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Es ist ein kalter, nebelverhangener Donnerstag Abend. Langsam schlendere ich die verlassenen Landstraße entlang. Laub raschelt bei jedem Schritt unter meinen Schuhen. Es dämmert bereits, worüber ich erstaunt bin. Na ja, eigentlich ist es nicht weiter verwunderlich, schließlich ist es schon Mitte Oktober. Ich habe mich einfach noch nicht an den Herbst gewöhnt. Aber der Gedanke daran, dass ich diese Strecke bald in völliger Dunkelheit zurücklegen muss, lässt mich schaudern.

Jeden Donnerstag Nachmittag besuche ich meine beste Freundin. Sie ist letzten Sommer weg gezogen, nicht sehr weit, nur ein paar Dörfer weiter. Den größten Teil der Strecke kann ich eigentlich mit dem Bus überwinden, doch ein kleines Stück Landweg muss ich zu Fuß gehen. Ich habe nichts gegen einen Spaziergang, ganz im Gegenteil, doch dieser Weg ist irgendwie unheimlich. Von der Bushaltestelle aus muss ich zuerst ein kleines Wäldchen durchqueren. Doch das ist es nicht, was mich beunruhigt, nein, sondern der kleine, verlassene Friedhof, welcher sich unmittelbar nach dem Wäldchen befindet. Ich glaube weder an übernatürliche Kräfte, noch an dieses paranormale Zeugs, trotzdem verspüre ich jedes Mal eine Gänsehaut, wenn ich am Friedhof vorbei gehe. Der Friedhof wurde vor über 60 Jahren geschlossen, mit der Begründung, dass er zu abgelegen vom Dorf sei. Doch Lucy, meine beste Freundin, erzählte mir, dass Leute im Dorf glaubten, dass es dort spuke. Angeblich sei er geschlossen worden, weil dort Geister gesichtet wurden, oder Menschen auf mysteriöse Weise verschwanden. So ein Schwachsinn, wenn man mich fragt. Doch Lucy glaubt im Gegensatz zu mir an Geister und solche Wesen. Soll sie doch, mir jagt sie damit jedenfalls keine Angst ein.

Ich löse meinen Blick von den grauen Himmel und schaue gerade aus. Unwillkürlich zucke ich zusammen. Ich habe gar nicht bemerkt, dass ich schon beim Friedhof angelangt bin. Es ist ein kleiner Friedhof, ca. 40 bemooste Grabsteine, welche von einem rostigen Eisenzaun umgeben sind. Ganz hinten links steht eine winzige Kapelle. Schaudern laufe ich weiter und versuche meinen Blick auf die Strasse zu heften, - doch plötzlich sehe ich etwas rotes aus dem Augenwinkel. Ich bleibe stehen und überfliege die einzelnen Grabsteine mit meinem Blick. Da! In der zweit vordersten Reihe! Langsam laufe ich auf den Eisenzaun zu, stelle mich auf die Zehenspitzen und spähe durch die rostigen Gitterstäbe. Etwa in der Mitte der zweiten Reihe liegt eine Rose. Sie schimmert blutrot und sieht kein bisschen verwelkt aus. Irgendetwas an ihr fasziniert mich. Ich kann meinen Blick kaum noch von ihr abwenden. Wie gebannt starre ich sie an, Minuten vergehen. Schließlich reiße ich meinen Blick von der außergewöhnlichen Rose los. Wie kommt eine frische, so atemberaubende Rose auf einen Friedhof, welcher seit 60 Jahren geschlossen ist?

Ich weiß nicht woher diese plötzliche Neugier kommt, doch ich verspüre das Bedürfnis, die Rose aus der Nähe zu betrachten. Was ist nur los mit mir? Das ist nur eine dämliche Rose. Aber wie zum Teufel ist sie dahin gekommen? Schließlich siegt meine Neugier und ich laufe langsam auf den riesigen Torbogen zu. Wie in Trance strecke ich meine Hand nach der Türklinke aus, weiche aber erschrocken zurück, als das Tor plötzlich von selber aufschwingt.

Was zur Hölle...? Dieser Friedhof ist doch geschlossen, wieso ist das Tor nicht mal abgeschlossen? Ich weiche ein paar Schritte zurück und bleibe einige Minuten wie angewurzelt stehen, den Blick auf das offene Tor gerichtet. Dafür muss es doch eine logische Erklärung geben. Vielleicht hat jemand einen längst verstorbenen Angehörigen besucht, welcher vor über 60 Jahren hier begraben wurde. Das würde auch die frische Rose erklären. Das muss es sein! Trotzdem bin ich neugierig. Es fühlt sich fast so an, als würde mich die Rose zu sich rufen, auf eine magische, aber zugleich unheimliche Weise. Ich schöpfe neuen Mut, durch meine, mir logisch erscheinende Lösung für die Rose und das offene Tor. Ehe ich mich versehe, habe ich schon das alte Tor passiert und laufe geradewegs auf die zweite Reihe der Grabsteine zu. Das einzige Geräusch das nun zu hören ist, ist der Kies, welcher unter meinen Sohlen knirscht. Ein ungutes Gefühl, dass ich beobachtet werde, macht sich in mir breit. Doch ich beschließe es zu ignorieren. Ohne dass ich es bemerkt habe, ist es nun endgültig dunkel geworden. Verwundert über die plötzliche Finsternis ziehe ich mein Handy aus der Jackentaschen und aktiviere die inbegriffene Taschenlampe. Der warme Strahl erhellt den düsteren Weg und ich gehe nun schneller. Was mache ich hier eigentlich? Ist das nicht eigentlich Hausfriedensbruch? Doch es ist ohnehin zu spät zum umkehren. Ich biege ab, in die zweit vorderste Reihe, verlangsame aber nun meine Schritte. Dann stehe ich plötzlich vor dem besagten Grabstein. Ich nehme ihn nur kurz in Augenschein: Er ist über und über mit Moos bewachsen, so das ich die Inschrift nicht entziffern kann. Ich gehe in die Hocke und lasse den Strahl meiner Taschenlampe über die Rose schweifen, welche mitten vor dem Grabstein liegt.

Sie ist wunderschön. Sie schimmert im Licht der Taschenlampe leuchtend rot, mit kleinen glitzernde Tautröpfchen besprenkelt. Sie wirkt makellos, geradezu Perfekt. Doch sie hat ebenfalls eine düstere und unheilvolle Ausstrahlung. Irgendwas an ihr löst in mir ein Gefühl der Euphorie aus, doch gleichzeitig auch Unbehagen. Verwirrt über mein plötzliches Gefühlschaos richte ich meinen Blick auf den Grabstein. Aus der Nähe gelingt es mir nun, die Inschrift zu entziffern.

Ich spüre wie mir das Blut in den Adern gefriert, während ich die verschnörkelten Buchstaben überfliege. Da steht... mein Name! Doch nicht nur das, sondern auch noch mein Geburtsdatum, und das Todesdatum... Ich spüre wie mein Herz ein schlag aussetzt! Das Todesdatum ist der Heutige Tag, der 13.10. 2016....

Dann ertönt ein leises Knacken hinter mir....

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