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Ich starre auf die Mauer. Sie ist mit Graffiti beschmiert, die unleserlich verblassen; der Zahn der Zeit nagt schon lange an der Farbe. Die Seitengasse, in die ich mich geflüchtet habe, begrenzt den Bereich zum anderen Grundstück; ich kann es von meiner Position aus nicht einsehen, doch die gewaltigen Schornsteine, die sich dahinter erheben, lassen auf eine Fabrik schließen.
Die Schlote stoßen schon lange keinen Rauch mehr aus. Schwarz zeigen sie ihre Silhouetten, während hinter ihnen die Sonne brennend untergeht.

Ich verharre in der Hocke, an die hinter mir liegende Häuserwand gelehnt, und betrachte das Schauspiel. Schwermütig lasse ich den Kopf hängen.
Ich sacke zusammen und zerbreche in Ausweglosigkeit, glühende Tränen jagen über meine Wangen. Brennende Kälte lässt mich fröstelnd aufschreien und ich schluchze atemlos.

Bald ist nichts mehr übrig vom wärmenden Abendhimmel, und er ist der kalten Nacht gewichen. Ich blicke hinauf in diese Schwärze, die tausenden kalter Sterne ein Heim bietet.

Ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht und lege frische Schminke auf, dann begebe ich mich wieder an die Straßenecke und warte auf einen Freier.

Nach vier oder fünf Kunden beschließe ich den Heimweg anzutreten. Leer verliert sich das Geräusch meiner High-Heels in der unbeleuchteten Gasse. Es scheint, die Dunkelheit verschlingt mich gierig und wirkt verschwindend auf meine Existenz.

In mir haust eine benutzte Seele. Zerstört wurde sie von meinem Vater.
Ich habe mich damit abgefunden, benutzt zu werden.

Ich habe mein Ziel erreicht und öffne die Tür zu der kleinen Wohnung im ersten Stock.
Der Gebäudekomplex reiht sich trostlos in die Umgebung ein, wie sein Innenleben. Hier leben nur die Verlierer der Gesellschaft.

Hier wohnen Fixer und Dealer Tür an Tür, hier begegnen sich Vergewaltiger und Vergewaltigte.

Hier wohne ich.

Dreck 2

Müde lasse ich die Tür ins Schloss fallen und schließe ab.
Ich hänge meine Jacke an den Haken im Flur. Meine Mutter befindet sich im Wohnzimmer, liegt auf dem Sofa und schläft. Ich gebe ihr noch einen Kuss auf die Stirn und schalte den Fernseher ab.

Im Badezimmer angekommen entledige ich mich meines viel zu kurzen Kleides.

In der Duschkabine lasse ich das heiße Wasser über meinen Körper prasseln, habe nur mein Bett im Kopf. Dort kann ich für mich alleine sein.
Nachdem ich mich abgetrocknet und die Haare geföhnt habe, liege ich in meiner eigenen Bettwäsche, es ist keine Spur von einseitiger Liebe zu finden.

Ausgehöhlt kuschele ich mich in die weichen Federn, lasse noch den Blick aus dem Fenster schweifen.

Dann schlafe ich meinem sechzehnten Geburtstag entgegen.

Autor: Bloody_Tears_666

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