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Traurig zog Sebastian seinen schweren Koffer die Treppe hinauf, die Stufen waren wackelig und er musste aufpassen, dass er nicht stolperte. Alles an diesem Haus war wackelig, berichtigte sich Sebastian. Dann erreichte er sein Zimmer. Es war winzig, mit einen kleinen Fenster aus dem er auf die Betonwand der Garage schauen konnte und einer wirklich hässlichen Tapete. Er hasste es genauso wie das ganze Haus. Warum konnten sie nicht wieder in Essen wohnen, in dem Haus ganz in der Nähe des Spielplatzes? Es hatte einen großen Garten, wo er immer mit seinem Vater Fußball gespielt hatte und sein Zimmer dort war ungefähr dreimal so groß wie hier gewesen. Er wollte wieder dorthin zurück, zu seinem Zimmer, zu seinen Freunden. Aber als sein Vater arbeitslos geworden war, mussten sie das Haus verkaufen und sich das Billigste suchen was sie finden konnten. Und das war eben diese Bruchbude hier in Wanne-Eickel gewesen. Alle taten so als wenn das Haus fast so hübsch wäre wie ihr altes, aber Sebastian merkte das die ganze Familie hier unglücklich war. Er nahm seinen leeren Koffer und ging den Flur entlang bis er die Tür zum Dachboden fand, öffnete die Luke, zog die Leiter herunter und wagte vorsichtig bepackt mit seinen Sachen den Aufstieg. Obwohl es unglaublich heiß dort oben war, stellte er doch begeistert fest, wie groß der Dachboden doch ist. Er war sich sicher, von nun an mehr Zeit hier oben zu verbringen. Der erste Schultag war eine Katastrophe.

Die neue Schule war schrecklich und seine Mitschüler ärgerten ihn, weil sein Vater arbeitslos war. Ihm wurde schon nach dem ersten Tag klar, dass er dort keine Freunde finden würde. Deshalb wurde der Dachboden für Sebastian Tag für Tag immer mehr zum Zufluchtsort und es machte ihm Spaß, dort zu spielen und jede Ecke zu erkunden. Eines Tages macht er es sich mal wieder auf dem Dachboden bequem, als er merkte, wie lose eins der Dielenbretter war. Vorsichtig hebelte er das Brett heraus und wollte es gerade wieder verkehrt herum einsetzen, als er sah, dass sich etwas darunter befand. Unter dem Dielenbrett war ein Geheimversteck. Vorsichtig nahm er das kleine Päckchen, dass sich darin befand heraus und legte es vor sich auf den Boden. Langsam wickelte er das Papier auf und war ein wenig enttäuscht, weil sich darin nur eine alte Decke befand. Sie war recht dünn und auf ihr glitzerten Tausende von silbernen und goldenen Fäden, aber er könnte sich vielleicht beim Lesen auf sie setzen und sich damit zudecken. Fortan benutzte er die Decke regelmäßig und fragte sich warum der ehemalige Besitzer sie so versteckt hatte.

Eines Nachmittags hörte er seine Mutter in der Küche und beschloss sie ein bisschen aufzumuntern. Sie wirkte in letzter Zeit immer sehr niedergeschlagen und Sebastian wusste, dass auch sie mit der Situation nicht glücklich war. Also ging er hinunter in die Küche und bevor er eintrat schwang er die Decke über seinen Kopf. Langsam schlich er auf Zehenspitzen in den Raum, bis er genau hinter seiner Mutter stand. Er wartete bis sie sich umdrehte und hoffte, dass er ihr einen gehörigen Schrecken einjagen konnte. Nach einer scheinbaren Ewigkeit drehte sich seine Mutter um und ging an Sebastian vorbei zum Tisch. Komisch, dachte er, sie musste mich doch gesehen haben. Damit sie ihn nicht wieder übersah stellte er sich genau vor den Tisch. Aber seine Mutter ging auf ihn zu, schaute ihm direkt ins Gesicht und ging dann links an ihm vorbei um den Tisch zu decken. Jetzt verstand er, seine Mutter wollte ihn ärgern und tat so als wenn sie ihn nicht sah, er war ja schließlich ein Gespenst. Als sie aber nach zehn Minuten das Spiel nicht auflöste, wurde er die Sache mulmig. Er beschloss sie anzusprechen und so das Ganze offiziell aufzulösen. „Hallo, Mama“, sagte Sebastian. Seine Mutter schaute vom Herd auf und in Richtung Tür „Gut, dass du kommst, du kannst mir beim Kochen helfen. Komm rein, ich bin in der Küche.“ Sebastian suchte im Gesicht seiner Mutter nach Anzeichen dafür, dass sie immer noch scherzte. Aber sie sah völlig ernst aus. Als sie sich wieder dem Herd zu wandte, zog er rasch die Decke vom Kopf und ließ sie zu Boden fallen. Seine Mutter schrie laut auf: „Mein Gott Sebastian, hast du mich erschreckt, wo kommst du denn so plötzlich her?“'

Als er später wieder in seinem Zimmer im Bett lag, grübelte er darüber nach, ob seine Mutter ihn nur ärgern wollte oder ob sie ihn wirklich nicht gesehen hatte. Er entwickelte einen Plan um ganz sicher zu gehen und schlief dann ein. Am nächsten Morgen stand er ganz früh auf und streifte sich die Decke über den Kopf. Als er hörte wie sein Vater sich der Tür näherte, stellte er sich mitten in den Türrahmen. Gespannt wartete Sebastian und einige Sekunden später öffneten sein Vater die Tür. Er schaute ins Zimmer und sah durch ihn durch. „Sebastian, aufstehen, du musst zur Schule.“ Dann drehte er sich auf dem Absatz um und verschwand in Richtung Küche. Sebastian war so schockiert, dass er sich im ersten Augenblick gar nicht rührt konnte. Die Decke machte einen wirklich unsichtbar, auch wenn er es nicht glaubt konnte. Jetzt verstand er auch, warum sie so gut versteckt gewesen war. Vorsichtig faltete er sie zusammen und verstaute sie im Schrank. Während des Frühstücks und später in der Schule dachte er darüber nach, welche Möglichkeit sich ihm nun boten. Als erstes würde er seiner Schwester davon erzählen.

Als die Glocke endlich zum Schulschluss läutete, eilte er nach Hause um schnell zu ihr zu kommen. Lily saß in ihrem kleinen Zimmer direkt neben seinem, auf dem klapprigen Bett und las. Die verblasste rosa Tapete blätterte schon von der Wand und um die flackernde Glühbirne hatte sich ein Wasserfleck gebildet. Lily war tief ihn ihr Buch versunken und bemerkte ihn nicht. Sebastian musterte sie. Ihre kurzen rotblonden Haare standen in alle Richtungen ab. Der ausgeblichene grün-weiß gestreifte Pyjama hing schwabbelig an ihr herunter. Sie hatte dunkle Augenringe, denn in letzter Zeit schlief sie sehr schlecht. Sie hatte eine Erkältung und ging deswegen nicht zur Schule.

Ein Wunder, dass ich in dieser Bruchbude noch nicht krank geworden bin, grübelte Sebastian vor sich hin. Er stupste Lily an und sie schreckte hoch. „Basti, was willst du?“ Sebastian nahm ihr das Buch aus der Hand und legte es auf den Nachttisch, der gefährlich schwankte. „Was soll denn das?“ Sebastian setzte sich zu ihr aufs Bett, das unter dem Gewicht stöhnte, und begann zu erzählen: „Du kennst doch den Dachboden“, Lily nickte genervt, „stell dir vor, ich hab unter einem der Dielenbretter  eine alte Decke gefunden.“ Sie rollte mit den Augen: „Und das ist jetzt die tolle Neuigkeit?“ Sebastian hob einen Finger und fuhr fort: „Wie du vielleicht bemerkt hast, ist Mama nicht besonders gut darauf, deswegen habe ich mir die Decke übergestreift um sie damit aufzumuntern. Doch als ich vor ihr stand hat sie mich nicht gesehen. Ich hab es erst für ein Spiel von ihr gehalten, doch dann habe ich es heute morgen bei Papa ausprobiert. Auch er hat mich nicht gesehen. Diese Decke macht unsichtbar.“ Lily starrte ihn an, als wäre er nicht von dieser Welt. Dann fing sie lauthals an zu lachen. Sebastian schaute sie verständnislos an. „Ich meine das ernst. Ich kann es dir beweisen.“ Er holte die Decke aus seinem Schrank, stellte sich vor Lily und zog sie sich über den Kopf. Sebastian grinste bei dem Gedanken an ihr Gesicht. „Sebastian?“ Lily war aufgestanden, streckte die Hände aus und suchte nach ihm. Er musste sich das Lachen verkneifen. Als sie direkt neben ihm stand schnellte ihre Hand auf ihn zu und riss die Decke im hohen Bogen nach oben. „Bist du nicht zu langsam zu alt für so einen Unfug?“ Sie lachte wieder. „Mama und Papa haben sich bestimmt nur einen Spaß erlaubt.“ Sebastian riss die Decke wieder an sich und stürmte in sein Zimmer. Er knallte die Tür zu, so, dass die Wände wackelten, und warf sich schluchzend aufs knackende Bett. Sebastian hasste es, wenn seine große Schwester ihn nicht für voll nahm. Warum hat es nicht funktioniert? Haben sich seine Eltern wirklich nur einen Spaß erlaubt? Sein toller Fund war also nur eine alte muffige Decke. Er kroch unter sie und schloss die nassen Augen.

Als Sebastian verschlafen unter der Decke hervor schaute, dämmerte es. Er warf einen Blick auf seinen Wecker, der trotz des ganzen Rostes noch einwandfrei lief.

8:29 Uhr. Es war noch sehr früh am Morgen. Normalerweise schlief Sebastian samstags bis 11 Uhr. Er rollte sich wieder zusammen, doch konnte er nicht mehr einschlafen. Seufzend stand er auf. Alle anderen schliefen noch. Als er das Fenster öffnete wehte eine kühle Brise ins Zimmer und füllte seine Lungen mit frischer Luft.

Jetzt musste er überlegen. Die Geschichte mit der Decke ließ ihm keine Ruhe. Die ganze Nacht hatte er von ihr geträumt. Seine Eltern konnten ihn scheinbar nicht darunter sehen, denn sonst hätten sich seine Mutter und sein Vater bestimmt erschrocken. Doch Lily konnte ihn sehen, als er sich die Decke vor ihren Augen übergezogen hatte. Vielleicht lag es auch am Altersunterschied? Er setzte sich an seinen morschen Schreibtisch, nahm ein Stück Papier und einen Stift und begann aufzuschreiben, was er bisher hatte. Nach einer Ewigkeit und vielen Papierkugeln später schaute er sich seine Notizen an. Bei seiner Mutter und seinem Vater war er immer schon unter der Decke zu ihnen gekommen. Bei seiner Schwester hatte er sich die Decke vor ihren Augen übergezogen. Das müsste doch heißen, dass er, nur wenn ihn keiner sah, unsichtbar wurde. >So muss es sein,< dachte Sebastian, >dass muss ich gleich ausprobieren.< Er nahm die Decke, zog sie sich über den Kopf und schlich zum Zimmer seiner Schwester, ungeachtet dessen, das sie noch schlief. Sie lag im Bett und rasselte leicht beim Atmen. „Lily wach auf.“ Lily zog eine Schnute und drehte sich um. Sebastian rüttelte an ihrem Arm. Da öffnete sie die Augen. „Basti, es ist mitten in der Nacht.“ „Nein, es ist 9 Uhr“ Sie richtete sich auf. „Was soll das, ich versuche zu…“ Sie schaute sich im Zimmer um. „Sebastian?“ „Ja?“ Lily rollte mit den Augen. „Komm raus, ich habe keine Lust auf Versteckspiele.“ Basti konnte es nicht fassen. Seine Schwester schien durch ihn durch zu sehen. „Ich stehe doch genau vor dir.“ Lily wurde sauer. „Ich bin müde und habe jetzt echt keinen Bock auf deine schlechten Scherze!“ Jetzt war der Moment gekommen. Mit einem Ruck war die Decke runter. Sie stieß einen erstickten schrei aus und starrte mit weit aufgerissenen Augen ihren Bruder an. >Jetzt muss sie mir glauben<, dachte Sebastian stolz. Lilys Mund klappte ein paar mal auf und zu. Sie schien nach Worten zu suchen. Nach einer Weile hatte sie sich wieder etwas beruhigt. „Wie hast du das gemacht?“ „Ich sagte doch, die Decke macht unsichtbar, aber nur, wenn niemand sieht wie man sie sich über den Kopf streift.“ Lily fing an zu lächeln. Es klang unglaublich. Eine Decke die tatsächlich unsichtbar macht! „Das will ich auch ausprobieren.“ Sebastian war unsicher, ob er ihr die Decke wirklich geben sollte. Würde er sie von ihr wiederbekommen? Schließlich gab er ihr die Decke unter einer Bedingung: „Ich will sie direkt, nachdem du sie ausprobiert hast, wiederhaben.“ „Ist ja gut“, sagte Lily und nahm sie entgegen. Sebastian drehte sich um und wartete, dass seine Schwester sich die Decke über den Kopf zog. „Und?“ Er drehte sich um. Lily war nicht mehr zu sehen.

Den ganzen Tag über versteckten sie sich im Haus. Der Suchende hatte die Decke um, damit es spannender wurde. Nach einer Weile machte Lily den Vorschlag, dass derjenige, der sich versteckt, die Decke bekommt. „Aber dann finden wir uns ja nie!“ „Dann müssen wir eben Geräusche machen.“ „OK, aber wir verlassen nicht das Haus und ich fange an.“ Fröhlich versteckte er sich in einem leeren Küchenschrank und deckte sich mit der Decke zu. Ab und zu machte er leise „Buhu!“ damit Lily nicht verzweifelte. Er kicherte bei dem Gedanken, dass sie jetzt durchs Haus irrte und ihn suchte. Plötzlich öffnete sich die Schranktür und seine Mutter schaute hinein. Sebastian hielt die Luft an. Sie hatte ihm eigentlich verboten, sich hier zu verstecken. Ihr Blick wanderte einmal von links nach rechts, dann schloss sie mit einem „Mhmm“ die Tür. Sebastian atmete erleichtert auf. Für diesen kurzen Moment hatte er vergessen, dass man ihn nicht sehen konnte. Da hörte er wie jemand anderes in die Küche kam und alles abzusuchen schien. Das musste Lily sein. Er stieß wieder ein „Buhu“ aus. Schon öffnete sich die Schranktür wieder und Lily steckte ihren Kopf herein. Sie tatstete langsam den Innenraum ab bis sie einen Zipfel der Decke fühlte und daran zog. Da hockte Sebastian und grinste sie an! Sie mussten lachen. „Du hast dir ganz schön Zeit gelassen“, sagte Sebastian spöttisch. Lily nahm die Decke an sich, schaute sich kurz im Raum um und meinte: „Jetzt bin ich dran. Am besten zählst du bis 10 und kommst dann raus und suchst mich.“ Sebastian nickte. Er begann zu Zählen: „1, 2… 5, 6… 8, 9, 10!“ Dann krabbelte er aus dem Schrank und fing an zu suchen. Er lief durch die ganze Küche, dann durch den knarzenden Flur zum Schlafzimmer der Eltern. Ab und zu blieb er stehen und horchte. Er konnte Lily noch nicht hören. Aber auch als er oben in ihren Zimmern nach ihr suchte, konnte er sie nicht finden. Als letztes blieb ihm noch der Dachboden. Langsam kletterte er den Aufstieg nach oben. Dort angekommen lauschte er. Doch auch hier vernahm er keinen Laut von ihr. Es fing an, keinen Spaß mehr zu machen. Sebastian rief nach ihr, doch sie antwortete nicht. „Lily komm raus, du hast gewonnen, ich kann dich nicht finden.“ Er lief das komplette Haus noch einmal ab, doch sie antwortete nicht. Als er seine Mutter fragte wo Lily sei, meinte sie das Lily raus wollte, ein bisschen frische Luft schnappen, um einen klaren Kopf zu bekommen. Sebastian konnte es nicht fassen. Lily hatte sich mit seiner Decke aus dem Staub gemacht! Wütend ging er in sein Zimmer und setzte sich aufs Bett. Dort machte er sich die ganze Zeit Gedanken, wie er sie anmeckern könnte.

Nach gut 2 Stunden kam Lily wieder. >Jetzt ist sie dran,< dachte Sebastian. Er stürmte in ihr Zimmer, wo sie schon auf dem Bett saß und las. „Warum bist du einfach mit meiner Decke abgehauen?!“ Sie schaute ihm empört an. „Deine Decke? War ja klar, dass du wieder alles für dich haben willst. Das ist wenn dann meine Decke. Ich bin immerhin die Ältere.“ Sebastian konnte es nicht fassen. Das hatte sie gerade nicht wirklich gesagt! „Ich habe sie gefunden, also gehört sie mir!“ Lily machte eine abweisende Handbewegung. „Geh endlich aus meinem Zimmer, bevor ich Papa rufe.“ Sebastian stürmte regelrecht zurück in sein Zimmer. Jetzt war das Maß endgültig voll! Er nahm sich ein Blatt und entwarf einen Racheplan. Lily sollte nicht ungestraft davon kommen!

Doch mitten im Planen hielt er inne. Was tat er da eigentlich? Nur, weil seine Schwester mit der Decke draußen war und ihn reingelegt hatte, musste er ihr doch nicht gleich etwas Schlimmes antun. Auch die Decke durfte sie mit benutzen, er hatte ihr davon ja schließlich nicht nur erzählt, damit sie ihn bewundert. Sebastian bekam ein schlechtes Gewissen. Er wollte zu Lily und sich entschuldigen. Als er ins Zimmer kam, lag sie auf dem Bett mit ihrem Buch. Sie sah ziemlich sauer aus. „Lily?“ „Was willst du?“ fauchte sie zurück. Doch als sie sein trauriges Gesicht sah, schaute sie runter. „Es tut mir Leid, dass ich dich angeschrien habe. Ich war sauer, weil du dich mit der Decke einfach aus dem Staub gemacht hast.“ „Mir tut es auch Leid. Ich hätte dir sagen sollen, dass ich mit der Decke nach draußen wollte.“ Die beiden fielen sich um den Hals. „Also gibst du mir die Decke zurück?“ Ihre Miene wurde wieder düster. „Soll das heißen, dass du sie immer noch für dich beanspruchen willst?“ Sebastian wollte schon kontern, als er an seinen Racheplan dachte. Sie stritten sich wegen der Decke. Nur weil sie einer besitzen und der andere das nicht einsehen wollte. „Warte, so kann es nicht weiter gehen. Vielleicht sollten wir sie zurück bringen. Ich will mich nicht mit dir streiten.“ Lily überlegte. Sebastian hatte Recht. Die Decke war der einzige Grund, warum sie stritten. Sie nickte zaghaft. Sie holte die Decke unter ihrem Schrank hervor und zusammen gingen sie auf den Dachboden. Sebastian musste nicht lange suchen um die Stelle wieder zu finden, wo er die Decke gefunden hatte. „Aber was ist, wenn einer von uns sie sich wiederholt? Immerhin kann sie unsichtbar machen.“ Das war natürlich ein Argument. Doch Sebastian war zuversichtlich: „Ich glaube kaum, dass einer von uns das lange vor dem anderen geheim halten könnte.“ Mit diesen Worten holte er das Papier, in dem die Decke eingewickelt war, aus dem Geheimversteck. „Basti schau, auf dem Papier steht etwas!“ Sebastian musterte das Papier und tatsächlich: Auf der Innenseite stand etwas in einer krakeligen Schrift. Warum war ihm das nicht beim Öffnen aufgefallen? Seine Schwester nahm das Schriftstück in die Hand und begann zu entziffern:

An den Finder: Diese Decke hat nur Unglück über uns gebracht. Wir haben uns zerstritten, weil niemand sie im Besitz des Anderen sehen wollte. Also nimm dich in Acht, wenn du jemandem von ihr erzählst, denn sonst geht es dir genauso wie mir.“

Lily und Sebastian schauten beide bedrückt zu Boden. Hätte er das von Anfang an gewusst, dann hätte er den Streit vermeiden können. „Vielleicht wäre es besser, wenn sich niemand mehr mit der Decke plagen muss.“ Sebastian schaute Sie fragend an. „Wie meinst du das?“ Sie nahm die Decke und ging nach unten. Sebastian folgte ihr zu Ihrem Vater. „Papa? Können wir ein Feuer im Garten entfachen? So wie früher in einer löcherigen Tonne?“ Da begriff Sebastian was sie vorhatte. Der Vater schaute die beiden stirnrunzelnd an, dann lächelte er. „Warum eigentlich nicht?“ Sie versammelten sich im kleinen Graten und der Vater holte ein paar alte Holzreste. „Lily, pass kurz auf das Feuer auf, ich hole etwas zum Nachlegen.“ Jetzt oder nie. Sebastian holte schnell die Decke unter der morschen Gartenbank hervor und Lily warf sie in die Tonne. Sie brannte so schnell, dass ihr Vater nichts bemerkte.

Nachdem das Feuer am Abend ausgebrannt war, gingen sie zu Bett. Sebastian schlief bei Lily. Beide waren froh, dass alles vorbei war. Am nächsten Morgen wurden sie durch ein Geräusch geweckt. Sebastian stand auf und tapste zum Fenster. Als er hinaus sah, wurde er kreidebleich „Was ist denn los?“ „Da wühlt jemand in unsere Tonne.“ Er klang fast heiser. „Na und? Mehr als Asche ist da nicht drin.“ Lily kam zu ihm und sofort verstand sie: Draußen an der Metalltonne stand ein alter Mann in zerrissenen Sachen und in seiner Hand hielt er die Decke.

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