochenkirche in Prag, Brandenburger Tor, Schloss Neuschwanstein... UND DER NACHMITTAG WAR NOCH NICHTMAL HALB VORBEI!!!

Wärt ihr nicht auch übermütig geworden?

Bei meiner bisher letzten Tour geschah etwas so unfassbares das ich diese Stiefel NIEMALS wieder angerührt habe...

Das was auf dem Zettel stand, ist kein kleiner Scherz gewesen. Es war eine Warnung. Als ich gerade wieder aus meinem Zimmer nach Griechenland aufbrechen wollte, stieß ich mich meinem Fuß ganz leicht an meine Bettkante. Ich strauchelte leicht. Bewegte mich aber nicht vom Fleck. Genauergesagt bewegte sich eigentlich gar nichts. Ich tat einen Schritt. Nichts geschah. Kein Farbwirbel keine Reise Richtung Griechische Kulturgeschichte und Selfie vor der Akropolis. Ich ging mit diesen Schuhen jetzt anscheinen ganz normal. Hatte ich sie überlastet? Ich zucke die Schultern. Eilte die Stufen herunter um etwas zu trinken. Die Tür des Kühlschranks öffnete sich, ich schnappte mir die Milch darin und wollte sie gerade trinken als ich merkte dass sich die Flüssigkeit in der Flasche nicht bewegte. Sie sollte doch nach unten Fließen!?! Aus einem Impuls ließ ich die Flasche los... und sie blieb in der Luft STECKEN! Genau da wo ich sie losgelassen hatte!

Ich sah mich um. Nichts rührte sich nur eine Fliege saß an der Decke. Moment. Sie saß da nicht. Sie war mitten in der Luft erstarrt! Wobei das nicht ganz stimmte. Ich sah die Flügel. Unendlich langsam senkten sie sich herab. Es hätte sicher eine halbe Stunde gedauert bis sie einen einzigen Schlag getan hätten! Ich begriff... ich bewegte mich entweder so schnell oder die Welt war so extrem verlangsamt das ich alles wie im Stillstand wahrnahm! Ihr glaubt, das wäre toll? Ihr habt keine Ahnung. Nach gefühlten drei Tagen  wollt ihr Verzweifelt alles tun, damit es wieder normal wird. Ihr könnt nichts essen. Alles ist so unglaublich hart. Nichts trinken da sich die Flüssigkeit nicht bewegt! Ihr habt stundenlang diese panische Angst das es für immer so bleibt und Ihr elendig verhungert und verdurstet.... Es ist das Schlimmste, was ich jemals erlebt habe.

Ich hatte Glück. Am vierten Tag, obwohl das schwer zu sagen ist, die Sonne geht ja nicht unter und Uhren funktionieren nicht, beschleunigte sich alles ein kleines Bisschen. Ein winziges Stück aber es rechte dass ich die Schürsenkel des Schuhs, Millimeter für Millimeter bewegen konnte und diese verfluchten Schuhe endlich wieder ausziehen konnte.

Ich mag mir gar nicht vorstellen wenn ich wirklich hingefallen wäre...

Die Schuhe habe ich in die Schachtel zurückgelegt und vergraben. Nachts im Stadtpark. Ich glaube dieser alte Penner hat mich gesehen. Soll er doch seine Freude an den Dingern haben wenn er will. Ich riskiere das nicht noch einmal.

Wenn ihr meint ihr wollt das erleben und der alte Greis hat sie nicht ausgegraben denn sucht doch nach den Stiefeln. Dritter Baum von rechts im Stadtpark von der kleinen Stadt ********** im Norden von Hamburg.

Aber den Tipp kann ich nur wiederholen:

NICHT.STOLPERN.

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