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Ich stehe hinter deinem Haus und blicke durch dein Fenster in deine Wohnung. Wie jeden Abend bemerkst du mich nicht, bist zu beschäftigt damit, dein Abendessen zu machen, fern zu sehen, mit Freunden zu chatten oder zu spielen. Dir fällt auch nicht auf, wie der blasse Mond meinen Schatten immer weiter verlängert, bis er in dein Zimmer hineinragt.

Irgendwann spät in der Nacht begibst du dich in dein Bett. Nun kann ich dir zusehen, wie du einschläfst und dein Atem immer gleichmäßiger wird. Manchmal berühre ich dann deine Fensterscheibe und kratze ein wenig über das Glas- nur um zu sehen, ob es dich weckt. Aber meistens bist du zu müde, um dies mitzubekommen. Zudem liebe ich es, dein schlafendes Gesicht anzusehen, mir vorzustellen, wie ich mich Zentimeter für Zentimeter an dich heranschleiche, bis ich deinen Atem auf meinem Gesicht spüren kann. Wie sehr sehne ich mich danach, mit meinen Lippen die deinen zu berühren, doch dies würde dir nur zu Bewusstsein bringen, dass ich da bin.

Daher bleibe ich wo ich bin, neige mich nur hin und wieder ein wenig hin und her, um dich ab und an aus einer etwas veränderten Perspektive sehen zu können. Ansonsten bleibe ich den Rest der Nacht, wo ich bin.

Warum mich noch niemand entdeckt hat, fragst du dich jetzt? Es ist ganz einfach, ich will es dir beschreiben:

Im Schatten der umliegenden Häuser grabe ich meine nackten Füße tief in die bloße Erde. Die linke Hand umschließt das silberne Pentagramm um meinen Hals, welches ich mit meinem eigenen Blut meinen Göttern geweiht habe. Die Rechte reckt sich hoch hinaus in den Himmel, meine Finger spreizen sich, als ich die Worte spreche: „Anguin sarthras chagoth fyrin playun“

Eine Veränderung geht mit mir vor. Meine Haut wird immer dicker, sie trocknet in Sekundenschnelle fast gänzlich aus und wird dann rissig. Meine Zehen, immer noch in die Erde gekrallt, fangen an länger und dünner zu werden, während auch der Rest meines Körpers sich reckt und dicker wird. Die zum Himmel gerichtete Rechte verlängert sich ebenso. Der Prozess ist unangenehm bis schmerzhaft, ich spüre, wie mein Körper seine gewohnte Gestalt verliert und dies sorgt dafür, dass sich mein Atem und mein Herzschlag enorm verschnellern.

Dann, als mein Körper gänzlich mit der neuen, rissigen und trockenen Haut überzogen ist und meinen alten Körper somit in seine neue Form zwingt, beginnt die Kälte des Bodens durch meine Fußsohlen hindurch in mir hoch zukriechen. Die Kälte lässt mich vollends erstarren und mit einem letzten entsetzen Atemzug wird mein Gesicht von einer dicken Hautschicht umschlossen.

Es gibt einen kurzen Augenblick, an dem ich Angst habe zu ersticken, doch bevor ich tatsächlich so etwas wie Atemnot spüre, merke ich, wie mein Blut urplötzlich in den Boden schießt und noch im selben Augenblick durch etwas anderes ersetzt wird. Diese Flüssigkeit fühlt sich an als würde man Luft trinken. Es gibt keine Hohlräume mehr in meinem Körper, alles ist erstarrt und fest, doch gleichzeitig behalte ich meine gewohnten Sinne. Ich kann sehen, ich kann hören, riechen und schmecken. Womit, frage ich mich, denn mein Körper besitzt keine erkennbaren Sinnesorgane mehr.

Meine Haut färbt sich nach und nach sehr viel dunkler, bis sie schließlich das satte Braun einer Baumrinde erreicht hat. Aus meinen ehemaligen Fingern sprießen nun Blätter und ein Beobachter sieht in mir nur einen Baum, der auf gut anderthalb Meter eine Verzweigung aufweist, deren linke Seite jedoch abgesägt wurde und bereits verheilt ist.

Auch für dich bin ich nur der Baum hinter deinem Haus...

TreeShape

Dungeons and Dragons, Players Handbook, p. 296

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