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Ich liebe Menschen. Seit ewigen Zeiten hielten sie mich für den Gipfel von Heuchelei und Hinterlist, doch sie schaffen es immer wieder, mich darin zu übertreffen.

Sie haben ihn verehrt! Sie beteten zu ihm! Sie küssten den Boden auf dem er wandelte. Und nun wurde er ein Opfer von eifersüchtigen Fanatikern, die sich zu wenig beachtet fühlten und von der primitiven Blutgier des Pöbels. Ich stand neben seinem Richter, als er seine Hände wusch, ich stand daneben als der Mann, dessen größte Lehre Nächstenliebe war, von seinen Mitmenschen gequält wurde und als sie ihn durch die Straßen zerrten, bespuckten und demütigten. Ich stand daneben, als seine Mutter und seine Freunde, die ihm so bereitwillig gefolgt waren, tatenlos zusahen, wie er zur Stätte seiner Hinrichtung gepeitscht wurde. Doch die Menschen sahen mich nicht, fühlten mich nicht und hörten mich nicht. Und dabei verabscheuen sie mich doch angeblich so sehr! Sollten sie denn nicht die Nähe desjenigen spüren, den sie zu ihrem größten Feind erklärt haben?

Möglicherweise haben die Intelligenteren schon begriffen, dass ich in jedem von ihnen existiere und dass meine Präsenz ebenso natürlich ist wie Wind und Regen… insgeheim gefällt es ihnen sogar.

Doch um mich geht es ihnen in diesem Moment nicht. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf ihrem Opfer. Wie eine Schar wilder Tiere hat eine große Menschenmenge ihre Beute eingekreist, um sie auf einem staubigen Hügel zu Tode zu foltern. Einen Mann, den sie einst als lebendiges Wunder ansahen, wird nun an ein Holzkreuz gefesselt. Er ist kaum bekleidet und am ganzen Körper zerschunden und geschlagen. Man sollte meinen, dass sie spätestens jetzt Mitleid mit ihm bekommen hätten, doch niemand scheint auch nur die geringsten Gewissensbisse zu verspüren, immerhin haben sie seinen Tod lautstark gefordert.

Nun ist es endlich soweit. Mit einem Holzhammer treiben sie ihm rostige Nägel durch Handgelenke und Füße. Schmerzverzerrt schreit er auf: „Vergib ihnen Herr, sie wissen nicht was sie tun!“ Ich muss schmunzeln. Er spielt seine Rolle noch immer sehr gut! Schließlich wird das Kreuz aufgestellt. Über ihm hängt ein Schild, das ihn als König der Juden deklariert.

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ ruft er schmerzerfüllt, die Menge tobt und verhöhnt ihn. Ich spüre rauschende Freude in meiner Brust als der grausige Prozess der Kreuzigung beginnt:

Die Nägel durchstießen die mittleren Nerven seiner Gelenke, furchtbare Schmerzen sind die Konsequenz. Er müsste in diesem Moment das Gefühl haben, als würde eine Explosion von seinen Händen aus seinen Kopf sprengen. Seine Arme, die sein gesamtes Gewicht tragen beginnen durchzuhängen, was seine Qualen nur noch vergrößert. Um sie zu entlasten bleibt ihm nur die Möglichkeit sein Gewicht auf die Füße zu verlagern, so durchfährt der Schmerz abwechselnd seine Arme und Beine. Der Todeskampf bei dieser Hinrichtungsart kann Stunden, ja Tage dauern.

Und die Menge tobt noch immer, doch nun beginnen seine sogenannten Freunde zu weinen, sie wagen es nicht einzugreifen, denn sie fürchten, selbst gekreuzigt zu werden. „Mich dürstet!“ ruft der Mann am Kreuz nach einigen Stunden, tatsächlich erbarmt sich einer der Menschen und gibt ihm eine Lösung aus Essig zu trinken. Ich muss grinsen. Ihm ist sicher klar, dass das kein Akt der Gnade ist. Wer zum Tod am Kreuz verdammt wurde, wird immer Mal wieder dieses Essig-Getränk bekommen um zu verhindern, dass das Opfer verdurstet und um somit seinen Todeskampf zu verlängern. Und allmählich kann ich sehen, wie die Schmerzen den Körper des Heilands besiegen.

Krämpfe schütteln seinen Körper, Krämpfe die sich seit dem Moment an dem er ans Kreuz genagelt wurde verstärkt hatten. Seine überreizten Muskeln drückten auf sein Herz und seine Lunge. Seine Finger sehen unnatürlich verrenkt aus und seine Augen treten allmählich aus den Höhlen. Er beginnt zu keuchen und zu röcheln, seinem Gesichtsausdruck nach zu urteilen würde er nur zu gerne schreien, doch die Luft scheint sich zu weigern, seine Lunge zu verlassen. Roter Lebenssaft strömt durch die Löcher in seinen Füßen und Gelenken, doch er wird nicht verbluten, denn dafür haben seine Peiniger die Nägel zu gut platziert. Er wird einen ewig erscheinenden Todeskampf durchleben. Die grausamen Krämpfe bearbeiten seinen Körper ununterbrochen. Schließlich werden sie sein Herz, seinen Blutkreislauf und seine Lunge zuschnüren und er wird ersticken. Unter Qualen, die sich ein Sterblicher kaum vorstellen kann. Das Beste, was ihm passieren kann ist, dass er zuvor an einem Herzinfarkt stirbt.

Natürlich sind die Menschen noch weit von den medizinischen Kenntnissen entfernt um zu verstehen, was bei solch einer Tortur im Körper abläuft, aber dennoch… Ich muss den Römern Anerkennung zollen, denn sie haben die Kreuzigung perfektioniert. Sie brachten der Menschheit die schlimmste Art zu sterben.

„Es ist vollbracht!“ schreit der Mann am Kreuz. Höchst erstaunlich, dass er immer noch solch eine Lautstärke erreicht. Die Menge um ihn herum beginnt unruhig zu werden, denn eine ungewöhnliche Aura von Macht und Würde scheint von ihm auszugehen. Natürlich. In diesem Moment muss das Volk überzeugt werden. Die Menge beginnt ehrfürchtig und ängstlich zu flüstern „Vater…“ keucht der Gepeinigte ein letztes Mal, „in deine Hände lege ich meinen Geist!“ und nach dem kläglichen Versuch eines Schreis, hört sein Körper auf zu zucken. Der König der Juden ist tot.

Der Pöbel, der um das Kreuz herum steht verstummt und starrt die Leiche mit aufgerissenen Augen an. „Ich habe noch nie jemanden so sterben sehen!“ flüstert ein römischer Offizier in meiner Nähe, „wahrhaftig, dass ist der Sohn Gottes!“

Ich lache laut auf, als ich das höre. Ja, jetzt fürchten sie sich. Jetzt da sie merken, wen sie getötet haben. Zugegeben, es war ein ungewöhnlich kurzer Todeskampf für eine Kreuzigung, doch das macht die Angst vor der Rache ihres Schöpfers nicht geringer. Sie fürchten ihren Gott noch mehr, als sie mich fürchten und dennoch glauben sie, er wäre von Grund auf gütig und voller Liebe. Mein Lachen wird lauter und die Menschen hören es noch immer nicht.

Wenn sie wüssten, wie Recht sie damit haben, ihren Gott zu fürchten, wenn sie auch nur ahnten, wie falsch sie mit der Vorstellung lagen, ihr Gott sei gütig. Wenn sie nur wüssten, was für ein grausames, machtgieriges Monster er eigentlich ist.

Ich sehe noch einmal zur Leiche des Gekreuzigten. Jesus von Nazareth. Wie lange würde es dauern, bis er wieder aufersteht? Drei Tage? Fünf Tage? Vielleicht eine Woche? Im Grunde war es gleichgültig. Er würde von den Toten zurückkehren und aller Welt mitteilen, er wäre für ihre Sünden gestorben und hätte sich geopfert um die Menschheit mit ihrem Gott auszusöhnen. Und Gott wird mehr verehrt werden als jemals zuvor und hätte die Menschheit sicher auf seiner Seite.

Ich kichere. Ob die Menschheit jemals darauf kommen würde, wer dabei das wahre Opfer war? Einer seiner Jünger verriet den großen Erlöser. Ein Mann namens Judas Iskariot. Doch der Messias war keineswegs überrascht, im Gegenteil, ihm war klar, dass einer seiner Apostel ihn hintergehen würde, ihm war klar, dass derjenige Selbstmord begehen und zur Hölle fahren würde. Und er war durchaus bereit einen seiner angeblich besten Freunde zu opfern ohne mit der Wimper zu zucken. Nun gehört Judas mir und ich werde nicht zimperlich mit ihm umgehen.

Der Messias erlebte ein paar Stunden die schlimmsten Qualen, die ihm Menschen zufügen konnten, doch der Verräter wird bis in alle Ewigkeit die schlimmsten Qualen erleben, die Dämonen ihm zufügen können! Judas ist Derjenige, der für die Sünden der Menschen bezahlen musste, nicht Jesus! Trotzdem wird der Nazarener vielleicht Jahrtausende lang als Erlöser angebetet werden. Sein ‚Opfer‘ wird die Menschen zweifellos davon überzeugen, dass Gott durch und durch gütig und selbstlos ist.

Der Sohn Gottes war die größte, grausamste und widerlichste Propagandaaktion aller Zeiten. Dinge wie diese sind der Grund, warum ich meinen Feind so sehr respektiere.

Aber er hat einen großen Fehler gemacht. Er weiß genauso gut wie ich, dass das Böse im Menschen wächst, wenn er intelligenter wird. Gott unterschätzt seine Kreation maßlos aber ich weiß, welches Potenzial in ihr steckt. Eines Tages wird die Menschheit erkennen, was für eine grausame Bestie ihr Schöpfer ist, ich werde ihnen mit Freuden dabei helfen und dann werden sie sich wieder mir zuwenden. Der angeblich Allmächtige wird verstehen, dass sich seine gefährlichste Waffe gegen ihn gewandt hat.

Er war schon immer viel zu arrogant um seine Schwächen und die Stärken seiner Feinde zu erkennen. Er wird es erst viel zu spät merken und dann werde ich den ewigen Kampf für mich entscheiden. Ein für alle Mal. Ich lache lauter denn je. Seinen Sohn auf die Erde zu schicken wird sich als fataler Fehler herausstellen, sobald die Menschheit die Lügen dahinter versteht. Ich grinse noch einmal, bevor ich die Schädelhöhe verlasse auf der der Messias die schlimmste Art zu sterben erlitt.

NegativeRoot (Diskussion) 12:53, 26. Okt. 2014 (UTC)

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