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Da lag sie nun, ihres Bewusstseins beraubt und völlig entkräftet von meinen Medikamenten. Ihr Gesicht war so schön, dass es selbst mir die Tränen in die Augen trieb und stolz schaute ich auf ihre makellose Schönheit. Wenn sie aufwachen würde, wäre sie glücklich. Es gäbe keine Spur von der verzweifelten Frau, die mich als ihren letzten Ausweg gesehen hatte. Zufrieden legte ich meine blutverschmierten Instrumente vom Tisch und ging in mein Büro. Es dauerte noch, bis meine Patientin das Bewusstsein zurückerlangen würde.

In meinem Büro verschwand mein Stolz wieder, als ich den riesigen Stapel Papier auf meinem Tisch entdeckte. Eine schmerzhafte Erinnerung daran, dass ich meinen Kunden zur Perfektion helfen konnte, aber selbst diesen Zustand niemals erreichen würde. Es waren Briefe von Kunden, die sich über Nebenwirkungen beklagten. Manche davon waren völlig natürlich und verschwanden nach einiger Zeit von selbst, doch einige davon blieben mir ein Rätsel.

Die Zeitungen berichteten nicht gut über mich, was auch daran lag, dass die meisten meiner Patienten unter seltsamen Umständen den Tod fanden. Eine junge Frau hatte sich umgebracht, weil sie niemand aus ihrer Familie erkannte. Selbst ihr Ehemann schickte sie weg. Ich machte sie zu einer Fremden und schickte sie in den Tod, ohne es auch nur zu ahnen. Welches Schicksal diese Frau wohl ereilen mochte?

Sie war mein Meisterwerk, das Beste, was ich je geschaffen hatte. Sie sollte nicht so enden wie die anderen. Ich stand auf und ging wieder zu ihr. Sie lag immer noch bewusstlos auf dem Tisch. Ihr Gesicht war so rein und ohne jeglichen Fehler. Ich würde es nicht ertragen, dass meinem Kunstwerk etwas passieren könnte. Der Gedanke, wie es einfach am Boden zerschmettern würde, wenn sie von einer Brücke springt oder wie es nur zu einer blutigen Masse werden würde, wenn eine Kugel sich durch ihren Kopf bohrte, machten mir Angst.

Diese Frau sollte ihre Schönheit selbst im Tode noch behalten. Wieder nahm ich das Messer. Es war noch getränkt von ihrem Blut und ein paar Tropfen davon fielen auf den Boden. Vorsichtig setzte ich die Klinge an ihrem Herzen an. Ich holte aus und stach zu. Blut spritzte mir entgegen und ich hatte das Gefühl, die Vibrationen ihres schlagenden Herzens auf dem Griff zu spüren. Sie regte sich nicht, die Medikamente wirkten wohl immer noch. Meine Hand färbte sich rot und ich sah, wie langsam immer mehr das Leben aus ihrem Körper floss.

Ein weiteres Mal stach ich zu, dieses Mal in ihre Brust. Entschlossen zog ich die Klinge nach unten, weitete immer mehr ihre Wunden. Jetzt wusste ich, dass ihr Gesicht erhalten bleiben würde, so dachte ich für einen Moment. Bis ich sah, wie ihre Haut langsam an Farbe verlor. Auf ihren Hautton würde ich verzichten können, da er nur einen winzigen, zum Glück verzichtbaren, Unterschied in ihrer Perfektion machte. Es gab jedoch etwas, was ihre Schönheit zerstören konnte. Die Zeit. Die würde ihr irgendwann die Schönheit nehmen und zurück bliebe nur ein hässlicher Schädel.

Meine Panik wuchs und meine Hände zitterten nur noch mehr. Ohne es zu bemerken, hatte ich mir bereits die Säge genommen und setzte an ihrer Haut an. Wieder spritzte mir Blut entgegen, doch dieses Mal benetzte es mein Gesicht. Die Säge trennte ihre Knochen und ein knirschendes Knacken war zu hören, als ich sie aus ihrem Fleisch entfernte. Ihre Sehnen hingen blutig in Fäden herab und mit einem einzigen Ruck mit meinen Händen riss ich auch diese von ihrem Körper.

Endlich hatte ich es geschafft. Ihr Körper zuckte noch, was mir zeigte, dass ihr Leben langsam aus ihrem Körper floss und ihr Geist langsam nach oben wanderte. Zufrieden von meiner Arbeit ging ich dann wieder in mein Büro und erledigte den Rest. Die nächsten Tage waren wunderbar. Ich wurde immer besser. Lächelnd sah ich auf meinen Tisch. Ich war ein guter Arzt und die Menschen wussten meine Arbeit zu schätzen. Jeden Tag sah ich in ihre Gesichter, welche mich hinter kleinen Gläsern ansahen und mir sagten, was für ein guter Mensch ich doch war. Ich sagte doch, dass ich nur zufriedene Kunden hatte und das Problem mit den Nebenwirkungen hatte ich auch beseitigt.

Ich nahm eines der Gläser vom Tisch und ging damit auf meinen Schrank zu. Lächelnd stellte ich es in das Regal neben die anderen. Sie war einfach nur perfekt und würde es, genauso wie die anderen, immer sein.

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